7.700 Zuschauer Freitagabend gegen Rostock, 7.500 Zuschauer an einem Sonntag um 15 Uhr gegen Oldenburg. Damit 1.200 weniger als parallel bei den Füchsen gegen den Tabellenletzten. Ein bislang mieser Vorverkauf für das Do-or-die-Spiel gegen Málaga und über die Zuschauerzahl gegen Bonn an einem Montag möchte ich lieber noch gar nicht nachdenken.
Nach 9.600, 12.200 & 9.200 Zuschauern in den ersten drei Ligaspielen kommt diese Entwicklung für mich nicht überraschend.
Sportlich wirkt der Club in dieser Saison leider wenig ambitioniert. Das merken die Leute.
Der Kader ist einfach schlecht zusammengestellt. Ellis, den man „vor der Saison als Schlüsselspieler eingeplant“ (Calles, 18.02.) hat, gibt man nach nur wenigen Wochen wieder ab, eine adäquate Nachverpflichtung gelingt nicht und man „verstärkt“ den Kader mit einem Spieler am Ende der Rotation, der wohl auch bei keinem anderen BBL-Team eine größere Rolle inne hätte und zudem auch eine andere Position spielt.
Man verpflichtet mit Echodas einen Spieler während seiner Reha, der laut litauischen Medien ALBAs teuerste Importverpflichtung des Sommers war, in den erste drei Monaten gar nicht einsetzbar war und sich auch danach als komplettes Missverständnis entpuppte. Die Trennung war zwar folgerichtig, aber es passt zu ALBAs sportlichen Führung, dass man diesen Abgang mit einem Spieler kompensiert, der erst dann zum Team stößt, wenn die beiden größten Titelchancen wahrscheinlich bereits vergeben sind.
Als Sahnehaube darf man einem Bennet Hundt zuschauen, den ich menschlich zwar sehr mag, der aber sportlich nichts in einem Kader von ALBA Berlin zu suchen hat. So ehrlich muss man sein. In seinen 20 BBL-Einsätzen mit 10 Minuten im Schnitt kommt er durchschnittlich auf einen Effizienzwert von 2,5 und einem Plusminus von minus (!) 1,4. Wohlgemerkt beim Tabellenzweiten.
Sein Netrating liegt bei -9,3.
Ich glaube man hat selber nicht gedacht, dass er so viel spielen muss. Aber wenn man ihn als Backup für Ellis einplant, diesen abgibt, nicht positionsgetreu ersetzt und die verbleibende Alternative Martin Hermannsson heißt, dann kann man sich halt auch nicht beschweren.
Apropos Hermannsson. Auch wenn er ein Publikumsliebling ist, hoffe ich doch sehr, dass das Kapitel ALBA für ihn im Sommer endgültig beendet ist.
Für das Gesamtpaket und die Rolle, die er in diesem Team einnehmen müsste mangels Qualität, ist er einfach zu teuer und zu selten einsatzfähig. Dass er sich auf einen Vertrag zu deutlich reduzierten Bezügen einlässt, glaube ich nicht, nachdem er im letzten Sommer ja bereits weg wollte und anscheinend kein Angebot seinen Vorstellungen entsprach.
Für einen ALBA-Sympathisanten oder Berliner Sportsfreund sehe ich aktuell sehr wenig Argumente, wieso jemand 30 Euro für ein Ticket ausgeben sollte. Das Team gibt es nicht her, das Talentlevel gibt es nicht her, die meisten Gegner in der BBL geben es nicht her, wenn man sich an die EuroLeague gewöhnt hat und auch die Experience in der Uber Arena mit den kaputten Sitzen, tropfenden Pissoirs und geschlossenen Verpflegungsbuden ist nichts, womit man argumentieren könnte.
Die heutige Niederlage habe ich fast schon gleichgültig mit einem Kopfschütteln hingenommen.
Dass es heute keinen Albatros in der Halle gab, passte am Ende zur Gesamtsituation. Böse Zungen würden behaupten, dass man bei ALBA jetzt sogar schon am Maskottchen sparen muss.
Stichwort Vogel: die beiden armen Tauben, die sich unter das Arenadach verirrt haben, haben mich zeitweise mehr beschäftigt als dieses Spiel.
ABER:
Es nützt ja nichts.
Hoffen wir, dass Martin seine Wehwehchen bis Mittwoch wieder in den Griff bekommt und sollte man Málaga irgendwie schlagen, bin ich der erste bzw. sicherlich nach Thomas eher der zweite, der seinen Flug nach Málaga bucht.