Euroleague - Talkrunde 24/25: Zwischenfazit I - Teil II
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Euroleague - Talkrunde 24/25: Zwischenfazit I - Teil II
4. Was ist die größte Baustelle bisher gewesen?
- ALBA Berlin
Barack_Alabama: Ich entscheide mich für das Offensichtliche: Der Kader! Ja, die Verletzungen haben natürlich gar nicht geholfen, aber das Team in der Zusammenstellung war auch absolut nicht in der Lage, da etwas abzufedern.
StillerMitleser 0: Ich bin beim Trainer angelangt. Ich war auch immer der Meinung, dass ein Trainer aus einem VW Käfer keinen Ferrari zaubern kann, vor allem wenn man in München Trinchieri und Laso gesehen hat, die durchaus international angesehene Coaches sind. Aber was Gordie da bisher aus dem Hut zaubert mit einer sehr ähnlichen (oder womöglich sogar schwächeren Truppe) als ein Pablo Laso, ist schon beeindruckend. Daher glaube ich, dass in Berlin ein neuer Trainer mit neuen Impulsen und besserem Ingame-Coaching deutlich mehr aus dem „Rumpfteam Alba herausholen könnte.
Junes: Natürlich ist die Defensive ein Problem, aber die Offensive ist noch so viel schwächer, dass man an 9/10 Tagen die Spiele verlieren würde, selbst wenn man gute Defense spielt. In keinem Spiel konnte man den Gegner unter 78 Punkten halten, scorte aber auch selbst nur fünf Mal über 78 Punkte. Natürlich hat Alba großes Pech mit den Verletzungen gehabt, allerdings hat man in den drei Spielen seitdem auch 92 Punkte im Schnitt erzielt, allerdings auch 105 kassiert. Kein wirklich signifikanter Unterschied zu den 8 Spielen zuvor, wo man im Schnitt 73 zu 85 verlor.
Wasbro: Dem Team fehlt ein Big, der sich unter dem Korb auch gegen die Riesen in der EL durchsetzen kann. So ein Spieler würde das Spiel auf beiden Seiten des Feldes verändern.
FitzRoyal: Was war bisher denn keine Baustelle? Ins Auge sticht natürlich sofort die Offensive, das bisherige Offensive Rating von 103,1 ist der schlechteste Wert in der EL seit - wer hätte es gedacht - Khimki in 20/21. Hier kann man hoffen, dass nach Rückkehr der Verletzten sich mehr Automatismen bilden, die dann zu besserem offensiven Output führen.
ansusay: Im Augenblick sehe ich auch nur Schwächen.
- FC Bayern Basketball
ansusay: Bei den Bayern gibt’s doch keine Schwächen.
Barack_Alabama: Da, wo der Kader dünn ist, verletzen sich dann mit Lucic und Giffey zwei Spieler - das ist ärgerlich. Bislang aber gut aufgefangen von Kharchenkov und Line-Ups mit drei Guards, dazu kommt jetzt Bitim.
StillerMitleser 0: Für mich ist es immer noch die Center-Position. Alles steht und fällt mit Booker. Auch wenn Harris wirklich sehr respektable Minuten geht in der EL und sich wirklich voll reinhaut, ist spätestens mit einer Verletzung von Booker der Ofen aus bei uns. Ich verstehe, dass EL-taugliche Center nicht auf Bäumen wachsen, verstehe ich umso weniger, warum Branko nicht wenigstens in der BBL regelmäßig viele Minuten gehen darf und er so in das Team bzw. Gordies Spielidee integriert wird.
FitzRoyal: Dass Ausfälle bisher kein Thema waren, würde ich nicht so sehen, schließlich kommen die beiden 3er im Kader bisher auf einen (Giffey) bzw. zwei Einsätze (Lucic) in der EL. Das konnte überraschend gut aufgefangen werden und Verletzungen sind nun mal Teil des Businesses. Bezüglich Booker bin ich bei Stiller Mitleser, seinen Ausfall könnte Bayern nicht kompensieren. Ich nenne mal die schwachen Starts in etliche Auswärtsspiele, als man Mitte des 1. Viertels bereits zweistellig hinten lag. Wäre man da konzentrierter zu Werke gegangen, hätte man bei Pana und insbesondere bei Partizan hinten raus eine realistische Siegchance gehabt.
Junes: Die Defensive ist ein Problem, aber die Offensive ist so gut, dass man das oft genug trotzdem eine Siegchance hat. Problematisch ist dagegen, dass die Rotation so gut wie keine Tiefe hat. Man hat 7 Spieler, die 17 Minuten oder mehr im Schnitt spielen, insgesamt 166 der 200 Minuten spielen. Ausfälle sind noch kein Thema, sollten sie aber ein Thema werden, wird es erst so richtig spannend.
Wasbro: Die kleine Rotation könnte sich irgendwann rächen. Aber mit der Verpflichtung von Bitim werden sich die Spielzeiten verändern. Lucics Rückkehr wurde ja auch schon in Aussicht gestellt. Vielleicht fasst Herbert ja auch irgendwann Vertrauen zu Yebo, Madar und Brankovic.
5. Was ist die größte Stärke bisher gewesen?
- ALBA BerlinFitzRoyal: Der Hustle des Teams. Bislang lässt sich das Team von den vielen Niederlagen (noch) nicht brechen und der Sieg gegen Milano war etwas ganz Besonderes angesichts der Umstände. Von diesem Abend dürfte Alba hoffentlich noch etwas zehren.
Wasbro: Der Kampfgeist des verbliebenen Teams - wie schon in den Jahren zuvor, konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Spieler mit jedem neuen Verletzten enger zusammenrücken und jeder sein Bestes gibt, um dem Team zu helfen.
Barack_Alabama: Man sagt ja, Rebounding ist Einstellungssache. Deswegen spiegeln die 36,1 Bretter im Schnitt eigentlich gut wider, dass die Mannschaft, bei allen Problemen, die sie hat, irgendwo intakt ist. Ein gutes Zeichen der Hoffnung für ALBA-Fans angesichts des miesen Saisonstarts sowohl in BBL als auch EuroLeague.
StillerMitleser 0: Albas Jugend. Es ist schon beeindruckend, wer da alles aus dem Hut gezaubert wird (Dörries, Anton, Grosber) und sich voll reinhängt, als hätten die bisher nur für diese eine Chance gelebt. Manche Jugendspieler sind da eher zurückhaltend, aber die geben gleich direkt Vollgas. Schön zu sehen. Mit „Albas Jugend meine ich aber auch genauso die bereits etablierten Spieler aus der Jugend wie Schneider und Delow oder Mattisseck, die seit Jahren schon wichtige Kaderplätze besetzen.
Junes: Die Hoffnung war da, dass Trevion Williams in die Fußstapfen von Luke Sikma treten kann und diese war berechtigt, im guten wie im schlechten Sinne. Williams liefert ein exzellentes Playmaking auf der Big-Man-Position und findet in schöner Regelmäßigkeit seine cuttenden Teamkollegen. Defensiv kann er zwar noch nicht in die Fußstapfen seines Landesmannes treten, doch er bringt ein schmerzlich vermisst es Element zurück in die Hauptstadt.
ansusay: Hier kann ich mich euch nur anschließen. Ich bekomme gerade wieder etwas Mut

- FC Bayern Basketball
Junes: Carsen Edwards, oft als freies Radikal im Team bezeichnet, liefert er aktuell auf MVP-Niveau ab. 56% Zweier, 36% Dreier bei 8 Versuchen sind herausragende Werte, Bayerns Run hängt vor allem an Edwards und seinem erfolgreichen Spiel. Natürlich gebürt auch Herbert ein Lob für den erfolgreichen Start, aber dieser Spielstil kann ihm auch auf die Füße fallen wie Laso letztes Jahr, als er viel Kritik dafür bekam, dass Edwards so viel Vertrauen und Freiheiten bekam. Jetzt hat er noch mehr Freiheiten, wie nachhaltig Edwards Spielstil ist, wird man erst noch sehen müssen. Ein richtiges Tief hatte die Mannschaft bisher nicht, auch wenn das Spiel beim MBC einen kleinen Vorgeschmack gab.Barack_Alabama: Carsen Edwards, aber als Symptom: 3,1 Assists spielt er dieses Jahr, oftmals Pässe, die im Kopf bleiben. Das zeigt, dass Edwards zwar natürlich unfassbar viel scort und Würfe nimmt, aber dabei trotzdem den Blick für den freien Mitspieler hat. Das bedeutet für mich auch: Gordon Herbert hat es geschafft, dass das Team seiner Leitung folgt; dass man den Erfolg will, aber als Team. Die Münchener spielen, trotz herausragender Einzelspieler, als Mannschaft zusammen. Gutes Zeichen für die Bayern.
StillerMitleser 0: Die Teamchemie. @Barack_Alabama hat es perfekt formuliert. Die Spieler haben zusammen Spaß auf dem Feld und das sieht man und das überträgt sich auch auf die Zuschauer. Daran hat Gordie 100% einen sehr großen Anteil, denn sowas sieht man nicht allzu häufig (hust Aito bei Alba). Und auch wenn mal einer einen „schlechteren Tag oder Phase hat, wie beispielsweise Obst, kriegt er trotzdem weiterhin die Bälle und irgendwann explodiert er.
FitzRoyal: Edwards und Napier. Es war klar, dass es für Bayern in der EL genau so weit gehen würde, wie die beiden Amis das Team tragen. Bisher liefern beide exzellente Performances ab und Bayern steht entsprechend gut da. Insbesondere bei Edwards freut mich das sehr, da ich die Kritik an ihm letzte Saison vielfach too much fand. Laso hat es schlichtweg nicht geschafft, Edwards so einzusetzen und seine Stärken zu nutzen, wie es Gordie jetzt tut. Einer der vielen Fehler von Laso letzte Saison (dass er Probleme mit solchen Spielertypen hat, sieht man auch diese Saison wieder sehr gut mit Markus Howard).
ansusay: Ein gut funktionierendes Team mit viel Selbstvertrauen.
Wasbro: Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten - das komplette Team strotzt nur so vor Selbstvertrauen. Bei Andi Obst zum Beispiel lief es lange nicht wie gewünscht, aber er hat weiter geworfen und sich nicht aus dem Konzept bringen lassen. Nun gegen Barca auch in der EL die Leistungsexplosion.
6. Wer ist euer way-too-early Team-MVP?
- ALBA BerlinJunes: Leadership, Scoring, Playmaking, Intensität, Energie, alles findet man bisher bei Martin Hermannsson, wenn er auf dem Feld steht. Allerdings steht er da bisher auch ziemlich alleine dar, dass er nach 2 schwierigen Jahren in Valencia und Berlin nochmal so dominant auftritt, hätte wohl kaum einer erwartet.
Wasbro: Martin Hermannsson - er prägt das Spiel von Alba wie kein anderer, wenn er auf dem Parkett steht.
Barack_Alabama: Martin Hermannsson.
StillerMitleser 0: Martin Hermannsson. Glasklare Sache für mich.
FitzRoyal: Ohne Zweifel Hermannsson.
ansusay: Da kann ich nicht widersprechen.
- FC Bayern Basketball
ansusay: Wie heißt er noch gleich? Der, der die unmöglichsten Dreier aus allen Lagen und in Serie trifft?
FitzRoyal: Carsen Edwards. Als er im Eurohoops-Ranking nach Spieltag 7 auf #1 gesetzt wurde, hat das vielfach Stirnrunzeln ausgelöst. In den vier Spielen seitdem hat Edwards seinen Output sogar nochmal verbessert (25 Punkte, 56% 2er, 41% 3er). Seine Stats sind in der Tat MVP-würdig bislang und ich halte es mittlerweile für gut möglich, dass Edwards am Saisonende die Alphonso-Ford-Trophy für den besten Scorer gewinnen wird. Schafft Bayern mindestens das Play-In, dürfte das auch für die Wahl in eines der All-Euroleague-Teams reichen.
Wasbro: Carsen Edwards - er ist im Moment in wirklich beeindruckender Form und vor allem sehr stabil. Das hätte ich vor der Saison nicht gedacht. Letzte Saison habe ich mir oft gewünscht, dass Laso ihn bitte auswechselt. Diese Saison sehe ich ihm sehr gerne zu und freue mich, wenn er spielt.
StillerMitleser 0: Devin Booker. Es gibt bessere Spieler, die auch Dinge besser machen als er (bspw. Defensive spielen), aber ohne Booker fällt das ganze Kartenhaus zusammen. Auch wenn es sehr schwer wäre einen Weiler-Babb oder Edwards zu ersetzen, könnte das theoretisch vom Team aufgefangen werden. Einen Booker mit dem aktuellen Kader zu ersetzen, ist für mich schlicht unmöglich. Weder Harris noch Branko oder gar ein Voigtmann / Da Silva / Yebo könnten ihn als Center ersetzen. Daher geh ich heute nochmal in die umliegenden Kirchen und zünde für Booker nochmal ein paar Kerzen an. Hoffentlich bleibt er gesund.
Barack_Alabama: Gordon Herbert. Ein Team, dessen Grundpfeiler dieselben sind, aber das unter Pablo Laso stellenweise nur mit viel gutem Willen anzuschauen war, auf Links gedreht und in eine Truppe verwandelt, die einfach Spaß macht? Check. Bislang den Sprung zum EuroLeague-Trainer bravourös geschafft? Check. Es sogar geschafft, dass Berliner im FCB-Thread bei SD neidlos und positiv von den Bayern schreiben? Check.
Junes: Es gibt viele Möglichkeiten, Nick Weiler-Babb, ohne Devin Booker würde man deutlich weiter unten stehen, aber ganz oben steht für mich Mr. Momentum, Shabazz Napier. Wann immer man einen Korberfolg braucht, um den Run vom Gegner zu unterbrechen oder selbst ein Erfolgserlebnis braucht, Napier ist da und liefert und das mit einer gefühlten Leichtigkeit, dass es fast schon gruselig ist. Und das obwohl er nicht die große, dominante Rolle hat, die man hätte erwarten können.
Danke an ansusay, Barack_Alabama, FitzRoyal, Stiller Mitleser 0 und Wasbro!