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50 Jahre SC Rist...mit Alexander Seggelke

TheBloob am 17.05.2018 um 16:45

Wedeler Basketball-Geschichte und -Geschichten: Anlässlich des 50-jährigen Vereinsjubiläums sprechen in unserer Artikelreihe Rist-Persönlichkeiten über ihren Klub, ihre Karriere und mehr.

Den SC Rist hat Alexander Seggelke immer bei sich. „In meinem Portemonnaie habe ich ein altes Mannschaftsfoto“, sagt er und muss lachen. „Das ist fast nicht mehr zu sehen. Das war damals die A-Jugend mit Torben Hansen. Die Truppe mit Marvin Willoughby, Zoran Krezic, Christian Kurth, Fabian Lauer, Thomas Möller, Tim Friedland – diese Truppe. Das Foto habe ich tatsächlich immer noch im Portemonnaie. Als ich letztes Mal in Wedel war, habe ich mit Torben Hansen noch lange in der Kabine gesessen und ein Bierchen getrunken. Da habe ich das Foto herausgeholt und wir haben darüber gelacht. Im nächsten Jahr könnten wir alle mit der Truppe in der Ü40 spielen“, erzählt Seggelke.

Beim Basketball war er immer Ali. Kurz und knapp. A wie Athletik, L wie Leistung, I wie Intelligenz. Alles Attribute, die ihm eine Karriere mit 152 Bundesligaspielen, Europapokaleinsätzen und Erfolgen bei der Universiade, den Olympischen Spielen der Studenten, ermöglichten – um nur einige Stichpunkte aufzuzählen. Wie so viele andere Basketballgrößen, die beim SC Rist lernten, war Seggelke zunächst und zeitweise gleichzeitig auch in einer anderen Sportart aktiv. Leichtathletik nämlich. Am JRG fiel er dann dem geschulten Auge der Sportlehrer auf: „Wenn man aufs Johann-Rist-Gymnasium als großer Junge mit Bewegungstalent kam, war das irgendwie naheliegend. Man hat Lehrer wie Bernd Hainzinger im Sportunterricht gehabt. Die haben einen gesehen und gesagt: ‚Es gibt da jemanden in der C-Jugend, der heißt Frank Hoffmann, geh da mal hin, stell Dich mal vor.‘ Zu der Zeit war ich noch ein ganz passabler Leichtathlet“, so Seggelke. „Ich war an so einem Scheideweg. Zu dem Zeitpunkt musste ich zu Wettkämpfen wie den Landesmeisterschaften immer alleine hinfahren. Die ganzen Freunde aus der Schule haben da schon alle Basketball gespielt. Ich war dann auch immer auf dem ‚roten Platz‘. Das war damals unser Basketball-Mekka: Wir sind jeden Nachmittag auf den ‚roten Platz‘ gegangen und haben gezockt“, erinnert er sich. Irgendwann musste die Leichtathletik dran glauben. Beim SC Rist wuchsen neben Seggelke, damals Ende der 1990er Jahre, andere große Talente heran: Die Jahrgänge 78/79/80 brachten Spieler wie Cecil Egwuatu, Markus Holle und die angesprochenen Willoughy und Krezic hervor. 1997 wurde Seggelke mit der Wedeler A-Jugend Dritter bei den in Berlin ausgetragenen Deutschen Meisterschaften.

Aber der heute 38-Jährige sagt: „Das Bedürfnis, Profi zu werden, hatte ich nie.“ 1998 schaffte er den Sprung zu den 1. Herren in die 2. Bundesliga. Sein Talent war nicht zu übersehen: Sprungkraft, eine gute technische Ausbildung, ein starker Wurf, Schnelligkeit und geschmeidige Bewegungen. Bei fast zwei Metern Körpergröße nicht die schlechtesten Voraussetzungen. „Basketball hat einfach super Spaß gemacht. Und ich habe mich in Wedel wohl gefühlt. Natürlich hatten wir einen Leistungsanspruch, aber nicht den großen Druck“, sagt er. Wenn ein Talent Anfang 20 einen Zweitligisten mit 23 Punkten pro Spiel anführt, so wie es Seggelke in der Saison 2001/02 beim SC Rist tat, dann ist es nur logisch, dass die Angebote kommen. Zumal die 1. Herren 2002 aus finanziellen Gründen aus der 2. Bundesliga zurückgezogen wurden. Seine Wahl fiel auf Rhöndorf: „Das werde ich nie vergessen. Ich habe meinen Freunden gesagt: ‚Ich werde mal ein Jahr weggehen, dann komme ich wieder.‘ Bis heute bin ich nicht zurückgekommen“, so Seggelke. Wie beim SC Rist lag sein Punkteschnitt in Rhöndorf über 20, danach wollte er sich in der Bundesliga versuchen, nahm zur Saison 2003/04 ein Angebot von Rekordmeister Bayer Leverkusen an. „Da saß ich auf einmal mit Leuten wie Carl Brown, Demond Greene und Denis Wucherer in der Kabine. Das waren echte Namen. Der Wechsel nach Leverkusen war schon ein enormer Schritt“, sagt er. „Da hat sich alles in Richtung Basketball fokussiert, ich habe etwas Lehrgeld bezahlen müssen. Nicht athletisch, nicht physisch, aber in Sachen Spielverständnis.“ Jetzt war Basketball sein Beruf. „Das Verständnis, Profi zu sein, habe ich erst so richtig in Leverkusen ausgebildet. Profi zu sein heißt, auf vieles zu verzichten, auf sich zu achten, viel unterwegs zu sein und früh zu lernen, diszipliniert zu sein“, erläutert Seggelke. Ist das ein Traumberuf? „Ich kann verstehen, dass man das von außen vielleicht so wahrnimmt. Aber das ist alles nicht die Realität, man ist fremdbestimmt, der Terminkalender ist vorgegeben, man hat zu funktionieren. Man ist Saisonarbeiter, hat Ein- oder Zweijahresverträge, der Körper muss funktionieren und die Statistiken müssen stimmen“, sieht er das Basketballgeschäft mit kritischen Augen. Doch, so betont er andererseits: „Man bekommt auch vieles ermöglicht: Die Reisen, die Orte, die man sieht. Und Sport zum Beruf zu machen, ist immer etwas Schönes“, so Seggelke.

Er hat die Maschinerie des Berufssports immer kritisch hinterfragt – und Basketball nie des Geldes wegen gespielt, wie der Flügelspieler nach seinem Karriereende 2011 betonte. Was für ihn beim SC Rist galt, sollte auch in seiner Profizeit gelten: Spaß am Basketball! Nach seinem Jahr in Leverkusen habe er sich die Frage gestellt: „Höre ich ganz mit Basketball auf?“ Die veränderte Ausländerregelung eröffnete den Bundesligisten auf dem Transfermarkt neue Möglichkeiten. „Ich hatte keine Lust auf ein Reservistendasein“, erinnert sich Seggelke. Den Gedanken ans Karriereende verwarf er und wechselte nach Jena in die zweite Liga. Ein Volltreffer. „Abgesehen von Wedel, denn das ist Heimat, war Jena menschlich die schönste Station“, sagt er. „Bis heute bin ich regelmäßig bei Freunden in Jena und auch bei Spielen.“ Es passte. Mit Björn Harmsen – damals noch nicht mal 25 Jahre alt – habe er dort „einen enorm guten Coach“ gehabt, so Seggelke. Er wurde sofort Leistungsträger der Thüringer – auch in der Saison 2006/07. Ein Glanzjahr. „Ich habe gute Quoten geworfen, als Kapitän in wichtigen Spielen auch verbal den Ton angegeben. Und wir sind überraschend aufgestiegen“, blickt er zurück. 17 Punkte – um nur einen statistischen Wert zu nennen – trug er im Schnitt zum Aufstieg bei, mehr als jeder seiner Mannschaftskollegen. Das war noch nicht alles: Seggelke wurde als Zweitligaspieler des Jahres ausgezeichnet. Auch in der ersten Liga zählte er zu Jenas Führungsspielern und wurde 2008 zum All-Star-Game der Bundesliga eingeladen. Den Klassenerhalt verpasste er mit den Thüringern allerdings. Seggelke blieb und gehörte in der Saison 2008/09 in der mittlerweile eingeführten 2. Basketball-Bundesliga ProA zu den besten Akteuren – in der eigenen Mannschaften und ligaweit.

Doch die Bundesliga lockte noch mal. Quakenbrück bot einen Zweijahresvertrag, er nahm die Herausforderung an. „Reines Profitum, reines Leben für den Basketball“ wurden seine beiden Jahre in der niedersächsischen Kleinstadt, sagt er. Mit dem Vordringen ins Playoff-Halbfinale im Frühjahr 2011 und mit Einsätzen im Europapokal. Und dann: Schluss. Dass einem der Alltag als Berufsbasketballspieler immer vorgegeben gewesen sei, habe ihn irgendwann eingeengt. „Bis 35, 36 hätte ich vielleicht noch drei Mark mit Basketball verdienen können“, blickt Seggelke auf sein Karriereende mit dem Abschluss der Saison 2010/11 zurück. Nun sollte etwas Anderes kommen, „als Trainer oder Ähnliches wollte ich nicht in dem Zirkus bleiben“, meint er. Nach einem ausgedehnten Urlaub nahm er ein Biologie-Studium auf. Seit 2016 ist Seggelke in Berlin als Geschäftsführer des Deutschen Angelfischerverbandes tätig. „Viel Lobbyarbeit, viel politische Arbeit“, sagt er, gehöre zu seinem Berufsalltag. Schriftverkehr, Kontakt zu Ministerien, zu deutschen und EU-Behörden bringe seine Arbeit mit.

Und Basketball? Er verspüre keinen den Drang, wieder zu spielen, so Seggelke. Wäre er nach Wedel zurückgezogen, wäre er wohl beim „Gelben Ballett“ gelandet, sagt er. Natürlich habe er etwa durch Freundschaften, die während seiner Karriere entstanden, noch Kontakt zum Basketball, aber regelmäßig spielen? Nein, das nicht. Mit der Wedeler Ü35 wurde er gleichwohl 2016 deutscher Meister: „Das war etwas Nostalgisches“, betont er. Noch mal mit den Spielern auf dem Feld stehen, von denen er damals in seinen ersten Zweitligajahren lernte. „Wedel zieht auch irgendwie wie ein Magnet. Der SC Rist ist eine große Familie. So ein Phänomen, so einen Zusammenhalt habe ich auf meinen Rundreisen in dieser Art nie wieder gehabt: Mit all den Helfern, die ihren Teil dazu beitragen, mit dem schmalen Budget, das man eigentlich immer hatte, trotzdem eine konkurrenzfähige Mannschaft auf die Beine zu stellen und auf diesem Niveau zu halten, finde ich sehr erstaunlich. Es ist für mich immer auch Heimat, in Wedel hat man immer so etwas wie eine Wohlfühlatmosphäre, wenn man in die Halle kommt. Mir ging das früher so, mir geht das auch heute noch so“, sagt Seggelke.

Wedel ist Heimat, doch der Basketball hat ihm auch Reisen in die „große weite Welt“ ermöglicht. Stephan Völkel, damals Trainer beim SC Rist, brachte Seggelke einst bei der A2-Nationalmannschaft ins Gespräch. „Das ging auch viel über Vitamin B. Dann hatte ich einen Fuß in der Tür“, erinnerte sich Seggelke. „Ich hatte das Glück, dass Bundestrainer Bernd Röder meine Spielweise mochte.“ Seggelke fuhr mit der A2-Nationalmannschaft unter anderem 2001 zur Universiade nach Peking. „Es war ein Riesengeschenk, das erleben zu dürfen. Ein Wahnsinnserlebnis“, schwärmt er noch heute. Die chinesischen Gastgeber klotzten, von einem Athleten, der ein Jahr zuvor an den Olympischen Sommerspielen in Sydney teilgenommen hatte, hörte Seggelke, dass die Weltspiele der Studenten in Peking noch pompöser seien als das, was in Sydney aufgefahren wurde. Sich mit Sportlern aus aller Welt zu unterhalten, Trikots zu tauschen und die Atmosphäre des Großereignisses zu spüren, sei eine faszinierende Zeit gewesen, blickt er zurück. Zumal es auch sportlich vortrefflich lief. Seggelke stand für die DBB-Auswahl regelmäßig in der „ersten Fünf“ und stieß mit der Mannschaft ins Halbfinale vor. „Da haben wir ganz bitter mit einem Punkt gegen Jugoslawien verloren, das im Endspiel dann China mit 40 geschlagen hat“, sagt er. Vier Jahre später gehörte er abermals zum deutschen Universiade-Kader – diesmal im türkischen Izmir. Basketball spielen und die Welt bereisen – nicht immer ein Traumberuf, manchmal aber doch ganz nett.


Pressemitteilung: SC Rist 



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