Brose Bamberg

Basketballtraining hinter Gittern

TheBloob am 12.09.2017 um 17:00

Brose Bamberg unterstützt die Jugendstrafanstalt in Ebrach 

Basketball im Knast – unter diesem Motto engagieren sich ehrenamtliche Basketballtrainer von Brose Bamberg seit rund zehn Jahren für Insassen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ebrach. Maximal 24 Jahre alt sind die Häftlinge hier. Jeden Freitag trainiert einer von acht Coaches mit einer Gruppe von Straftätern, die sich im Rahmen ihres Aufenthalts in der JVA für Basketball als sportliche Betätigung entschieden haben. Vergangene Woche erhielt Trainerin und Projektleiterin Antonia Schreiner prominente Unterstützung von Brose Bamberg Spieler Elias Harris.

 

„Nein, ich hab mich bewusst dafür entschieden, hierher zu kommen“, antwortet Harris auf die Frage, ob er denn keine Angst hätte, eine Gruppe von Straftätern im Gefängnis zu besuchen. Er erläutert weiter: „Ich will mit den Jungs reden und sehen, wie das hier so abläuft.“ Angekommen in der JVA Ebrach geht es zunächst durch den Innenhof und einen Arkadengang, der bewirkt, dass keiner der Besucher hier ein Gefängnis vermuten würde. „In meiner Zeit am College in den USA haben wir uns auch mal einen Jugendknast angesehen. Dagegen ist das hier purer Luxus“, so Harris. Ein Stockwerk tiefer geht es durch schummrige Gänge vorbei an einer Küche und einem Ambulanzzimmer. Erst dort lässt sich erahnen, wo sich der 2,03-Meter-Mann befindet. Nachdem die Beamten der JVA alle Türen sorgfältig auf- und wieder zugesperrt haben, hört man erste Geräusche, die einem wieder in den Kopf rufen, worum es heute geht. Das Dribbeln von Bällen, Abpraller vom Ring sowie Kommandos junger Männer lassen keinen Zweifel zu, dass sich die Gruppe um den BBL-Profi einem Basketballfeld nähert.

Dort angekommen geht es zunächst durch einen kleinen Fitnessraum. „Gar keine schlechte Ausstattung“, merkt Elias an. Begrüßt werden alle Beteiligten vom JVA-Beamten Olli, der heute das Training der Häftlinge begleitet und überwacht. Leiten wird es Antonia Schreiner. Die 24-Jährige ist bereits seit mehreren Jahren regelmäßig in Ebrach und kennt die kriminellen Basketballer gut. „Das sind nette Jungs, die im Training immer alles geben“, berichtet sie. Gedanken, mit wem sie trainiert, mache sie sich keine: „Ich habe keine Ahnung, was jeder einzelne hier verbrochen hat. Das muss ich nicht wissen. Hauptsache sie hören auf mich.“ Auf dem Feld sei es ihr egal, wer gerade vor ihr steht. „Es gab schon zweimal Streit“, erinnert sie sich und erzählt weiter: „Da bin ich intuitiv dazwischen gegangen und habe keinen Gedanken daran verschwendet, ob etwas passieren könnte.“ Dass die Trainingseinheiten überwiegend friedlich verlaufen bestätigt auch Beamter Olli: „Schlimmere Vorfälle gab es beim Basketball noch nicht. Klar ist da mal die eine oder andere Meinungsverschiedenheit oder ein Schubser dabei. Das ist aber in der Regel schnell geklärt.“ Sollte ein Spieler nicht aufhören zu pöbeln, seien die Konsequenzen klar: „Derjenige wird zurück in seine Zelle geschickt. Zudem können wir ihm das Basketballtraining streichen. Es soll schließlich eine kleine Belohnung darstellen.“

Auf dem Feld hat Antonia den jungen Männern mittlerweile Elias Harris vorgestellt. Natürlich wusste jeder der Akteure bereits, wer heute vor ihnen steht. Vor dem Trainingsstart richtet der Big Man von Brose Bamberg einige Worte an seine heutigen Schützlinge: „Wie hier bei euch gibt es auch bei uns in der Mannschaft ganz unterschiedliche Charaktere und Nationalitäten, die wir alle unter einen Hut bekommen müssen. Wer sich zu wichtig nimmt, hat es schwer im Team. Das ist bei euch bestimmt nicht anders.“ Die Häftlinge hören Elias gespannt zu. Auch bei den darauffolgenden Übungen nimmt Harris eine wichtige Rolle ein. Beim Wurftraining achtet er auf die richtige Technik und bei einem kleinen Spielchen sorgt er für Motivation und feuert die jungen Erwachsenen an.

„Die Jungs geben hier richtig Gas und sind voll bei der Sache. Das gefällt mir“, beschreibt Elias seinen ersten Eindruck. Was die Männer verbrochen haben könne er nicht einschätzen. Der JVA-Beamte Olli spricht davon, „dass hier alles vertreten ist“. Er erklärt: „Salopp gesagt ist vom Eierdieb bis zum Gewaltverbrecher alles geboten.“ Was die Häftlinge getan haben, scheint beim Sport in den Hintergrund zu rücken. Neben Ehrgeiz und Siegeswillen kommt auch der Spaß nicht zu kurz. Viele Spieler machen Witze und auch Antonia kann manchmal nur schmunzelnd mit dem Kopf schütteln: „Einige Jungs sind heute wieder besonders lustig drauf“, meint sie und verdreht die Augen, während ein junger Mann im verschwitzen grauen Shirt einen Handstand macht und so seine Kollegen zum Lachen bringt.

Am Ende des Trainings steht für die zehn Männer ein Fünf-gegen-Fünf-Spiel an. Als Schiedsrichter agiert Elias Harris. Noch bevor die Partie startet, stellt er eine wichtige Aufgabe an beiden Mannschaften. „Kurz vor dem Anpfiff geht unser Team ins Huddle. Das heißt, ihr sucht in eurer Mannschaft ein Motto, bildet einen Kreis und schreit es gemeinsam laut heraus.“ Nachdem sich beide Teams eingeschworen haben, geht es los und der Sprungball wird von Schiedsrichter Harris ausgeführt. Während sich das Team, das der Bamberger Forward betreut hat, einen Vorsprung erspielt, berichtet Antonia Schreiner von den Erfolgen des Programms: „Oft ist es so, dass die Jungs auf mich zu kommen und fragen, ob ich ihnen helfen kann, ein Team zu finden, wenn sie aus dem Gefängnis entlassen werden.“ Am schönsten sei es dann, „wenn sie sich später im normalen Leben zurechtfinden und dem Basketball treu bleiben.“

Das Spiel ist mittlerweile zu Ende. Elias verabschiedet sich von allen Spielern mit Handschlag und steht zudem für ein Mannschaftsfoto parat. Für ihn geht es nun zurück zum Training – so wie jeden Tag. Die Insassen müssen sich wieder eine Woche lang gedulden, ehe es zurück auf das Feld geht. „Dass Basketball ein Privileg ist, wusste ich auch schon vorher. Hier in Ebrach sieht man aber eindrucksvoll, wie viel mehr der Sport bedeuten kann, wenn man sonst nicht viel hat“, so Harris. Den Beteiligten bescheinigt er „großartigen Einsatz und Arbeitswillen“ und ist froh, eine Einheit mit den zehn jungen Männern der JVA Ebrach verbracht zu haben.


Pressemitteilung: Brose Bamberg

 



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