Gastschreiber

TSK Würzburg

Dirk Nowitzki und die BBL

maritim am 05.02.2005 um 21:14

Beim zweiten Blick sollte man den ersten, nach dem man halt zu oft noch sehr emotional reagiert, eigentlich überwunden haben und alles noch einmal gelassener betrachten. Kommen mal wieder Äußerungen von Würzburgs Wunderkind Dirk Nowitzki über den Ozean herübergewabert, gelingt das langsam nicht mehr. Es ist einfach lächerlich, dass sich der teuerste deutsche Söldner im Ausland immer wieder berufen fühlt, das 'Söldner-Unwesen' in der BBL anzuprangern - lauthals unterstützt vom mit profitierenden Söldner-Vermittler Holger Geschwindner. Es kann in Deutschland übrigens auch nur Kopfschütteln hervorrufen, wenn Dirk - wie vor einigen Monaten geschehen - verlauten lässt, seine vielen Millionen seien 'hart verdientes Geld'.

Lieber Dirk, lass dir sagen: Jemand, der nicht so viel Glück hat mit seiner Begabung - und mit seinen Gönnern, die dazu beigetragen haben, dass diese Begabung auch realisiert wird - müsste in Deutschland für ein solches Einkommen ein paar Menschenleben lang rund um die Uhr arbeiten. Fast scheint es, dass so viel Geld doch ein wenig den Blick auf die Realität vernebelt.

Einen Wiederanfang in der 2. Liga für Würzburg zu empfehlen, zeugt auch von verloren gegangener Kenntnis der deutschen Basketball-Szene. In Würzburg, wo es schon kaum möglich ist, einen Erstligisten über Sponsoren zu finanzieren, wäre eine Zweitliga-Mannschaft gar nicht zu halten - man könnte Spitzenbasketball gleich völlig streichen. Eine Mannschaft, die im unteren Drittel der zweiten Liga herumdümpelt (und nicht einmal das würde man wohl mit den geforderten 'deutschen Talenten' schaffen), kriegt doch von der unterfränkischen Wirtschaft keinen Cent, geschweige denn von überregionalen Sponsoren.

Lieber Dirk, lass dir sagen: Die 2. Liga hat sich inzwischen ziemlich verändert. Gut, da findet man noch einige deutsche Talente. Aber alle Teams, die in dieser Liga eine Rolle spielen, haben ihre ausländischen 'Stars'. Anders könnten sie die Liga gar nicht halten. Nur sind diese ausländischen 'Stars' (mit Ausnahmen!) genau das, was du nicht sehen willst: 'Söldner-Mittelmaß'.

Wenn es in Würzburg keinen Spitzenbasketball mehr gibt, fehlen auch die Idole, die die Kids dazu bringen, selbst in die Hallen zu gehen und ihnen nachzueifern. Den Kids ist das übrigens und völlig zu Recht gleichgültig, ob das Deutsche sind oder nicht. Die identifizieren sich genau so gerne mit einem Igor Perovic oder einem Chris Heinrich, dem man das Etikett 'deutsch' ja nur anhängen kann, wenn man an irgendwelche mystischen Blutvererbungslehren glaubt. Für die ist Leistungsbereitschaft und das persönliche Verhalten der Spieler allemal wichtiger als deren Nationalität. Schön wäre natürlich, wenn diesen Kids vernünftige Trainingsmöglichkeiten oder auch nur individuelle Übungsmöglichkeiten geboten wären. Da hatte der Zweite Blick mal ganz große Hoffnungen auf das Nike-Zentrum gesetzt, für das Dirk sich einmal zusammen mit seinem 'Mentor' so engagieren wollte. Mit dessen Nicht-Ausbau und dem absehbaren finanziellen Zusammenbruch des Trägervereins scheint diese seit Jahren vor sich hindümpelnde Idee endgültig gestorben.

Lieber Dirk, lass dir sagen: Kein einziger der Verantwortlichen von den X-RAYS erwartet von dir einen müden Cent für die Bundesligabasketballer. Aber das Nike-Zentrum wäre eine schöne Sache gewesen. Müssen die Würzburger Kids jetzt darunter leiden, dass du mit dem Konzept der X-RAYS nicht einverstanden bist? In Würzburg verstärkt sich der Eindruck, dass ein gewisser Herr G., auf den du so gerne hörst, an dem Zentrum nur so lange interessiert war, als er glaubte, in Würzburg junge Talente, die vom Verein bereits auf ein gewisses Niveau gebracht worden sind, 'entdecken' zu können, um sie dann - unbestritten! - weiterzuentwickeln und lukrativ 'vermitteln' zu können - wohin auch immer.

Dirk Nowitzki macht sich zudem Sorgen um die deutsche Nationalmannschaft. Hm. Nationalmannschaften sind eine lieb gewordene Tradition aus dem letzten Jahrhundert und waren tatsächlich auch ganz gut dafür, dass der latent vorhandene Nationalismus, vielleicht auch nur 'Patriotismus' der Fans sich in den Sportarenen austoben konnte statt auf dem Schlachtfeld. Heute dienen sie demselben Zweck, nur mit umgekehrtem Vorzeichen: In einer Welt, die zunehmend internationalisiert - bzw. bei uns noch stärker: europäisiert - wird, werden sie mehr und mehr zum Medium, das überkommenes nationales Denken bedient: Wenigstens hier darf der Deutsche noch Deutscher, der Franzose noch Franzose sein etc. Da macht es dann auch nichts, wenn mal in einer 'deutschen' Nationalmannschaft ein Shawn Bradley spielt. Ami durch und durch, aber 'Deutsches Blut' oder so.

Einige Führungsköpfe der BBL haben sich (nachzulesen auf der BBL-Website) gründlich und kritisch mit diesem Thema auseinandergesetzt. Es gehört nicht zu den Eigenschaften des 'Zweiten Blick', sich der Meinung von Führungspersonal bedingungslos anzuschließen. In diesem Fall tut er das.

Jump (Das Hallenmagazin www.jump-im-web.de)

0 Kommentare

 

16 Mitglieder
423 Gäste online

Anmeldung

Benutzeranmeldung

Registrieren

Passwort vergessen?

Schönen-Dunk bei FacebookSchönen-Dunk bei TwitterSchönen-Dunk-Newsfeed BIG - Basketball in Germany

Offiziell

BBL

# T P Diff

ProA

# T P W/L

ProB

Nord

# T P W/L

Süd

# T P W/L

Alternativ

BBL

# T P W/L

ProA

# T P Diff

ProB

Nord

# T P Diff

Süd

# T P Diff
 

Werbung

Werbung