Union Baskets Schwelm

Mit Willenskraft schlägt man den Tabellenführer

_Tigger am 23.01.2005 um 13:33

2.200 Zuschauer in der Wuppertaler Uni-Halle waren Zeuge der Geburt einer "neuen" Mannschaft. Nicht nur die Tatsache, dass die Union Baskets gegen den Tabellenführer RheinEnergie Köln gewannen, sondern das Wie war beindruckend.

Die Neuzugänge Shannon Crooks und Mantas Ignatavicius spielten sich bereits bei ihrem ersten Auftritt in die Herzen der Fans. Mit Ausnahme des dritten Viertels dominierte der Aufsteiger aus Westfalen das Geschehen. Trainer Torsten Daume hatte sein Team brillant eingestellt. Vor dem Spiel hatte der Coach besonders vor Kölns Bill Edwards gewarnt: "Wenn wir diesen Spieler kontrollieren, dann bekommt der Tabellenführer ein Problem." Ständig wurde der US-Amerikaner gedoppelt und markierte lediglich zwei Punkte. Neben dem gewohnt starken Ryan Bond gefielen besonders Bruno Roschnafski und Marko Piplovic in der Verteidigungsarbeit gegen die Kölner Centergarde Ovcina, Edwards und Gortat. Zudem wurde der Druck auf die Guards ständig hoch gehalten, was wohl ein weiterer Schlüssel zum Erfolg gewesen sein dürfte. "Wir haben Köln in drei Vierteln jeweils unter 12 Punkten gehalten. Meine Mannschaft hat mit unglaublich viel Herz verteidigt", freute sich der Union Baskets-Coach.

Im Angriff hat der Aufsteiger mit den neuen Spielern nun wesentlich mehr Alternativen. Mantas Ignatavicius und Shannon Crooks sind Spieler, die in entscheidenden Situationen den Ball fordern und die Angriffe organisieren. Als in der enorm spannenden Schlussphase Vilius Gabsys mit fünf Fouls vom Feld musste, da waren es gerade die beiden Neuen, die für die ganz wichtigen Punkte sorgten. In der Schlussminute penetriert Shannon Crooks zum Korb und trifft trotz Foul zum 57:51. Köln verkürzt per Dreier (Pesic) und spielt "Stop-the-clock". Mantas Ignatavicius fordert den Ball, wird gefoult und versenkt die Freiwürfe eiskalt.

Das neue Selbstvertrauen der Union Baskets war bereits während der gesamten Partie zu erkennen. Gestenreich kommunizierten die Spieler mit dem Fans. Ryan Bond posiert nach erfolgreichen Korbleger vor der Spielerbank, Marko Piplovic reisst nach nahezu jedem Korberfolg die Arme hoch und Vilius Gabsys wollte nach seinen erfolgreichen Dreiern das gesamte Publikum umarmen. Mit breiter Brust kamen die Spieler aus einem kleinen Loch im dritten Viertel zurück ins Spiel. Als Köln erstmals mit drei Punkten in Führung lag, konterten die Union Baskets mit einem Dreier aus einem Fast-Break (Gabsys).

Dabei hing der Erfolg der Union Baskets eigentlich am seidenen Faden. Bis kurz vor Spielbeginn war nicht klar, ob der angeschlagene Mantas Ignatavicius überhaupt würde auflaufen können. Mannschaftsarzt Dr. Günther Schmitz hat gemeinsam mit Physiotherapeut Markus Riehl hervorragende Arbeit verrichtet. "Wir haben die ganze Woche über mit Mantas gearbeitet. Nach seinem Bänderriss hätte das Spiel keinen Tag früher kommen dürfen", bemerkte "Doc" Schmitz mit zufriedener Miene nach der Schlusssirene. Bis zum nächsten Spiel am Donnerstag in Trier gilt es, die Verletzungen weiter zu behandeln und die Spieler wieder körperlich richtig fit zu bekommen. Mental ist diese neue Schwelmer Mannschaft frisch und fit wie nie zuvor – das war am Samstag abend deutlich zu spüren.

Stimmen zum Spiel:
Mantas Ignatavicius: "Ich musste einfach spielen. Es ist furchtbar, verletzt auf der Bank zu sitzen. Mein Fuß wird morgen sicher nicht gut aussehen, doch das ist mir im Moment egal. Unser 'Doc' wird das schon wieder hinbekommen."

Marko Piplovic: "Bereits vor dem Spiel habe ich gefühlt, dass wir heute etwas Großes leisten können. In der Mannschaft steckt viel Potential. Ich bin sicher, dass wir den Klassenerhalt schaffen werden."

Jan Sprünken: "Es ist mir total egal, ob ich spiele oder nicht. Im Moment zählt nur das Ergebnis. Die Chemie im Team stimmt. Jeder weiß, um was es geht und jeder stellt sich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft."

Torsten Daume: "Es hat sich heute gezeigt, dass uns die neuen Spieler in der Schlussphase viel mehr Möglichkeiten geben. Wir hatten mehr Kontrolle und haben Köln gezwungen, auf unser Spiel zu reagieren."

Armin Andres: "Meine Spieler haben anfänglich pomadig gespielt. Wir hatten zu viele Einzelaktionen. Schwelm hat mit sehr viel Engagement gespielt und verdient gewonnen. Dieses Team ist nicht mehr vergleichbar mit der Mannschaft aus der Hinrunde."

Union Baskets: Ignatavicius 16/1, Bond 13/1, Gabsys 11/3, Crooks 9, Piplovic 8/1, Evans 3, Roschnakski 2, Speier.

RheinEnergie: McElroy 22/3, Obradovic 8/1, Ovcina 7, Gortat 6, Pesic 5/1, Gomes 4, Edwards 2, Strasser.

Presseifo: Union Baskets Schwelm (Martin Schrader)

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