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Bökes Basketball-Bilanz: "Runde Sache" mit Start und Ziel in Wedel

TheBloob am 18.08.2016 um 19:15

Da geht der Blick mal gen Westen, mal gen Osten und der Globus dreht sich gedanklich mit. Wer mit Fabian Böke über Basketball plaudert, der lernt etwas über die Kultur dieser Sportart hier und dort. Da schaut man mal im Städtchen Schelklingen vorbei, mal in der Weltmetropole Peking, da treffen US-Basketballtempel auf die Wedeler Steinberghalle, es geht um das große Geld, den Spaß am Sport - und ums Lernen fürs Leben.

Natürlich spiele Basketball in seinem Alltag noch eine Rolle, sagt Böke. Nur eben anders als in den letzten 20 Jahren. Er schaut sich Spiele an und verfolgt, was die alten Kumpels so treiben, nur selbst spielen, das ist nicht mehr. Auf dem Mannschaftsfoto der Rister der vergangenen Saison überragte er mit seinen 2,08 Metern wie gewohnt die meisten seiner Kollegen, doch zum Einsatz kam er verletzungsbedingt letztlich nicht mehr. Die Basketballkarriere des 30-Jährigen ist beendet. Er, der eine gelb-grüne Ära entscheidend prägte, hat sich mittlerweile in seiner Rolle als Fan und Ex-Spieler eingerichtet - die vergangene Saison bot den Crashkurs dazu. "Basketball ist natürlich noch ein Hobby, auch wenn man vielleicht nicht mehr aktiv spielt, aber das Thema an sich ist für mich immer spannend", sagt Böke. Das ProB-Finalrückspiel 2015 war der Schlussgong - auch wenn das damals keiner wusste, er selbst inbegriffen. Das Wie des Karriereendes ändert nichts am Wo: "Als ich damals zurück nach Wedel gewechselt bin, fand ich immer den Gedanken toll, dass es eine runde Sache wird: Dass ich in Wedel angefangen habe und dort aufhöre", sagt er. Dort, wo ihm Joe Rose einst die Grundlagen beibrachte: "Er hat mir in jungem Alter Dinge vermittelt, die für einen großen Spieler wichtig sind und von denen ich lange gezehrt habe", so Böke. "Man hatte immer noch einen Vorteil gegenüber Spielern, die später angefangen haben beziehungsweise gegenüber Spielern, die nicht so eine gute Ausbildung hatten."

Inzwischen im Trikot des BC Hamburg unterwegs, wurde Böke im Frühjahr 2004 in den Kader der U18-Nationalmannschaft für das Albert-Schweitzer-Turnier berufen - ein Auftritt mit Folgen: "Das war damals ein bisschen das Sprungbrett, denn danach kamen erst die ganzen Anfragen der Mannschaften aus Deutschland, die mich gerne haben wollten." Doch für das umworbene Talent gab es nur eine Wahl: Das Basketballinternat an der Urspringschule im Ort Schelklingen sollte es sein - und zwar unbedingt: "Ich hatte definitiv auch Lust, mein Abitur zu machen und nicht alles nur auf Basketball hinauslaufen zu lassen, sondern habe mir immer gedacht, dass die schulische Ausbildung auch wichtig ist. Von den Möglichkeiten her hatte Urspring damals mit Abstand die beste Offerte", erinnert sich Böke. Die Talentschmiede im Alb-Donau-Kreis - für den aufstrebenden Flügelspieler in jeder Hinsicht seinerzeit die richtige Adresse: "Es war sehr familiär, man war als junger Mann gut aufgehoben und war nicht irgendwie sich selbst überlassen, sondern hatte immer noch einen Mentor, der darauf guckt, dass man sich vernünftig entwickelt, dass die Schule auch weiterhin im Fokus steht. Das war ein Rundumkonzept, was zu dem Zeitpunkt keiner angeboten hat. Da war Urspring einzigartig."

Jener Mentor hieß Ralph Junge (Böke: "Er hatte irgendwie schon eine Funktion als Ziehvater"). Der jetzige Cheftrainer und Sportliche Leiter des ProA-Ligisten Nürnberg war dann auch nicht ganz unbeteiligt daran, dass sein Schützling den Weg ins Basketball-Eldorado antrat: Der Traum vom College in den USA - Böke verwirklichte ihn und landete in vielerlei Hinsicht in einer neuen Welt. An der Washington State University war alles, aber auch wirklich alles, einige Nummern größer: "Die haben Trainingsgelände - davon träumt hier jeder Erstligist. Wir hatten eine Halle mit 15.000 Plätzen, zu Auswärtsspielen bist du im Privatjet geflogen", sagt er. Schaut sich Böke NBA-Partien oder dieser Tage das olympische Basketballturnier an, sind nicht selten ehemalige Mannschaftskollegen oder frühere Gegner dabei. Sein damaliger Mitbewohner, der Australier Aron Baynes (Detroit Pistons) etwa, oder natürlich Klay Thompson, der ein Jahr nach Bökes Ankunft zum Team stieß. "Da konntest du einfach sehen: Der Typ hat Basketballtalent wie kein anderer. Er konnte werfen wie ein Irrer", erinnert er sich an den heutigen Star der Golden State Warriors. Als es Thompson gegen Arizona State mit James Harden Dreier regnen ließ, war er sich sicher: Den sieht man in der NBA wieder. "In dem Spiel hat er, glaube ich, zehn Dreier getroffen. Wer als Freshman zehn Dreier einklinkt, der wird noch einen ganz anderen Level erreichen - und das ist ja auch so passiert." Dass Bökes selbst aus Verletzungsgründen nur drei Spiele für Washington State absolvierte, bedeutete für ihn natürlich einen Dämpfer: "Wenn der Körper mitgespielt hätte, dann wäre ich ein akzeptabler Profispieler geworden. Das würde ich schon sagen. Aber ich darf mich nicht selber darin verlieren, sondern man muss auch froh sein, diese Chance überhaupt gehabt zu haben und dass ich die Möglichkeit hatte, von außen durch die Scheibe zu gucken. Das war für mich ein großer Erfahrungswert." Zumal er mit einem Abschluss in Kommunikationswissenschaft nach Hause kam: "Ich habe mir gesagt: Du wirst hier nicht abreisen, ohne dass du ein Studium in der Tasche hast."

Die große Basketballwelt - Böke erlebte sie in West und (Fern-)Ost. Im Sommer 2012 nahm er mit einer aus ehemaligen Urspringschülern zusammengesetzten Mannschaft an einer Turnierrundreise durch China teil und traf auf Auswahlteams aus den USA, Litauen und aus dem Gastgeberland. "Eine einmalige Erfahrung", so der 30-Jährige rückblickend. "Es war immer das Beste vom Besten. Wir wurden behandelt wie Stars", sagt Böke. Wohnen in Luxushotels, mit Polizeieskorte zu den Spielen, volle Hallen und Fernsehübertragungen - die Gastgeber fuhren groß auf. Und auch die Einblicke ins Land ließen den amerikaerfahrenen Power Forward staunen: "Ich bin eigentlich gar nicht mal so der China-Fan, fand es aber trotzdem unfassbar, das mal gesehen zu haben. Wenn man in den USA ist, ist das immer ein bisschen das Land der Superlative, in China fand ich es noch umso mehr", sagt Böke und berichtet von schier unendlichen Baustellen: "20 fünfzigstöckige Hochhäuser im Rohbau - und du denkst dir: Irgendwann muss da doch auch mal jemand wohnen."

Vor dem Trip durch die chinesischen Megawelten war Böke bereits zum SC Rist zurückgekehrt, nachdem er im Anschluss an seine USA-Zeit 2011 mit Ehingen/Urspring den ProB-Meistertitel gewonnen hatte. Mit den Ristern kam er einem solchen Triumph einige Jahre später noch einmal sehr nahe. Kontinuierlich erreichte man Jahr für Jahr ein wenig mehr: Achtel-, Viertel-, und Halbfinale, der Endspieleinzug 2015 bildete dann den Abschluss einer Ära des Wedeler Basketballs, die sich ganz in der Tradition der Glanzzeiten der späten 80er und frühen 90er Jahre verstand. "Es ging immer ein Stück weiter. Jedes Jahr ist eine Herausforderung gewesen, es hat immer Spaß gemacht", sagt Böke. "Als wir in der letzten Saison ins Finale gekommen sind... Das war wirklich ein überragendes Jahr. Da hat alles zusammengepasst, mit Tae Watkins hatten wir einen außergewöhnlich guten Basketballspieler, aber auch Veteranen und junge Spieler - der ganze Mix kam gut zusammen. Die Halle war immer voll, das war wirklich ein Highlight, und es war schön zu sehen, wie sich der Verein immer positiv weiterentwickelt hat."

Böke gehörte zu den Hauptfiguren dieser Rist-Ära - Özhan Gürel, Sebastian Gleim, Michael Claxton: Alle drei Trainer in dieser Zeit bauten auf die Dienste des 2,08 Meter großen Akteurs. Sein ehemaliger Mannschaftskollege, der jetzige Sportliche Leiter der Rister, Christoph Roquette, hatte bereits einschlägige Erfahrungen als Gegner gesammelt, ehe man ab 2013 gemeinsam Gelb-Grün trug: "Ich erinnere mich, das erste Mal gegen Fabian gespielt zu haben, als es noch die 2. Bundesliga Süd gab und er für Ehingen und ich für Freiburg gespielt habe. Damals hat er schon mit einem Grinsen Würfe von überall getroffen. In Wedel hatten wir dann zwei gemeinsame tolle Jahre, in denen wir uns auf dem Spielfeld gut verstanden haben", so Roquette. Gerne hätte er den 30-Jährigen weiterhin im Kader gehabt: "Fabian wäre dieses Jahr sicherlich auch ein Bestandteil des Teams gewesen. Er wäre auf und abseits des Feldes einen enorme Bereicherung gewesen."

Dank Basketball Winkel und Ecken dieser Welt entdecken, auch Reisen mit den Junioren-Nationalmannschaften verschafften ihm Einblicke, selbst wenn es dann oft sportlich eine Abfuhr gab. Das Albert-Schweitzer-Turnier 2004 sei das beste Erlebnis im Trikot mit dem Adler auf der Brust gewesen, sagt Böke: "Gegen so viele Nationen zu spielen war super, das war alles gut organisiert, es waren echt spannende Spiele, die Hallen waren immer voll." Viele seiner anderen Auftritte mit den DBB-Auswahlmannschaften verliefen allerdings eher derart: "Ich erinnere mich noch an ein Turnier mit der U20, bei dem wir gegen Spanien gespielt haben. Gut, Spanien ist dann später Europameister geworden, aber das Spiel haben wir, ich glaube, mit 70 Punkten verloren. Das Albert-Schweitzer-Turnier war ok, da haben wir noch relativ knapp gespielt, aber sonst meistens mit über 20 verloren."

Als Erfahrung verbucht - wie so viele Erlebnisse seiner Basketballkarriere. Und das kommt ihm nun in der Arbeitswelt zugute. Das, was man investiere, zahle sich aus, erläutert Böke - auf dem Feld wie im Büro. "Das ist eine wichtige Erfahrung, die ich aus dem Sport mitgenommen habe", sagt er. "Und dass man sich mit einer Sache identifizieren muss. Strukturiert an etwas arbeiten, besser werden und sich mit dem Erreichten nicht zufriedengeben, sondern immer hungrig sein. Das sind Dinge, die man im Sport lernt und mich auch in der Berufswelt nach vorne gebracht haben." Eben so, wie er es sich erhofft hat: Eine runde Sache.


Pressemitteilung: SC Rist 



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