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NBA

Neu im Buchregal: "Dirk Nowitzki - german wunderkind"

Frankie am 05.04.2004 um 20:07

Das ist der Traum aller Autoren: Ein Thema, das schon allein durch seine Popularität eine hohe Auflage verspricht. Zwei Bayreuther verwirklichten diese Vision nun mit einer Idee, von der man sich wirklich fragen muss, warum sie nicht schon längst zuvor jemand gehabt hat: Die freien Journalisten Dino Reisner (Text) und Holger Sauer (Fotos) haben eine Biografie über den deutschen NBA-Star Dirk Nowitzki verfasst. Der Untertitel ist aus den amerikanischen Medien entnommen, die damit ihre Verblüffung über den Ballkünstler aus der dritten Basketball- Welt zum Ausdruck brachten: "German Wunderkind". "Ich habe mich immer über die vielen kleinen Fehler in der Berichterstattung geärgert, als die großen Medien auf Nowitzki aufmerksam geworden sind", erklärt Reisner (Jahrgang 1971), der inzwischen in München lebt und in den letzten Jahren für mehrere Tageszeitungen (Welt, Welt am Sonntag, Stuttgarter Zeitung, Tagesanzeiger Zürich) Sportmagazine (Kicker, Sportkurier, Eishockey-News) und die deutsche Presseagentur (dpa) über deutsche und internationale Ereignisse vornehmlich im Basketball und Eishockey berichtet hat.

Der ein Jahr ältere Holger Sauer war der natürliche Partner dafür. Der studierte Jurist lebt zwar in Bayreuth eher am Rande der Basketballszene, hat sich aber durch die regelmäßige Arbeit bei NBA-Spielen sowie Europa- und Weltmeisterschaften einen internationalen Ruf erarbeitet. "Nowitzkis Karriere habe ich seit 1995 auf allen beruflichen und privaten Stationen in Bildern dokumentiert", umreist er seinen Hintergrund für dieses spezielle Thema.

Zudem hatte Sauer auch noch den wichtigen Kontakt zu einem Verlag, und zwar zum gerade im sportlichen Bereich renommierten Copress-Verlag. So groß war die Begeisterung bei den dortigen Verantwortlichen aber zunächst gar nicht: "Die waren vorsichtig, weil sie mit dem Thema Basketball schon schlechte Erfahrungen gemacht hatten- sogar mit einem Buch über Michael Jordan. Für den Fall Nowitzki ließen sie sich dann aber doch begeistern." Als der Vertrag unter Dach und Fach war, begann im vergangenen Oktober die Detailarbeit. Dabei war von Anfang an klar, dass es um ein Buch "über" Nowitzki gehen würde und nicht etwa eines "von Nowitzki". Bei der entsprechenden Anfrage habe sich der 25jährige Würzburger in den Diensten der Dallas Mavericks nämlich bescheidener geäußert, als die Küblböcks unserer Zeit: "Einer Autobiografie erteilter er eine Absage, denn dafür sei er noch viel zu jung", berichtet Reisner. "Er ist ohnehin ein Nörgler, der immer erst fragt: Muss das denn sein?", ergänzt Sauer schmunzelnd. Danach ist er dann aber immer sehr freundlich.

Den Vorstellungen der Autoren kam das aber ohnehin entgegen: "Eine Biografie ist rechtlich unproblematischer", erklärt der Bayreuther Fotograf. Zwar habe man das Manuskript zum Gegenlesen nach Dallas geschickt, aber beispielsweise sei man bei der Auswahl der Bilder selbständiger gewesen: "Da ging es mehr darum, die Veröffentlichung mit den anderen Leuten abzusprechen, die außer Nowitzki auf den Fotos zu sehen sind - sein Lehrer beispielsweise, oder andere Personen aus seinem privaten Umfeld."

Trotzdem gehörte die unmittelbare Zusammenarbeit mit der Titelfigur aber natürlich zu den wichtigsten Faktoren. "Etwa ein Drittel der Arbeit umfassten die Gespräche mit ihm selbst", schildert Reisner. "Den gleichen Anteil hatten Gespräche mit seinem Vater oder Weggefährten wie seinem Lehrer oder früheren Trainern in Würzburg". Das übrige Drittel der Zeit sei für die Bearbeitung von Fakten aus dem Archiv nötig gewesen: "Da hat es sich am Ende doch noch gelohnt, alte Basketball-Zeitungen aufzuheben."

Insgesamt aber war der Zeitfaktor aber immer ein Problem für die freien Journalisten. "Die Lage in der Branche ist ja nicht so gut, dass man sich einfach ein paar Wochen frei nehmen kann, um ein Buch zu schreiben", erklärt Reisner. Also blieb die Arbeit auf die freien Tage beschränkt: "Da hätte ich mich dann aber manchmal nicht gewundert, wenn ich mich am Telefon mit Dirk Nowitzki gemeldet hätte." Umso ärgerlicher war es für die beiden Bayreuther, als ihre letzte Dallas-Reise Anfang Dezember genau in jene Zeit fiel, in der Dirk Nowitzki durch eine Knöchelverletzung zum Aussetzen gezwungen war. "Durch die Behandlung hatte er eher weniger Zeit als sonst", erklärt Reisner. "Noch problematischer war aber seine schlechte Laune."

Vor allem war jedoch Holger Sauer eingeschränkt: "Dank meiner NBA-Kontakte konnte ich zwar auch Bilder in der Kabine oder bei den Behandlungen machen, was normalerweise streng verboten ist. Um noch aktuelle Fotos in Aktion zu bekommen, mussten wir aber unseren Aufenthalt verlängern und mit der Mannschaft zu zwei Auswärtsspielen nach Los Angeles weiter reisen." Auch wegen solcher Vorleistungen stuft Dino Reisner die Erwartungen an den finanziellen Erfolg des Projekts nicht zu hoch ein: "Auf den Stundenlohn will ich das lieber nicht umrechnen."

Trotzdem fällt die Bilanz des Autors schon vor der Veröffentlichung positiv aus: "Am Ende war es eine Mischung aus 'endlich geschafft' und 'eigentlich schade' hat doch viel Spaß gemacht."

Man merkt es dem Nowitzki-Buch von Dino Reisner und Holger Sauer natürlich an, dass die Autoren aus Bayreuth stammen. Viele Informationen aus den Anfangszeiten der Nowitzki-Laufbahn stellen einen Bezug zu ihrer Heimatstadt her. An manches wird sich der hiesige Basketball-Anhänger auch noch erinnern, wie etwa die überraschende Rückkehr nach der Vertragsunterschrift in Dallas zu einem Pokalspiel mit der DJK Würzburg bei Basket Bayreuth (Saison 98/99). 38 Punkte trug der angehende NBA-Star damals zum vernichtenden 98:66 seines Stammvereins bei.

Doch sogar auch für Intimkenner der Bayreuther Szene hat das Buch noch Neuigkeiten zu bieten. So ist zu erfahren, dass Dirk Nowitzki nicht der erste Deutsche ist, der mit Steve Nash in einer Mannschaft spielt. Das war zuvor schon ein Bayreuther, der zusammen mit dem kanadischen Spielmacher der Dallas Mavericks am College studiert hat: Harald Hofmann.

Ungeklärt bleibt dagegen das Gerücht, dass Nowitzki von Bayreuther Vereinsverantwortlichen als "Zündblatt" herabqualifiziert worden sei, weil er bei einem Jugendspiel von Rudi Adler geblockt worden war. "Die Geschichte kenne ich auch", lacht Dino Reisner. "aber das ist wohl Legende".


(Autor: Eberhard Spaeth; gekürzte Fassung aus "Nordbayrischer Kurier")


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