EWE Baskets Oldenburg
"Ich bitte um Vertrauen"
TheBloob am 06.02.2012 um 15:16
In der Beko Basketball Bundesliga stehen die EWE Baskets Oldenburg mit 20:18
Punkten derzeit in Sachen Playoffplätzen auf der Kippe, einige deutliche
Niederlagen – vor allem auswärts – haben den Druck erhöht und die Stimmung
bei den Fans getrübt. Im Pokal geht es am Mittwoch in Ulm um Alles oder
Nichts, in der EuroChallenge besteht noch die Chance auf die
Viertelfinal-Qualifikation. Im Interview äußert sich Hermann Schüller,
Unternehmer und Geschäftsführer der EWE Baskets, zur Ausgangslage.
Überlegen geführte Spiele wechseln sich bei den EWE Baskets in dieser Saison
mit herben Niederlagen munter ab. Täuscht der Eindruck, dass die
tatsächliche Stärke dieser Mannschaft noch immer nicht ganz zu beschreiben
ist?
Es ist in der Tat so, dass ein Auf und Ab in den Leistungen zu spüren ist.
Im Grunde ist es auch für uns manchmal schwer zu verstehen, dass die
Mannschaft zweimal gegen Fuenlabrada gewinnt und gleichzeitig in
Auswärtsspielen bis zu 30 Punkte mehr kassiert als sie erzielt. Dabei gilt
es aber zu unterscheiden zwischen den Begegnungen, in denen aufgrund der
Belastungen die Luft raus war, und solchen, in denen die Leistung definitiv
unzureichend war.
Dass die Fans der Baskets bei der Menge an klaren Niederlagen kein
gesteigertes Interesse an Erklärungen haben, die im schlechtesten Fall als
Ausreden verstanden werden, können Sie aber verstehen?
Ich denke, dass unsere Fans verstehen, dass eine Niederlage in Ulm andere
Gründe hat als beispielsweise die im Heimspiel gegen die Dragons. In Ulm war
das Team mental müde nach einem herausragenden Spiel in Fuenlabrada und traf
auf einen Gegner, der eine exzellente Saison spielt und dann auch noch sein
Debüt in der neuen Arena feierte. Gegen die Dragons im Hinspiel hingegen war
die Defensiv-Leistung insbesondere in der zweiten Halbzeit gegen die
Schnellangriffe unzureichend. Gutes Beispiel ist auch die vergangene Woche.
In Ventspils hatten wir drei offensive Totalausfälle, bei den Artland
Dragons am Samstag wiederum gab es an der Einstellung und an den Mitteln,
die wir gewählt haben, um die Partie zu gewinnen, nur wenig zu bemängeln.
Dennoch stand am Ende eine weitere Niederlage gegen ein Topteam der Liga und
es blieben durchaus Fragen offen. So unter anderem die Tatsache, dass Milan
Majstorovic erst glänzte und dann auf der Bank saß.
Wir müssen für diesen Moment akzeptieren, dass wir den vier Topteams der
Liga unterlegen sind. Es geht für die Mannschaft darum, sich in eine
Ausgangslage zu bringen, die eine Playoff-Teilnahme nicht gefährdet. Zu
Ihrer Frage nach Milan Majstorovic: Zunächst einmal gebührt ihm genau wie
allen anderen Spielern, die von der Bank kamen, ein Lob für den Auftritt im
Artland. Sie haben die gewünschten Impulse geliefert und sich voll für das
Team reingehängt. In der Phase, in der Milan ausgewechselt wurde, hat sein
Gegenspieler Nathan Peavy sehr starke Momente gehabt. Da ist es dann aus
meiner Sicht schon absolut nachvollziehbar, Ronnie Burrell zurückzubringen.
Hat die Mannschaft die vor dem Derby an sie gerichteten Forderungen
umgesetzt?
Es ist ja nicht so, dass man mal eben auf einen Knopf drückt und dann läuft
es. Wir sind auf eine Mannschaft getroffen, die extrem gut besetzt ist und
in dieser Form in der Lage sein kann, selbst ein vermeintliches Über-Team
wie die Brose Baskets zu gefährden. Der Wille, es mit aller Macht zu
versuchen, war dem Team nicht abzusprechen. Ob spielerisch die richtigen
Mittel gewählt wurden, darf in Einzelfällen diskutiert werden. Wenn Bobby
Brown beispielsweise ein paar Würfe mehr trifft, sind alle zufrieden – wenn
man seine Ausbeute bei immerhin 18 Versuchen jetzt betrachtet, muss man für
diesen Tag konstatieren, dass die eine oder andere Entscheidung von ihm
anders hätte ausfallen müssen. Ein anderes Beispiel ist Rickey Paulding. Er
hat sich nach seinem vergebenen Dunking innerlich zu viel mit sich selber
beschäftigt. Er muss lernen, das schnell abzuhaken und in positive Energie
umzusetzen.
Trotz der schwankenden Leistungen zeigen Sie einen unerschütterlichen
Optimismus. Was gibt Ihnen Anlass dafür?
In erster Linie sprechen für mich die Eindrücke in der täglichen Arbeit in
der Mannschaft dafür. Es wird intensiv, konzentriert und selbstkritisch
gearbeitet. Predrag Krunic ist ein akribisch vorgehender Trainer, der sich
sehr viel Zeit nimmt, um mit seinen Spielern zu sprechen und mit ihnen
gemeinsam nach Lösungen strebt, die Schwankungen zu beseitigen und die
nötige Konstanz zu finden. Wir stehen in einem ständigen Austausch und
wissen, wo angesetzt werden muss, um die wahre Stärke dieses Teams auf
konstantem Niveau zu aktivieren. Hätten wir dabei um mehr Geduld bitten
sollen? Möglich – andererseits möchten die Fans auch Ergebnisse und
entsprechende Leistungen sehen. Genau wie wir. Neu zusammengestellte
Mannschaften benötigen auch und vor allem Zeit. In einer Saison, in der die
Beko BBL so stark ist wie vielleicht selten zuvor, können wir uns allerdings
auch nicht mehr viele Rückschläge erlauben.
Was passiert in Sachen anvisiertem Neuzugang?
Das ist ein schwieriges und komplexes Thema, das wir mit aller gebotenen
Umsicht angehen. Eine Stärkung des Kaders macht durchaus Sinn, aber wir
verpflichten nicht einfach einen Spieler, um irgendwas zu tun. Er muss
charakterlich in eine Mannschaft passen, die sich untereinander exzellent
versteht. Das ist ein meilenweiter Unterschied zur Vorsaison! Und zudem muss
er sportlich direkt und unmittelbar weiterhelfen. Die Liga-Statuten geben
uns ja zunächst einmal auch bis zum 29. Februar Zeit, eine Entscheidung zu
treffen.
Der Februar ist für die EWE Baskets in allen drei Wettbewerben
richtungweisend. Was erwarten Sie von der Mannschaft?
Alle müssen zeigen, dass sie jederzeit bereit sind, um jeden Ball und damit
um jede Chance in allen Wettbewerben zu kämpfen. Wir haben in der
EuroChallenge noch immer die tolle Möglichkeit, erstmals ins Viertelfinale
eines internationalen Vergleichs einzuziehen. In der Liga müssen wir die
Konkurrenz, die auf weitere Ausrutscher lauert, auf Distanz halten,
ansonsten wird es bei der Qualität der Playoff-Mitbewerber sehr schnell sehr
eng. Und im Pokal wollen wir die unselige Serie an Niederlagen beenden,
wenngleich uns klar ist, was für eine schwere Aufgabe in Ulm bei der
Positiv-Überraschung der Saison auf uns wartet.
Zum Schluss: Beängstigt Sie die massive Kritik an den EWE Baskets?
Wir haben mit unseren Fans in den vergangenen Jahren Erfolge gefeiert, die
vor einiger Zeit niemand auch nur im Traum für möglich gehalten hätte. Eine
Deutsche Meisterschaft, Platz eins nach der Hinrunde – das ist in Oldenburg
trotz unserer gewiss nicht schlechten Voraussetzungen nach wie vor alles
andere als selbstverständlich. Ich wäre sehr betrübt, wenn in der momentan
zugegeben kniffeligen Phase nun alles von außen zerschlagen wird. Ich
wünsche mir Vertrauen und Unterstützung aller handelnden Personen, um auch
diese Saison noch zu einer erfolgreichen werden zu lassen. Die Chancen sind
noch da!
Die Fragen stellte Torben Rosenbohm, EWE Baskets Oldenburg
Pressemitteilung: EWE Baskets Oldenburg
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