WALTER Tigers Tübingen

Bayreuth vor eigenem Publikum vorgeführt

jochensge am 05.02.2012 um 12:09

Vorweg. Die WALTER Tigers Tübingen haben beim Gastspiel in Bayreuth eine bärenstarke Leistung abrufen können und setzten sich gegen die Franken vor 3505 Zuschauern im Tollhaus der Oberfrankenhalle souverän und hochverdient mit 79:57 (34:30) durch. Mit diesem unerwartet deutlichen Erfolg konnte die Mannschaft von Tigers-Cheftrainer Igor Perovic auch den direkten Vergleich für sich entscheiden (53:69-Niederlage im Hinspiel). Wer weiß, für was dieser „Bigpoint“ noch nützlich ist? Nachdem die Bayreuther verletzungsbedingt auf drei Spieler (Simon Schmitz, Stefan Schmidt und Corey Stokes) verzichten mussten, witterten die Tübinger ihre Chance. Der Plan, die Schlüsselspieler des BBC`s um Danny Gibson und Osvaldo Jeanty aus dem Spiel zu nehmen, ging sehr gut auf. Jeanty kam nur auf magere vier Zähler, Teamkollege Gibson konnte sogar nur drei Punkte verbuchen. Insgesamt wurden die beiden wurfstarken und flinken Aufbauspieler an die kurze Leine genommen und konnten sich zu keinem Zeitpunkt der Begegnung entfalten. Folglich war auch Perovic nach dem errungenen Sieg überglücklich: „Das Team hat unseren „Gameplan“ hervorragend umgesetzt, gut verteidigt und auch in engen Situationen die Ruhe bewahrt. Ferner haben wir wichtige Würfe getroffen“, so Perovic. Sein Gegenüber Marco van den Berg konnte nur gratulieren: „Tübingen hat verdient gewonnen. Wir hatten heute zu viele individuelle Fehler und es kam zu wenig Qualität von der Bank. Es war die schlechteste Vorstellung unter meiner Regie“, sagte ein sichtlich enttäuschter Cheftrainer des Traditionsvereins aus Franken

Sechs Duggins Punkte zum Start – zwei Fouls von Redding innerhalb von 65 Sekunden

Das Spiel begann aus Tübinger Sicht perfekt. Vaughn Duggins sorgte mit sechs Zählern in den ersten 120 Sekunden für erstes Staunen auf den Rängen der Oberfrankenhalle. Nach einem Freiwurf von Jeanty zum 1:6 (3. Minute) streute Tigers-Kapitän Louis Campbell im Gegenzug einen Dreier zur 9:1-Führung ein. Einziger Wermutstropfen: Reggie Redding sammelte in den ersten 65 Sekunden schon sein zweites Foul und musste auf der Bank Platz nehmen, Nicolai Simon vertrat den 23-jährigen US-Amerikaner durch eine starke Verteidigungsarbeit aber zuverlässig. Im weiteren Verlauf des ersten Spielabschnitts kamen die Hausherren etwas besser ins Spiel. Ekene Ibekwe (vier Zähler) und Tyler Smith (zwei) verkürzten in der sechsten Minute auf 7:11 – Gleichzeitig Timeout BBC. Und diese schien bei den Franken gefruchtet zu haben. Beckham Wyrick brachte die Franken in der Schlussminute erstmals in Front (13:12). Simon konterte mit einem sehenswerten Dreier aus der Ecke und nach dem Fastbreak-Angriff schloss der 24-jährige Shooting Guard noch per Korbleger zum 17:13 für die Tigers ab.

Das zweite Viertel begann ähnlich wie der Beginn des Spiels. Adnan Hodzic legte vier Punkte zum zwischenzeitlichen 21:13 auf (11.). Den einzigen Dreier von Jeanty konterte Redding im direkten Gegenzug zum 24:16 in der zwölften Spielminute. Anschließend kam der starke Auftritt des zuletzt verletzten Brandon Hunter. Alle acht Zähler markierte der Center-Koloss zum viel umjubelten 24:24-Ausgleich (16.). Nun orderte Perovic seine Schützlinge an die Seitenlinie. Auch hier waren die neuen Anweisungen des 37-Jährigen erfolgreich. Bis 20 Sekunden vor der Halbzeitpause zogen die Schwaben wieder die Zügeln an und spielten einen kleinen Vorsprung von 34:27 heraus. Leider traf wenige Augenblicke vor der Sirene Gibson per Wurf jenseits der 6,75 Meter Linie zum 30:34-Halbzeitstand.

Campbell, Duggins und Redding waren dafür verantwortlich, dass die Gäste aus Baden-Württemberg nach der Pause mit einem 6:0-Lauf auf 40:30 erhöhten (22.). Doch die Gastgeber gaben sich noch lange nicht geschlagen, Ibekwe und der gut aufgelegte Hunter sorgten mit jeweils vier Punkten ebenfalls für einen kleinen Lauf – 38:40 aus Sicht des BBC und das Spiel stand auf Messers Schneide. Die Tübinger ließen sich aber nicht beeindruckten und demonstrierten bis zum Ende des dritten Viertels Stärke, was sich mit einen 14:2-Lauf niederschlug. Der bis dahin glücklose Pavelas Cukinas traf einen wichtigen Dreier und schloss einen Pass von Campbell per Dunking ab. Das 54:40 – eine kleine Vorentscheidung in der Partie.

Im Schlussviertel sogar noch den direkten Vergleich geholt

Duggins ließ mit seinen zwei Punkten keinen Zweifel daran, dass die Schwaben diese Partie gewinnen sollten. Mit dem 56:40 war sogar die Niederlage aus dem Tübinger Dschungel egalisiert. Sollte etwa noch der direkte Vergleich an die Perovic-Truppe gehen? Die Antwort ist, ja. Die Tigers spielten den komfortablen Vorsprung gekonnt über die Zeit und erhöhten die Differenz zu den Bayreuthern sogar noch. Während den Gastgebern Minute um Minute die Kräfte ausgingen, dominierten die Tübinger die Begegnung bis zur Schlusssirene. Nach dem 60:43 in der 33. Minute durch Redding nahm van den Berg ein erneutes Timeout und schwor seine Mannen ein, wenigstens noch den direkten Vergleich zu sichern. Es änderte sich jedoch nichts am Spielgeschehen. Vier Minuten später zitierte der sympathische Holländer seine Spieler erneut auf die Bank – die Tübinger lagen mit 68:51 in Front, der direkte Vergleich wäre seitens der Gäste gewonnen gewesen. In den folgenden 120 Sekunden erhöhten die Tigers mit einem 8:0-Lauf auf 76:51 – die höchste Führung der gesamten Partie. Darunter auch ein sehenswertes Anspiel von Campbell, der das runde Leder ohne hinzusehen auf Nash passte, welcher noch in der Flugphase per Alley Oop einnetzte. Nach 40 Zeigerumdrehungen stand der 79:57-Auswärtssieg fest, der erste Auswärtssieg nach zuletzt vier sieglosen Spielen in der Fremde.

Dschungelgeflüster:

Was war mit der Uhr los?: Nach dem Ende des dritten Spielabschnitts setzte die Spielanzeige aus. Was tun? Die Protagonisten der Begegnung warteten zunächst bis es weiter ging. Da die Ersatzanzeige aufgebaut werden musste, machten sich alle Akteure wie vor der Begegnung wieder warm. Nach guten zehn Minuten Zwangspause konnte es dann in den letzten Abschnitt gehen.

Freier Korbleger verlegt: Ende des zweiten Viertels traute van den Berg seinen Augen nicht. Maksym Shtein konnte einen freien Korbleger nicht unterbringen und sorgte für große Verärgerung auf der Bayreuther Bank.

Gedenkminute: Vor dem ersten Hochball gab es eine Gedenkminute. Der langjährige Gönner des Bayreuther Basketballs Gerd Herold verstarb vor zwei Wochen – die Fans und Mannschaften werden ihn in guter Erinnerung behalten.

Halsschlagader gefährdet: Bei der 65:80-Niederlage des FC Bayern München in Tübingen, musste sich Bayern-Trainer Dirk Bauermann mehrfach lautstark und emotional aufregen. Grund war die schwache Vorstellung seiner Mannschaft. Die Ansprachen waren derart laut, dass man sogar um die Halsschlagader des ehemaligen Bundestrainers Sorgen machen musste. Ein ähnliches Beispiel in der Oberfrankenhalle: Hallensprecher Christian Horeth gab wie immer alles und peitschte das Bayreuther Publikum eindrucksvoll lautstark nach vorne. BBC-Pressemanager Michael Birkhan berichtete sogar: „Christian hat sich heute sogar etwas zurückgehalten.“ Somit sollte man sich auch um seine Halsschlagader Sorgen machen.

Fünf Tigers-Fans in Bayreuth: Nach zuletzt vier Auswärtsniederlagen in Serie fuhr kein Fanbus in die Wagnerstadt. Fünf treuen Fans war dies jedoch egal und sie machten sich in das 330 Kilometer entfernte Bayreuth auf. Der Jubel bei ihnen war nach dem Überraschungscoup jedoch umso größer und die Mannschaft klatschte die mitgereisten Anhänger aus der Neckarstadt freudig ab.

Versprecher: Bei der Pressekonferenz traut Perovic seinen Ohren nicht als das Moderator ihn der Mannschaft aus Ludwigsburg zuordnete. Bevor der 37-Jährige sein Statement zum Spiel abgab, korrigierte er schmunzelt den Fauxpas.

Super Bowl: Bekanntlich steigt in der Nacht zum Montag das Finale um die NFL-Meisterschaft zwischen den New York Giants und den New England Patriots. Austragungsort ist Indianapolis. Duggins, der etwa eine Stunde entfernt von dem Austragungsort herkommt, hätte zu gerne das Endspiel live im Stadion gesehen. Zwei Mitglieder der Familie Duggins sind jedoch dabei. Vater Curtis und Mutter Paula. Dass die Spieler den Super Bowl anschauen können, verschob Perovic das Training am Montag von 11 auf 14 Uhr. Ein kleines Bonbon für den tollen Sieg.

 

Pressemitteilung: WALTER Tigers Tübingen



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