WALTER Tigers Tübingen
"Ein Schmankerl" - 80:65-Sieg gegen den FC Bayern
jochensge am 28.01.2012 um 12:52
20 Punkte, sieben Turnover, fünf Steals, ein Assist und kein Rebound standen am Ende für Tigers-Kapitän Lou Campbell auf dem Statistikbogen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Statistik nur die halbe Wahrheit erzählt. Die überragende Spielorganisation und Verteidigung des US-Amerikaners sind nicht abzubilden. Immer dann, wenn es darauf ankam, war der 32-jährige zur Stelle und kassierte ein Extralob von seinem Trainer Igor Perovic: „Campbell hat heute ein perfektes Spiel gemacht und war wieder unser Leader.“Dass der Sieg absolut verdient war, sahen beide Trainer nach dem Spiel ähnlich: „Entscheidend war, dass Tübingen von Anfang an sehr intensiv gespielt hat und gut verteidigt hat“, sagten Perovic und Dirk Bauermann unisono nach dem Spiel.
Tigers diktieren von Beginn das Tempo
Für den ersten „Jubler“ vor über 3000 Zuschauer in der ausverkauften Paul Horn-Arena sorgte Reggie Redding mit den ersten Zählern des Spiels. Bayerns Demond Greene sorgte aber postwendend für den 2:2-Ausgleich (erste Minute). Dennoch erwischten die Hausherren den besseren Start und brachten die ersten drei Angriffe im Korb der Bayern unter. Das Team aus der bayerischen Landeshauptstadt fand nun besser ins Spiel und setzte zu einem 8:0-Lauf zum 10:6 an (3.). Inzwischen kamen Robin Benzing und Jared Homan von der Bank ins Spiel der Bayern – welch Luxus. Vaughn Duggins beendete die Tübinger Durststrecke und netzte einen Dreier zum 9:10 (5.) ein. Kurz darauf war es erneut Duggins der mit einem Tip-in die Bayern-Center düpierte. Die Tigers traten weiter geschlossen und engagiert auf und konnten die Führung in der achten Minute durch einen "Cukinas-Baby-Hook" gar auf 18:13 ausbauen. Als die Gäste kurz darauf den Ball „verdaddelten“ und Redding das 20:13 erzielte, hatte Bauermann genug gesehen und zitierte sein Team zu sich. Nach der Auszeit gelang beiden Teams nichts Zählbares mehr, sodass die Tigers eine verdiente Sieben-Punkte-Führung ins zweite Viertel nahmen.
Dieses begann mit einem Paukenschlag, als der Ex-Tiger Sasa Nadjfeji von Duggins beim Korbleger geblockt wurde. Kurz darauf nahm Coach Perovic jedoch seine erste Auszeit, nachdem der erste Angriff etwas unstrukturiert gewesen war. Die nächsten Offensivaktionen stimmten dann auch wieder und Adnan Hodzic und Tyrone Nash erhöhten auf 25:18 (13.). Bauermann war weiterhin nicht zufrieden und nahm eine Minute später beim Stand von 27:18 für die Schwaben die nächste Auszeit. Viele Ballverluste – teils durch die agile Tübinger Verteidigung forciert – gefielen dem Ex-Bundestrainer gar nicht. Die Tigers ließen sich nicht beirren und legten weiterhin ein tolles Tempo vor. Nico Simon schraubte die Führung mit einem Dreier erstmals auf über zehn Punkte und ging vor Freude in die Luft (30:18, 15.). Einzig die Freiwurfquote ließ bis dahin zu wünschen übrig: Tyrone Nash vergab vier der vermeintlich leichten Würfe und verpasste es, die Führung weiter auszubauen. Da sich nun einige Unkonzentriertheiten einschlichen, die zu Ballverlusten führten, konnten die Bayern bis zur großen Pause nochmals ein wenig verkürzen. Den Schlusspunkt unter eine sehr ansehnliche erste Hälfte der Schwaben setzte Redding mit einem verwandelten Freiwurf zum 35:27. Deutlich war wieder die Ausgeglichenheit der Hausherren, bei denen alle neun eingesetzten Spieler auch gepunktet hatten.
Die zweite Halbzeit begann mit einem Dreier von Campbell und zwei weiteren Zählern von Nash zum 40:27 (21.). In der Folgezeit suchten die Tigers ihr Glück zu häufig aus der Distanz oder trafen die offenen Würfe nicht. Erschreckend schwach blieb aber offensive Ausbeute der Bayern, weshalb der Tigers-Vorsprung in der 25. Minute immer noch zweistellig war (44:31). Münchens Homan litt besonders unter der starken Tübinger Defense und benötigte bis zur 26. Minute, ehe er seinen ersten Punkt (an der Freiwurflinie) erzielen konnte. Beeindruckend war weiterhin die kämpferische Einstellung der Hausherren, die sich nach jedem Ball warfen. Die Fans – zumindest die Tübinger – genossen das Spiel in vollen Zügen. Campbell ragte in dieser Phase aus dem Kollektiv heraus. Er verteidigte nicht nur äußerst intensiv und effektiv, sondern übernahm offensiv viel Verantwortung. Zwei Campbell-Treffer binnen 30 Sekunden brachte Tübingen mit 50:35 (28.) in Front – Auszeit Bayern. Die nächsten beiden Münchner Angriffe brachten sechs Punkte ein, allesamt vom bis dahin punktlosen Jonathan Wallace. Nun war es Perovic, der 88 Sekunden vor Ende des Viertels beim Stand von 51:41 eine Auszeit nehmen musste, schließlich sollten seine Tigers eine komfortable Führung mit ins Schlussviertel nehmen. Zwar erzielte nun Josh Young ganz wichtige Punkte zum 53:41, doch im Gegenzug traf Wallace erneut aus der Distanz. Mit der Schlusssirene erzielte Hodzic nach einem Traumanspiel von Young das 58:45. Die Tigers und ihre Fans mussten nur noch zehn Minuten durchhalten.
Campbell führt Tigers zum Sieg
Zu Beginn des letzten Abschnittes zeigten die Tigers weiter, dass sie nicht gewillt waren, auch nur einen Zentimeter Parkett freiwillig herzugeben. Erneut Hodzic arbeitete sehr gut am offensiven Brett und erzielte das 60:47 (32.). Die folgenden Minuten waren gekennzeichnet durch allgemeine Unruhe und viele Unterbrechungen, der Konzentration und Intensität der Tigers tat dies jedoch keinen Abbruch. Redding beendete die Flaute mit zwei bärenstarken Aktionen gegen Homan. Die bis dahin höchste Tübinger Führung ließ Coach Bauermann beim Stand von 66:49 seine letzte Auszeit nehmen (34.). Auf Bayern-Seite drehte nun Je’Kel Foster auf und erzielte die nächsten sieben Münchner Punkte in Folge. Den überragenden Akteur des heutigen Abends hatten jedoch die Tigers in ihren Reihen. Campbell erzielte einen ganz wichtigen Dreier zum 69:53 und erstickte so die zarten Hoffnungen der Gäste im Keim. In den letzten drei Minuten ließen die Hausherren dann auch nichts mehr anbrennen. Tigers-Pressemanager Tobias Fischer jubelte bereits hinter dem Anschreibertisch und die Fans taten es ihm gleich und erhoben sich zu Recht von den Sitzen. Die beste Leistung der Tigers in dieser Saison in der Paul Horn-Arena brachte das verdiente 80:65 gegen den haushohen Favoriten aus Bayern.
Dschungelgeflüster:
Falschparker: Der große Zuschauerzuspruch sorgte Mitte der ersten Halbzeit unfreiwillig für Schmunzeln bei den über 3000 Besuchern. Hallensprecher Jurij Suchowerskyj musste über zehn Falschparker aufrufen, ihr Fahrzeug wegzufahren, da sie eine Rettungszufahrt blockierten. Eine extralange Spielunterbrechung war dennoch nicht notwendig.
Freiwurf-Schwäche: 19 von 29 Freiwürfen als Team, das sind gerade mal 66%. Den Vogel schoss jedoch Pavelas Cukinas ab, der einen Freiwurf gegen das Brett donnerte, dass er ohne Ringberührung zurücksprang. Danach nahm der Litauer etwas Kraft raus: Den zweiten traf er über Brett.
Glücklose Rückkehr: Nicht nur deutlich verloren, auch selber keinen Punkt erzielt. Die Rückkehr von Nadjfeji an seine alte Wirkungsstätte hatte er sich sicherlich anders vorgestellt. Der herzliche Empfang der Tübinger Fans konnte über die Enttäuschung nur bedingt hinweghelfen.
Tigers-Kenner Demond Greene: Beim Abschlusstraining der Münchner Bayern in der Paul Horn-Arena blieben die Münchner Profis vor der großen Bildtafel der Stadtwerke Tübinger stehen, die Episoden aus der Erstligazugehörigkeit der Tübinger Basketballer erzählen. Greene erläuterte seinen Mannschaftskameraden diese Bilder inklusive aller Namen ausführlich.
Schwäbischer Sparfuchs: Auf die Frage, was er seinen Spielern während des Allstar-Breaks mit auf den Weg gegeben habe, antwortete Perovic mit einem Augenzwinkern: „Ich habe mich entschuldigt für die Niederlage gegen Gießen. Ich habe den Spielern schon vor dem Spiel gesagt, dass sie in der Pause Heimaturlaub bekommen, da waren wohl einige mit dem Kopf schon woanders. Ich musste dies aber tun, da die Ticketpreise für die Flüge bei kurzfristigen Buchungen teurer sind", so Perovic. Balsam für die schwäbische Seele.
Pressemitteilung: WALTER Tigers Tübingen
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