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College statt Kohle – Andrew Bogut wählt die harte Tour

Frankie am 17.12.2003 um 19:37

Aussis sind in der NBA so selten wie Slam Dunks von Muggsy Bogues. Magere fünf Australier haben es bisher in ein NBA-Roster geschafft - keiner mit nachhaltigem Erfolg. Dennoch sind Luc Longley, Andrew Gaze, Shane Heal, Chris Anstey und Mark Bradtke schillernde Legenden in Down Under. Und es gibt Grund zur Hoffnung, nicht nur für die Kids vom anderen Ende der Welt: Die australische Leitfigur hat einen Namen: Andrew Bogut: Ein 19-Jähriger, der in dieser Saison mit großen Erwartungen seine College-Karriere in Utah startet. Die Frage ist nicht, ob Bogut den Schritt vom College in die NBA-Welt schaffen kann. Eher fragt sich die Experten-Welt, wie lange er an der University of Utah in Salt Lake City bleiben wird. Ein NBA-Draft-Experte (ESPN) tippte: Bogut wird in der Draft 2004 an Nummer sechs gezogen. Und das, bevor Bogut überhaupt eine Minute in Utah gespielt hat.

Der 2,11m große und 106 Kilo schwere Bogut, der erst am 28. November 19 Jahre alt geworden ist, hätte schon in dieser Saison Millionen verdienen können. Clubs aus Griechenland und Kroatien zeigten gesteigertes Interesse. "Es war verlockend. Mit einem europäischen Vertrag über zwei Jahre wäre ich mein Leben lang versorgt gewesen. Aber ich wollte die Sachen so nehmen, wie sie kommen – Schritt für Schritt", sagte Bogut, der in Melbourne als Kind kroatischer Auswanderer geboren wurde.

Anlass des großen Interesses war sein phänomenaler Auftritt bei der Junioren-WM. In Griechenland gewann das Team Australien vor allem dank Bogut die Goldmedaille. Für Andrews Performance im Sommer gibt es nur ein Wort: Dominanz. 26,3 Punkte, 17 Rebounds, 2,5 Assists und 1,5 Blocks verbuchte der WM-MVP. "Er dominierte gegen talentierte Spieler. Er ist genauso gut, wie seine Statistiken zeigen", sagte Ernie Kent, Coach von USA-Basketball. Australiens Nationaltrainer Brian Goorjian, der Bogut für das Olympia-Team nominieren möchte: "Das Land braucht ein neues Gesicht, und dieser Junge ist wahrscheinlich das Beste."

Boguts Trainer vom Australian Institute of Sports (AIS), Marty Clarke, war von der Flut der Angebote nicht überrascht. "Andrew kennt seinen Stand in der Basketballwelt." Boguts jetzige Adresse heißt University of Utah, im Land der Mormonen. Der Hauptgrund, weshalb Bogut in Utah landete – und nicht bei einem Spitzenverein in Europa –, ist Rick Majerus.

Der runde, lustige Coach der "Utes" macht regelmäßig Urlaub in Australien und zählt Coach Goorjian zu seinem Freundeskreis. Majerus weiß, wie er aus seinen Schülern das Letzte herausholt. Vier ehemalige Utah-Spieler sind im Moment in der NBA – Keith Van Horn und Michael Doleac (New York), Britton Johnsen (Orlando) und Denver Nuggets' Andre Miller.

In Utah wird "Bogues" seine Chancen von Anfang an bekommen. Er ist einer von zehn Rookies, die Majerus nach Salt Lake City holte. "Ich persönlich kann es kaum erwarten, dass mir in den Arsch getreten wird. Deswegen bin ich hier", sagte Bogut in einem Interview mit Australiens MSF Basketball. "Ich freu mich darauf, dass mir die Dunks ins Gesicht knallen, dass ich durch die Zone geprügelt werde und mein Wurf in die zweite Reihe geblockt wird. Das brauche ich! Es gibt keinen Grund für mich, arrogant zu sein." Welcher Coach hört das nicht gern?

Majerus jedoch ist zurückhaltend, wenn er über seinen jungen Star spricht: "Er hat eine Chance, sehr gut zu sein, aber er muss sich sozial und kulturell neu einstellen. Sechstausend Meilen sind eine große Distanz, es wird eine schwere akademische Umstellung." Aber Majerus erkennt das Talent des jungen Burschen: "Er hat sicherlich NBA-Potenzial. Ich bin sehr zuversichtlich, was seine Fähigkeiten und seine mentale Einstellung angeht. Er liebt das Spiel, hat exzellente Hände, die Fähigkeit, sich zu verbessern, und er hört gut zu."

Bei seinem ersten Auftritt als "Ute" hat Bogut sein Allround-Spiel mehr als bewiesen: 12 Punkte, sechs Rebounds, fünf Assists und ein Block in einem Testspiel. "Er hat die schwere Aufgabe, inside und outside zu spielen. Er muss auf den Flügel ausweichen, das ist neu für ihn", sagte Majerus. "Aber nach dem Spiel kam er sofort zu mir und fragte: 'Was haben Sie gedacht?'. Er will sich so sehr verbessern." Dann das nächste Pre-Season-Game: 21 Punkte (10 von 13), 14 Rebounds und vier Steals. Auch Boguts Statistiken nach sechs regulären College-Matches lesen sich nicht schlecht: 11,5 Punkte (57 Prozent aus dem Feld), 12,5 Rebounds und 2,5 Assists erzielte er im Schnitt. Einzig von der Freiwurflinie wackelt der Rookie noch: Seine 35% sind ausbaufähig.

Das Arbeitstier
Was viele Leute begeistert, ist seine hervorragende Arbeitseinstellung. "Du musst ihm während eines Spiels gar nicht zuschauen, um zu wissen, dass er ein Großer wird. Er ist ein Workhorse", sagte Loyola Marymounts Damien Martin, der zwei Jahre mit Bogut beim Australian Institute of Sports spielte und mit Bogut WM-Gold gewann.

Luke Spencer-Gardner (Australier), der in der NCAA für die Oral Roberts University spielt, sagte über Bogut: "Er liebt harte Arbeit. Ich glaube, das ist es, was ich an ihm so bewundere." Weiter: "Er drängt dich, immer dein Bestes zu geben. Er bereitet erst die Mannschaft vor, dann sich selbst", so Martin. Coach Clarke von der AIS sagte: "Wir können ihn überall spielen lassen. Er ist ein hervorragender Athlet. Er kann auf der Position zwei, drei, vier oder fünf spielen. Wir können ihn vorne in die Press-Verteidigung stellen oder auch nach hinten. Wenn das Team mit der Mann-Mann-Verteidigung Probleme bekommt, kann Andrew auch dribbeln."
Bogut, vor der Saison als bester Neuling der Mountain West Conference eingestuft, sorgt für Mismatches. "Wenn ein großer Spieler rauskommt, zieht Bogut an ihm vorbei. Wird er von einem Kleineren verteidigt, kann Bogut ihn unter den Korb bringen", so Clarke. Ein großer Vorteil Boguts sind laut Clarke seine unorthodoxen Bewegungen. "Er spielt nicht wie aus dem Lehrbuch. Und ich glaube, das wird eine seiner Stärken. In den USA werden den Spielern eher steife Bewegungen beigebracht. Sie werden gar nicht wissen, was sie mit Bogut machen sollen."

Obwohl er so hoch gehandelt wird, ist Bogut noch nicht reif für die NBA. Clarke: "NBA-Potenzial ist sicherlich vorhanden. Aber da ist er noch nicht – weit weg allerdings auch nicht mehr." Eigentlich nur ein paar Straßen. Denn die Utah Jazz spielen ganz in der Nähe der Universität, und Majerus lässt seine Jungs oft mit den Jazz-Spielern trainieren.

"Bogues" sieht Bogut als Small-Forward. Dafür muss er aber noch an seiner Perimeter-Verteidigung arbeiten, den Pull-up-Jumper verfeinern und seine Reichweite von der Dreipunktelinie verbessern. Spencer-Gardner hat Bogut mit Memphis-Grizzlies-Power-Forward Pau Gasol verglichen. "Beide sind sowohl unter dem Korb als auch von weiter draußen gefährlich. Aber Bogut ist härter als Gasol." Bogut sagte, er spiele lieber Power Forward als Center, aber am liebsten Small Forward. "Ja, genauso wie Nowitzki, sicher."

Lang wird's nicht dauern, bis Bogut und Dallas-Mavericks-Superstar Dirk Nowitzki zusammen auf dem NBA-Parkett stehen. Und Bogut ersteigt seinen Thron im australischen Legenden-Himmel.

Quelle: Basketball-Magazin Januar 2004

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