WALTER Tigers Tübingen

Nicolai Simon: Zwischen Parkett und Behandlungsraum

jochensge am 16.12.2011 um 12:19

Mit 15 Jahren ist er auf das Basketballinternat der Urspringschule gegangen, durchlief viele Jugendnationalmannschaften als einer der Jahrgangsbesten, schaffte 2006 den Sprung zu ALBA BERLIN und sicherte sich als bester Nachwuchsspieler der Saison 2006/2007 den Titel „Rookie of the Year“. Allein diese Auszüge aus der Vita von Aufbauspieler (Point Guard) Nicolai Simon klingen beeindruckend. Der gebürtige Baden-Württemberger kennt aber auch die Schattenseite des Basketballs. Seit 2010 spielt Simon bei den WALTER Tigers Tübingen und bahnt sich den Weg zurück.

Aktuell behindert unseren Point Guard eine Schleimbeutelentzündung im Knie. So tauscht Simon – wenn auch nicht freiwillig – die Liege des Physiotherapeuten gegen das Spielfeld ein. Natürlich wurmt den 24-Jährigen seine Zwangspause, nichtsdestotrotz wirkt er gelassen. Woher diese Gelassenheit kommt? Ganz einfach! Er hat schon wesentlich Schlimmeres erlebt: In der Saison 2007/2008 wurde Simon, zu der Zeit als eines der größten Basketballtalente Deutschlands gefeiert, durch einen Anriss einer Bandscheibe im Lendenwirbelbereich abrupt ausgebremst. Die bisher wie im Bilderbuch verlaufene Karriere geriet ins Stocken. „Es war eine sehr schwierige Zeit. Die Diagnose war nicht von Anfang an klar. So wurden beispielsweise meine Weisheitszähne entfernt – ohne den gewünschten Erfolg für den Rücken“, so Simon, für den jeder Tag, an dem er nicht trainieren konnte, ein verlorener Tag war.

Verständlich bei jemandem, der mit sechs Jahren seinen ersten Spielerpass hatte und im von den Eltern gegründeten Verein (Grüner Stern Keltern) das Basketballspielen erlernte. „Ich hatte immer den Wunsch, auf ein Basketballinternat zu gehen“, erinnert sich Simon an seine Kindheit. Mit dem Wechsel auf die Urspringschule ging dieser Wunsch in Erfüllung, die durch ihren Kooperationspartner TSG Ehingen schließlich sein Sprungbrett in den Profibereich war. Zwei Basketballjunioren-Meisterschaften gewann Simon mit der Urspringschule. Parallel dazu debütierte er mit 16 Jahren bei der TSG Ehingen in der 2. Basketball-Bundesliga Süd. Hier avancierte der freundliche junge Mann innerhalb kürzester Zeit zum Stamm- und Führungsspieler.

Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis ein großer Klub anklopfte: Simon wechselte 2006 nach Berlin, spielte eine klasse Premierensaison und wurde als bester Nachwuchsspieler der BBL ausgezeichnet. Johannes Herber, sein Mitspieler bei ALBA und von Februar 2010 bis Juli 2011 bei uns in Tübingen
unter Vertrag, entwickelte sich in dieser Zeit zu Simons Vorbild. Nach der schweren Verletzung kam er bei den Albatrossen nicht mehr richtig in Tritt und wechselte zu seinem „Stammverein“ Ehingen. Eine goldrichtige Entscheidung wie sich später herausstellte: In der alten Heimat wurde der in Malsch bei Karlsruhe geborene Simon wieder aufgebaut und fand durch den Wechsel nach Paderborn den Weg zurück ins Oberhaus.

2010 stiegen die Paderborn Baskets ab, Simon wollte jedoch weiterhin erstklassig spielen. Warum nach Tübingen? „Der Coach hat mir sehr gut gefallen. Außerdem die Perspektive für mich persönlich, meine Rolle im Team“, erzählt Simon. Außer täglichem Training hat Simon aber noch anderweitig zu tun: Er studiert in Tübingen Sport und Geografie auf Lehramt. „Das ist manchmal ganz schön stressig, Training und Uni unter einen Hut zu bekommen“, sagt Simon. Wenn der Point Guard nicht gerade mit dem Basketball oder der Uni beschäftigt ist, geht er gerne ins Kino, ab und zu auch mit seinen Teamkollegen. „Wir sind ein homogenes Team mit vielen jungen Spielern, wir versuchen auch immer mal außerhalb des Trainings zusammen etwas zu unternehmen, die Jungs sind alle cool“, sagt Simon – genauso cool in seinem Stuhl sitzend, wie er sein Team beschreibt. Außerdem stehen die neuen Medien bei ihm hoch im Kurs: „Whats App“ – ein Handymessenger dient ihm neuerdings als Zeitvertreib. Wie es nach der Saison mit ihm weitergeht ist noch unklar. „Mir gefällt es hier gut, aber was kommt, habe ich nicht alleine zu entscheiden“, so der Kapitän der A2-Nationalmannschaft, dessen Vertrag im Sommer 2012 ausläuft. Was seine Ambitionen im A-Nationalteam angeht, bleibt Simon zurückhaltend, ohne aber seinen Ehrgeiz zu verhehlen. „ Man möchte immer zu den Besten gehören. Ich will mich weiter anbieten, präsentieren. Wenn ich die Chance bekomme, will ich auf alle Fälle Gas geben.“ Auf dem Parkett stehen und Gas geben will der lockere Typ am Sonntag im Heimspiel gegen LTi Giessen 46ers. Zuerst gilt es allerdings die Schleimbeutelentzündung auszukurieren. Aber da ist Simon zuversichtlich – er hat schließlich schon Schlimmeres erlebt.

 

Pressemitteilung: WALTER Tigers Tübingen



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