Schönen-Dunk

Wer ist die Nummer Eins?

TheBloob am 04.04.2011 um 19:25

Es ist nur einige Tage her, da erdreistete sich doch irgend so ein Typ auf Schönen-Dunk, der Welt erklären zu wollen, wer denn nun der erste Deutsche war, der die College-Meisterschaft im Basketball gewonnen hat. Unfassbar. Wenigstens mit zwei Dingen hatte er Recht.

Zum Einen gibt es wirklich jede Menge Besserwisser auf Schönen-Dunk. Nämlich so viele Besserwisser, dass sie es sogar besser wissen, als der Besserwisser selbst (Danke matty). Zum Anderen ist Henrik Rödl trotzdem nicht die Nummer Eins.

Wer konnte denn auch ahnen, dass Henrik Rödl nicht mal mehr der Buzz Aldrin der Deutschen mit einer College-Meisterschaft ist? Es reicht gerade mal noch zum Charles Conrad. Das heißt nun nicht, dass man den Namen Christian Ast vergessen sollte. Nein, vielmehr sollte man sich noch einen weiteren Namen im Gedächtnis verankern. Auf Schönen-Dunk ist er kein Unbekannter, aber für all die Schreiberlinge da draußen wollen wir es noch einmal klar und deutlich sagen:

Magnus Pelkowski

ist der Name den man sich nun merken muss! Pelkowski gewann bereits 1987, vier Jahre vor Christian Ast, an der Indiana University die College-Meisterschaft im Basketball.

Erfreulicherweise war Herr Pelkowski bereit, einige Fragen zu seiner basketballerischen Laufbahn zu beantworten und seine Eindrücke aus der damaligen Zeit mit uns zu teilen.

Am 13.08.1965 in Bogota, Kolumbien geboren, nachdem seine Eltern 1950 dorthin ausgewandert sind, war sein Weg zum Basketball recht typisch. "Über den Schulsport, wie wohl jeder andere in Deutschland auch", beschreibt er seinen Weg zum Basketball. Über diesen Weg gelangte er dann auch an die Indiana University. Sein damaliger Trainer war mit Bobby Knight befreundet, erinnert sich Pelkowski. Bobby Knight war 1984 bereits seit 13 Jahren Trainer an der Indiana University. So eröffnete sich für Pelkowski die Möglichkeit, am College Basketball zu spielen. Für Pelkowski stand hier vor allem die Chance, eine Ausbildung am College zu absolvieren, im Vordergrund. Schließlich gab es ein volles Stipendium.
1984, als Pelkowski nach Indiana kam, war er allerdings nicht der einzige Deutsche vor Ort. Uwe Blab, welcher später unter anderem für die Dallas Mavericks in der NBA aktiv war, spielte bereits seit 1981 an der Indiana University. Viel Kontakt habe er mit ihm nicht gehabt, weiß Pelkowski zu berichten. Er sei schließlich nur ein Freshman gewesen und Blab 1984 bereits in seinem letzten Jahr am College.
Auf die Erinnerungen an seinen damaligen Trainer Bobby Knight angesprochen, kann er kaum Gutes berichten. Es war eine außergewöhnlich harte Zeit. Eine Zeit, die er so nicht wiederholen möchte. Unter dem Eindruck der damaligen Zeit und einem Trainer, der seine Karriere als Trainer im College-Basketball an der Militärakademie West Point begann, bezeichnet Pelkowski seine Zeit unter Bobby Knight als sein "persönliches Vietnam".
Im zweiten Jahr setze er, neben anderen Spielern, ein Jahr aus, da er noch zu jung und unerfahren gewesen sei und Indiana über genügend Spieler verfügte. Für die Saison 1986/87 kehrte er aber wieder in den Kader zurück. 1987 sollte dann auch das Meisterjahr werden. Die Saison begann aber nicht anders als die anderen Jahre auch. "Die erste Trainingseinheit war die Hölle", erinnert sich Pelkowski. Danach beschäftigte ihn nur eine Frage "Wie überlebe ich das nächste Training?". So dachte man nur von Training zu Training und von Spiel zu Spiel, ganz im Sinne von Trainer Bobby Knight. Den Trainingseinheiten und Spielen ging oft ein stundenlanges Studium von Videos und Spielzügen voraus. So hatte man sich als Spieler auch alle wichtigen Fakten zum kommenden Gegner wie Größe, Stärke und Schwächen der Spieler in einem Notizbuch zu notieren. Diese Notizen überprüfte Bobby Knight gern durch die eine oder andere Quizfrage, erzählt Pelkowski. Neben alten Trikos und dem Meisterschaftsring bewahrt er das Notizbuch noch heute in einer kleinen Ecke in einem Schrank auf.
Nichtsdestotrotz spielte Indiana eine gute Saison und erreichte als Erstplatzierter der Big Ten Conference neben Purdue das NCAA-Tournament. Hier kam Pelkowski allerdings nur im ersten Spiel, beim 92-58 Sieg über Fairfield, zum Einsatz. So ergab es sich, dass Indiana nach vier weiteren Siegen, am 30.03.1987 gegen Syracuse im Louisiana Superdome um die NCAA-Meisterschaft im College-Basketball spielte. Recht gut erinnert sich Pelkowski noch an die beeindruckende Kulisse in der vor allem als Football-Stadion genutzten Arena. An selber Stelle gewann auch Henrik Rödl sechs Jahre später die Meisterschaft. So beeindruckend die Kulisse auch gewesen sein mag, Angst habe man nur vor Bobby Knight haben müssen, so Pelkowski. Im Superdome entwickelte sich ein spannendes Spiel, welches Pelkowski nur von der Bank verfolgen konnte. Dennoch spielte sich die alles entscheidende Szene unmittelbar vor seinen Augen ab. Es war Keith Smart, heutiger Trainer der Golden State Warriors, der fünf Sekunden vor Schluss den Sprungwurf zum 74:73 versenkte. In der Erinnerung von Pelkowski immer noch "ein unglaublicher Wurf", als Smart direkt vor ihm nach oben stieg und verwandelte. Damit gewann Indiana und somit auch Magnus Pelkowski die NCAA-Meisterschaft und verwies Syracuse mit späteren NBA-Spielern wie Rony Seikaly und Derrick Coleman auf Platz 2. Pelkowski absolvierte noch zwei weitere Jahre an der Indiana University, allerdings nie mehr so erfolgreich wie 1987.

Nach seinem Abschluss 1989 erhielt Pelkowski ein dreimonatiges Praktikum bei der Lufthansa, welches er in Frankfurt absolvierte. Schnell stellte er fest, dass er kein "Büromensch" sei und schon gar nicht als Angestellter arbeiten wolle, führt Pelkowski aus. Da er aber in Deutschland in der Nähe seines Bruder bleiben wollte, erschien ihm der Basketball ein weiteres Mal als Mittel zum Zweck. Wie genau, wisse er gar nicht mehr, letztendlich sei er dann aber 1989 in Ulm gelandet. Mit der damaligen Beschränkung für Ausländer war seine deutsche Staatsbürgerschaft allerdings von Vorteil.
Im ersten Training fühlte er sich ein wenig im falschen Film und glaubte eher an die "versteckte Kamera". An Disziplin und Pünktlichkeit gewöhnt, kamen hier die Spieler gern mal zu spät oder trudelten erst während des Trainings ein, berichtet Pelkowski. Er sei in fünf Jahren an der Indiana University nie auch nur eine Viertelminute zu spät gewesen. "Lieber kam man eine Stunde zu früh, als dass man zu spät kam", so Pelkowski über seine Zeit am College. "So kann man nicht gewinnen", war für ihn schnell klar. Diesen Eindruck konnte er auch während seiner gesamten Zeit in Deutschland nie mehr los werden. Nie hatte er den Eindruck, dass eine Mannschaft wirklich alles gegeben hat und alles dafür getan hat, um zu gewinnen.
So nahm dann seine erste Saison in Ulm auch kein sonderlich schönes Ende. Durch Probleme mit dem Sponsor habe es monatelang kein Geld gegeben, resümiert Pelkowski. Letztendlich endete seine erste Saison damit, dass er Ulm verließ.
Pelkowski war inzwischen nach Kolumbien zurück gekehrt, da erreichte ihn erneute ein Anruf aus Ulm. Nachdem man sich über die ausstehenden Gelder einigen konnte, kehrte Pelkowski 1990 wieder nach Ulm zurück. Doch auch diesmal nahm die Saison in Ulm kein gutes Ende. Er habe dem Schiedsrichter im ersten Spiel "eine verpasst", erinnert sich Pelkowski. "Den Schiedsrichter hat niemand gemocht und er hatte es eh immer auf die Langen abgesehen", schildert er den Vorfall. Der Vorfall führte dazu, dass Pelkowski suspendiert wurde und die Saison für ihn beendet war.
Abermals zurück in Kolumbien, erreicht ihn erneut ein Anruf. Diesmal allerdings nicht aus Ulm, sondern aus Bamberg, vom damaligen Trainer Terence Schofield. So wechselte Pelkowski nach eine kleinen Ablöse 1991 zum TTL Bamberg. Hier fand sich Pelkowski unter dem im Training Englisch sprechenden Trainer Schofield besser zurecht. Mit Spielern wie Mike Jackel, Kai Nürnberger oder Peter Cole waren hier auch Spieler vor Ort, die die College-Erfahrung von Pelkowski teilten. Mit dem TTL Bamberg konnte er auch seinen einzigen Titel in Deutschland feiern. Denn im Frühjahr 1992 gewann der TTL Bamberg den Pokal.
Nach seinem Jahr in Bamberg wechselte er noch für einige Zeit nach Braunschweig. Sonderlich gut sei man nicht gewesen, aber wenigstens habe man viel Spass gehabt, beschreibt Pelkowski sein Engagement in Braunschweig. Besonders in Erinnerung sind ihm hier Harald Stein und der Olympiasieger von 1988 Igor Miglinieks geblieben.
Nach einem dreifachen Bänderriss an der Schulter, verursacht durch einen Ellbogentreffen von Olaf Blab bei einem Spiel in Berlin, entschloss sich Pelkowski seine Karriere im Basketball zu beenden.

Dennoch ist ihm seine Zeit beim Basketball in Deutschland positiv in Erinnerung. Schließlich habe man einen Vertrag für 12 Monate unterschrieben, aber nur 9 Monate gespielt. Dies eröffnete ihm im Gegensatz zu seiner Zeit in Indiana viel Freizeit. Diese Zeit nutzte er vor allem, um Urlaub zu machen, meist in Südeuropa, in Ländern wie Griechenland oder Italien.
Da er Sport im Allgemeinen nicht mehr verfolge, beschäftigt er sich auch gar nicht mehr mit Basketball. Kontakt habe er von seinen früheren Mitspielern nur noch gelegentlich mit Harald Stein.
Heute lebt Magnus Pelkowski als freischaffender Künstler und Landschaftsgestalter mit seiner Lebensgefährtin in Mecklenburg. Er verbringt aber nach wie vor noch viel Zeit in Kolumbien bei seiner Familie.


Magnus Pelkowski ist damit nach aktuellem Stand der erste Deutsche, der die College-Meisterschaft im Basketball erringen konnte. Da die College-Meisterschaft allerdings bereits sei 1939 ausgespielt wird, gibt es noch 48 Jahre davor, in denen eventuell ein Deutscher die Meisterschaft gewinnen konnte. Bei einem Land der Einwanderer wie es die USA sind, schlummert da vielleicht noch ein Deutscher, den wir nicht kennen. Bis dahin gilt:

1. Magnus Pelkowski, Indiana University, 1987
2. Christian Ast, Duke University, 1991,1992
3. Henrik Rödl, University of North Carolina, 1993


Allerdings müssen es nicht die Letzten gewesen sein. Denn aktuell stehen die beiden Deutschen Niels Giffey und Enosch Wolf mit ihrem Team Connecticut Huskies im Finale der NCAA-Meisterschaft. Dabei treffen sie auf die Butler Bulldogs. Los geht es heute, in der Nacht von Montag auf Dienstag um 3:00 Uhr.

Links:

Statistiken College

Komplettes Finale von 1987

 

Update

Nun ist es also passiert, die Huskies haben die Bulldogs in der vergangenen Nacht im so viel gepriesenen "Dogfight" besiegt. Die University of Connecticut besiegte die Butler University mit 53:41. Niels Giffey erhielt für seine Verhältnisse mit 24 Minuten viel Spielzeit und konnte sich mit 4 Punkten und 6 Rebounds in den Geschichtsbüchern verewigen, während Enosch Wolf nur ein Platz auf der Bank blieb. Mit dem Sieg der Huskies können wir nun also zwei weitere Deutsche der Liste von Gewinnern der College-Meisterschaft hinzufügen.

4. Niels Giffey und Enosch Wolf, University of Connecticut, 2011


Der (nun schlauere) Besserwisser TheBloob



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