Schönen-Dunk

Ehre, wem Ehre gebührt

TheBloob am 20.03.2011 um 21:32

Schon immer erfreuen die Herren der schreibenden Zunft und andere Medien uns Fans einer kleinen Randsportart auf Schönen-Dunk mit all ihren kuriosen Verschreibern, Versprechern oder ihrer schlichten Unwissenheit. So ergibt es sich, dass Jahr für Jahr ein falscher Mythos auf ein Neues belebt wird. Aber wozu gibt es denn uns Besserwisser auf Schönen-Dunk, wenn nicht dazu, um diesem Mythos ein für alle Mal zu begraben?

Es ist März und wie jedes Jahr bricht im amerikanischen College-Basketball der Wahnsinn aus. Es ist Zeit für March Madness. Wieder einmal ermitteln die besten Teams den Meister im College-Basketball. So sicher wie der Wahnsinn in Amerika ausbricht, so sicher bricht auch ein gewisser "Wahnsinn" in der deutschen schreibenden Zunft aus. So erfreulich es auch ist, dass sich die deutschen Medien den jungen deutschen Talenten im College-Basketball widmen, so falsch ist es aber, was man dort immer wieder zu lesen bekommt.

So lässt uns der Spiegel in seinem Artikel "Wahnsinn im März" wissen:

"Giffey könnte somit der zweite deutsche College-Champion nach Henrik Rödl werden."

Auch der Tagesspiegel teilt uns in "Wahnsinn statt Alba" mit:

"Seinen [Giffeys] früheren Jugendtrainer Henrik Rödl zieht er per E-Mail schon damit auf, dass der College-Champion von 1993 bald nicht mehr der einzige Deutsche mit einem Meisterring sein könnte."

Sorry Niels, du kannst nur noch Nummer drei werden. Wie? Was? Ja genau, Henrik Rödl ist NICHT der erste Deutsche, der eine NCAA-Meisterschaft im College-Basketball gewann.

Ja Moment mal. Die deutsche Wikipedia sagt doch klar und deutlich:

"Er [Henrik Rödl] gewann mit den “Tar Heels” als erster deutscher Spieler die US-Collegemeisterschaft ..."

 Auch die englische Wikipedia sagt: 

"Rödl's Tar Heels won the 1993 NCAA Men's Division I Basketball Tournament, making Rödl the first German to win an NCAA Title"

Wir wissen doch alle, was die Wikipedia sagt, muss wahr sein! Nun ja, wie bei Vornamen von ehemaligen Verteidigungsministern, so ist es auch hier. Nicht alles, was in der Wikipedia steht, muss wahr sein. Es ist schon erstaunlich, dass sich alle Welt an die Nummer zwei erinnert, aber nur die Wenigsten an die Nummer eins. Die Meisten wissen wohl, dass Neil Armstrong der erste Mann auf dem Mond war. Doch nur die Wenigsten wissen, dass ihm Buzz Aldrin folgte. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Nummer eins nicht so erfolgreich wie Henrik Rödl wurde. Spielten doch beide im College sogar gegeneinander und standen später bei Alba Berlin im selben Team.

Wer ist denn nun dieser ominöse erste Deutsche, der die College-Meisterschaft gewann? Aufgepasst, lieber Niels und ihr Schreiberlinge da draußen, der Name, den ihr euch merken müsst, lautet:

Christian Ast

Der 1971 in Heidelberg geborene Sohn eines Mathematik-Professor stand bereits 1991 und 1992 in den Meisterschaftsteams der Duke University, bevor er zur American University wechselte. Auf dem Foto zu sehen mit der Nummer 54, neben dem immer noch in der NBA aktiven Grant Hill. Zugegeben, sein Anteil an den Meisterschaften ist wohl recht gering, angeblich sind auch die Meisterschaftsringe verkauft, dennoch bleibt er der erste Deutsche, der die College-Meisterschaft im Basketball gewann. Wer seinen einzigen und zugleich den letzten Rebound im 1992er Meisterschaftsspiel zwischen Duke und Michigan sehen will, kann dies hier tun (Nr 54, weiß).

Ach ja, liebe Herren von "Was macht eigentlich ...", findet doch mal heraus, was Christian Ast heute macht.

 

Stationen:

90-92 Duke University

94-95 American University

95-96 ALBA Berlin

96-99 Ratiopharm Ulm

00-01 Ratiopharm Ulm

01-02 USC Heidelberg

02-03 1.FC Kaiserslautern

03-04 KUSG Leimen

05-06 Türkspor Mannheim

 

P.S.: Hinweise zur Korrektheit und Ergänzungen zu seinen Stationen sind willkommen.

 

Der Besserwisser TheBloob.



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