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Frankie am 07.07.2003 um 21:19

Das war der Slogan, mit dem der sensationelle Aufstieg der TSG Ehingen in die 2. Basketball-Bundesliga tagelang gefeiert wurde. Basketball in Ehingen, bis 1999 eine kleine Randsportart im Großverein. Die TSG spielte in der Bezirksliga und schlummerte vor sich hin. Bis Abteilungsleiter Georg Gracias der erste Glücksgriff für die Ehinger gelang. Dank einer Anstellung bei der Stadt Ehingen als Verantwortlicher für das Stadtmarketing kam Bundesligaprofi Rolf Koch vom SSV ratiopharm Ulm zur TSG. Eine phantastische Sportgeschichte sollte beginnen. Noch in der selben Saison glückte der TSG, angeführt von Spielertrainer Rolf Koch der Aufstieg in die Landesliga, diese sollte im darauffolgenden Jahr, mit den zurückgekehrten Ehingern Uwe Ströbele und Ralf Böttle, ebenfalls nur Durchgangsstation sein. Vor der ersten Spielzeit in der Oberliga (2001), entstand der erste Kontakt zur 10 km entfernten Urspring Basketball Academy. Mit Felix Czerny und Christian Grosse wechselten zwei Jugendnationalspieler aus den Reihen der Urspringer mit einer Doppellizenz nach Ehingen.

Zum erneuten Aufstieg sollte es diesmal jedoch noch nicht reichen. Ein sehr guter dritter Platz gab aber Grund zur Hoffnung für die darauffolgende Saison. Obwohl inzwischen auch die Internatsmannschaft der SG Urspringschule/Schelklingen den Aufstieg in die Oberliga geschafft hatte, blieben Czerny und Grosse bei der TSG. Nach 7 Spieltagen lagen dann erstaunlicherweise die Urspringer, Ehingen und Möhringen an der Tabellenspitze. Diese Konstellation veranlasste die beiden Verantwortlichen, Rolf Koch und Ralph Junge von der Urspringschule, sich an einen Tisch zu setzen. Heraus kam der zweite Glücksgriff! Man einigte sich darauf, mit der TSG Ehingen den Aufstieg in die Regionalliga anzustreben und in Urspring die Jugendarbeit weiterhin als Aushängeschild zu betreiben. Daraufhin wechselten noch vor Weihnachten Hendrik Feist und Vince Polakovic von Urspring nach Ehingen. Zudem stand in den wichtigen Spielen Ralph Junge als Coach für die TSG zur Verfügung und Rolf Koch konnte sich somit komplett auf seine Funktion als Spieler und Leistungsträger konzentrieren. Am Ende feierten die Ehinger den Aufstieg in die Regionalliga und Urspring kam sogar noch als Zweiter ins Ziel.

Regionalliga! Das war schon etwas besonderes für Ehingen, eine Stadt mit 25.000 Einwohnern ca. 25 km westlich von Ulm. Die Zusammenarbeit mit der Urspringschule und ihrer Basketball Academy wurde jetzt noch weiter ausgebaut. Die Ehinger "Steeples" wurden sozusagen zur "ersten" Mannschaft im Herrenbereich für die Urspringer. Basketball mit jungen deutschen Toptalenten, verstärkt um ein paar Senioren sollte das Markenzeichen werden. Ralph Junge übernahm komplett das Coaching und Rolf Koch die Position des Spieler-Co-Trainers.

Auch mit ratiopharm Ulm schloss die TSG einen Kooperationsvertrag der vorsieht, dass junge Spieler die in Ulm noch nicht genug Spielzeit bekommen, mit Doppellizenz für die Ehinger spielen. Eine Konstellation die für Mario Simic und den von Urspring nach Ulm gewechselten Chris Grosse zutreffen sollte.

Neben Koch, Uwe Ströbele und Christoph Schäfle spielten nur noch Jugendspieler für die Steeples in der Regionalliga. Umso erstaunlicher dann der Verlauf der folgenden 9 Monate. Nach einem verhaltenen Start 4:4-Punkte kam die TSG immer besser ins Spiel. Die jungen Spieler passten sich dem Niveau der Liga an. Ein wie sich noch herausstellen sollte unglaublich wichtiger 87:80-Sieg in Rottenburg, dank eines überragenden Felix Czerny (29 Punkte, davon 15 im letzten Viertel) gab der TSG viel Selbstvertrauen. Mit 12:4-Punkten ging es zum ungeschlagenen Tabellenführer Ludwigsburg. Hier wurden die Steeples mit einem neuen Level konfrontiert: mit 82:54 zerlegten die Barockstädter die TSG. Ein herber Rückschlag, der die Defizite deutlich aufzeigte. Das fehlende Teamtraining, Christoph Schäfle (Job in München), Simic und Grosse konnten maximal Freitags mit der Mannschaft trainieren, sowie noch fehlende körperliche Stabilität. Zwei weitere Siege und der vierte Tabellenplatz stand zur Winterpause zu Buche. Nicht schlecht für einen Aufsteiger. Und das obwohl man aufgrund von ständigen Verletzungen, Krankheiten oder Spielüberschneidungen mit Ulm nie mit derselben Aufstellung antreten konnte.

Zum Rückrundenstart das gleiche Bild, eine Auftaktniederlage in Tübingen und der Verlust von Kapitän Rolf Koch. Thema Aufstiegsrunde ade... (die beiden ersten qualifizieren sich für eine Aufstiegsrunde mit den beiden ersten der Regionalliga Südwest/Nord)! Mit 20:8-Punkten ging es in das Spiel um Platz 3 gegen Kirchheim/Heidelberg. Nur 5 Spieler der ersten Mannschaft waren an Bord und Rottenburg mit nur 4 Minuspunkten weit weg. Wie so oft im Sport kam es aber zu überraschenden Wendungen. Die Steeples kämpften Kirchheim mit 74:70 (Mario Simic 27 Punkte) nieder und Rottenburg verlor sensationell. ... nur noch zwei Punkte vom Aufstiegsplatz!!!... aber kaum noch gesunde Spieler...

Während der Siegesfeier wurde beschlossen, erstmals in der Basketball-Historie Ehingens mit Vince Ford aus St. Louis einen Amerikaner nach Ehingen zu holen. Durch einen Kontakt von Trainer Ralph Junge kam Ford innerhalb von nur einer Woche rechtzeitig zum Spiel in Reutlingen an. Mit 28 Punkten, 7 Assists und 7 Rebounds führte Ford die TSG zum Sieg. Aufgenommen wurde Ford bei Rolf Koch und Familie. Ein Kinderzimmer wurde geräumt und die Familie war um ein Mitglied gewachsen.

Dann der Showdown. Ehingen und Rottenburg punktgleich. Doch wie schon die ganze Saison standen die Vorzeichen nicht gut. Außer Vince Ford (30 Punkte) und Roland Andris (20) war die komplette Mannschaft angeschlagen. Die daraus resultierende 84:86-Niederlage vor 800 frenetisch anfeuernden Zuschauern war ein herber Rückschlag. Einziger Lichtblick: wenigstens der direkte Vergleich blieb bei der TSG.

Die letzte Chance! Das Heimspiel gegen die ungeschlagenen Ludwigsburger. Mit einer Riesenleistung gewannen die Ehinger Steeples 94:89 und mit der zeitgleichen Niederlage von Rottenburg beim MTV Stuttgart gelang das Unglaubliche: Ehingen war plötzlich wieder Zweiter! Die beiden restlichen Spiele wurden deutlich gewonnen und der Platz in der Aufstiegsrunde war somit sicher!

Und es waren alle Mann an Bord, das erste Mal seit Saisonbeginn! Denkste! Vince Ford musste wieder zurück in die USA, seine High School stellte den Lehrer nicht länger frei. Also ohne "Ami" in die Aufstiegsrunde. Dafür zum ersten Mal regelmäßiges Mannschaftstraining. Und das sollte die TSG auf ein neues Niveau hieven. Das Auftaktspiel in Kronberg ging zwar noch mit 83:88 unglücklich verloren, aber dann...

Dauerrivale Ludwigsburg muss nach Ehingen. Nach ständiger Ehinger Führung mit 5 bis 8 Punkten, gab es am Ende noch mal Spannung pur! 71:71, Foul an Mario Simic 2 Sekunden vor Ende. Erster Freiwurf daneben, zweiter DRIN!!!! 72:71 für die TSG (Chris Grosse 25 Punkte/6 Dreier). Drei Tage später ging es nach Grünberg. In einem hart umkämpften Spiel behielten die Steeples die Oberhand und siegten mit 113:103. Auf einmal spielte man um den Aufstieg! Ohne Vince Ford und ohne den am Daumen verletzten Jugendnationalspieler Felix Czerny! Nächster Gegner, Kronberg. Die 5 Punkte Niederlage aus dem Hinspiel musste ausgeglichen werden. Diese Vorgabe wurde mit einem überzeugenden 84:76-Sieg umgesetzt! Es kam also zum Finale in Ludwigsburg. Die beiden Dauerkonkurrenten standen sich nun wieder einmal in einem wichtigen und entscheidenden Spiel gegenüber. Alle erwarteten einen weiteren Krimi. Doch die TSG war an diesem Abend einfach überragend und zeigte die mit Abstand beste Leistung der gesamten Saison. In diesem phantastischen Spiel fügten sie den Ludwigsburgern, angeführt vom überragenden Vince Polakovic (20 Punkte in der zweiten Hälfte), eine deutliche 74:89-Niederlage zu.

AUFSTIEG!!!!
Die Party sollte beginnen und die komplette Woche über, inklusive Heimniederlage im abschliessenden Spiel gegen Grünberg, andauern. Ein Durchmarsch in der Regionalliga mit 7 Jugendspielern war wirklich nicht zu erwarten.

Inzwischen ist wieder der Alltag eingekehrt und die Planungen für das neue Abenteuer "2. Liga" laufen. Die "Senioren" Uwe Ströbele (Berufsleben), Rolf Koch (kümmert sich mit Alexander Siebert und Nico Drmota um das Management und fungiert weiter als Co-Trainer) und Christoph Schäfle (Job in München) beenden ihre aktive Laufbahn. Felix Czerny hat sein Abitur in Urspring gemacht und geht nach St. Bonaventure/New York auf ein renommiertes College. Michael Spöcker macht eine Ausbildung in Schwenningen, Nico Drmota muss wegen seines Studiums (Sportmanagement) kürzer treten und Chris Grosse wechselt nun endgültig zum Kooperationspartner ratiopharm Ulm. Den Steeples erhalten bleiben die Urspringer Roland Andris, Vincent Polakovic sowie Jermain Raffington. Mario Simic wird in der neuen Saison nur für Ehingen spielen. Dazu kommen bisher noch Önder Kutlu von Oberelchingen, Lars Menk aus Kaiserslautern, und natürlich mit Nico Simon, Lucca Staiger und Patrick Neudegger wieder einige junge Urspringer. Ein deutscher Spieler und ein US-Amerikaner sollen den Kader der TSG für die neue Saison vervollständigen.

Auch in den folgenden Jahren soll das Konzept beibehalten werden. Um zwei, drei routinierte Spieler sollen die Youngster der Urspringschule gefördert werden. Diese werden dann nach dem Abitur meist eine neue Herausforderung annehmen und durch neue junge Talente (siehe Simon, Staiger,...) ersetzt. Der Slogan der 2. Basketball-Bundesliga wird in Ehingen umgesetzt.... DIE JUNGE LIGA...


Info: Warum Steeples?
Zu einem ordentlichen Basketball-Team gehört auch ein entsprechender Spitzname (wie z. B. Chicago Bulls, Los Angeles Lakers, Ulmer Spatzen, Frankfurt SKYLINERS u.s.w.). Darüber hinaus sollte der Name einen Bezug zu unserer Heimatstadt haben.
Wahrzeichen und Symbol Ehingens ist bekanntlich die weithin sichtbare Silhouette unserer Kirchtürme. Nachdem die Kirchtürme ebenso wie wir sehr groß, stolz und kräftig sind, lag natürlich nichts näher, als das englische Wort hierfür (= Steeples) in unser Mannschaftsemblem mit aufzunehmen. Somit waren die "Ehinger Steeples" geboren.

TSG Ehingen 1848

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