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Basketballkult in Quakenbrück

Frankie am 10.06.2003 um 19:19

"Jaaaaa, wir haben es geschafft, Quakenbrück spielt nächste Saison in der BBL!", schrie ein überwältigter Hallensprecher in sein Mikrofon. Im selben Augenblick brachen in Quakenbrück alle Dämme, die Fans fielen sich in die Arme und sprangen vor Freude in die Luft. Aber genau so schnell wie diese Jubelorgie kam, verflog sie auch wieder. Denn einer der beiden Unparteiischer hat ein Foul gesehen und gestikulierte nun mit dem Kampfgericht. Sein Pfiff muss unter dem ohrenbetäubenden Lärm untergegangen sein. Es gab Freiwürfe die zu der ersten Verlängerung führten und die zweite Overtime brachte dann die Entscheidung zu Gunsten der Gäste aus Rhöndorf. Die Enttäuschung bei Spielern, Offiziellen und Fans war verständlicher Weise groß.

Dieses Szenario spielte sich vor zwei Jahren in der Artland Sporthalle zu Quakenbrück ab, ist nun aber bei allen vergessen, keiner trauert mehr dem hauchdünn verpassten Aufstieg in die Beletage des deutschen Basketballs nach.

Der Grund dafür ist die gerade abgelaufene Spielzeit, sie war bei weitem nicht so spannend, wie das angedeutete "Meisterschaftsspiel", aber dafür umso erfolgreicher. Die Basketballabteilung des QTSV marschierte mit einer nie zuvor gegebenen Dominanz ungeschlagen in die Basketball Bundesliga!

Spätestens nach den letzten Erfolgen, wissen nicht nur die Artländer, sonder auch die Osnabrücker und der gesamte Landkreis, das in "Entenhausen" jedes zweite Wochenende ein spektakuläres Sportevent aufgezogen wird. Die alte Schulsporthalle wurde zu jedem Spiel von einem 6köpfigen Aufbauteam mehrere Stunden auf den abendlichen Zuschaueransturm vorbereitet. 3 Sitzplatztribünen und 2 Stehplatztribünen boten weitere 700 Plätze, so konnten bei jedem Spiel 1.500 Zuschauer die "Dragons" hautnah erleben und die Spielstätte in einen Hexenkessel verwandeln. Viel zu oft war das Fassungsvermögen dennoch dem Zuschaueranspruch nicht gewachsen und einige Basketballfans, die erst kurz vor Spielbeginn auftauchten, mussten ihr Vorhaben Jordan & Co. einmal live in Aktion zu sehen verschieben, denn dann war die Halle mal wieder restlos ausverkauft!

In den sieben Jahren Zweitligazugehörigkeit entwickelten sich die Veranstaltungen zu echten Kultereignissen, oft kamen die treuen Fans schon zwei Stunden vor Spielbeginn. Entweder um sich einen guten Platz zu ergattern oder einfach nur das besondere "Basketball-Feeling" hautnah zu erleben. Manager Beens sagte einmal: "Basketball in Quakenbrück ist ein gesellschaftliches Ereignis, daran nehmen alle Teil, von der Putzfrau bis zum Bürgermeister!" Dem ist nichts hinzuzufügen.
Jedermann erkannte aber, das die Artlandhalle der Basketballbegeisterung in der Kleinstadt nicht mehr gewachsen ist. Außerdem ist für Liga 1 eine größere und fernsehtaugliche Sporthalle Pflicht.

Aus diesem Grund zogen alle Verantwortlichen an einem Strang, um den Traum "Bundesliga in Quakenbrück" zu realisieren und damit den wichtigen Hallenneubau zu ermöglichen. Ein Sponsor, der auch den Großteil der letzten und des aktuellen Etats (ca. 500.000 €) deckt, hat einen nicht unerheblichen Teil des 4,5 Millionen € Projektes "Mehrzweckhalle" finanziert. Weitere Stützen für die Finanzierung waren die Stadt Quakenbrück, die Samtgemeinde Artland und das Land Niedersachsen.

Am ersten Maiwochenende war es dann soweit, die "Artland Arena" wurde vor voll besetzten Rängen offiziell eingeweiht. Viele Zuschauer kamen aus dem staunen nicht mehr heraus, als sie die ringsherum verlaufenden Tribünen vollbesetzt sahen, das machte Appetit auf mehr. Eine Gänsehautatmosphäre kam auf, als der Lärmpegel das erste Mal in die Höhe ging. Kaum auszumahlen was passiert wenn die Artland Dragons zum ersten Bundesligaspiel in ihrer Vereinsgeschichte, vor über 3.000 begeisternden Fans auflaufen.

Die Infrastruktur wächst mit dem Erfolg der Mannschaft ebenfalls, welches nicht alleine der Hallenneubau zeigt. So kann die Basketballabteilung (18 Teams und 250 Mitglieder) seit dieser Saison eine Geschäftsstelle, in zentrale Lage, ihr eigen nennen. Die nicht nur für Fans eine Anlaufstelle ist, sondern dank der Räumlichkeiten auch Platz für Mannschaftsbesprechungen und anderen Versammlungen bietet. So muss Coach Fleming zum Beispiel nicht mehr in seine eigene Wohnung ausweichen um Videoanalyse und Taktik zu besprechen.

Vor Beginn dieser Saison wurde in Person von Marko Beens zum ersten Mal ein hauptamtlicher Manager eingestellt. Der mittlerweile mit zwei weiteren Angestellten die Fäden außerhalb des Parketts in den Händen hält. Seit drei Jahren betreibt der QTSV unter Leitung von Ritz Ingram (auch Co-Trainer der Artland Dragons) eine professionelle Jugendarbeit. Bei der Vorstellung des "Teams hinter dem Team" darf der Name von Abteilungsleiter Günter Kramer, der seit über 25 Jahren ehrenamtlich im Verein arbeitet, nicht fehlen. Das sind alles Anzeichen für ein gewachsenes und von Jahr zu Jahr professioneller arbeitendendes Team.

Durch diese grundsolide Basis konnte in der Burgmannsstadt ein perfekt funktionierendes Team zusammen gestellt werden. Aus den Fehlern der vorangegangenen Saison, in der die Artländer als Topfavorit nach dem hauchdünn verpassten Aufstieg an den Start gingen und nach vielen Spielerwechseln im Laufe der Saison nur einen enttäuschten dritten Rang belegten, gelernt werden.

Bleiben durften nur Publikumsliebling und Identifikationsfigur Woltmann, der junge Daniel Strauch, der Grieche Stavropoulos sowie Ucovic und Duresso. Hinzu kam vom Süd-Aufsteiger Ludwigsburg Ex-Nationalspieler Freyer, US-Pointguard Michael Jordan, Johnny McNeil (Amerikaner mit EU-Pass), Jamie Duncan (Kanadier mit EU-Pass) und Refiloe Lethunya! Das Ziel, ein möglichst amerikanisches Team aufzubieten welches schnellen und damit zugleich auch ansehnlichen Basketball spielen kann, war mit hochkarätigen Verpflichtungen gewährleistet. Dies stellten die Mannen von Trainer Fleming in Vorbereitungsspielen gegen Zwolle (88:78-Sieg) und Oldenburg (78:85), die beide eine Liga höher spielten, gleich unter Beweis.

Die ersten sieben Saisonspiele waren keine echte Prüfung für die Dragons, mit 14:00-Punkten belegten sie zusammen mit den Schwelmer Baskets die Tabellenführung. Dann kam es zum Showdown der beiden Tabellenführer in der bis auf den letzten Platz gefüllten Artlandsporthalle. Dort behielten die Dragons in einem hart umkämpften Spiel mit 83:72 die Oberhand. Spätestens nach diesem Sieg gastierte in Quakenbrück entgültig eine Basketballeuphorie. Der Tabellendritte Bremerhaven wurde in der nächsten Partie auswärts von den "Artland Dragons" und den 500 mitgereisten Fans 71:100 auseinander genommen. Der folgende Auftritt des Quakenbrücker Starensemble, wieder gegen ein Team aus der Spitzengruppe, den Paderborn Baskets, wurde ebenfalls gewonnen (74:90)!

Zu diesem Zeitpunkt hat sich, anders als im letzten Jahr, längst ein Teamleader gefunden, der die wichtigen Würfe getroffen hat und stets seinen Kameraden zeigte in welche Richtung es geht. Michael Jordan, ein Name ist Programm! Unterstützt vom ebenfalls stark aufspielenden Forward Stavropoulos dem "cool" agierenden Freyer und dem abgezockten Johnny McNeil!

So war es kein Wunder, das Quakenbrück auch die folgenden 10 Spiele deutlich gewonnen hat. Man konnte sogar einen Achtungserfolg im BBL-Pokal beim ärgsten Konkurrenten aus Schwelm landen! Der das Selbstvertrauen der Truppe noch einmal erhöhte. Im Achtelfinale des Pokals durfte die Erstligamannschaft aus Ludwigsburg empfangen werden. Dieses Spiel sollte die oft gestellte Frage, ob das Team schon Erstliganiveau hat, beantworten. Die Antwort -JA-! Mazique, Ball und Co. wurden nicht nur besiegt, nein sie wurden regelrecht demontiert, 94:59 lautete das Endergebnis, welches keine Fragen mehr offen ließ! Den Schwaben wurde eine Lehrstunde in Tempo, Spritzigkeit und Disziplin erteilt! Die Quakenbrücker feierten die ganze Nacht ein Basketballfest. Am nächsten morgen standen Fans vor der Geschäftsstelle und klatschten vor Begeisterung an die Scheiben, berichtete der Manager.

Nur zwei Wochen nach dem vorläufigen Saisonhighlight, standen 8 schwere Tage vor der Mannschaft. Denn innerhalb dieser Zeit liefen die Dragons in Schwelm auf, spielten im Pokal-Viertelfinale gegen RheinEnergie Cologne und empfingen die Eisbären aus Bremerhaven! Die Partie gegen Schwelm konnte der bis dahin ungeschlagene Tabellenführer mit 89:86 äußerst knapp für sich entscheiden. Unterstützt von über 750 Quakenbrückern in der mit 3.000 Menschen ausverkauften Wuppertaler Unihalle, in welche Baskets zu dem Spitzenspiel umzogen. Das war die Entscheidung im Aufstiegskampf, denn nun konnte der potenzielle Aufsteiger nur noch rein rechnerisch abgefangen werden!

Im Spiel gegen den amtierenden Vizemeister RheinEnergie bestätigte sich ein weiteres mal das Quakenbrück nicht mehr in die 2. Liga gehört. Köln gewann zwar 94:92 aber die Dragons verkauften sich sehr gut. Jordan, Stavropoulos und Ucovic konnten selbst von den erfahrenen Kölnern nicht gestoppt werden. Der letzte Wurf von Jordan, mit der Schlusssirene, verfehlte sein Ziel zwar knapp, hinderte die "Dragons-Anhänger" aber nicht ihr Team mit minutenlangen "Standing-Ovations" gebührend zu feiern. Kölns Trainer Baeck war von der Atmosphäre und dem Stil in der Halle begeistert, er freue sich schon auf die nächste Saison!

4 Tage später wollten die Bremerhavener Eisbären den Drachen ihre erste Saisonniederlage beibringen. Auch ihnen sollte es nicht gelingen, 81:93 lautete der Endstand. Am 26. Spieltag wurde die Meisterschaft im Unterhaus auch rein rechnerisch unter Dach und Fach gebracht. Das die letzten 4 Spiele ebenfalls klar gewonnen wurden versteht sich mittlerweile schon fast von selbst. In der abgelaufenen Spielzeit machte der Aufsteiger im Schnitt 99,8 Punkte pro Partie und hielt den Gegner auf 72,5 Punkte. Beide Werte sind in der zweiten Bundesliga (Nord & Süd) in dieser Saison unerreicht!

In der s.Oliver BBL spielen nun endlich auch die Artland Dragons aus Quakenbrück. Nach 5 verpassten Anläufen (4.; 3.; 3.; 2.; 3. Platz) ging der Traum nun in Erfüllung! Welche Rolle Quakenbrück, das gallische Dorf des Basketballs, zwischen all den Großstadtclubs spielt, bleibt abzuwarten.

Auf jeden Fall ist Chris Fleming (33) auch in der nächsten Saison Trainer beim Aufsteiger, der 1995 aus Amerika gekommene Flügelspieler, führte das Team aus den Niederungen der Regionalliga in die 2. Bundesliga und übernahm vor drei Jahren den Part als Coach.

Auf die Dienste von Michael Jordan (25), Konstantinos Stavropoulos, Arne Woltmann (beide 28), Jamie Duncan (25) und wahrscheinlich auch Johnny McNeil (35; nur noch Formsache) kann der Trainer auch im kommenden Jahr bauen, denn diese Akteure haben einen neuen Vertrag in Quakenbrück erhalten.

Vielen Dank für diesen emotionsgeladenen Bericht an den Autor

Jan Christlieb

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