Gastschreiber
Sonstiges
Wenn der Boris kommt...
Sven Meyer am 06.06.2003 um 18:40
Wenn der Tag sich dem Ende neigt in Deutschlands Basketballhallen, wenn man als Spieler hart gearbeitet hat für das einzig wichtige Spiel des Wochenendes, wenn man als Coach der Meinung ist, alles in der Vorbereitung getan zu haben, um das Spiel zu gewinnen und wenn sich die Zuschauer auf ein spannendes Basketballspiel freuen, dann kann doch nichts mehr schief gehen, oder?
Seine Präsenz in der Halle spürt man, ohne ihn vorher gesehen zu haben. Es geht so ein leicht komisches, dumpfes Stöhnen durch die Zuschauerränge. Gutsituierte Ehefrauen Krallen sich, bis das weisse der Fingerknöchel zu sehen ist, krampfhaft an ihre teuren Gucci-Taschen fest. Den sich gegenseitig mit Schlachtgesängen aufmunternden Fans beider Mannschaften entgleist kurzfristig die Stimme. Lächelnde Spieler gibt es jetzt beim warm machen plötzlich nicht mehr. Sie sehen eher aus, als hätte man ihnen just in diesem Zeitpunkt erzählt, dass der diesjährige Sommerurlaub zugunsten eines Traininglagers in Rumänien ausfällt. Die Coaches beider Mannschaften dagegen schauen verlegen zu Boden und kicken imaginäre Papierkugeln durch die Gegend. Klar, sie haben es vorher gewusst. Allerdings haben sie schlauerweise niemandem etwas davon erzählt, denn…. BORIS KOMMT!
Sein Einmarsch in die Halle ist eher unspektakulär. Er wirkt so aufgeräumt, lächelt sogar unverbindlich. Manch einer würde sagen, er wirkt bieder. Bieder wirkte allerdings auch Michael Douglas in seiner Hauptrolle des Hollywood-Streifens "Falling Down" entgegnen mir nun andere...
Boris ist auf dem Weg, eine "Legende" zu werden. Ein Basketball-Schiedsrichter, dessen Name mittlerweile sogar jeder Zuschauer kennt und der dementsprechend bei der Vorstellung in der Halle mit einem gellenden Pfeifkonzert begrüsst wird. Und das in einer Sportart, wo Schiedsrichter normalerweise nicht im Mittelpunkt stehen!
Ihm, dem Boris, bei der Arbeit zuzusehen, hat was. Er schwitzt eigentlich nie, seine Mimik scheint immer ein und dieselbe. Und doch gibt es da gewisse Anzeichen. Anzeichen, die man nur deuten kann, wenn man es mit ihm zumindest ein Dutzend Mal zutun hatte. Boris umgibt sich mit so einer Art "Ground-Zero"-Zone, nicht sichtbar, aber doch vorhanden. Sie beträgt ungefähr 1,5 Meter im Durchmesser. Falls ein Spieler oder Trainer diese Zone unaufgefordert betritt, passieren merkwürdige Dinge in der Halle. Matrix-mässig läuft plötzlich alles in Zeitlupe ab. Eine Falte auf Boris' zugegebenermaßen hoher Stirn, zeichnet sich deutlich ab. Seine Finger bekommen diese nervöse Eigenbewegung in Hüfthöhe. Und dann, ganz plötzlich, zieht er im Stile eines High-Noon-Gary-Coopers seine Waffen, für den ahnungslosen Spieler zu schnell und unvorhergesehen. Das "TECHNISCHE"! Zack - Treffer. Der Spieler windet sich schwer getroffen durch das ihm entgegengehalten T-Zeichen. Die Halle explodiert förmlich unter der Gewalt dieser Geste. Wir lernen, dass betroffene Trainer aus dem Stand 1 Meter hoch springen können. Nur Boris, der pustet nicht auf seine Fingerkuppen. Komisch eigentlich.
Wer aber ist dieser Boris, diese scheinbare "persona non grata"? "Er macht alles 120%ig und ist ein unheimlich sozialer Mensch. Das ist seine Natur", erzählte mir ein alter Freund vergangener Hamburger Tage. Seinen Namen möchte er dennoch nicht veröffentlicht wissen. "Du weißt doch, er bestraft so was sofort." Und hält mir ein T-Zeichen vor die Nase. "2x Bierholen und 1x Einwurf in die Musikbox kostet so was!", erzählt er feixend. Ich nicke verständnisvoll.
Dabei ist er kein Rätsel, dieser Mister 120 Prozent. Wenn man es mit ihm zutun hat, weiss man woran man ist. Das war schon früher so und es kann mir niemand erzählen, dass Boris unfair pfeift. Hält man sich an oben genannte Verhaltensregeln passiert zumeist nichts weltbewegendes. Auch ist er, da wird Dirk Bauermann anderer Meinung sein, kein Heimschiedsrichter. Das steht fest. Was man ihm vorwerfen muss, ist das er hinten keine Augen hat. Hätte er die, könnte Gary Cooper noch etwas stolzer auf ihn sein, würde er denn noch unter uns weilen. In den letzten Play-Off-Spielen wurde das ein oder andere harte Foul von ihm nicht geahndet, weil es aber auch nicht von ihm gesehen wurde. Sowas würde er sich sicherlich nicht verzeihen, er der Gewissenhafte. Das für mich unglaublichste Erlebnis mit ihm liegt allerdings schon ein Jahr zurück: Da gab doch Liga-Sunnyboy Mithat Demirel dem Boris beim zurücklaufen einen freundschaftlichen Klaps auf den Hintern. Auf den Pfiff wartet Mithat allerdings immer noch.
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Seine Präsenz in der Halle spürt man, ohne ihn vorher gesehen zu haben. Es geht so ein leicht komisches, dumpfes Stöhnen durch die Zuschauerränge. Gutsituierte Ehefrauen Krallen sich, bis das weisse der Fingerknöchel zu sehen ist, krampfhaft an ihre teuren Gucci-Taschen fest. Den sich gegenseitig mit Schlachtgesängen aufmunternden Fans beider Mannschaften entgleist kurzfristig die Stimme. Lächelnde Spieler gibt es jetzt beim warm machen plötzlich nicht mehr. Sie sehen eher aus, als hätte man ihnen just in diesem Zeitpunkt erzählt, dass der diesjährige Sommerurlaub zugunsten eines Traininglagers in Rumänien ausfällt. Die Coaches beider Mannschaften dagegen schauen verlegen zu Boden und kicken imaginäre Papierkugeln durch die Gegend. Klar, sie haben es vorher gewusst. Allerdings haben sie schlauerweise niemandem etwas davon erzählt, denn…. BORIS KOMMT!
Sein Einmarsch in die Halle ist eher unspektakulär. Er wirkt so aufgeräumt, lächelt sogar unverbindlich. Manch einer würde sagen, er wirkt bieder. Bieder wirkte allerdings auch Michael Douglas in seiner Hauptrolle des Hollywood-Streifens "Falling Down" entgegnen mir nun andere...
Boris ist auf dem Weg, eine "Legende" zu werden. Ein Basketball-Schiedsrichter, dessen Name mittlerweile sogar jeder Zuschauer kennt und der dementsprechend bei der Vorstellung in der Halle mit einem gellenden Pfeifkonzert begrüsst wird. Und das in einer Sportart, wo Schiedsrichter normalerweise nicht im Mittelpunkt stehen!
Ihm, dem Boris, bei der Arbeit zuzusehen, hat was. Er schwitzt eigentlich nie, seine Mimik scheint immer ein und dieselbe. Und doch gibt es da gewisse Anzeichen. Anzeichen, die man nur deuten kann, wenn man es mit ihm zumindest ein Dutzend Mal zutun hatte. Boris umgibt sich mit so einer Art "Ground-Zero"-Zone, nicht sichtbar, aber doch vorhanden. Sie beträgt ungefähr 1,5 Meter im Durchmesser. Falls ein Spieler oder Trainer diese Zone unaufgefordert betritt, passieren merkwürdige Dinge in der Halle. Matrix-mässig läuft plötzlich alles in Zeitlupe ab. Eine Falte auf Boris' zugegebenermaßen hoher Stirn, zeichnet sich deutlich ab. Seine Finger bekommen diese nervöse Eigenbewegung in Hüfthöhe. Und dann, ganz plötzlich, zieht er im Stile eines High-Noon-Gary-Coopers seine Waffen, für den ahnungslosen Spieler zu schnell und unvorhergesehen. Das "TECHNISCHE"! Zack - Treffer. Der Spieler windet sich schwer getroffen durch das ihm entgegengehalten T-Zeichen. Die Halle explodiert förmlich unter der Gewalt dieser Geste. Wir lernen, dass betroffene Trainer aus dem Stand 1 Meter hoch springen können. Nur Boris, der pustet nicht auf seine Fingerkuppen. Komisch eigentlich.
Wer aber ist dieser Boris, diese scheinbare "persona non grata"? "Er macht alles 120%ig und ist ein unheimlich sozialer Mensch. Das ist seine Natur", erzählte mir ein alter Freund vergangener Hamburger Tage. Seinen Namen möchte er dennoch nicht veröffentlicht wissen. "Du weißt doch, er bestraft so was sofort." Und hält mir ein T-Zeichen vor die Nase. "2x Bierholen und 1x Einwurf in die Musikbox kostet so was!", erzählt er feixend. Ich nicke verständnisvoll.
Dabei ist er kein Rätsel, dieser Mister 120 Prozent. Wenn man es mit ihm zutun hat, weiss man woran man ist. Das war schon früher so und es kann mir niemand erzählen, dass Boris unfair pfeift. Hält man sich an oben genannte Verhaltensregeln passiert zumeist nichts weltbewegendes. Auch ist er, da wird Dirk Bauermann anderer Meinung sein, kein Heimschiedsrichter. Das steht fest. Was man ihm vorwerfen muss, ist das er hinten keine Augen hat. Hätte er die, könnte Gary Cooper noch etwas stolzer auf ihn sein, würde er denn noch unter uns weilen. In den letzten Play-Off-Spielen wurde das ein oder andere harte Foul von ihm nicht geahndet, weil es aber auch nicht von ihm gesehen wurde. Sowas würde er sich sicherlich nicht verzeihen, er der Gewissenhafte. Das für mich unglaublichste Erlebnis mit ihm liegt allerdings schon ein Jahr zurück: Da gab doch Liga-Sunnyboy Mithat Demirel dem Boris beim zurücklaufen einen freundschaftlichen Klaps auf den Hintern. Auf den Pfiff wartet Mithat allerdings immer noch.
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