Gastschreiber
Sonstiges
Sag Mutti: "Schalt den Fernseher ein!"
Sven Meyer am 28.02.2003 um 10:53
Es wird ernst: Wie man weiß, läuft der dreijährige Fernsehvertrag zwischen der BBL und der insolventen Kirch-Gruppe aus. Er wird nicht mehr verlängert. Wir müssen uns alle wohl oder übel mit diesem Gedanken anfreunden. In der nächsten Saison wird es mit 95%iger Sicherheit keinen Erstliga-Basketball mehr im Fernsehen geben. Weder auf SAT.1 noch im DSF, noch sonstwo. Ist man sich "draußen", in der Basketballwelt darüber im Klaren, was dies bedeutet? Es bedeutet erst einmal einen herben Rückschlag in den Bemühungen, Basketball als zweite Mannschaftssportart hinter "König Fußball" in Deutschland zu etablieren. Wie kann so etwas passieren? Was nützen uns smarte Leute, wie Marco Baldi oder Otto Reintjes, die Initiatoren des jetzigen Fernsehvertrages, wenn eine Kirch-Gruppe es nicht schafft, ordentlich kaufmännisch zu agieren und Pleite geht?
Punkt 1: Nun sind die Banken als Gläubiger der Kirch-Gruppe gerade dabei, den Verkauf der einzelnen Kirch-Sparten so profitabel wie möglich zu realisieren. Die Sparte Sportfernsehen, hier mit dem Zugpferd Fußballbundesliga-Übertragungsrechte, wird umstrukturiert, um diesen interessanten Bereich für eventuelle Käufer noch attraktiver zu gestalten. Allerdings werden sich diese Bemühungen noch Monate hinziehen. Zu spät für eine vernünftige Programmplanung in Hinblick auf die Saison 2003/04 der BBL. Denn der potentielle neue Käufer wird Basketball wohl eher nicht mehr im Programm haben wollen. Warum sollte er auch?
Damit wären wir bei Punkt zwei: Alles steht und fällt mit den TV-Einschaltquoten. Um hier keine Augenwischerei zu betreiben: Diese sind einfach zu schwach! Sicherlich ist über die letzten 3 Jahre eine Einschaltquoten-Aufwärtstendenz zu verzeichnen, aber für einen Sender wie SAT.1, der mit Millionen Zuschauern pro Sendung rechnet, vollkommen unbefriedigend.
Ein fragiles Kartenhaus fällt zusammen. Wir alle werden darunter leiden. Die Klubs werden mit noch weniger Geld auskommen müssen, die BBL wird ihre Hauptsponsoren (s.Oliver, Deutsche Bahn) eventuell verlieren, wir Sportagenturen werden den Gürtel enger schnallen müssen und natürlich die Fans als Hauptleidtragende... Sie können nun nicht mehr am aktuellen Basketballgeschehen in Deutschland via TV teilhaben.
In diesem Zusammenhang möchte ich einmal meine Zweifel an den gemessenen Werten bei Basketball-TV-Events zum Ausdruck bringen. Ich erinnere mich da an Worte meines Lieblings-Hageners: Frank "Buschi" Buschmann vom DSF. Er bezweifelte schon vor einigen Jahren öffentlich die Genauigkeit der gemessenen Einschaltquoten bei Basketballübertragungen. Ich gebe ihm Recht. Denn wie wird gemessen? Es wird repräsentativ aus 5.640 privaten Haushalten mit ca. 13.000 Personen (Quelle: HP der Fa. GfK AG) das Sehverhalten dokumentiert. Das Sehverhalten der Einzelnen wird minutiös festgehalten und ausgewertet. Hochgerechnet auf alle privaten Haushalte Deutschlands ergibt das dann die entsprechende Einschaltquote. Die Frage, die sich hier aufdrängt: Wer schaut Basketball? Sind es "Mutti" und "Papi"? Nein, Basketball wird hauptsächlich von jungen Menschen gesehen. Die Zielgruppe umfasst bekanntlich die 14-28jährigen.
Nun schauen wir uns doch einmal den Sendeplatz auf SAT.1 für "ran - SAT.1-Basketball" genauer an. Es läuft zeitgleich die "Lindenstraße" auf der ARD. Niemand will doch Ärger mit "Mutti" haben, wenn ihre geliebte Sendung läuft, oder? Was ich sagen will ist, dass sich die junge Zielgruppe doch lieber beim Kumpel verabredet um Basketball zu schauen. Der Kumpel, 22 Jahre alt und erstmals eine eigene Wohnung, nie alles aufgeräumt in der Küche, aber egal... Wie viele Decoder stehen bei solchen Leuten? Wer misst den Anteil dieser für die Basketballeinschaltquote immens wichtigen Leute?
Es hilft alles lamentieren nicht, denn was können wir tun? Wir alle müssen dafür sorgen, dass die gemessene Quote bei Basketballspielen steigt. Wenn wir Fans nun bei der nächsten Basketballsendung "Mutti" anrufen und ihr sagen: "Schalt Basketball an", dann ist das schon einmal ein kleiner Schritt nach vorne. Vielleicht kann "Mutti" ja auch ihre Freundin Hannelore aus Herne anrufen um ihr zu sagen: "Schalt ein!". Sicher hat Hannelore auch noch eine gute Freundin in Kassel.... Vielleicht können aber auch die "Muttis" sich zu einem fröhlichen Lindenstraßen-Event bei einem Gläschen Sekt zusammentun, damit an den anderen Fernsehern Basketball laufen kann...???
0 Kommentare
Punkt 1: Nun sind die Banken als Gläubiger der Kirch-Gruppe gerade dabei, den Verkauf der einzelnen Kirch-Sparten so profitabel wie möglich zu realisieren. Die Sparte Sportfernsehen, hier mit dem Zugpferd Fußballbundesliga-Übertragungsrechte, wird umstrukturiert, um diesen interessanten Bereich für eventuelle Käufer noch attraktiver zu gestalten. Allerdings werden sich diese Bemühungen noch Monate hinziehen. Zu spät für eine vernünftige Programmplanung in Hinblick auf die Saison 2003/04 der BBL. Denn der potentielle neue Käufer wird Basketball wohl eher nicht mehr im Programm haben wollen. Warum sollte er auch?
Damit wären wir bei Punkt zwei: Alles steht und fällt mit den TV-Einschaltquoten. Um hier keine Augenwischerei zu betreiben: Diese sind einfach zu schwach! Sicherlich ist über die letzten 3 Jahre eine Einschaltquoten-Aufwärtstendenz zu verzeichnen, aber für einen Sender wie SAT.1, der mit Millionen Zuschauern pro Sendung rechnet, vollkommen unbefriedigend.
Ein fragiles Kartenhaus fällt zusammen. Wir alle werden darunter leiden. Die Klubs werden mit noch weniger Geld auskommen müssen, die BBL wird ihre Hauptsponsoren (s.Oliver, Deutsche Bahn) eventuell verlieren, wir Sportagenturen werden den Gürtel enger schnallen müssen und natürlich die Fans als Hauptleidtragende... Sie können nun nicht mehr am aktuellen Basketballgeschehen in Deutschland via TV teilhaben.
In diesem Zusammenhang möchte ich einmal meine Zweifel an den gemessenen Werten bei Basketball-TV-Events zum Ausdruck bringen. Ich erinnere mich da an Worte meines Lieblings-Hageners: Frank "Buschi" Buschmann vom DSF. Er bezweifelte schon vor einigen Jahren öffentlich die Genauigkeit der gemessenen Einschaltquoten bei Basketballübertragungen. Ich gebe ihm Recht. Denn wie wird gemessen? Es wird repräsentativ aus 5.640 privaten Haushalten mit ca. 13.000 Personen (Quelle: HP der Fa. GfK AG) das Sehverhalten dokumentiert. Das Sehverhalten der Einzelnen wird minutiös festgehalten und ausgewertet. Hochgerechnet auf alle privaten Haushalte Deutschlands ergibt das dann die entsprechende Einschaltquote. Die Frage, die sich hier aufdrängt: Wer schaut Basketball? Sind es "Mutti" und "Papi"? Nein, Basketball wird hauptsächlich von jungen Menschen gesehen. Die Zielgruppe umfasst bekanntlich die 14-28jährigen.
Nun schauen wir uns doch einmal den Sendeplatz auf SAT.1 für "ran - SAT.1-Basketball" genauer an. Es läuft zeitgleich die "Lindenstraße" auf der ARD. Niemand will doch Ärger mit "Mutti" haben, wenn ihre geliebte Sendung läuft, oder? Was ich sagen will ist, dass sich die junge Zielgruppe doch lieber beim Kumpel verabredet um Basketball zu schauen. Der Kumpel, 22 Jahre alt und erstmals eine eigene Wohnung, nie alles aufgeräumt in der Küche, aber egal... Wie viele Decoder stehen bei solchen Leuten? Wer misst den Anteil dieser für die Basketballeinschaltquote immens wichtigen Leute?
Es hilft alles lamentieren nicht, denn was können wir tun? Wir alle müssen dafür sorgen, dass die gemessene Quote bei Basketballspielen steigt. Wenn wir Fans nun bei der nächsten Basketballsendung "Mutti" anrufen und ihr sagen: "Schalt Basketball an", dann ist das schon einmal ein kleiner Schritt nach vorne. Vielleicht kann "Mutti" ja auch ihre Freundin Hannelore aus Herne anrufen um ihr zu sagen: "Schalt ein!". Sicher hat Hannelore auch noch eine gute Freundin in Kassel.... Vielleicht können aber auch die "Muttis" sich zu einem fröhlichen Lindenstraßen-Event bei einem Gläschen Sekt zusammentun, damit an den anderen Fernsehern Basketball laufen kann...???
0 Kommentare
Werbung
Werbung


