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Der dritte Mann

Sven Meyer am 19.02.2003 um 10:46

Nenad Josipovic, dritter Mann im Trainergespann der EWE Baskets Oldenburg, hatte genug gesehen. Einen Schwall nicht druckbarer Flüche, Kroatisch - ein Glück, in Richtung Hallendecke ausspuckend ging er sichtlich angesäuert Richtung Umkleidekabine, um den Ausführungen des Headcoaches Don Beck an die Mannschaft zuzuhören. Ein Dezember BBL-Spiel in Hagen, Halbzeit in der Ischelandhalle. Oldenburg liegt knapp mit 44:45 hinten. Nenad Josipovic kam vor knapp 4 Jahren nach Oldenburg. Für ihn ein Neuanfang. Ziemlich schnell realisierten die Oldenburger "Macher", wen sie sich da an Land gezogen hatten. Im vergangenen Frühjahr übergaben sie ihm, als logische Konsequenz, die sportliche Führung des Teams. Aber der Zeitpunkt war aus Sicht des Anhängers der Südosteuropäischen Basketballstils unglücklich gewählt. Es war zu früh und Nenad hatte zuwenig Zeit der Mannschaft seinen Stempel aufzudrücken. Der erfolglose Anthony Taylor, ein Verfechter der Amerikanischen Basketballschule konnte der Mannschaft keine Impulse mehr geben und Oldenburg befand sich mitten im Abstiegsstrudel. Wie sollte man einem Team unter akutem Erfolgsdruck innerhalb kürzester Zeit ein komplett neues Basketball-Schema, eine andere Arbeitsweise und ein komplett neues basketballerisches Denken erfolgreich vermitteln? Zum Glück besaß das Team genug Talent und Potential, um den Abstieg zu vermeiden.

Wenn man diesen Mann bei den Spielen der Baskets so beobachtet, leidet man mit ihm. Um das zu verstehen, sollte man wissen das Nenad Josipovic weit mehr ist als nur irgendein 3. Trainer einer X-beliebigen Bundesligamannschaft. Dieser Mann hatte im ehemaligen Jugoslawien mit den damals ganz großen Spielern zusammengearbeitet und sie entwickelt. Kukic und Radja bei den Junioren, um hier nur einige zu nennen. Danach trainierte er unter anderem einige Kroatische Erstligamannschaften, wie zum Beispiel Split. Auch keine ganz schlechte Adresse im Süden Europas. Nenad ist im ehemaligen Jugoslawien ein anerkannter Fachmann der landestypischen Basketballschule, zweifelsohne.

Vermieden wurde dann aber eine Vertragsverlängerung für ihn als Headcoach. Die Oldenburger Führungsetage schwenkte für die laufende Saison wieder auf die Amerikanische Schiene um. Man holte Don Beck aus Trier, der in der Branche sehr wohl einen guten Namen hat. Seine Lieblingsbeschäftigung: Aus einem "Underdog" das Bestmögliche herauszuholen und die Großen der Branche zu Ärgern. Als er seinen Job in Oldenburg antrat brachte er, wie auch in der Fußballbundesliga üblich ist, seinen langjährigen Co-Trainer aus Trierer Zeiten Ralph Held gleich mit. Solche Geschichten passieren eben. Oldenburg bleibt also fest in amerikanischer Hand.

Don, der mit allem Jugoslawischem so viel zu tun hat wie George Bush mit etwaigen Umweltbestimmungen, konnte sich seine diesjährige Mannschaft frei aussuchen. Allerdings, und das verwundert, es wurden doch Fehler gemacht. Wo blieb ein überragender Point-Guard á la "Charlie" Brown?

"Ich habe 2-3 Leute die den Ball bringen können, no problem", erzählte Don mir. Sicher hatte er die. Anthony Grundy, Sean Jackson und auch Tyron McCoy. Diese Spieler können sicherlich den Ball bringen, aber reine Point-Guards sind sie alle nicht. Das Experiment mit zwei US-Spielern auf der Position 2 zu spielen ist gescheitert. Grundy ist ein junger, äußerst talentierter Bursche direkt aus dem College. Was aber findet er in Oldenburg vor? Er findet ein Team, dass mit Tyron McCoy auf seiner Position überdurchschnittlich gut besetzt ist. Nicht umsonst ist "T" einer der seit Jahren herausragenden US-Spielern in der BBL. Beide Spieler scheinen sich auf dem Feld konstant im Weg zu stehen, zumal Sean Jackson eher ein Flügel ist. So glich die Oldenburger Saison einer echten Achterbahnfahrt. Grandiosen siegen wie in Köln oder in Frankfurt, stehen doch immer wieder unerwartete Niederlagen gegen vermeintlich schwächeren Teams gegenüber.

Man hatte, wie wir alle wissen, reagiert. Es wurde ein erfahrener Point-Guard, Terrel Castle, verpflichtet. Terrel Castle ist ein US-Spieler mit bosnischen Pass. Gerade noch rechtzeitig, denn Oldenburg muss mit so einer Qualitätsmannschaft dringend die Play-Offs erreichen. Der Sieg mit ihm, gegen eine sich nicht in Vollbesitz seiner Kräfte befindlichen ALBA Berlin-Mannschaft, stufe ich nicht unbedingt als Sensation ein. Denn die Mannschaft hat nun große Qualitäten.

All dies hat Nenad Josipovic sicherlich längst gewußt. Die Niederlage, damals im Dezember gegen Hagen, schmerzte ihn. Aber das ist "History". Jetzt wo das Point-Guard Problem gelöst scheint, muss an der Zuordnung in der Defense gearbeitet werden. Immens wichtig für ein Team, dass sich oft nur über das offensive Spiel definiert. Nenad ist nun einer, der sich über solche Dinge nicht öffentlich beschwert und sich lieber mit dem Wesentlichen beschäftigt. Mit Basketball eben. Mit der Jugendarbeit und mit Elvir Ovcina... So ist es im übrigens in hohem Maße sein Verdienst, dass aus einem lustlosen und auch trainingsfaulem Elvir Ovcina, der Vergangenheit, sich mittlerweile eine Center-Macht unter den Körben entwickelt hat. Ein 2,10m-Berg von einem Mann, der in diesem Jahr - Land rauf und Land runter geschaut - keine Konkurrenz zu haben scheint.

Mit Josipovic zuständig für die Jugendarbeit und hoher Kompetenz als "dritter Mann" braucht sich Jens Brämer, der Manager des Teams, zukünftig wohl keine Sorgen mehr zu machen. Das scheint geregelt. Einige Sorgen bereitet ihm das neue Hallenprojekt, das zum Herbst 2004 eröffnet werden soll. Hier besteht noch einiger "Unterzeichnungsbedarf". Auch hat Basketball in Oldenburg noch nicht den öffentlichen Stellenwert erreicht, wie ihn zum Beispiel das Basketballteam in Bamberg besitzt. Wenn man mit denjenigen Managern der BBL spricht, die ein solches Verfahren und den nötigen Zeitaufwand dafür schon hinter sich gebracht haben, scheint klar zu sein, dass Jens Brämers langjährige und hübsche Lebensgefährtin Bea noch viele Abende alleine vor dem Fernsehen verbringen wird. Sorry, Bea...

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