Giants Nördlingen

Die Giants beamen sich an den Kuhberg

Lomax am 07.05.2009 um 20:34

Der neue „Star Trek“ läuft im Kino, der Nördlinger Basketballtreck in Ulm. Platz wird es in der dortigen Kuhberghalle für außerirdischen Besuch kaum geben. Traditionell lässt sich die dort heimische Spezies der Ulmer ein Basketballspektakel in der stimmungsmäßig gefürchteten Kuhberghalle nicht entgehen. Nachdem sich nun auch aus dem benachbarten bayerisch-schwäbischen Nördlingen eine stattliche Abordnung zum Derby beamen lässt wird der Eventmittelpunkt dieses Sonnensystems kurzerhand an die Donau verlagert.

Angst vor den Riesern brauchen die Ulmer wohl nicht haben. Nichts deutet auf einen Überfall der Nördlinger nach dem Vorbild einer aufständischen Klingonenschar hin. Dazu ist das Team um den wieder genesenen Trainer Andreas Wagner zu sehr geschwächt. Ty Shaw und Osvaldo Jeanty fehlen verletzungsbedingt, Omari Westley hat sich nach bester Alienmanier selber in das, aus Nördlinger Sicht, ins unendliche (Basketb)All aufgemacht. Ein Spiel Sperre und eine Geldstrafe gab es von der BBL für seinen Aussetzer beim Köln-Spiel, eine disziplinarische Strafe setzte es vom Verein. So ist die Allianz der Nördlinger ziemlich geschrumpft.

Ganz anders beim Play-Off-Teilnehmer von ratiopharm Ulm. Die Ulner hat es nach ihren jeweils 12. Plätzen in den vergangenen beiden Spielzeiten jetzt mit lichtgeschwindigkeitsähnlicher Warp-Geschwindigkeit in die Play-Offs katapultiert. Eine Mitschuld daran dürfte das mit 20 Jahren drittjüngste eingesetzte Ulmer Crewmitglied Per Günther haben. Der bekleidet den Rang eines Spielmachers, erhält von seinem Trainer Mike Taylor viel Einsatzzeit und geht oft siegreich aus den Duellen mit seinen Gegenspielern hervor. Sein Können veranlasste die verantwortlichen Instanzen der BBL, ihn mit dem Titel „Rookie (Neuling) des Jahres“ zu versehen. Eine Entscheidung, mit der alle BBL-Trabanten sehr gut leben können. Doch im Team von ratiopharm Ulm gibt es noch eine Reihe von Erdlingen, die die Flugbahn der roten Kugel entscheidend beeinflussen können. Zum Beispiel Jeff Gibbs: anders als der sabbernde Jabba aus „Krieg der Sterne“ hat der Ulmer Center wesentlich längere Arme. Mit unzierlichen 110kg, verteilt auf 1,88mtr, ist Gibbs aber nicht nur ein besserer Basketballspieler als das bewegungsuntalentierte Weltraumungeheuer, er ist auch der beste Rebounder der Liga. Dabei ziehen die Arme des im Jahr 2005 unserer Zeitrechung in Ulm angeheuerten 28-jährigen den Ball an wie der Haltestrahl feindlich gesinnter Romulaner die „Enterprise“. Seinen wuchtigen Körper nutzt er dabei geschickt aus um gegnerische Spieler unter dem Korb in eine andere Umlaufbahn zu verbannen und so vom Ball wegzuhalten. Auch dies macht ihn mit zum effektivsten Spieler der Liga.

Die Nördlinger werden in der stimmungsvollen Kuhberghalle, die 1996 einen Pokalsieg und 1998 die deutsche Vizemeisterschaft miterlebte, eher wie Außerirdische wirken. Ein kleiner Haufen intergalaktischen Überbleibsels von einem Team das auszog, die Großen zu ärgern und den Klassenerhalt zu erreichen. Immerhin, mit „Office-Joe“ Tesfaldet, der sich mit seinem zweiten „Ich“ auf der Nördlinger Giants-Hompage durch das World Wide Web bloggt, haben sie eine Figur, die den Lebewesen vom anderen Stern schon sehr nahe kommt. Und deren Denkweise zu vermitteln scheint.

Trotzdem dem Aufsteiger gegen Ende der Saison die Luft auszugehen schien, hat man sich drei Spieltage vor Rundenschluss aus eigener Kraft mit einem Sieg gegen Bremerhaven aus dem Abstiegsstrudel gerettet. Jene Bremerhavener, die den Ulmern in ihrem letzten Heimspiel eine 89:81-Niederlage verpassten. Eine deutlichere Distanz der Giants zu den Abstiegsrängen verhinderte die Niederlage vergangenen Montag in Köln, die möglicherweise vermeidbar gewesen wäre.

Durch den Meteoritenniedergang im Ries mit etwas mehr Erfahrung an kosmischen Einschlägen ausgestattet als die Ulmer, sind die Nördlinger dennoch krasser Außenseiter. Es ist für die Giants Nördlingen die letzte Möglichkeit, sich mit einem guten Spiel ebenso spektakulär aus dieser Saison zu verabschieden wie sie am 20.September 2008 begonnen haben. Dazu sollten die verbliebenen Mannen um Monta McGhee, Brian Butch und Danny Gibson durchaus in der Lage sein. Vielleicht können sie dem aktuellen Tabellensechsten aus Ulm länger Paroli bieten als es den Württembergern lieb ist. Und damit die Faszination um den Aufsteiger aus dem Ries auch in diesen Ulmer Erdteil hinübertragen. Denn schon 1967 stellte Mr. Spock fest: „Faszinierend ist ein Wort, dass ich nur benutze, wenn mich etwas überrascht!“

Wem das alles zuviel Getöse aus dem Weltall ist, dem sei der ESC Ulm empfohlen. Dort kann man in gemütlicher Runde Gleichgesinnter das Bundeskegelsportabzeichen erwerben. Unter Ausnutzung der irdischen Schwerkraft…

Pressemiteilung: Giants Nördlingen

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