Giants Nördlingen

Nördlingen vergibt ersten Matchball zum Klassenerhalt

Lomax am 09.03.2009 um 16:15

Nationaltrainer Dirk Bauermann hat angeblich angerufen. Bei seinem Co-Trainer Achim Kuczmann. Der ist Cheftrainer der Giants Düsseldorf. Bauermann als gebürtiger Oberhausener soll ein Ende der Niederlagenserie der seit sieben Punktspielen sieglosen Rheinländer gefordert haben. Kuczmann und sein durch einige verletzte Spieler geschwächtes Team taten ihm und sich den Gefallen und schlugen die Giants Nördlingen letztendlich doch überraschend mit 78:77.

Mit dieser Niederlage beendeten die Rieser eine kleine Serie von zwei erfolgreichen Spielen. Dass der Zeitpunkt ungünstig war, zumal gegen einen angeschlagenen Gegner, war jedem der 2.300 Zuschauer klar. Kurz vor dem Spiel schlug nämlich die Nachricht über finanzielle Probleme der Nördlinger ins Ries ein wie jüngst der Meteorit, der diese beschauliche Landschaft schuf. Die Köpfe der Spieler habe das aber nicht blockiert meinte Nördlingens Coach Andy Wagner, gleichwohl hat es ihn und seinen Trainerstab die Woche über schon stark beschäftigt.

Den Akteuren in dem mit roten Herzen und Herzluftballons „herzlich“ ausgestatteten Hexenkessel schienen die Schlagzeilen wenig auszumachen. Nach elf Sekunden schon netzte Danny Gibson seinen ersten von insgesamt vier Dreiern in das Düsseldorfer Netzwerk. Die ließen sich davon allerdings wenig beeindrucken. Bis zur dritten Minute hieß es 9:3 für die Gäste. Hatte man auf Nördlinger Seite auf eine durch vier Spiele innerhalb von acht Tagen ausgelaugte Gästemannschaft gehofft, sah man sich getäuscht. Es entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch, in welchem zwar die Kraterboys meist die Nase vorne hatten (1. Viertel 23:22, Halbzeit 39:36, 3. Viertel 65:57), deren Gäste aber immer im Nacken spürten. Nicht immer herrschte dabei kribbelnde Kuschelatmosphäre auf dem Nördlinger Parkett vor, man ging schon ordentlich, aber immer im fairen Rahmen, aufeinander los.

Die Nördlinger versäumten es allerdings dabei, weiter auf das Gaspedal zu drücken. Das Passspiel wurde immer weniger forciert, dementsprechend häuften sich die Einzelaktionen. Die erinnerten stark an einen Singletreff und hatte mit Speeddating nichts zu tun. Sieben daraus resultierende Nördlinger Ballverluste im letzten Viertel von 20 insgesamt können bei einer knappen Einpunktniederlage somit auch mal spielentscheidend sein.

Besser machten es die TOP-4-Finalisten aus Düsseldorf. Schneller als man, in dem Falle die Nördlinger Abwehr, schauen konnte, wanderte das Spielgerät hingegen durch die Düsseldorfer Angriffsreihe. Vor allem Zack Whiting, vor kurzem nachverpflichteter Spielmacher, zeigte hierbei großes Organisationstalent. Düsseldorfs Carter mit sieben Zählern im letzten Viertel von letztendlich 17oder er selber mit deren sechs von insgesamt 12 zeigten wesentlich mehr Wirkung als die Individual-vorführungen der Nördlinger. Ein 12:0-Lauf der Rheinländer gleich zu Beginn des letzten Viertels und sechs Minuten ohne Rieser Erfolgserlebnis zeigten dann die Richtung an, die der weitere Spielver-lauf nehmen sollte (65:69, 36. Min.). Auch dass man Nördlingens Center Brian Butch zu lange auf der Bank hatte sitzen lassen wurde vom Nörd-linger Trainerstab selbstkritisch angemerkt.

Die zwölf Punkte der Nördlinger im letzten Viertel gegen eine nun sichtlich mehr wollende Düsseldorfer Mannschaft reichten dann nicht. Mit 21:12 gab man diese entscheidenden letzten zehn Minuten an die Gäste und vergab damit den ersten Matchball zum Klassenerhalt. Die 77:78-Niederlage der Nördlinger war somit hoffentlich der Einschlag der zeigte, dass die Saison noch lange dauert und der Klassenerhalt eben nur fast und noch nicht sicher feststeht.

Die vorausgegangene Flyeraktion einiger Helfer und Fans sowie die Resonanz des Publikums trotz „nur“ 2.300 Besuchern war jedenfalls für alle Nördlinger Giants mehr als herzlich. Das mitgeführte Kontingent an Giants – Schals reichte nicht einmal bis zur Halbzeit, sodass Nachschub herbeigeführt werden musste. Das Dirk Bauermann jetzt noch nicht bei Nördlingens Coach Andy Wagner angerufen hat lässt sich vielleicht damit erklären, dass Wagner das Ex-Team des Nationaltrainers, die Brose Baskets Bamberg, diese Saison zweimal schlug. Aber Bauermann kann den Anruf ja noch nachholen. Dann, wenn die Giants Nördlingen Ligaerhalt und Finanzen in trockenen Tüchern haben.

Pressemitteilung: Giants Nördlingen

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