FORWARD

FORWARD - Johannes Lischka - Unter dem Radar

Lomax am 19.02.2009 um 16:50

Johannes Lischka ist der beste Deutsche in der ProA, und kaum einem fällt‘s auf. Das wird sich ändern, wenn Bundestrainer Dirk Bauermann ihn demnächst zur A-Nationalmannschaft einlädt. Es gibt viele illustre Namen, die sich in der ProA tummeln Die Liste der besten Korbjäger wird von US-Importen dominiert. Nur ganz oben, an der Spitze, dort steht ein Deutscher. Immer noch weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, hat sich Johannes Lischka vom TV Lich zu einem der besten – für seinen Trainer Alexander Biller den besten – Spieler der Liga entwickelt. Mit 24,5 Punkten pro Partie ist der 21-Jährige der Topscorer der ProA und der einzige Lichtblick bei den abstiegsgefährdeten Hessen. Doch nicht nur der TV Lich setzt große Erwartungen in seinen jungen Forward.

Auch beim Kooperationspartner LTi GIESSEN 46ers in der BBL bekommt Johannes Lischka immer größere Spielanteile. Durchschnittlich 16 Minuten steht er in Deutschlands höchster Liga auf dem Parkett – das kann kaum ein Deutscher seines Alters vorweisen. Seine Spielzeit nutzt der 2,03 Meter große Flügel höchst effektiv, 6,7 Punkte und 2,6 Rebounds stehen pro Partie für ihn zu Buche. „Johannes hat sich in den vergangenen Jahren stetig weiter entwickelt. Ein Ergebnis seiner Arbeit in der Off-Season“, lobt Alexander Biller, der Lischka beim TV Lich unter seiner Fittiche hat. Der Lohn der Extraschichten, die der Youngster mit Gießens Co-Trainer Gerald Wasshuber im Sommer schob, ist Lischkas exponierte Stellung in der ProA. „Er wird bisweilen übertrieben eng gedeckt, und trotzdem sinkt sein Punkteschnitt höchst selten“, hat Biller beobachtet. Geht es gegen Lich, konzentriert sich die gesamte Verteidigung des Gegners fast ausschließlich auf Lischka. Das einzige Team, das ihn nahezu aus dem Spiel nehmen konnte, war der Mitteldeutsche BC. Bei der deftigen 63:98-Niederlage gegen die „Wölfe“ Anfang Januar kam Lischka, bedingt durch die beinharte Verteidigungsarbeit des Spitzenreiters, auf für ihn bescheidene zwölf Punkte. Dafür griff er sich sechs Rebounds und fünf Assists. Gerade die Vorlagen für seine Mitspieler sind laut Biller noch ein Aspekt in Lischkas Spiel, an dem er noch arbeiten müsse.

„Er zieht oft zwei Gegenspieler auf sich. Er muss noch lernen, schneller den freien Mann zu sehen.“ Ansonsten gibt es erstaunlich wenig zu mäkeln am basketballerischen Portfolio des Youngsters, der am 2. April seinen 22. Geburtstag feiern wird. Werfen, penetrieren, rebounden, Lischka liefert annähernd das komplette Paket. „Und so viele Spieler haben wir davon in Deutschland nicht“, betont Biller. Das hat auch Dirk Bauermann längst erkannt. Der Bundestrainer hat den gebürtigen Gießener schon seit einiger Zeit auf dem Radar. „Johannes ist als Leistungsträger für die A2-Nationalmannschaft fest eingeplant“, erklärt Bauermann, der sich in diesem Sommer persönlich um den Perspektivkader kümmern wird. Doch damit nicht genug: Lischka habe gute Chancen, zum Auftaktlehrgang der A-Nationalmannschaft am 28. Juli eingeladen zu werden. „Wir werden ihm die Gelegenheit geben, sich zu repräsentieren, er muss sie nur nutzen.“

Für Lischka selbst dürften diese Perspektiven neu sein, denn noch hat der Bundestrainer mit ihm noch nicht persönlich gesprochen. „Das wird in Kürze passieren“, verspricht Bauermann. Lischkas großes Ziel war bislang die Teilnahme an der Universiade mit der A2-Auswahl, die vom 1. bis 12. Juli in Belgrad stattfinden wird. „Wir befinden uns mit der Nationalmannschaft im Umbruch, und den bewältigt man in der Regel mit jungen Spielern“, lässt Bauermann zwischen den Zeilen durchblicken, dass er den 21-jährigen Hessen beim Neuaufbau der deutschen Auswahl fest im Blick hat. In den Augen Bauermanns profitiert Johannes Lischka von seiner sportlichen Situation in Gießen. „Für Spieler zwischen 18 und 23 Jahren ist es optimal, sich beim Kooperationspartner Spielpraxis und damit Selbstvertrauen zu holen, um dadurch auch in der 1. Liga eine gewisse Rolle zu spielen. Deshalb hat Johannes sicher einen Vorteil gegenüber einem Philip Zwiener oder einem Dominik Bahiense de Mello, die in ihren Vereinen oft nur auf der Bank sitzen und deren Selbstbewusstsein in den Keller geht.“ Eine Auffassung, die Lischka ohne Wenn und Aber teilt: „Es kommt mir sicher zu Gute, dass ich in Lich 35 Minuten auf dem Parkett stehe und bei einem Fehler nicht direkt ausgewechselt werde. Auch wenn wir im Tabellenkeller stehen, kann ich ohne Druck aufspielen.“ Spielzeit en masse ist das eine, die sportliche Konkurrenzfähigkeit eine andere. Lischka macht keinen Hehl daraus, dass ihn die Situation in Lich ärgert. „Vernünftiges Training ist angesichts unseres kleinen Kaders und der vielen Verletzten kaum möglich. Bisweilen stehen nur zwei Mann in der Halle.“

Klar, dass sich durch mangelhafte Vorbereitung die prekäre Lage des TV Lich im Keller der ProA stetig verschärft. „Da geregeltes Training eigentlich gar nicht stattfindet, trainiere ich hauptsächlich bei den 46ers, bin dadurch im Grunde gar nicht Teil der Licher Mannschaft“, kritisiert Lischka. Dennoch bringt er Leistung, auch und gerade bei den 46ers. Durch den Trainerwechsel sei dort frischer Wind eingekehrt. „Unter Simon Cote war vieles zu lasch. Vladi Bogojevic lässt um einiges härter trainieren, unterbricht oft und erklärt viel“, findet Lischka lobende Worte für den BBL-Rookiecoach, der vergangene Saison den ProA-Ligisten Kaiserslautern auf den dritten Platz geführt hatte. Deshalb ist der 21-Jährige auch optimistisch, mit den 46ers trotz aller finanzieller Probleme die Klasse halten zu können. Düsterer sieht es da schon in Lich aus. „Es wird schwer“, zeigt der Youngster Sinn für Realismus. Sein Vertrag in Gießen läuft noch ein Jahr, gilt aber nur für die BBL. „Ich will auf jeden Fall weiter 1. Liga spielen, egal ob in Deutschland oder im Ausland.“ Als warnendes Beispiel sollten Lischka dabei die von Bauermann angesprochenen Personalien Zwiener und de Mello dienen. „Für solch junge Spieler ist es wichtig, dass sie spielen. Wenn das bedeutet, dass sie zunächst wieder bei einem kleineren Club spielen, dann kann das langfristig die bessere Lösung sein“, weiß Bauermann aus Erfahrung. Ansonsten will Lischka in den bundesdeutschen A1-Kader, „am liebsten so schnell wie möglich.“ Dass es so schnell gehen könnte, wie Bauermann gegenüber FORWARD prophezeit, hätte der 21-Jährige aber wohl nicht erwartet…

Artikel der Februar-Ausgabe FORWARD (JAN FINKEN)

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