Giants Nördlingen

Duell der kleinsten BBL-Städte

Lomax am 21.11.2008 um 20:12

Das auch Kleinstädte im Profisport Großes vollbringen können, beweisen nicht nur die Bundesligafußballer der TSG Hoffenheim. Auch im niedersächsichen Quakenbrück hat man in einem vermeintlich gegen hochqualitativen Profisport resistentem Umfeld Dinge vollbracht, die Sportexperten eher Ballungszentren wie Hamburg, Berlin oder München zutrauen. In der knapp 13.000 Einwohner zählenden kleinsten BBL-Stadt wird seit 1955 Basketball gespielt. Doch das ist nicht die einzige Ähnlichkeit mit dem Nördlinger Aufsteiger.

Die Rieser haben mit einer vergleichbar langen Basketballgeschichte in einem vergleichbar regional strukturiertem Umfeld in dieser Saison den Versuch unternommen, als zweitkleinste Bundesligastadt dem Vorurteil entgegenzuwirken, dass großer Sport nur in großen Städten stattfinden kann. Der aktuelle Tabellenvierte aus Quakenbrück hat es in den letzten fünf Jahren eindrucksvoll vorgemacht.

Zwei Jahre nach dem Aufstieg im Jahr 2003 schaffte man es in die Play Offs, wiederholte diesen Erfolg im Folgejahr um dann, 2007, gar deutscher Vizemeister zu werden. In der letzten Saison gewann man, wie erwähnt, den Pokal und ist diese Saison schon wieder voll auf Kurs. Zwar schied man wie die Rieser jetzt im Pokal aus, doch dürfte der Start in den Eurocup am kommenden Dienstag zu Hause gegen Bologna über diesen Schmerz hinwegtrösten.

Beide Teams setzen auf junge Trainer. Thorsten Leibenath ist mit 33 Jahren nach Nördlingens Coach Andreas Wagner der jüngste Trainer der BBL. Beide Teams bauen auch voll auf das Können ihrer US-Profis. Mit Adam Hess steht bei den Drachen ein Top Ten Scorer als Forward auf dem Parkett. 15,6 Punkte erzielt der Rückkehrer im Schnitt. Neuzugang Zack Whiting gilt als einer der besten Passgeber der Liga, gewann er diese Wertung sogar in der letzten Saison mit seinem Ex-Verein Bayer Giants Leverkusen. Um ihn zu entlasten wurde Will Blalock nachverpflichtet. In seinem ersten Spiel bei der Auswärtsniederlage in Paderborn steuerte er in 18 Minuten 12 Punkte bei. Ein ebenfalls namhafter Neuzugang bei den Artlands ist Center Darren Fenn. Nach Bremerhaven und Bamberg ist Quakenbrück seine dritte BBL-Station. 12,9 Punkte und 8,1 Rebounds zeigen, dass er sich in seiner neuen Basketballheimat durchaus wohlfühlt. Ebenfalls zweistellig scored Lamont McIntosh. Mit 11,6 Zählern rundet er die Trefferleistung der Guards in Quakenbrück ab und macht das Trio zu einem echten gegnerischen Problem. Darius Hall als zweiter Center mit 9,4 Punkte im Schnitt war in Paderborn mit 24 Punkten Topscorer seines Teams.

Zu all den Ähnlichkeiten zwischen dem Gastgeber aus Quakenbrück und dem Aufsteiger aus Nördlingen gibt es noch eine ganze Reihe anderer bemerkenswerter Punkte. Die Heimspielstätte der Dragons, die Artland Arena, ist mit 3000 Zuschauern traditionell ausverkauft, Dauerkarten sind überhaupt nicht mehr zu haben. Seit Jahren gilt Günter Kollmann, selber ehemaliger Bundesligabasketballer, als der Hauptförderer des Basketballs in Quakenbrück.

Sportlicher und finanzieller Erfolg bedeuten paradiesische Zustände für die Drangons-Verantwortlichen. Das führt zu den großen Unterschieden beider Teams. Die Nördlinger, die nach wie vor ohne Hauptsponsor ihr Auskommen bestreiten, werden ihre Sorgen nicht los. Vor allem das spielende Personal beschert Manager Jürgen Kohl immer wieder Kummer. Für den gekündigten Center Varnie Dennis sowie für den abgereisten Lodrick Stewart gibt es noch keinen Ersatz. Eine mögliche Lösung auf der Centerposition hat sich diese Woche als hinfällig erwiesen. Zum Langzeitverletzten Avi Kazarnovski gesellte sich nun noch Ty Shaw hinzu. Ausgerechnet vor dem mit 74:64 verlorenen Pokalspiel in Frankfurt musste der Publikumsliebling passen und fehlt wohl auch in Quakenbrück. So werden die Nördlinger mit Josef Eichler, Florian Börstler und Moritz Pösl gleich drei Jugendspieler ins Artland mitnehmen. Dementsprechend schlecht stehen auch die Chancen auf einen Auswärtssieg. Das Aufeinandertreffen der beiden kleinsten BBL-Städte findet also unter sehr ungleichen Bedingungen statt. Ein Sieg bei den Drachen wäre mit kompletter Mannschaft nur sehr schwer machbar, ist aber aufgrund der aktuellen Tabellensituation mit vier Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz für die Rieser nicht unbedingt nötig. Eng wird es erst mit dem nächsten Heimspiel am 29.11. um 17.00Uhr gegen Giessen. Die liegen exakt diese vier Punkte hinter den Riesern. Noch! Nach diesem 11. Spieltag könnten die Hessen die Lücke mit einen Heimsieg gegen Paderborn etwas zufahren. Und dann muss nächste Woche ein Heimsieg der Kraterboys her. Der Abstiegskampf der Nördlinger hat längst begonnen.

Pressemiteilung: Giants Nördlingen

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