TXU Energie B'schweig

Gießen zockt TXU ab - An epilogue...

CiJay86 am 16.12.2002 um 19:35

"Wir sind besser als unser Tabellenplatz" - Mit etwa diesen Worten kommentierte der Gästetrainer nach der Partie die Leistung seiner Spieler. Und das darf auch rechtens so da stehen. Das was an diesem Sonntag geschah, das war zumindest für die 40 Spielminuten des Games die Umkehrung des Saisonverlaufs auf beiden Seiten. Zum einen war es Giessen, die miserabel gestartet waren und unter ihren Möglichkeiten lebten. Zum anderen waren es die Braunschweiger, die für viele Experten eine Sensation darstellten und sicher, traut man den Worten von Ken Scalabroni, teilweise auch über ihren Verhältnissen die Saison gestaltet haben.

Und irgendwann, so war klar, werden auch die ersten Niederlagen folgen. Gegen ALBA war das noch kein Beinbruch, aber spätestestens nach dem Leverkusen-Spiel offenbarten sich erste Schwächen in der Feinabstimmung der Defense, der Verteidigungstaktik und mitunter auch Integration der neu-verplichteten Spieler in dieses taktische Gerüst der Braunschweiger. Dazu kommt noch, dass fast alle Profis angeschlagen sind, und somit das Training nicht so geführt werden kann, wie der Trainer sich das vorgestellt hat.

Zirka 3.800 Braunschweiger Fans in der Halle und durch das DSF weitere Basketballfans an deutschen Mattscheiben begutachteten das Spiel, in dem TXU als Favorit antrat.

Sie sahen zunächst Abtasten, in dem Giessen die besseren Möglichkeiten gefunden hat, das Tempo zu kontrollieren. Braunschweig führte trotzdem bis zum 6:4 durch 2 schnelle 3er, jedoch konnte AVITOS von seiner klugen Spielanlage mehr und mehr Gebrauch machen und darauffolgend in Führung gehen. Recht früh dominierte dann der Gast das Spiel und zeigte sogar selbst das, was sonst die Braunschweiger ausgezeichnet hat - variables Teamplay. Kluges Passpiel unter einander ermöglichte gute Wurfpositionen nah am Brett. Selbst ein BJ McKie, sonst immer ein sehr athletischer Spieler, der selbst versucht das Heft in die Hand zu nehmen, steckte im Sinne seiner Mitleute zurück und forcierte die Effektivität im Angriff der Giessener. Gelang es mal nicht, den Mann unter dem Korb zu finden, wurde nach draussen abgelegt und die kleinen Guards der Giessener konnten mit 3-Punkte-Würfen brillieren. Eine stark verbesserte Giessener Truppe quittierte die recht schwache Verteidigungsarbeit der Braunschweiger mit einem 10-Punkte Vorsprung.

Im 2. Viertel gelang es TXU seinerseits das Tempo zu steigern, und mit guten Offensivdrang und einer guten Wurfquote zu punkten. Einfache Fehler der Gäste ermöglichten es der Heimmannschaft, auch leichtere Körbe zu versenken. Das ganze wurde mit dem Ausgleich belohnt, die Gastgeber schienen aufgewacht. Doch weit gefehlt, gerade als man dachte, Giessen verliere den Rhythmus, da wurde clever die eigene Taktik umgestellt. Ein erfahrener Spieler in Form von Mike Mitchel konnte die Fäden mehr und mehr ziehen und band oftmals die grossen Leute der Braunschweiger, die sich schnell wie im ersten Viertel Fouls anhängen liessen und fortan immer vorsichtiger agieren mussten der Foulbelastung wegen. Die Freiräume, die dadurch entstanden, nutzten Leute wie Reljic oder Dragsic aus, und scoreten von der 3er, bis sie sich warmgeschossen hatten. Wiederum konnte sich AVITOS absetzen, ehe Braunschweig vor Ende der 1. Halbzeit nochmal verkürzen konnte. Zwischenzeitlich eine kleine Schrecksekunde: Szymon Szewcyk knickte mit dem Fussknöchel bei einer Landung nach vollendetem Korbleger unglücklich um und musste mit Eis und Bandage behandelt werden. Zum Glück konnte das polnische Center-Talent, jetzt mit neuer blonder Frisur, bald wieder ins Spielgeschehen eingreifen.

Das 3. Quarter begann fast fulminant mit 5 schnellen Braunschweiger Punkten, die sogar wieder die Führung auf ihre Seite bringen konnten. Doch diese war leider umsonst, da in der Defensive ungewohnt ineffektiv agiert wurde. Giessen konnte seine Rebound-Stärke mehr als erwartet ausspielen, besonders Basit tat sich da hervor. Im weiteren Verlauf sollte genau das den Braunschweiger das Genick brechen, die durch viele nicht geholte Defensiv-Rebounds zu viele 2.Wurfchancen den Gegner ermöglichten. Und gerade da Giessen sehr gut aufgelegt war, liessen diese sich nicht 2mal bitten und versenkten fast immer bei solchen 2. Wurfchancen den Ball im Braunschweiger Netz. Die Offensivleistung war zwar ganz ok bei Braunschweig, doch was man vorne traf, bekam man hinten einfach wieder eingeschenkt. Gießen merkte, nachdem man sich immer wieder absetzen konnte und jetzt die Führung zu konservieren vermochte, dass hier etwas ging.

Durch die hohe Foulbelastung seiner Spieler waren insbesondere Scalabronis Center die Hände gebunden, härter zu verteidigen. Und wenn es dann erstmal nicht mehr läuft, färbt das zusehends auf den Rest des Teams ab. Spieler wie Pete Lisicky und Gordan Firic blieben blass in der Verteidigung gegen die agilen Aktuere Mike Mitchel und BJ McKie. Auch in der Offensive schwand das Selbstvertrauen und die Wurfsicherheit. Gießen spielte sich langsam einen ruhigen Vorsprung an, nahm diesen in das letzte Quarter. Auch hier agierte man insgesamt cleverer, und übernahm restlos die Reboundherrschaft, während Braunschweig nur noch Mitläufer war. Am Ende stand ein ernüchterndes 72:88 aus Braunschweiger Sicht auf der Tafel. Enttäuscht verliessen schon vor Ende einige Zuschauer die Halle...

Woran es haperte, wurde allzu offensichtlich. Ken Scalabroni verteidigte zwar zu Recht gross, um wenigsten Grössenvorteile gegenüber der Gießener Dynamik auszuspielen. Die Center von TXU waren jedoch immer einen Tick zu langsam, konnten entweder den Rebound nicht sichern oder musste sich ungeschickte Fouls anhängen lassen, um sich dadurch selbst zu schwächen. Auch die Braunschweiger Guards konnten sich mit dieser Verteidigungsvariante nicht gut genug abstimmen und so entstanden oftmals schneller Freiräume für den gegnerischen Backcourt als es der Truppe lieb war. Auch wenn man in der Offensive einige Glanzpunkte setzen konnte, so ist dies gewiss zu wenig, um ein Spiel zu gewinnen. Und bekanntlich kann eine gute Offense einige Spiele gewinnen, doch wenn es offensiv nicht läuft, gewinnt die Defense mitunter Meisterschaften. Auch wenn dies der Weisheit zu Hoch gegriffen wäre, so ist es dennoch zutreffend, das man an diesem Nachmittag sich in erster Linie in der Defense geschlagen geben musste gegen eine überaus clevere Gießener Basketballtruppe, die da am Ende deutlich überlegen war.

Noch ist kein Meister vom Himmel gefallen, schon gar nicht eine ganze Truppe von Meistern - So eine Niederlage hat dabei auch was gutes. Sie zeigt unweigerlich die Schwächen auf, die es abzustellen gilt. Und ich bin mir sicher, wenn man in der Woche gut ranklotzt und die Fehler zum Großteil ausmerzen kann, so kann man gegen Hagen endlich wieder Selbstvertrauen tanken...

MFG
Christian @lias CiJay86, dieser Bericht wie immer archiviert unter www.CiJay86.de :)

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