Giants Nördlingen

Giants unterliegen Frankfurt nach Overtime

Lomax am 02.11.2008 um 10:00

Murat Didin ist Cheftrainer der der Deutschen Bank Skyliners Frankfurt. Er ist schon lange im Geschäft. In Frankfurt gilt er als Publikumsliebling und auch in Nördlingen hat er eine gute Figur gemacht. Seine Liste der Komplimente für den Nördlinger Basketball nach dem Spiel war lang, eher beiläufig erwähnte er das Glück der Frankfurter und die Ungeschicklichkeit der Giants Nördlingen. Die Gastgeber hatten es nämlich zweimal in der Hand, als Sieger vom Platz zu gehen.

Letzten Sonntag in Düsseldorf hatten die Bayern noch eine derbe Klatsche einstecken müssen. Unter der Woche gab es Unruhe um den Rausschmiß von Center Varnie Dennis. Umso überraschender, wie frech der Aufsteiger dann gegen den hohen Favoriten aus dem Hessischen sein Spiel gestaltete. Das war so zwar zu erhoffen, aber nicht unbedingt zu erwarten. Die auch international aktiven Gäste begannen mit einer 4:0 und 7:3-Führung gegen eine nervös wirkende Mannschaft aus dem Ries. Vor 2512 Zuschauern fingen sich die Nördlinger aber und ab der fünften Minute schon brannte die Hütte: ein 9:0-Lauf und die 12:7-Führung der Gastgeber waren der Grund. Vor allem Omari Westley war für die Skyliners nicht verteidigbar. Elf Punkte bei 100% Trefferquote und das vor den Kameras von BBL.TV und TV Augsburg ließen nicht nur die Zuschauer in Nördlingen Beifall klatschen. Mit 19:17 ging es in das zweite Viertel.

Hier drehten die Gäste den Spieß um: aus der Nördlinger Führung in der 13. Minute (25:23) machten sie bis zur 16. Minute ein eigenes 32:25. Wie an der Schnur gezogen ging der Ball um die Nördlinger Zone, dass einem schon beim Zuschauen schwindlig wurde. Lehrbuchbasketball gegen Zonenverteidigung par excellence, vorgeführt von Nationalspielmacher Pascal Roller und den Frankfurtern. Mit diesem Hochgeschwindigkeitsbasketball rückten die Gäste die Verhältnisse zurecht und man pausierte mit einer 41:32-Führung. Bis dahin hatte Westley 16 Punkte und immer noch keinen Fehlwurf.

Halbzeit Zwei begannen die Frankfurter ohne Roller. In der 23. Minute (38:46) dann tatsächlich der erste von letztendlich nur vier Fehlwürfen des Omari Westley. Er sollte später mit 26 Punkten und zehn Rebounds Topscorer und Spieler des Abends werden. In der 25. Minute hatten die Nördlinger die Skyliners wieder im Griff (45:46), um dann aber ein Opfer hessicher Konterkunst zu werden. Innerhalb von zwei Minuten waren diese, vor allem durch ihren starken Neuzugang Titus Ivory, wieder auf 45:55 davongezogen. Durch Freiwürfe konnten die Rieser noch zum 49:57 aufschließen. Als Nördlinger durfte man durchaus bisher zufrieden sein mit dem Gezeigten. Die Frankfurter zeigten tollen Tempobasketball, hatten mit Pascal Roller als Spielgestalter einen vortrefflichen Lenker und mit ihm und Konrad Wysocki zwei aktive Nationalspieler, die durch Nördlinger Bemühungen richtig ins Schwitzen kamen. Das war für die zweitkleinste Bundesligastadt schon eine Besonderheit. Doch es kam noch viel besser – und schlimmer. Angefeuert von ihren Fans kämpften sich die Gastgeber nun im letzten Viertel ran. Die von Coach Andy Wagner angeforderte „Mehrarbeit“ zwecks Ausfalls eines Centers wurde während des ganzen Spiels mehr als umgesetzt. Die Rieser spielten nun am Limit: Kampf, Teamgeist und Tempo, Tempo, Tempo. Als Osvaldo Jeanty in der 37. Minute mit einem Dreier zum 67:67-Ausgleich einnetzte, gab es in der Halle kein Halten mehr. Und als Monta McGhee mit einem Dreier und Denny Gibson mit einem von zwei Freiwürfen in der letzten Minute gar eine 73:70-Führung herauswarfen war es sowieso vorbei mit der bayrisch-ländlichen Ruhe.

Ein Foul an einen Frankfurter in den Schlusssekunden reichte, um zwar schlimmstenfalls zwei Punkte von der Freiwurflinie zu bekommen aber eben auch die rote Kugel und damit letztendlich den Sieg. Aber – es gab kein Nördlinger Foul. Im Gegenteil: vor den Fernsehkameras erhielt Pascal Roller fünf Sekunden vor Ablauf der Zeit den Ball und verschaffte sich mit einer unter den Zuschauern sehr disskusionswürdigen und Offensivfoul ähnlichen Aktion Platz gegen Osvaldo Jeanty, drückte ab und netzte mit einem Dreier zum Ausgleich ein: Verlängerung.

Hier nahm alles seinen gewohnten Lauf. Die Gastgeber gaben, völlig unberührt von den vorangegangenen Ereignissen, den Ton an: über ein 80:75 zu einem 85:83 bei Ballbesitz. 34 Sekunden vor Ende erhält Lodrick Stewart die Chance, sich in Nördlingen dauerhaft in Erinnerung zu bringen. Von zwei Freiwürfen hätte er wenigstens einen verwandeln müssen. Dem war aber nicht so. Kein Treffer und erneut hielten es die Gastgeber in den verbleibenden Restsekunden nicht für nötig, die Gäste an die Linie zu schicken. Ergebnis: mit einem, diesmal unstrittigen Dreier schoß Roller seine Farben 20 Sekunden vor dem Ende zum Sieg. Nördlingen hatte teures Lehrgeld bezahlt und dafür viel wertvolle Erfahrung erhalten.

Pressemitteilung: Giants Nörlingen (Thomas Labertz)


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