Giants Nördlingen

Kämpferherz schlägt Topspieler

Lomax am 19.10.2008 um 23:13

Allmächd. Freak Village Nördlingen, wie von den Giants Nördlingen Fan in der Spielervorstellung in Anlehnung an Freak City Bamberg angekündigt, gewinnt in einem an Spannung kaum zu überbietenden Spiel nach Verlängerung bei den Brose Baskets Bamberg mit 82:75. Vor 6800 Zuschauern machte der Aufsteiger ernst mit seiner Ankündigung, in Bamberg gewinnen zu wollen. Damit gelang dem Team um „Mister Overtime“ und Headcoach Andy Wagner in dieser Saison der dritte Sieg nach Verlängerung.

Alleine schon das Warmwerfen der Teams in einer fast leeren JAKO-Arena nötigt schon Respekt ab. Imposante Tribünen, ein riesiger Leinwandwürfel über dem Spielfeld und das Wissen, dass mit dem Bamberger Team eines der besten deutschen Teams der letzten Jahre auf einen wartet erhöht die Frequenz eines jeden Nördlinger Giants Anhänger. Die Bamberger starten auch so, wie es sich gegen einen Aufsteiger gehört: drei Angriffe, sechs Punkte. Nach drei Minuten ein 6:2 für die Franken und einen Nördlinger Center Varnie Dennis mit zwei Fouls. Doch der freche Aufsteiger kontert und geht nach sehenswerten Angriffen in der fünften Minute mit 10:9 in Führung. Nein, das sah keineswegs nach Angsthasenbasketball aus. Danach wechselte noch sieben Mal die Führung und am Ende des ersten Viertels führte der fränkische Vorzeigeclub knapp mit 22:21.

Nach der ersten Chill Out-Phase der Rieser setzte Monta McGhee auf Nördlinger Seite mit einem Monsterblock eine erste Durftmarke gegen Bambergs Spielmacher Rivera. Und man führte immer noch. 22:23, in der 14. Minute 24:30 und als in der 16. Minute der Ex-NBA’ler Alexander Johnson sein drittes Foul zog, sah alles doch sehr optimistisch einem Spiel entgegen, in welchem die Rieser nicht untegehen wollten. Da kam der Auftritt von Bambergs Pedrag Suput. Acht Punkte in knapp zwei Minuten und Bamberg war wieder an den Giants dran. Schließlich holten sich die Gastgeber durch cleveres Spiel auch noch die Halbzeit mit 42:39. Ein immer noch sehr respektables Ergebnis für den krassen Aussenseiter aus Nördlingen.

Im dritten Viertel schien es aber nun endgültig mit der Unbekümmertheit eines Aufsteigers vorbei zu sein. Die Franken drückten auf’s Tempo und die Gäste mühten sich, dem Angriffwirbel der Bamberger etwas entgegen zu setzen. Doch immer wieder gelang es einem Nördlinger, sich unter dem Korb durchzusetzen und man leistete Schwerstarbeit. Der Lohn: die Bamberger schafften es nicht trotz erhöhter Schlagzahl, den entscheidenden Vorsprung herauszuspielen. Als Osvaldo Jeanty gar in der 28. Minute mit einen Dreier die 53:51-Führung herauswarf, waren die Gastgeber doch etwas baff ob soviel Zähigkeit. Und als es nach dem dritten Viertel mit 58:53 zu Gunsten der Nördlinger stand lag eine Sensation in der Luft.

Der letzte Durchgang begann äußerst glücklos für die Gäste. Die Bamberger wollten nun endgültig die Entscheidung. Drei lange Minuten gelang den Giants kein Korb, Bamberg schleppte sich allerdings auch nur auf eine 63:61-Führung. Dem Ausgleich durch Omari Westley folgte das fünfte Foul von Varnie Dennis, der allerdings von Avi Kazarnovski optimal vertreten wurde. Die Rieser hatten alle Hände voll zu tun, war die komplette Halle doch in heller Begeisterung ob ihrer Bamberger, die nun, zwei Minuten vor Ende, mit 71:65 eigentlich den Sieg schon in den Händen hatten. Doch ein Dreier von Westley und einer von dem starken Nördlinger Spielmacher Denny Gibson und es stand 71:71. Schon hier hatten die Giants Nördlingen gewonnen, denn das man dem haushohen Favoriten in dessen eigener Halle mit knapp 7000 Zuschauern im Rücken so lange Paroli bieten konnte, hatten die wenigsten der Augenzeugen erwartet. Und was dann in der Verlängerung kam, der dritten in dieser Saison für die Rieser, war fast schon „business as usual“. Der mit vier Fouls belastete Bamberger Center Johnson warf seine Farben in Führung, doch dann spielte nur noch die Gästemannschaft. 11:4 holte man sich die letzten fünf Minuten, gewann das hochdramatische Spiel mit 82:75 und schrieb damit wohl Nördlinger Basketballgeschichte.

Das Spiel der Nördlinger wurde mit hoher Intensität geführt gegen ein Bamberger Team, dass keineswegs den Eindruck machte, den Aufsteiger unterschätzt zu haben. Trotzdem gelang es den Franken selten, die Kontrolle über das Spiel zu erhalten und dem Aufsteiger den möglichen KO zu versetzen. Die kleinen Talente von den Giants Nördlingen hatten, wie so oft, das größere Kämpferherz gegen erfahrene Topspieler und holten sich nicht nur zwei wichtige Punkte, sondern auch die Anerkennung einer großen und tollen Basketballgemeinde.

Pressemitteilung: Giants Nördlingen (Thomas Lambertz)

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