Giants Nördlingen

Freak City gegen die Provinz

Lomax am 17.10.2008 um 10:59

Sie waren zweimal Deutscher Meister und einmal Pokalsieger, verkaufen Zahnbürsten als Fanartikel und haben mit der Jako-Arena einen der bekanntesten Basketballtempel Deutschlands. Mit geschätzten sechs Millionen Euro besitzen sie einen der größten Etats der Liga. Mit Tim Ohlbrecht, Demond Greene, Robert Garret und Ademola Okulaja stehen vier deutsche Nationalspieler in ihren Reihen. Aber noch sind sie nur Tabellenvierzehnter und haben Druck. Die Rede ist von den Brose Baskets Bamberg. Am Sonntag ab 17.00Uhr treffen sie auf die Giants Nördlingen und unbekümmerten Rieser Spaßbasketball.

Es dürfte für die kleine Basketballstadt Nördlingen das Highlight schlechthin sein, wenn ihre Giants zum Derby in Bamberg am Sonntagnachmittag antreten. Bamberg gegen Nördlingen, David gegen Goliath, Freak City gegen die Provinz. Man könnte viel schreiben über die Geschichten Basketball-Bambergs, eine soll nicht unerwähnt bleiben: es ist die Geschichte des Ademola Okulaja, einem der deutschen Vorzeigebasketballer. Er wechselte aus dem spanischen Alicante für diese Saison nach Bamberg. Mit den Franken wollte er Alba Berlin den Titel des Deutschen Meisters streitig machen und mit dem Nationalteam zu Olympia. Dann kam im Juli dieses Jahres die Krebsdiagnose und sein Zwangsverzicht unter anderem auf Basketball.

Eine andere Geschichte war der Weggang von Steffen Hamann, Spielmacher und Nationalspieler, nach Berlin. Ebenso wie der Wechsel von Mithat Demirel (Türkei), Chris Ensminger (Paderborn Baskets), Darren Fenn (Artland Dragons), Dwayne Mitchell (NBA) und Sajmen Hauer oder auch der Rücktritt von Trainer Dirk Bauermann, der jetzt „nur“ noch die Nationalmannschaft trainiert, die Personalfluktuation war immens. Bauermanns Nachfolger Chris Fleming obliegt nun die Aufgabe, aus dem Traditionsclub wieder eine ähnlich schlagkräftige Mannschaft aufzubauen, die 2005 und 2007 die Meisterschaft holte.

Das verbliebene Bamberger Personal würde allerdings manchen Club zu Ehre gereichen. Mit Robert Garret (7,3 Punkte) und Demond Green (8,3Pkt.) drängeln sich gleich zwei Nationalspieler auf der Guardposition, Nationalcenter Tim Ohlbrecht (5,8Pkt., 3,5Rebounds) und der ULEB-Cup erfahrene Serbe Predag Suput mit knapp sieben Zählern und fünf Abprallern bedeuten exquisite Angestellte. Doch diese Könner der Extraklasse reichten alleine nicht, um Bamberg ins Ziel zu bringen, das da mindestens Play Offs heißt. Also holte man sich mit dem Puerto Ricaner Filiberto Rivera einen weiteren Nationalspieler als Spielmacher, der mit seinem klangvollem Namen das Trommelfell und mit lockerem Händchen das Basketballnetz vibrieren lässt. 14 Punkte schafft er im Schnitt.. Der 32-jährige Eric Taylor, ehemals bei den „Riesen vom Rhein“ in Leverkusen unter Vertrag, gehört mit neun Zählern ebenso zu den Franken wie sein Landsmann Jared Newson (11,5Pkt und 6 Rebounds).

Mit Alexander Johnson wurde gar ein NBA-Profi unter Vertrag genommem. Der ehemalige Miami Heat-Center kam in seinen bisherigen Einsätzen auf 10,3 Punkte und sechs Rebounds. U20-Nationalspieler Karsten Tadda ward noch gar nicht eingesetzt. Den Bamberger Schicksalsschlägen hinzufügen kann man den des weiteren Neuzugangs John Goldsberry. Eigentlich auch als Spielmacher verpflichtet, verletzte sich der 25-jährige Amerikaner in der Saisonvorbereitung so schwer am Knie, dass er zumindest bisher nicht zum Einsatz kam.
Bei all dem individuellen Pech der Bamberger sollte sich das Mitgefühl der Nördlinger, zumindest während der anstehenden voraussichtlich 40 Spielminuten, in Grenzen halten. Es wird so schon schwer genug. Obwohl die Bamberger mit drei Niederlagen einen miserablen Start in die neue Saison hingelegt haben dürften sie nach dem Sieg letzte Woche in Paderborn auf den Geschmack gekommen sein. Sie brillieren unter dem gegnerischen Korb mit der drittbesten Quote der Liga von 60%. Auch in den Freiwürfen haben sie den Riesern etwas voraus. Klar dominierend aber sind die Kraterbasketballer in Sachen Rebounds und Effektivität, was das Spiel am Sonntag keineswegs zu einem fränkischen Selbstläufer machen sollte.

Die Ansage von Giants Trainer Andy Wagner nach der Niederlage letzte Woche gegen Trier war eindeutig: „Wir fahren nach Bamberg um zu gewinnen!“. Und viele Nördlinger Fans fahren mit. Sollte ein Sieg gelingen, wäre alleine das schon die vorausgegangenen Mühen des Aufstiegs wert gewesen.

Pressemitteilung: Giants Nördlingen (Thomas Lambertz)

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