Giants Nördlingen

3. BBL-Sieg in Folge für Nördlingen

Lomax am 05.10.2008 um 13:47

Und täglich grüßt das Murmeltier. Während Wahlen in Bayern und auch Fußballspiele mit bayerischer Beteiligung immer ungewisser im Ausgang werden scheint sich mit den Giants Nördlingen eine neue Konstante zu etablieren. Gegen die WALTER Tigers Tübingen gewann der Aufsteiger aus dem bayrisch-schwäbischen Ries am Samstag abend vor einer nicht ausverkauften aber fantastischen Zuschauerkulisse, zu der auch die Gästefans einen großen Beitrag leisteten, sein drittes BBL-Spiel in Folge, das 20. insgesamt und holte sich als BBL-Neuling die Tabellenführung von den Ulmern zurück.
Tübingen sollte nun nach Meinung vieler deutschlandweiter Experten der erste ernste Prüfstein für die Rieser sein.

Angereist mit Rasko Katic als einen der besten Center der Liga der abgelaufenen Saison und mit dem kanadischen Nationalspieler und bis dato Ligatopscorer Jermaine Anderson. Dem frechen Aufsteiger aus Nördlingen sollte der Zahn gezogen werden. Katic ging im Dauerdruck der Nördlinger Verteidigung um Varnie Dennis, Avi Kazarnowski und Ty Shaw beinahe unter und blieb mit elf Punkten, einem Rebound und einem Treffer aus elf Freiwurfversuchen weit unter seinen Möglichkeiten. Anderson (14 Punkte) wurde von Landsmann Osvaldo Jeanty (13 Punkte) dermassen bearbeitet, dass ihm sein fünftes Foul in der Verlängerung fast wie eine Erlösung vorkommen musste, für seine Tübinger aber das Aus. Dann war da noch Tübingens Topscorer Daniel Foutain, der in der ersten Halbzeit mit drei von vier Dreiwurftreffern ein echtes Nördlinger Problem darstellte. Oder die Herren Michael Haynes und Malaki Moye, die in den ersten 20 Minuten die uneingeschränkten Chefs unter den Körben waren.

Das Tübingen nicht die gleichen Fehler machen wollte wie die Ludwigsburger und Paderborner zeigten sie gleich von Anfang an. Man kontrollierte Ball und Gastgeber und die Nördlinger sahen sich nach fünf Minuten einem 2:8 Rückstand hinterherlaufen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Nördlingens Center Varnie Dennis schon zwei Fouls an Katic verübt und man musste Böses ahnen. Nördlingens Einsatz aber stimmte: Monta McGhee hechtete ohne Rücksicht auf das eigene Knochengerüst dem Ball hinterher oder robbte über das Parkett, Jeanty leistete Qualitätsarbeit in der Verteidigung, Westley, Mbassa, Gibson, Shaw und die Nördlinger Zuschauer taten es ihnen gleich. Aber die Gäste waren einen Tick besser. Beinhahe überraschend für die Nördlinger endete das erste Viertel 19:19 bei einem starken Gästeauftritt.

Die Viertelpause nutzten die Trainer der Rieser um zur Trimmung der Mannschaft. Man spielte nun aufmerksamer und weniger fehleranfällig und – man spielte mit Ty Shaw. Er brachte neue und höhere Intensität in das Nördlinger Spiel und steckte seine Kameraden an. Bis zur 17. Minute (28:27) konnte man einen knappen Vorsprung verteidigen als Tübingens Anderson anzog und sechs Punkte in Folge markierte. Shaw blieb es vorbehalten zum 35:35 Halbzeitstand einzunetzen.

Die zweite Hälfte war dann Adrenalin pur. Varnie hatte sich nun komplett auf Katic eingestellt und warf ein Auge und 125kg auf ihn. Dennoch punktete der Serbe ersteinmal weiter. Ab der 27. Minute (44:44) schien das Spiel dann zu kippen. Dennis erhielt sein drittes Foul und wurde durch Avi Kazarnowski ersetzt, in der 30. Minute holte sich Shaw sein drittes und Coach Wagner ein technisches Foul. Mit Glück lagen die Kraterboys vor dem vermeintlich letzten Durchgang nur mit 48:50 hinten.

Die Gastgeber glichen schnell aus, doch jetzt hielt Haynes durch vorbildliches Reboundspiel und vier Punkte seine Mannen vorne (33. Min., 54:56). Der Dreier von Westley liess hoffen aber eine Aktion weiter holte sich Kazarnowski sein fünftes Foul und hatte Feierabend. Jetzt überschlugen sich die Ereignisse: zunächst das vierte Foul von Westley in der 38. Minute beim 59:62. Danach eine entscheidende Szene des Abends: Jermaine Anderson beging sein viertes Foul und Katic, der mehr und mehr unterging, beging ein unsportliches Foul. Denny Gibson konnte nur einen Freiwurf zum 60:62 verwandeln, Nördlingen blieb aber im Ballbesitz und Omari Westley konnte im nächsten Angriff mit einem fulminanten Dunking den Ball durch die Reuse und die Zuschauer von den Sitzen hauen. 62:62. Dem Nördlinger 64:62 folgte der Ausgleich durch Katic, dem letzten vergebenen Dreier von Danny Gibson ein Ballverlust von Moye. Verlängerung! Und da sind die Rieser bisher ungeschlagen. Westley begann mit einem coolen Dreier gegen eine Tübinger Zone, gefolgt von Varnies Punkten neun und zehn. Drei Minuten vor dem Ende holte musste Anderson mit fünf Fouls auf die Bank, was einer starken Schwächung der Gäste entsprach. Nördlingen nutzte diesen Umstand eiskalt und zog auf ein entscheidendes 76:69 (45.Min) davon. Dabei spielte es keine Rolle mehr, dass auch der Topscorer des Abends, Omari Westley (23 Pkt.) zweieinhalb Minuten vor dem Ende ebenfalls sein Foulkontingent erschöpfte.

Am Ende war es fast wie immer: empfindsam, luftig und beschwingt wurde Nördlinger Basketball serviert, dass sich am Ende ungetrübtes Vergnügen einstellte. Man hatte in den entscheidenden Momenten das nötige Glück des Tüchtigen aber auch mit Moral und Willen die besseren Aktionen. Es sind viele Faktoren, die den Aufsteiger ungeschlagen mit 6:0 – Punkten an der Tabellenspitze verweilen lassen. Auch wenn es nur der grüne Glückspullover von Vorstand Werner Schlientz ist. Und täglich grüßt das Murmeltier – nächsten Samstag zu Hause gegen Trier.

Stimmen zum Spiel
Andreas Wagner: Tübingen hat die erste Halbzeit den Rebound beherrscht, das konnten wir in der zweiten Halbzeit abstellen. Varnie Dennis hat bewiesen, dass er auch gegen sogenannte echte Center einen tollen Job macht. Wir haben ruhig in der Overtime gespielt und unsere Chance genutzt. Osvaldo Jeanty ist einer der besten Guard-Verteidiger der Liga und konnte Anderson mit 14 Punkten sehr gut verteidigen. Tübingen hat eine sehr gute BBL-Mannschaft und in Quakenbrück sehr stark gespielt. Es ist ein eindrucksvolles Team. Aber auch meine Mannschaft hat das Konzept super umgesetzt und alle haben wieder alles gegeben.

Torgen Öngören: Wir haben in Quakenbrück ein sehr gutes Spiel gemacht. Wir wussten, dass es in Nördlingen nicht einfach sein wird. Das Publikum, die Mannschaft, das ist schon sehr beeindruckend. Wir haben lange Zeit das Spiel kontrolliert. Aber als wir die Kontrolle verloren haben hat Nördlingen das eiskalt ausgenutzt. Wir hatten die Chance in der regulären Spielzeit das Spiel zu entscheiden aber ein unsportliches Foul und ein Ballverlust haben uns die Verlängerung einge-
Brockt. Glückwunsch nach Nördlingen. Das war ein verdienter Sieg. Wir werden nun nach Hause fahren und aus diesem Spiel lernen.

Pressemitteilung: Giants Nördlingen (Thomas Lambertz)

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