Science City Jena

„Goldener Wurf“ bleibt unbelohnt

Lomax am 19.04.2008 um 11:09

Angesichts der Punkteausbeute von Science City Jena in der ersten BBL-Saison, könnte man von einer Spielzeit zum Vergessen reden. Man würde dabei allerdings eines der denkwürdigsten Spiele in der Geschichte des Jenaer Basketballs aus dem Gedächtnis streichen müssen. Weniger das Endergebnis, eine 98:103 (30:43, 72:72, 88:88) Niederlage nach zweifacher Verlängerung, als vielmehr das Zustandekommen wird den anwesenden 1.643 Zuschauern lange im Gedächtnis bleiben. Zunächst lief jedoch alles, wie so oft gesehen in dieser Spielzeit.

Völlig „verschlafen“ hatten die „Hightowers“ die ersten zehn Minuten, als die Gäste aus dem Norden bereits mit 8:26 in Front lagen. Wenig deutete darauf hin, dass sich im Verlauf eine dramatische Begegnung entwickeln würde. Nur mühsam fand Science City offensiv, wie defensiv, einen Rhythmus, wirkte wenig aggressiv und präsent. Anders dagegen die Eisbären, die, entgegen der Assoziationen ihres Namens, schnell und als Team das Spielgerät laufen ließen, auch zu Fuß einen Tick schneller und frischen erschienen. Hauptsächlich Lavelle Felton war es zu verdanken, dass Jena noch im Spiel war.

Die Hälfte der Thüringer Ausbeute zur Halbzeit (30:43) ging auf das Konto des Aufbauspielers, der erst in der Verlängerung wieder die Punktejagd aufnahm. Dafür verteilte er insgesamt acht Assists, die vor allem Mark Davis in der zweiten Halbzeit zu nutzen wusste. Zu einem Zeitpunkt als Bremerhaven das Spiel sicher im Griff zu haben schien (34:52, 25.) drehte Jenas Nummer 42 komplett auf. Binnen der nächsten fünf Minuten „streute“ er sage und schreibe sechs „Dreier“ in Folge ein.

Auf Seiten der Gäste konnte man das Entsetzen förmlich spüren, dass wieder „dieser Davis“, dem schon im Hinspiel sein persönlicher Saisonrekord von 29 Punkten gelang, erneut nicht zu stoppen schien. Auch mit Foul fand das orange Leder den Weg in den Korb, als gebe es die gerade einmal 25%ige Wurfquote des 34-jährigen jenseits der 6,25-m-Linie gar nicht. Getrübt wurde die Freude der Aufholjagd nur durch die beiden vorletzten Verwarnungen von Gregor Linke und Alexander Seggelke, die früh mit vier Fouls auf der Bank Platz nehmen mussten.

Ohne sie stand nun auch Friedrich Lennartz über 27 Minuten auf dem Parkett, ohne das ein Bruch zu spüren war. Im Gegenteil, sein Korbleger über den 2,11-m-Mann Matt Haryasz, dem neben 24 Punkten auch noch fünf Blocks gelangen, unterstrich erneut eindrucksvoll das Potential des erst 19-jährigen. Mit diesen Punkten, den ersten im Schlussabschnitt, schlossen die „Hightowers“ endgültig auf, waren nur einen Zähler vom Ausgleich entfernt (57:58), der in bester „DDR-Absicht“ „Überholen ohne Einzuholen“ gleich übersprungen wurde.

Zu diesem Zeitpunkt (59:58) standen längst alle Anwesenden, die ihr Kommen auch weiterhin nicht bereuen sollten, wie der berühmte „Sechste Mann“ hinter der Mannschaft von Sean McCaw, der nur noch wenige Minuten von der Bank aus das Geschehen betrachten konnte. Zunächst musste jedoch „nur“ Gregor Linke das Feld nach seinem fünften Foul räumen. Etwas wovor kein einziger Bremerhavener Spieler während der gesamten Begegnung Angst haben musste. Dagegen spürte man die Nervosität in den letzten Minuten auf beiden Seiten.

Viele Chancen, das Spiel für sich zu entscheiden, vergaben beide Mannschaften leichtfertig, wie ein freier Korbleger von Friedrich Lennartz, der knapp sein Ziel verfehlte oder zwei verpasste Freiwürfe von Matt Haryasz, der zum tragischen Helden hätte werden können, wäre es Jena gelungen, sein Geschenk in Form eines technischen Fouls in einen Heimerfolg umzuwandeln. So vergaben die Gastgeber die letzte Möglichkeit auf einen Sieg in der regulären Spielzeit in Form eines zu kurzen Sprungwurfes von Mark Davis.

Das zu Buche stehende 72:72 Unentschieden bedeutet die erste Verlängerung der Jenaer BBL-Geschichte. In ihrem Verlauf sah es nicht gut aus, mit dezimierten Kräften doch noch den Sieg einzufahren. Die Kombination von nur einem Treffer bei fünf Freiwurfversuchen von Friedrich Lennartz und Mark Davis verschaffte den Gästen ein scheinbar beruhigendes Polster (76:82) eine Minute vor Ende der Nachspielzeit. Doch mit dem fünften Foul von Friedrich Lennartz brach die Zeit des Spielertrainers Sean McCaw an.

Schon vorher hatte er sich fertig gemacht, stand nicht mehr im Trainingsanzug an der Bande, sondern nutzte die Coaching-Zone als erwärmendes Betätigungsfeld. Bevor jedoch die Stunde des Trainers schlug, nahm Lavelle Felton wieder Fahrt auf. Zwei Dreipunktwürfe brachten Jena wieder in Schlagdistanz (82:86) bei noch 18 verbleibenden Sekunden Restspielzeit. Ein anschließender Ballverlust der Gäste, gefolgt von einem Foul, brachte Science-City-Trainer Sean McCaw wieder in den Fokus auf dem Feld, genauer gesagt, an die Freiwurflinie. Nummer eins fand „wie in alten Tagen“ sicher sein Ziel während die Nummer zwei in einem Offensivrebound resultieren sollte.

Der Plan ging auf, als sich Jason Miller im Getümmel und drittem Nachfassen den Ball sicherte und in der „Reuse“ ablegen konnte. Sechs Sekunden vor dem Ende betrug somit der Rückstand nur noch zwei Punkte, als der Trick, mit dem Jena in der Woche zuvor den TBB Trier zweimal düpieren konnte, beinahe den Wissenschaftlern das Genick gebrochen hätte. In der beinahe letzten Sekunde, gelang es Brendan Plavich, den durchgebrochenen Anthony Tolliver entscheidend zu stören, allerdings auf Kosten eines Fouls. Nur ein resultierender Freiwurf durchquerte die Maschen, wodurch sich die Chance auf einen allerletzten Wurf ergab.

Wie es das Schicksal wollte, landete der Ball in den Händen von Trainer Sean McCaw, der einen Notwurf an der eigenen Dreipunktlinie auf den Weg schickte. Scheinbar endlos lange Momente segelte der „goldene Wurf“ einmal über das beinahe gesamte Spielfeld in Richtung Glückseeligkeit. Was dem Schützen der gleichnamigen Pausenunterhaltung zu einem neuen Auto verholfen hätte, verwandelte die JenArena nun in ein Tollhaus. Eine Mischung aus Fassungslosigkeit und grenzenlosen Jubel einte auch den letzten Fremden unter den Fans zu einem rauschenden Fest.

Aller Euphorie zum Trotz gelang Science City „nur“ der Ausgleich zum 88:88, wodurch weitere fünf Minuten Nachschlag geboten wurden. Zudem die Gastgeber weiterhin mit dem Handicap der großen Foulbelastung zu Rande kommen mussten. So hatte längt auch Florian Reinhardt die Bank verlassen, auf der nur der verletzte Ajmal Basit als einwechselfähiger Spieler zur Verfügung stand, was sich als zu große Bürde in der zweiten Verlängerung erwies. Von Beginn an übernahm Ivars Timermanis das Kommando. Zwei „Dreier“ des Letten brachten die Gäste früh auf die Siegesstraße, von der sie dieses Mal nicht mehr abgedrängt werden konnten.

Doch auch hier stemmten sich die Hausherren bis zur letzten Sekunde gegen die Niederlage, sodass sogar der nicht einsatzfähige „Jamal“ Basit auf das Feld musste, wo ihm mit der Schlusssirene fast noch zwei Punkte gelangen. Es sollte nicht sein, nicht für Ajmal, nicht für Science City Jena, jedoch fühlte sich nach nervenaufreibenden 50 Netto-Minuten bester Sportunterhaltung kaum einer als wirklicher Verlierer. Gewonnen hatten vor allem die Zuschauer, die schon am Sonntag die nächste Gelegenheit auf eine frische Dosis haben, wenn um 17 Uhr die Bayer Giants Leverkusen gastieren.

Jena Coach Sean McCaw: "Zunächst meinen Glückwunsch nach Bremerhaven. Beide Mannschaften hätten heute den Sieg verdient gehabt, aber es kann nur einer gewinnen. Ich bin sehr stolz auf meine Spieler, sie haben mit Herz und Leidenschaft gekämpft, nie aufgegeben. Auch angesichts der schweren Situation, mit den Foulproblemen und der Verletzung von Alexander Seggelke. Wir haben in dieser Saison Probleme im ersten Viertel. Bremerhaven hat die Verteidigung oft gewechselt, wir hatten über zehn Minuten Probleme uns darauf einzustellen."

Eisbären-Coach Sarunas Sakalauskas: "Wir wussten, dass es ein schweres Spiel wird, so schwer sicher auch nicht. Die Mannschaft hat die Konzentration verloren. Gerade kurz vor dem Ende des Spiels das technische Foul von Matt Haryasz zeigt dies. Jena hat Herz und Emotionen gezeigt. Dieses Spiel hat gezeigt, dass sie Potential haben, auch sehr gute Mannschaften zu schlagen. Ich würde allerdings nicht sagen, dass wir dieses Jahr eine sehr gute Mannschaft sind."

Zuschauer: 1.643

Beste Werfer Jena: Felton (26 Pkt./ 4-3er), Davis (22/6), Miller (19/1), Plavich (13/3)

Beste Werfer Bremerhaven: Haryasz (24 Pkt./ 0-3er), Timermanis (22/5), Tolliver (22/1), Jonusas (11/2), Funk (10/3)

Die Viertel im Überblick: 8:26, 22:17, 25:15, 17:14, 16:16, 10:15

Pressemitteilung: Science City Jena (Andreas Knollmann)

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BBL

# T P Diff
1 BAM 38:4 399
2 ULM 34:8 119
3 QUA 30:10 187
4 BER 30:12 217
5 WÜR 24:16 119
6 BHV 22:18 -35
7 FCB 22:20 85
8 BRA 22:20 -17
9 OLD 20:18 13
10 BON 18:22 -26
11 FRA 18:24 -105
12 TÜB 18:24 -32
13 BAY 16:24 -120
14 HAG 14:26 -189
15 GIE 14:28 -173
16 TRI 14:28 -107
17 LUD 12:30 -56
18 GÖT 4:38 -279

ProA

# T P W/L
1 MBC 32 16/3
2 KIR 30 15/5
3 CHE 26 13/8
4 CRA 26 13/8
5 PAD 22 11/8
6 DÜS 20 10/10
7 JEN 20 10/11
8 HEI 18 9/10
9 NÜR 18 9/11
10 EHI 18 9/11
11 KAR 18 9/12
12 ETB 16 8/11
13 CUX 16 8/11
14 SAA 12 6/15
15 LEI 8 4/16

ProB

Nord

# T P W/L
1 HAN 34 17/5
2 BRA 28 14/6
3 HER 28 14/7
4 VEC 28 14/7
5 SCH 26 13/8
6 DOR 24 12/9
7 RSV 22 11/11
8 WUL 20 10/12
9 WOL 18 9/12
10 WED 18 9/13
11 LEV 16 8/13
12 ALB 12 6/15
13 BRN 2 1/20

Süd

# T P W/L
1 GOT 29 15/5
2 LEI 28 14/6
3 NÖR 26 13/7
4 BSW 26 13/7
5 RHÖ 24 12/8
6 HAN 24 12/8
7 LAN 22 11/9
8 LIC 20 10/10
9 GÜS 18 9/11
10 FRA 12 6/14
11 WEI 6 3/17
12 GIE 4 2/18

Alternativ

BBL

# T P W/L
1 BAM 38 19/2
2 ULM 34 17/4
3 QUA 30 15/5
4 BER 30 15/6
5 WÜR 24 12/8
6 BHV 22 11/9
7 FCB 22 11/10
8 BRA 22 11/10
9 OLD 20 10/9
10 BON 18 9/11
11 FRA 18 9/12
12 TÜB 18 9/12
13 BAY 16 8/12
14 HAG 14 7/13
15 GIE 14 7/14
16 TRI 14 7/14
17 LUD 12 6/15
18 GÖT 4 2/19

ProA

# T P Diff
1 MBC 32:6 168
2 KIR 30:10 154
3 CHE 26:16 43
4 CRA 26:16 55
5 PAD 22:16 42
6 DÜS 20:20 45
7 JEN 20:22 5
8 HEI 18:20 57
9 NÜR 18:22 -24
10 EHI 18:22 -26
11 KAR 18:24 -61
12 ETB 16:22 -11
13 CUX 16:22 -69
14 SAA 12:30 -122
15 LEI 8:32 -256

ProB

Nord

# T P Diff
1 HAN 34:10 236
2 BRA 28:12 155
3 HER 28:14 70
4 VEC 28:14 97
5 SCH 26:16 128
6 DOR 24:18 48
7 RSV 22:22 -39
8 WUL 20:24 -54
9 WOL 18:24 -23
10 WED 18:26 -17
11 LEV 16:26 -123
12 ALB 12:30 -212
13 BRN 2:40 -266

Süd

# T P Diff
1 GOT 30:10 178
2 LEI 28:12 122
3 NÖR 26:14 90
4 BSW 26:14 54
5 RHÖ 24:16 116
6 HAN 24:16 41
7 LAN 22:18 35
8 LIC 20:20 5
9 GÜS 18:22 -94
10 FRA 12:28 -106
11 WEI 6:34 -146
12 GIE 4:36 -295
 

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