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Und sie kämpfen wie die Löwen

Sven Meyer am 21.10.2002 um 22:19

Man glaubt es kaum. Die ersten 5 Spiele der BBL sind absolviert und die TXU Energie Braunschweig führt verlustpunktfrei, noch vor ALBA Berlin, die Tabelle an. Ein Zustand, der durchaus auch über das kommende Wochenende hinaus anhalten kann, denn die Braunschweiger haben gute Chancen am Sonnabend in Würzburg an ihrer Erfolgsstory weiter zu schreiben. Anfang November kommt es dann allerdings zum "Show-down" mit dem amtierenden Meister ALBA Berlin, der seine Visitenkarte bei den Niedersachsen abgeben wird. Es wird endlich mal wieder eine komplett ausverkaufte Volkswagenhalle erwartet und sicherlich tun die Fans gut daran, sich frühzeitig ein Ticket für dieses Spiel zu kaufen. Das wünsche ich den Verantwortlichen, denn eine ausverkaufte Halle in Braunschweig ist nicht nur ein echtes Erlebnis, nein es bringt auch die dringend benötigten Zusatzeinnahmen, plus geballtes Medieninteresse in die Stadt.

Wie aber ist es möglich, sich mit einem Etat, der sich höchstens im Ligamittelfeld wiederfindet, die vermeintlich Großen der Liga, wie Köln, Bonn oder Frankfurt, hinter sich zu lassen?

Meiner Meinung nach ist der Erfolg damit zu begründen, dass die Mannschaft nicht großartig umgebaut wurde. Man ging mit einem Team an den Start, welches sich aus der letzten Saison im Kern her gut kennt und nun gezielt verstärkt wurde. Es gab große Probleme im Umfeld, aber der Abstieg wurde vermieden, man hat sich zusammengerauft und durchgebissen. Die Spieler haben jetzt verstanden, dass sie für ihren Erfolg selbst verantwortlich sind. Somit profitiert das Team durch seine Geschlossenheit. Kämpfen anstatt aufzugeben als Motto, hat sich durchgesetzt.

Mit dieser mannschaftlichen Geschlossenheit, die selbst den Ausfall von einzelnen Führungsspielern (Mallet) verkraften kann, haben die Braunschweiger die bisherigen Spiele der laufenden Saison klar gewonnen. Es wurden sogar vermeintlich stärkere Gegner souverän geschlagen.

Aber das Eis ist dünn und in Zukunft wird das ein oder andere Spiel noch verloren werden. Schauen wir mal, wie die Mannschaft mit Rückschlägen umgehen wird, aber im großen und ganzen muss man keine Angst um die Niedersachsen haben. Mittlerweile scheint auch aus dieser "jetzt erst recht"-Mentalität ein Selbstläufer zu werden. Durch die bisherigen Erfolge werden die Spieler selbstbewusst und lernen gerade, dass man durchaus in der Lage ist, jedes BBL Team schlagen zu können.

Mit der zusätzlichen Verpflichtung von Walter Palmer wird das Team die nötige Tiefe bekommen. Wenn Walter gesund bleibt, kann er dem Tabellenführer gut weiterhelfen. Bei seinen Kurzzeitengagements in Braunschweig und Ludwigsburg hat er gezeigt, dass er in guter Form ist. Vielleicht finden die Verantwortlichen auch noch kurzfristig einen adäquaten Ersatz für Demond Mallet, um weiterhin für viele Überraschungen in der Saison 2002/03 sorgen zu können.

Es zeigt sich, dass diese positive Entwicklung zunehmend vom heimischen Publikum honoriert wird. Damit wird Basketball in Braunschweig vielleicht auch wieder mehr für Sponsoren interessant, lässt die negativen Erfahrungen "a là Met@box" der Vergangenheit angehören.

Positiv für den Braunschweiger Basketball war es ganz sicher, sich vom Mäzenentum des "Sonnenkönigs", Richard (dem vierzehnten?) Hartwig zu befreien. Ohne die Leistung von Herrn Hartwig schmälern zu wollen, der über Jahre hinweg Erstliga-Basketball in der Stadt Heinrichs des Löwen am Leben erhalten hatte: Fakt ist, es wurde im Umfeld durch seine Person sehr viel Schaden angerichtet, ein Imageschaden, von dem sich der Klub erst allmählich wieder zu erholen scheint. Die Idee, einen Verein auf eine angestrebte breite Basis von Sponsoren zu stellen, ist ja so neu auch nicht.

In der Zukunft ist es den Verantwortlich zu wünschen, etwas mehr Glück bei der Auswahl der Sponsoren zu haben. Mit seriösen Sponsoren, dem tollen Publikum und einer derart geschlossen auftretenden Mannschaft lässt sich in der schönen Braunschweiger Volkswagenhalle langfristig etwas aufbauen von dem alle profitieren. Wenn nun noch weiteres "Know-how" in Form von Basketballkompetenz und Sachverstand an den Club gebunden werden kann (hier liegt sicher das aktuelle Größte Manko des Vereins), wird ein weiteres Aushängeschild der BBL entstehen.

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