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US-College: Der richtige Karriereweg?

Sven Meyer am 16.10.2002 um 16:40

Der Zustrom junger europäischer, insbesondere Deutscher Spieler, in das Mutterland des Basketballs hält unvermindert Jahr für Jahr an. Viele "Jung-Basketballer" suchen ihr Glück auf Amerikanischen Colleges, um dort ihre basketballerische Ausbildung zu erhalten oder ihr Können zu verfeinern. Die Liste der aktuellen Deutschen Spieler in den USA ist ellenlang. Wie richtig ist diese Entscheidung nun und ist das überhaupt der beste Weg, um den Sprung in die europäischen Profiligen zu schaffen? Sicherlich, wer in jungen Jahren nach Übersee geht, macht viele neue Erfahrungen. Er lernt eine neue Sprache, begibt sich über einen längeren Zeitraum in eine neue Kultur. Neue Impressionen, die einen sein ganzes Leben lang begleiten werden. Auch ich hatte einmal diesen Schritt gewagt und lebte für 3 Jahre in den USA, um Basketball zu spielen und zu studieren. Im nachhinein war dies für mich eine sehr positive Erfahrung und ich möchte diese Zeit sicher nicht missen. Allerdings waren die Trainingsmöglichkeiten in Deutschland Mitte der 80er Jahre lange nicht auf dem Niveau, auf dem sie sich jetzt befinden.

Wie sieht die basketballerische Ausbildung in den USA aus?

In fast allen Colleges der USA wird Basketball gespielt. Es gibt die NCAA 1, die stärkste Liga, dann die NCAA 2 & 3, die NAIA, um nur die wichtigsten zu nennen. Das Training ist in seiner Intensität sicherlich ähnlich wie das in Europa. Es wird im allgemeinen mehr Wert auf die sogenannten "Fundamentals" gelegt, was damit zu begründen ist, dass die Spieler im Schnitt mit 18 Jahren auf das College kommen und daher noch recht unausgebildet sind. Ob die Amerikanische Basketballschule wirklich besser ist als die Europäische, hat meiner Meinung nach immer mit dem "Coaching Stuff" der jeweiligen Universität (bzw. College) zu tun.

Das größte Manko: Die College Saison ist sehr kurz. Es werden dort durchschnittlich nur fünf Monate lang Spiele absolviert. Die Saisonvorbereitung dauert höchstens und aufgrund der dort herrschenden strikten Regeln, nur einen Monat. Den Rest des Jahres, bis auf die sogenannten "pick-up games", muss man sich selbst fit halten. Dies ist im Land der Hamburger und Hot Dogs eine eher schwierige Aufgabe.

Sechs Monate intensiver Basketball auf das ganze Jahr verteilt? Ein Witz! Dies haben zumindest die amerikanischen Coaches als Resultat des verheerenden Abschneidens ihrer "NBA-Stars" bei der diesjährigen Weltmeisterschaft erkannt und resümiert. Wenn man der Frage nachgeht, warum Europa in den letzten 10 Jahren gegenüber der NBA aufgeholt hat, liegt hier ganz klar die Antwort.

Was bedeutet das für die Deutschen Collegespieler?

Der basketballerische Aufwand, der in den Staaten das Jahr über betrieben wird, ist für eine gezielte Ausbildung nur mangelhaft. Natürlich gibt es neben den vielen Deutschen Talenten, dutzende einheimische Talente, die ebenfalls versuchen, am College Fuß zu fassen. Bei Spielern mit dem gleichen Talent, hat der US-Spieler es zumindest immer leichter, sich durchzusetzen, da er weniger Anlaufzeit braucht und die größere Lobby hat. Die meisten waren schon große Stars auf ihrer High-School.
Wenn man sich die große Anzahl der Deutschen Spieler an den Colleges genauer ansieht, fällt auf, dass nur wenige in der stärksten Liga der NCAA spielen und dass sie oft nur sehr wenig Spielzeit bekommen oder manchmal auch gar nicht spielen. Und das trotz des Talents, welches sie mitbringen.

Gesucht werden in den USA – übrigens in allen Ligen – überdurchschnittlich große und entsprechend talentierte Spieler. Denn talentierte "Big Guy's" sind dort sogar noch seltener zu finden als hier in Europa. Von den vielen Deutschen Spielern bekommen im Augenblick doch nur Jan Jagla und Andreas Hornig genug Spielanteile in ihren jeweiligen Teams. Beide Jungs sind 2,10m. Spieler mit der Kombination aus Größe und Talent spielen viel, weil sie oft wenig Konkurrenz in ihren Teams haben. Alle anderen Deutschen fristen in ihren Colleges doch eher ein Außenseiterdasein auf der Bank. Ich meine hier nur ausdrücklich Spieler die auch in der NCAA 1 spielen.

Ist nichts mit dem "gelobten Land"

Jeder einzelne Spieler der sich mit dem Gedanken beschäftigt, eine Karriere in den USA anzustreben, sollte dies mit besonderer Fürsorge tun und sich ausgiebig erkundigen. Den schönen Worten von diversen Coaches und Assistent Coaches ist nicht immer Glauben zu schenken. Das Rekrutieren von Spielern ist ein Riesengeschäft und die Amerikaner haben dies vervollkommnet. Fakt ist, dass man in vielen Europäischen Klubs das ganze Jahr über 2 - 4 Stunden "täglich" trainieren kann. In den Staaten ist das illusorisch. Gerade Spieler mit der Körpergröße zwischen 1,80m und 2,00m sollten sich dringend vor Augen führen, dass es in den Spitzen-Colleges immer noch zwei bis drei Spieler auf ihrer Position gibt, die schneller laufen und viel höher springen können als sie selbst. Das athletische Reservoir der USA scheint auf diesem Gebiet unerschöpflich zu sein.

Eine schlechte oder falsche Kariereentscheidung zu fällen, ist im Profigeschäft oft tödlich. Das gilt besonders für die jungen Spieler. Man glaube mir, es gibt einige Spieler, die in ihrer Entwicklung schon viel weiter sein könnten, wenn sie sich gegen einen mehrjährigen USA-Aufenthalt entschieden hätten.

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