Regionalliga

Bernau überwindet den Magdeburg Fluch

Lomax am 20.01.2008 um 10:54

Es war wieder eines der typischen Spiele für Bernau gegen Magdeburg: Der SSV Lok Bernau dominiert weite Strecken das Spiel und steht am Ende fast wieder mit leeren Händen da. Aber diesmal eben nur fast, denn am Ende steht ein 107:94 nach Verlängerung auf der Anzeigetafel.

Ungewohnt war das Bild auf der Bank: Nicht nur das 11 Spieler dort saßen, sondern das diese 11 Spieler diesmal Andreas Hinz zuhörten und nicht Torsten Schierenbeck. Schierenbeck wurde nach einer Operation am Samstag mittag entlassen und hatte ein striktes Verbot der Ärzte das Spiel zu coachen. Er versäumte das erste Spiel seiner Trainerlaufbahn und nahm auf der Tribüne Platz, was für den Kreislauf angesichts des Spielverlaufs auch nicht besser war.

Ein neues Gesicht gab es auf der Bank auch zu sehen: Jermaine Robinson war nach zwei Trainingseinheiten mit dem Team spielberechtigt und deutete schon deutlich an, was er für eine Verstärkung ist. Das erste Viertel verlief recht unspektakulär, Magdeburg immer leicht vorne und spielte von Beginn an ihre Zonenverteidigung. Marco Klingberg brachte mit der Schlusssirene die Magdeburger per Dreier zur 21:18 Führung nach dem ersten Viertel.

Ein unglaublicher 20:2 Lauf des SSV zu Beginn des zweiten Viertels ergab eine 38:23 Führung für die Barnimer. Gute Verteidigung, einige Ballgewinne und Fast Breaks, sowie kontrolliertes Passspiel gegen die recht statische Zonenverteidigung der Sachsen-Anhaltiner wurden zur besten Phase der Bernauer. Diese hohe Führung bedeutete aber nicht etwa Sicherheit, sondern verursachte eher einen Schlendrian bei Bernau. Unnötige Ballverluste und Probleme beim Rebound brachten die geduldig spielenden Magdeburger wieder ins Spiel und wieder traf Marco Klingberg einen Dreier und verkürzte auf 49:44 zur Halbzeit.

Die Lok kam sehr gut aus der Halbzeitpause und machte mächtig Dampf: Der SSV erspielte sich wieder einen komfortablen 68:51 Vorsprung in der 26. Minute. Felix Grohmann, Sebastian Trzcionka und Jermaine Robinson trafen von außen nach Belieben und innen waren Jason Boone und Konstantin Mau immer wieder frei. Der Bruch folgte auf dem Fuß, das Nervenspiel begann und Magdeburg kämpfte sich unbeeindruckt von der über 500 Zuschauer starken Kulisse wieder heran. In der Phase bekamen die Elbestädter 12 Freiwürfe in Folge zugesprochen und bei Bernau setzte der Kopf ein. Spielerisch hatten die Magdeburger eigentlich keine Chance, mental hingegen sind sie bärenstark und gingen nach einem 77:65 (31. Minute) in der 38. Minute erstmals seit langem wieder mit 82:83 in Führung. Die Schlussphase war dann hochdramatisch: Beim Stand von 86:87 in der letzten Minute für Magdeburg zog ein gut aufgelegter Goran Jurenec zweimal zum Korb und wurde gefoult. Eiskalt schoss er die vier Freiwürfe zur 90:87 Führung ein und Magdeburg besprach den letzten Angriff in der Auszeit bei noch 14,5 Sekunden Restspielzeit. Coach Andreas Hinz machte die Richtung klar: Etwas Zeit von der Uhr nehmen und dann ein Foul, um den Dreier zu verhindern. Doch es kam anders, denn irgendwie gelang nach einem Offensiv Rebound zu Marco Klingberg, der drückte ab und der Ball sprang auf den Ring und fiel rein.

Blankes Entsetzen bei den Bernauer Spielern und Zuschauern, riesige Freude bei den Magdeburgern, die sich nie aufgaben. Normalerweise ist das Team, welches die Verlängerung holt mental im Vorteil, doch Coach Andreas Hinz beruhigte die Gemüter, stellte sein Team perfekt ein und Bernau spielte in den folgenden 5 Minuten wie aus einem Guss. Die Formation Goran Jurenec, Felix Grohmann, Konstantin Mau, Sebastian Trzcionka und Jason Boone verteidigte nun endlich mit Leidenschaft und spielte Magdeburg an die Wand: Jason Boone blies mit einem krachenden Dunking zum Halali. Ein bärenstarker Kapitän Felix Grohmann brachte anschließend mit sechs Punkten in Folge den entscheidenden 11:0 Lauf und die Gewissheit, dass man einen Fluch besiegen kann.

Es war das erwartete Nervenspiel und die Anspannung übertrug sich auf die Zuschauer, man konnte während des Spieles manchmal eine Stecknadel fallen hören, außer in der Verlängerung, da stand die Halle Kopf und die Mannschaft holte sich die verdienten Standing Ovations ab.


Boone (24 Punkte); Robinson (22); Grohmann (21); Jurenec (19); Mau (12); Trzcionka (9); Kurze, Gersch, Karge, Schekauski und Barbarino ohne Punkte

Viertel: 18:21; 31:23; 25:21; 16:23; 17:4 OT

Pressemitteilung: SSV Lok Bernau (Ines Huhnhäuser)

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