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Doppellizenz - Ganz oder gar nicht

Sven Meyer am 26.09.2002 um 17:50

Im Deutschen Basketball wird seit längerem mit Doppellizenzen gearbeitet. Dieses Modell kann sehr viel für junge Spieler und Clubs bringen, aber nur, wenn es konsequent umgesetzt wird. Sonst ist es eher schädlich für alle Beteiligten. Doppellizenz, was ist denn das?

Deutsche Basketballspieler können bis zum 22. Lebensjahr gleichzeitig eine Spielberechtigung bezogen auf Punktspiele für ein unter- und ein höherklassiges Team bekommen. Beispielesweise kann ein Spieler mit einer Doppellizenz sowohl bei einem Zweiligisten als auch bei einem Erstligisten in Punktspielen eingesetzt werden.

Das Ziel der Doppellizenz (DL) ist es, junge talentierte Spieler durch entsprechende Spielpraxis in einer unterklassigen Liga auf das höchstmögliche Spielniveau zu bringen. Damit soll verhindert werden, dass ein talentierter junger Spieler auf der Bank eines Erstligisten versauert und sich nicht weiterentwickeln kann.

Soweit so gut. Wie aber sieht es in der praxisbezogenen Realität aus? Hat das angedachte Konzept Erfolg und führt es den Basketballnachwuchs wirklich voran?

Vorrausetzungen für eine gute Arbeit

Im Fordergrund eines solchen Modells muss die ständige Weiterentwicklung des Spielers stehen. Es muss gewährleistet sein, dass die Ziele der beteiligten Vereine nicht miteinander kollidieren und somit die Entwicklung des Spielers gehemmt wird.

Im Klartext bedeutet das aber auch: Der DL Spieler "muss" in der unterklassigen Liga (2. Bundesliga) Spielzeit und Verantwortung bekommen. Ein etwaiger Erfolg der Mannschaft darf nicht die erste Priorität besitzen. Es werden dabei auch bewusst Niederlagen einkalkuliert, die einem jungen Spieler in seiner Entwicklung helfen werden, wichtige Erfahrungen zu sammeln.

Weiterhin müssen die Spielsysteme der betroffenen Teams kompatibel zueinander sein, damit der Spieler reibungslos in die beteiligten Mannschaften integriert werden kann. Dies funktioniert nur, wenn die gesamten Trainerstäbe der beteiligten Mannschaften sich genau abstimmen und sehr eng zusammen arbeiten. Für die Entwicklung des Spielers ist es unerlässlich, dass viele gemeinsame Trainingseinheiten der Beteiligten untereinander stattfinden.

Die Realität

Realität ist, die meisten BBL Teams haben Kooperationspartner, aber eine funktionierende Zusammenarbeit wird selten gewährleistet. Gerne schmücken sich viele Zweitligisten mit DL-Spielern, aber eine Integration findet nicht statt. Realität ist zudem, hoffnungsvolle BBL-Talente bekommen bei dem unterklassigen Kooperationspartner 5-10 Minuten Spielzeit.

Beispiel gefällig? Waldemar Buchmiller von den Telekom Baskets war in der letzten Saison solch ein DL-Spieler. Er kam für die mittlerweile nicht mehr existierende Kooperation Bonn/Sechtem zum Einsatz. In Bonn erhielt er oft nicht die Spielzeit, die er für seine Entwicklung benötigt hätte. In Sechtem spielte er, wenn er spielte, im Schnitt 10 Minuten. Kann man das eine Kooperation nennen? Das Basketballjahr 2001/02 war für Waldemars Entwicklung diesbezüglich teilweise verschenkt, denn ich habe bis heute noch keinen Spieler getroffen, der sich auf der "Bank" groß verbessern konnte. Im Übrigen ist Waldemar auch kein Einzelfall in der Liga...

Aber es gibt natürlich auch positive Beispiele. Die bisherige, sehr erfolgreiche Kooperation ALBA/TuSLi wurde sehr häufig kopiert, aber in deren Qualität doch nie erreicht. Die immense Anzahl von Nationalspielern, die aus diesem Konzept hervorgegangen sind, sprechen für sich. Bamberg und Gießen sind mittlerweile ebenfalls mit ihren kooperierenden Partnern aus Liga 2 auf einem sehr guten Weg.

Woran liegt das?

Natürlich und wie immer, ist es das liebe Geld. Nur wenn Geld in den Kooperationspartner investiert wird, kann ein Ausbildungskonzept auch funktionieren. Wer zahlt bestimmt. Punkt!

Ein weiteres Problem ist eine nicht vorhandene Abstimmung der Ziele beider Klubs. Die Trainer der vermeintlichen Partner treffen sich eher nur sporadisch, anstatt ernsthaft gemeinsam zu arbeiten. Sie lassen ihre Mannschaften in nicht aufeinander abgestimmten Systemen spielen und nehmen damit den talentierten Schützlingen die Basis sich problemlos in beiden Teams zu Recht zu finden.

Die reelle Chance

Das System der Doppellizenzen ist nur mit einem finanziellen Aufwand und klar umrissenen Rahmenbedingen möglich. Diese finanziellen Mittel kommen durch Sponsoren und die Rahmenbedingungen müssen auf ein gemeinsames Ziel hin abgestimmt sein. Um den Sponsoren gegenüber glaubhaft zu bleiben, sollte man auf das proklamierte Ziel der Förderung junger Talente hinarbeiten.

Die Ausbildung der zukünftigen BBL-Stars kommt nur dann voran, wenn man sich an Zielvorgaben hält. Verfolgt man das Modell nur halbherzig, schadet man allen Beteiligten – insbesondere den jungen Talenten – immens. ALBA und TuSLi haben nur deswegen Erfolg mit dem DL-Modell, da hier konsequent und zielorientiert gearbeitet wird.

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