Gastschreiber

Science City Jena

Hochgradig frusTriert

Lomax am 11.12.2007 um 14:06

Licht aus – an keinem anderen Tag hätte der Slogan der deutschlandweiten Klimaschutzaktion besser passen können, als anlässlich des Duells zwischen der roten Laterne aus der Saalestadt und den Einäugigen von der Mosel. Es war wieder einmal JenArena-Zeit, zwei kurzweilige Stunden für einen wiederholten Abend mit der Garantie auf lange Gesichter. Vor der stimmungsvollen und ausverkauften 3000 Zuschauer zählenden Kulisse fiel in Jenas fünfter Heimspiel-Tragödie des sechsten Aktes gegen 21.48 Uhr der Vorhang.

Der Spielverlauf im Duell der Marke „Pflichtsieg“ zeigte erneut deutlich wo Jenas Schuh drückt. Wieder war es eine verschlafene Halbzeit, wiederholt mangelnde Struktur im Teamspiel, gepaart mit einer unterirdischen Trefferquote (0/13 MD), die den Saalestädtern letztendlich das Genick brach und einen möglichen Sieg kostete. So geschehen beim Duell gegen den Tabellenvorletzten aus Trier, der selbst mit limitierten Mitteln die Hausherren in der ersten Halbzeit an die Wand spielte und in dieser den Grundstein für einen sich scheinbar normalisierenden BBL-Puls an der Mosel legte.

Abermals war es im Verlauf der 40 Spielminuten ein offensiver Halbzeit-Blackout, den Science City zu kompensieren hatte. Business as usual, sagten die einen – kaum zu fassende Konzeptionslosigkeit konstatieren die anderen. Wann auch immer sich ein Team in sportlicher Talfahrt befindet, gegen Science City kommt es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus der Krise, Aufbau West sozusagen. So auch die Moselstädter, die im Abstiegsgipfel nicht wirklich besser waren, jedoch zumindest ansatzweise organisierter auftraten, mannschaftsdienlicher handelten, in wichtigen Situationen ihre Würfe trafen und so den Hausherren am Ende die kalte Schulter zeigen konnten. Die Redewendung vom „Sieg der Einäugigen über die Blinden“ charakterisiert ein Spiel, in dessen Verlauf einige Jenaer Spieler die Wichtigkeit dieses Duells scheinbar erst zu spät realisierten.

TBB-Point Guard Austen Rowland, in seinen 32 Minuten um geordnetes Spiel der Moselstädter bemüht, verfehlte allein die summierten Jenaer Team-Assists (6 an der Zahl – in 200 Minuten) um nur eine Vorlage, genug Aussage über das derzeitige Miteinander an der Saale. Ganz nach dem Motto – wenn nicht ich, wer sonst – krampfte sich Science City offensiv äußerst unkreativ durch die erste Halbzeit. Es bestätigte sich zudem die alte Fußballer-Weisheit „wer mit 1:0 führt, der stets verliert“, denn nachdem Kapitän Ali Seggelke per Freiwurf für die Jenaer Führung gesorgt hatte, lief nicht mehr viel im Team, welches über weite Teile der Begegnung aus dem Basketball eine Wissenschaft machte. Zwischen der 4. und 6. Spielminute zeigten beide Clubs Basketball zum Wegschauen, ein Festival der Ballverluste und vieler weiterer gezwungener Schmankerl, die während einer echten „Licht aus“ Aktion besser nie durch die Halogener der JenArena ausgeleuchtet worden wären. Nachdem Triers Coleman, der entgegen seiner ursprünglichen PG-Position häufig neben Rowland auf der 2 zu finden war, in der 7.Minute die Funkstille auf dem Parkett beendet hatte (6:11), verfiel Jena dem alten Charme einer „jetzt aber ich Mentalität“. Drei Freiwürfe (Buss, Davis) und ein Plavich-Dreier konterte Mike Benton Sekunden vor der Viertelpause mit Slam und Schmackes zum 12:17. Wer der Meinung war, es könne aus Sicht der Hausherren nicht mehr schlimmer kommen, sah sich spätestens bei Cages 3er zum 15:25 getäuscht. Anschließend pendelten sich beide Teams bis zum 19:29 auf eine 10 Punkteführung ein, bevor Jamal Basit sein bereits drittes Foul kassierte und der solide spielende Jonathan Moore auf 19:31 erhöhte. Nach dem 21:33 durch Danny Cage und zwei verpassten Gelegenheiten von Science City war die erste Hälfte überstanden. Doch lassen wir die markantesten Zahlen der ersten beiden Viertel noch einmal Revue passieren. Feldwürfe: Jena 6/30 - Trier 11/26, Assists: Jena 1 - Trier 7.

Die Chronologie des Grauens nahm auch nach Wiederanpfiff zunächst kein Ende. Rowland 3er (21:38) – 3. Foul Davis - Gillingham zum 21:40 – 19 Zähler Rückstand. Jamal Basit weckte seine Mannschaft mit einem Kraftakt zum 23:40 aus der Lethargie der ersten Halbzeit, Shelton und Seggelke legten mit jeweils 3 Zählern nach – 29:42 (24.). Unglücklicherweise konterte der bärenstarke Caleb Green (24 Pkt) nach einer sich anschließenden Trierer Auszeit ebenfalls aus der Distanz. Das Pech blieb Jena treu, als Sheltons Dreier nach In & Out in Whortons Hände fiel und Basit anschließend sein 4tes Foul (26.) kassierte. Vorsorglich auf die Bank verbannt, sah der Center-Hüne eine nun leidenschaftlicher kämpfendere Mannschaft, an deren Spitze Kapitän Seggelke mit 3 Freiwürfen den Schlusspunkt des Viertels zum 41:49 setzte.

Das Team des Belgiers Yves Defraigne erwischte auch zu Beginn des letzten Viertels den besseren Start, zog über Green und Moore wieder auf 41:54 davon. Mark Davis verkürzte zwar aus der Distanz, hatte sich im Zurücklaufen jedoch nicht unter Kontrolle und kassierte ein technisches Foul. Gillinghams sicher verwandelten Freiwürfen folgte der nächste Green-Nadelstich – 44:58 (32.). Durch einen Plavich-Dreier und Basits Dunk knackte Science City jedoch wieder die magische zweistellige Trierer Führung (49:58) und zwang Defraigne zum nächsten Timeout (noch 5:20). Nach zwei verwandelten Freiwürfen durch McCaw folgte eine der Schlüsselszenen. Ein gegen Basit und Green verhängtes Doppel-Foul deponierte Jenas Center mit seinem 5. Foul auf die Bank, Greens dritter Call hatte für den TBB hingegen keine Auswirkungen. Um den Fels in der Zone beraubt, mussten andere die Lücke schließen, doch dies gelang nur ansatzweise. Das letzte Lebenszeichen der Thüringer setzte Brendan Plavich nach Steal an Green mit einem Layup zum 55:60. (37.). Rowland von der Linie (55:62) und ein Fastbreak von Cage nach Turnover von McCaw (55:64) begruben zwei Minuten vor dem Ende alle Jenaer Hoffnungen auf die so dringend benötigten Punkte im Abstiegskampf.

Die symptomatischste Szene des Spiels, sieben Sekunden vor Ende, bildete ein getroffener Distanzwurf von Ali Seggelke, der nach seinem erfolgreichen Dreier zum 62:70 nur noch frustriert mit den Achseln zucken konnte. Während dem Ex-Wedeler zumindest kämpferisch die Note gut attestiert werden kann, enttäuschten wiederholt einige seiner Kollegen. Vor allem im Verlauf der ersten Hälfte dieser zukunftsweisenden Partie schienen einige Akteure den hohen Wert eines Sieges nicht realisiert zu haben. Anders kann die Fortsetzung der katastrophalen Leistung aus der zweiten Ulmer Halbzeit in den ersten 20 Minuten gegen Trier nicht erklärt werden. Nachdem Science City durch die unnötige 62:72-Niederlage gegen den TBB Trier den Minutenzeiger der Abstiegs-Uhr selbst auf 5 vor 12 geschoben hat, legte Göttingen mit dem Sieg in Frankfurt am Folgetag 3 weitere Minuten nach. Somit ist es 2 vor Ultimo. Zeit sich zu regenerieren hat das Harmsen-Team dennoch nicht. Bereits heute Abend geht es am Neckar gegen den USC Heidelberg um den Einzug in die zweite Pokalrunde. Es wäre an der Zeit, vor den beiden deftigen Auswärtsspielen in Bremerhaven und Leverkusen, mit einem überzeugenden Auftritt Selbstvertrauen zu tanken. Wird jedoch auch dieses Duell an einen unterklassigen Kontrahenten abgegeben, kann in Jena tatsächlich langsam das Licht gelöscht werden.

Lomax
Fotos: Christian Waitschies - www.getmorephoto.com


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Offiziell

BBL

# T P Diff
1 BAM 38:4 399
2 ULM 34:8 119
3 QUA 30:10 187
4 BER 30:12 217
5 WÜR 24:16 119
6 BHV 22:18 -35
7 FCB 22:20 85
8 BRA 22:20 -17
9 OLD 20:18 13
10 BON 18:22 -26
11 FRA 18:24 -105
12 TÜB 18:24 -32
13 BAY 16:24 -120
14 HAG 14:26 -189
15 GIE 14:28 -173
16 TRI 14:28 -107
17 LUD 12:30 -56
18 GÖT 4:38 -279

ProA

# T P W/L
1 MBC 32 16/3
2 KIR 30 15/5
3 CHE 26 13/8
4 CRA 26 13/8
5 PAD 22 11/8
6 DÜS 20 10/10
7 JEN 20 10/11
8 HEI 18 9/10
9 NÜR 18 9/11
10 EHI 18 9/11
11 KAR 18 9/12
12 ETB 16 8/11
13 CUX 16 8/11
14 SAA 12 6/15
15 LEI 8 4/16

ProB

Nord

# T P W/L
1 HAN 34 17/5
2 BRA 28 14/6
3 HER 28 14/7
4 VEC 28 14/7
5 SCH 26 13/8
6 DOR 24 12/9
7 RSV 22 11/11
8 WUL 20 10/12
9 WOL 18 9/12
10 WED 18 9/13
11 LEV 16 8/13
12 ALB 12 6/15
13 BRN 2 1/20

Süd

# T P W/L
1 GOT 29 15/5
2 LEI 28 14/6
3 NÖR 26 13/7
4 BSW 26 13/7
5 RHÖ 24 12/8
6 HAN 24 12/8
7 LAN 22 11/9
8 LIC 20 10/10
9 GÜS 18 9/11
10 FRA 12 6/14
11 WEI 6 3/17
12 GIE 4 2/18

Alternativ

BBL

# T P W/L
1 BAM 38 19/2
2 ULM 34 17/4
3 QUA 30 15/5
4 BER 30 15/6
5 WÜR 24 12/8
6 BHV 22 11/9
7 FCB 22 11/10
8 BRA 22 11/10
9 OLD 20 10/9
10 BON 18 9/11
11 FRA 18 9/12
12 TÜB 18 9/12
13 BAY 16 8/12
14 HAG 14 7/13
15 GIE 14 7/14
16 TRI 14 7/14
17 LUD 12 6/15
18 GÖT 4 2/19

ProA

# T P Diff
1 MBC 32:6 168
2 KIR 30:10 154
3 CHE 26:16 43
4 CRA 26:16 55
5 PAD 22:16 42
6 DÜS 20:20 45
7 JEN 20:22 5
8 HEI 18:20 57
9 NÜR 18:22 -24
10 EHI 18:22 -26
11 KAR 18:24 -61
12 ETB 16:22 -11
13 CUX 16:22 -69
14 SAA 12:30 -122
15 LEI 8:32 -256

ProB

Nord

# T P Diff
1 HAN 34:10 236
2 BRA 28:12 155
3 HER 28:14 70
4 VEC 28:14 97
5 SCH 26:16 128
6 DOR 24:18 48
7 RSV 22:22 -39
8 WUL 20:24 -54
9 WOL 18:24 -23
10 WED 18:26 -17
11 LEV 16:26 -123
12 ALB 12:30 -212
13 BRN 2:40 -266

Süd

# T P Diff
1 GOT 30:10 178
2 LEI 28:12 122
3 NÖR 26:14 90
4 BSW 26:14 54
5 RHÖ 24:16 116
6 HAN 24:16 41
7 LAN 22:18 35
8 LIC 20:20 5
9 GÜS 18:22 -94
10 FRA 12:28 -106
11 WEI 6:34 -146
12 GIE 4:36 -295
 

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