Gastschreiber

Science City Jena

Stars and Stripes zu Gast beim Abstiegsgipfel

Lomax am 07.12.2007 um 16:17

Ist es eine seltsame Laune des Schicksals oder eher pure Ironie, dass ausgerechnet Deutschlands älteste Stadt im Basketball problemlos in CBA oder der D-League antreten könnte? Hätte Trier nicht bereits das TBB im Namen, „Stars and Stripes“ wäre wohl der eher passendere Zusatz.

Stolze elf Atlantik-Überflieger trugen in der bisherigen Saison mal häufiger, mal seltener oder auch noch gar nicht das Hochwald-Trikot der Rheinland-Pfälzer. Hire and Fire ist zu Gast an der Saale, Science City trifft ab 20 Uhr im ersten großen Abstiegsendspiel auf den TBB aus Trier.

Jerome Coleman, Austen Rowland, Marcus Taylor, Robert Jackson, Kyle Wilson, Josh Almanson, Danny Cage, Caleb Green, Tim Frost, Michael-Malik Benton, John Whorton – ein vor und während der Saison rekrutierter Stab hochmotivierter Landsmänner war es, der unter der Regie des bis Donnerstag an der Mosel werkelnden Joseph „Joe“ Whelton den TBB ins derzeitige Tal der Tränen führte.

Mittlerweile aussortiert, befinden sich zumindest Jackson (private Gründe), Frost (zu kalt) und das (nur optische) Nowitzki-Double Kyle Wilson (siehe Frost) auf dem Heimflug und/oder unterwegs in wärmere Gefilde. Wie Randfiguren verlieren sich hingegen die beiden Alibi-Deutschen Christian Hoffmann (Ex-Bayern, je 1:40 Min in 4 Spielen) und Kosta Karamatskos (Ex-Kirchheim, je 4 Min in 6 Spielen) im Kader des TBB. Lediglich der aus Bayreuth gekommene Small Forward Jonathan Moore (deutscher Pass) bekam unter Whelton knapp 16 Minuten pro Partie.

Trotz einer schier unendlichen Nibelungen-Treue musste Whelton unter der Woche den Stuhl räumen. Die ernüchternde Bilanz seines Basketballjahres 2007 liest sich mit 5 Siege – 25 Niederlagen verheerend. Nachdem Trier die Reißleine gezogen hatte landete ein Belgier an der Porta Nigra. Der Name des Neuen, Yves Defraigne, klingt bekannt, allerdings eher in einem anderen Zusammenhang und einer unterschiedlicher Schreibweise. Defraigne, wie Andy Dufresne (Tim Robbins), dem eingelochten Banker aus dem (edit: fast) oscarprämierten Klassiker „Die Verurteilten“. In gewisser Art und Weise ist man sich ähnlich, denn auch Triers Defraigne ist ein Verurteilter, zum Erfolg verurteilt und zum Siegen verdammt.

Zwischen Flamen und Wallonen, mit einem schwarz-gold-roten Wappen auf der Brust, brachte es Defraigne als Spieler auf 15 Nationalmannschaftseinsätze, coachte nach seinem Engagement bei Dexia Mons-Hainaut zuletzt den durch eine Finanzkrise in die 3. Liga abstürzenden Club von BBC Royal Atomia Brüssel. Nun tritt er Wheltons schweres Erbe an. Schwer nicht aufgrund zu großer Schuhe, die ihm Joseph hinterlies, sondern eher in Hinblick der kniffligen Aufgabe eines bis zur Halskrause vollgestopften Kaders, der kaum weiteren Handlungsspielraum lässt.

Auf einen Leader seines neuen Teams hingegen kann Defraigne sich voll und ganz verlassen. Mit einem Herz so groß wie das Ahornblatt seines Heimatlandes, bildet James Gillingham im bereits vierten Jahr die Seele der Moselstädter. Andere kamen und gingen – „Gilli“ blieb und hoffte von Jahr zu Jahr auf Besserung. Neben dem Guard, der abgesehen von der kanadischen auch die Staatsbürgerschaft der Dominikanischen Republik besitzt, enttarnte sich im bisherigen Saisonverlauf mit Caleb Green ein positiv überraschender, zweiter X-Faktor. Green, ein ehemaliger Golden Eagle der Oral Roberts University, rangiert mit einer derzeit überragenden Effizienz von 18,3 auf dem 4. Platz der BBL. Der dritte im Bunde der Leistungsträger trägt den Namen Daniel Cage. Der variabel einsetzbare Vanderbilt-Absolvent scheut häufig den Weg zum Korb, glänzt dafür aber mit einer 48%igen Dreierquote.

Die Kehrseite der Medaille hat den Namen Jerome Coleman. Der ursprünglich als Feuerwehrmann für den fußlahmen Point Guard Marcus Taylor (Zehen-Bruch) verpflichtete 28-jährige US-Amerikaner enttarnet sich für einen Aufbauspieler mit knapp 13 Würfe pro Partie eher als lupenreiner Ballermann. Entgegen der Modalitäten, die bei Jackson und Frost griffen, hier tauschte man mit Benton (Ex-Skyliner) und Whorton (Ex-Würzburger) komplett durch, addierte man im Backcourt den letztjährigen Assist-König (6 Ass p.G.) der Liga einfach hinzu. In Jena nicht unbekannt, soll Austen Rowland (Ex-Ulm) zukünftig für ein strukturiertes Spiel sorgen und egoistische Black Hole-Situationen minimieren.

Qualitative Probleme, die man in Jena nicht kennt, doch dafür haben die Thüringer andere Baustellen. Nach dem „schlechtesten Spiel der Saison“ (Zitat Trainer Harmsen), welches man sich ausgerechnet gegen Ulm aufgehoben hatte, soll nun endlich wieder der Geist des „one Team“ durch die Reihen der Mannschaft gehen.

Auch Science City-Kapitän Ali Seggelke hat die Gefahr erkannt. Die Gefahr nach einer Durststrecke die Moral zu verlieren, sich aufzugeben und in eine Phase abzugleiten, in der jeder nur noch auf seine persönlichen Statistiken und Werte schaut. „Wir müssen uns gegenseitig auf dem Parkett respektieren, keiner darf jetzt anfangen daran zu denken, nur seinen eigenen Arsch retten zu wollen“, findet der 28-Jährige drastische Worte. Jenas Trainer Björn Harmsen, sieht es ähnlich, formuliert die Probleme allerdings etwas prosaischer. „Wir müssen endlich wieder als Mannschaft auftreten, den Gegner kontrollieren, Trier die einfachen Punkte aus Eins-Eins-Situationen im Fastbreak wegnehmen und das Tempo des Spiels bestimmen. Das geht nur über Kampf, Herz und Leidenschaft.“

„Wir“ dürfte dabei das Schlagwort bilden, denn nur als „Wir“ wird der Aufsteiger die Chance bekommen, auf die individuelle Klasse der kommenden Gegner – auch und vor allem gegen Trier – kontern zu können. Mit einem Sieg hätten die Thüringer erstmalig die Gelegenheit, an Göttingen (einer Niederlage in Frankfurt vorrausgesetzt) und Trier vorbeizuziehen und die Abstiegsränge zu verlassen. An den Fall einer Niederlage will indes in Jena niemand denken.

Wie der Verein zudem bekannt gab, haben Fans und Anhänger der Thüringer am Samstag die Gelegenheit, an der Fancorner den neuen Teamkalender des nächsten Jahres zu erwerben. Aufnahmen im DDR-Museum in Apolda zeigen die Spieler des Aufsteigers in alltäglichen Situationen einer längst vergangenen Epoche.

Auf das man beim Umblättern vom Oktober zum November 2008 nicht wehmütig auf das Kapitel BBL zurückschaut ...

Lomax

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BBL

# T P Diff
1 BAM 38:4 399
2 ULM 34:8 119
3 QUA 30:10 187
4 BER 30:12 217
5 WÜR 24:16 119
6 BHV 22:18 -35
7 FCB 22:20 85
8 BRA 22:20 -17
9 OLD 20:18 13
10 BON 18:22 -26
11 FRA 18:24 -105
12 TÜB 18:24 -32
13 BAY 16:24 -120
14 HAG 14:26 -189
15 GIE 14:28 -173
16 TRI 14:28 -107
17 LUD 12:30 -56
18 GÖT 4:38 -279

ProA

# T P W/L
1 MBC 32 16/4
2 KIR 30 15/5
3 CHE 26 13/8
4 CRA 26 13/8
5 PAD 22 11/8
6 DÜS 20 10/10
7 JEN 20 10/11
8 HEI 18 9/10
9 ETB 18 9/11
10 NÜR 18 9/11
11 EHI 18 9/11
12 KAR 18 9/12
13 CUX 16 8/11
14 SAA 12 6/15
15 LEI 8 4/16

ProB

Nord

# T P W/L
1 HAN 34 17/5
2 BRA 30 15/6
3 HER 28 14/7
4 VEC 28 14/7
5 SCH 26 13/8
6 DOR 24 12/9
7 RSV 22 11/11
8 WUL 20 10/12
9 WOL 18 9/13
10 WED 18 9/13
11 LEV 16 8/13
12 ALB 12 6/15
13 BRN 2 1/20

Süd

# T P W/L
1 GOT 29 15/5
2 LEI 28 14/6
3 NÖR 26 13/7
4 BSW 26 13/7
5 RHÖ 24 12/8
6 HAN 24 12/8
7 LAN 22 11/9
8 LIC 20 10/10
9 GÜS 18 9/11
10 FRA 12 6/14
11 WEI 6 3/17
12 GIE 4 2/18

Alternativ

BBL

# T P W/L
1 BAM 38 19/2
2 ULM 34 17/4
3 QUA 30 15/5
4 BER 30 15/6
5 WÜR 24 12/8
6 BHV 22 11/9
7 FCB 22 11/10
8 BRA 22 11/10
9 OLD 20 10/9
10 BON 18 9/11
11 FRA 18 9/12
12 TÜB 18 9/12
13 BAY 16 8/12
14 HAG 14 7/13
15 GIE 14 7/14
16 TRI 14 7/14
17 LUD 12 6/15
18 GÖT 4 2/19

ProA

# T P Diff
1 MBC 32:8 162
2 KIR 30:10 154
3 CHE 26:16 43
4 CRA 26:16 55
5 PAD 22:16 42
6 DÜS 20:20 45
7 JEN 20:22 5
8 HEI 18:20 57
9 ETB 18:22 -5
10 NÜR 18:22 -24
11 EHI 18:22 -26
12 KAR 18:24 -61
13 CUX 16:22 -69
14 SAA 12:30 -122
15 LEI 8:32 -256

ProB

Nord

# T P Diff
1 HAN 34:10 236
2 BRA 30:12 159
3 HER 28:14 70
4 VEC 28:14 97
5 SCH 26:16 128
6 DOR 24:18 48
7 RSV 22:22 -39
8 WUL 20:24 -54
9 WOL 18:26 -27
10 WED 18:26 -17
11 LEV 16:26 -123
12 ALB 12:30 -212
13 BRN 2:40 -266

Süd

# T P Diff
1 GOT 30:10 178
2 LEI 28:12 122
3 NÖR 26:14 90
4 BSW 26:14 54
5 RHÖ 24:16 116
6 HAN 24:16 41
7 LAN 22:18 35
8 LIC 20:20 5
9 GÜS 18:22 -94
10 FRA 12:28 -106
11 WEI 6:34 -146
12 GIE 4:36 -295
 

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