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Quo Vadis BBL?

Sven Meyer am 20.09.2002 um 14:07

Der Gewinn der Bronze-Medaille von der Deutschen Basketball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft ist ohne Frage ein toller Erfolg. Dies wird den Basketball in Deutschland weiter nach vorne bringen. Die Medien werden unsere Sportart - daraus resultierend - hoffentlich noch mehr gegenüber "König Fußball" in den Vordergrund schieben und als zweite Kraft hinter Fußball etablieren. Wenn man sich nun aber den Deutschen Weltmeisterschaftskader genauer anschaut, fällt auf, dass außer Pascal Roller und Dirk Nowitzki alle anderen Spieler ihre basketballerische Ausbildung mehr oder weniger in Berlin erhalten haben. Ein Umstand, der mir mehr als nur bedenklich erscheint. 10 von 12 Spielern!

Wieso bedenklich?

Die Frage, die sich hier als erstes aufdrängt ist doch die: Betreiben die anderen Klubs keine vernünftige Jugendarbeit? Was passiert auf langer Sicht, wenn Dirk Nowitzki einmal nicht mehr die Energie aufbringt, für Deutschland zu spielen und die "Produktion" der Berliner Kaderschmiede einmal ins Stocken gerät. Ein Horrorszenario? Ja, aber durchaus vorstellbar.

Der aktuelle Stand der Liga

Vernünftige Jugendarbeit wird in den wenigsten Klubs betrieben. Viele Klubs begnügen sich mit den vorgeschriebenen zwei "Alibi" U22´-Spielern. Sieht so eine vernünftige, kontinuierliche Jugendarbeit aus?

Zu viele hierzulande arbeitende BBL-Trainer setzen sich zu wenig mit den in Deutschland vorhandenen jungen, talentierten Spielern auseinander. Aus Erfahrung durch meine tägliche Arbeit kann ich berichten, dass viele BBL-Trainer die Deutschen jungen Spieler weder mit Namen kennen, noch sie jemals haben spielen sehen. Nicht umsonst fehlen bei der alljährlichen Adidas U18-Challenge kurz vor Weihnachten, immer wieder dieselben Verantwortlichen.

Man kann mir glauben, dass viele junge Deutsche Spieler mit dem entsprechenden Potential nur darauf warten ihre Chance im Basketballoberhaus zu bekommen. Der leistungsmäßige Sprung aus der A-Jugend in die BBL ist für die meisten kaum zu bewältigen, obwohl das Potential mittel- bis langfristig durchaus oft vorhanden ist. Wie viele Coaches können von sich behaupten, dass sie einen Jugendspieler zu einem Nationalspieler ausgebildet haben?

Als Beispiel möchte ich einmal die damaligen Verantwortlichen aus Trier anführen. Don Beck, mit dem ich mich im Übrigen privat sehr gut verstehe, hat dort zweifellos 10 Jahre gute Arbeit geleistet. Aber was ist dabei für den deutschen Basketball herausgekommen? Sorry Don, aber ein James Marsh, als einzigen Deutschen BBL-Spieler herausgebracht zu haben, ist dann doch etwas zu wenig. Die Liste derartiger Verfehlungen ließe sich bei anderen Klubs fortführen...

Wieso verhalten sich diese Klubs so?

Diese Frage stelle ich mir oft und diskutiere sie auch mit den Verantwortlichen. Hierbei höre ich dann Land auf, Land ab immer dieselben Argumente. Die Klubs haben nicht die Finanzkraft oder nicht die Ausdauer (zu großer Erfolgsdruck), junge Spieler entsprechend auszubilden. Das aber sind Ausreden.

Sicherlich, der Erfolgsdruck ist enorm. Wenn ein BBL Coach einen Einjahresvertrag erhält, hat er sicher nicht immer Zeit sich um die Ausbildung junger Spieler zu kümmern. Primär muss er Spiele gewinnen, da ihm sonst evtl. Arbeitslosigkeit droht. Meine Frage an die Manager bzw. Präsidenten lautet dann wie folgt: Wieso stellt ihr jemanden ein, von dem ihr nicht überzeugt seid das er das Team führen und die Spieler mittel- bis langfristig entwickeln kann? Werden da im Vorfeld die "Hausaufgaben" nicht gründlich genug erledigt?

Die Argumentation, dass viele ausländische Spieler geringere Kosten als die jüngeren Deutschen Spieler verursachen (ich meine ausdrücklich nicht die etablierten Deutschen Spieler), lässt sich nicht aufrechterhalten.

Beispiel gefällig? Einer unserer damaligen Klienten, der ehemalige Deutsche U22-Nationalspieler Zvonimir Paradzik. Er spielte während der Saison 2000/21 in Ulm. Die Mannschaft belegte damals einen Abstiegsplatz und verschwand dann auch aufgrund finanzieller Probleme aus der BBL. "Zvoni" spielte in der sogenannten Religationsrunde (Abstiegsrunde) den besten Basketball seiner damals noch jungen Karriere. Er beendete die Runde statistisch als einer der besten Spieler. Knapp 17 Punkte pro Spiel, viele Rebounds, tolle Verteidung, eine Kämpfernatur. Wurde hier ein neuer Deutscher Starspieler geboren? Mitnichten. Wir von der LimeLight haben ihn in der Liga angeboten wie "Sauerbier". Es bestand kein Interesse an einem jungen Talent, dass sogar schon bewiesen hatte, er kann "spielen" und man glaube mir... es ist nicht an zu hohen Gehaltsforderungen gescheitert.

Der Basketballgott - sofern es ihn denn gibt - meinte es nicht gut mit Zvonimir. Der Klub, den ich für ihn im Auge hatte, verpflichtete dann lieber einen jungen Finnen für das gleiche Geld. Dieser Spieler hat dort im letzten Jahr durchschnittlich 8-10 Minuten gespielt und seinem Arbeitgeber sicher nicht sehr geholfen, viele Spiele zu gewinnen. Wenn sein Vertrag ausläuft, wird er mir nichts dir nichts wieder verschwinden.

"Deutscher Spieler? Der ist doch zu teuer", sagte mir der zuständige Manager, ohne auch nur einmal den Preis dieses Spielers abzufragen. Das ist unglaublich, und es drängt sich der Verdacht auf, dass gezielt kein Interesse an "einheimischen" Spielern besteht.

Was kann man lernen?

Es stellt sich die Frage, ob einige Klubs ihre Philosophie überdenken müssen. Für Sponsoren und Zuschauer ist es wohl eher uninteressant, hauptsächlich Osteuropa gegen Nordeuropa oder Amerika in der eigenen Halle spielen zu sehen. Insbesondere Sponsoren lassen sich gerne von einem Konzept überzeugen, welches vornehmlich mit Deutschen Spielern arbeitet, um den hiesigen Basketball auch auf Hinblick für die Nationalmannschaft voranzutreiben. Die Manager von ALBA Berlin und den Frankfurt SKYLINERS haben dieses Konzept als "Marketing-Konzept" verfeinert. Gern sollte man sich dort einmal Rat holen.

Für die Zuschauer ist es allemal interessanter, einen Grundstamm von "einheimischen" Basketballern zu präsentieren, mit denen sich naturgemäß eine bessere Identifikation herstellen lässt.

Fazit

Erfolge der Nationalmannschaft sind für die jeweiligen Ligen eines Landes sehr wichtig. Dies haben die EM93 und die WM02 eindeutig für Deutschland bewiesen.

Um die Deutsche Nationalmannschaft auch in Zukunft auf dem derzeitigen Niveau halten zu können, muss es eine bessere Einbindung von Deutschen Spielern in die BBL geben. Es kann nicht im Sinne des Erfinders sein, dass sich einige BBL Trainer überhaupt nicht um die Förderung von einheimischen Spielern kümmern, sondern sich lieber auf eine "Söldnertruppe" verlassen, in der Deutsche Spieler nur alibimäßig auf die Bank gesetzt werden. Trainer, die diese Interessen nicht verfolgen, haben meiner Meinung nach in der BBL nichts zu suchen.

Um eventuellem "Falschverstehen" vorzubeugen: Es geht nicht um eine nationalistische Verbannung von Ausländern aus dem Deutschen Basketball. Sondern es geht nur darum, genügend freie Kapazitäten für Deutsche Talente zur Verfügung zu stellen. Weiterhin kann es nicht angehen, dass die Entwicklung und Förderung von Talenten nur in der Verantwortung einiger weniger liegt.

Die Verantwortlichen, die das nicht mittragen wollen oder können, müssen sich fragen lassen, ob es für sie nicht sinnvollere Aufgaben gibt.

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