Gastschreiber
Science City Jena
Ärgerlic ...
Lomax am 20.11.2007 um 12:24
Man muss auch mal einstecken können – Die Weisheit, die bereits für Mike Tyson, Wolfgang Lippert und Gina Wild galt, hat auch im Basketball Bestand. Das erfuhr Science City am Samstagabend in der Berliner Max-Schmeling-Halle vor ziemlich genau 6031 Zuschauern Der Thüringer Tabellenletzte unterlag ganz im Zeichen des Ying und Yang nach zwei gegensätzlichen Halbzeiten mit 64:80, nervte den Favoriten allerdings zumindest bis zur 23. Minute (39:41) der Partie gewaltig.
Mit „nerven“ ist jedoch nicht nur die mitteilungsfreudige Art von Mark Davis gemeint, sondern vielmehr das bis dahin enge Spiel durch couragiertes Auftreten eines Gastes, der sich nur aufgrund zunehmend eigensinniger Spielweise, zum Teil unnötig eingehandelter Fouls und der daraus resultierenden schrumpfenden Rotation selbst aus dem Spiel nahm.
Während Science City einen schlecht eingestellten Favoriten lange ärgern konnte, schienen die Berliner einen Sieg im Vorbeigehen erwartet zu haben. Zum Leidwesen der Thüringer hatte Berlins Trainer Luka Pavicevic rechtzeitig den passenden Schlüssel für die Visiere seiner Spieler gefunden und diese nachjustiert. Am Ende war die Berliner Qualität zu hoch, zu erdrückend, um einer nicht ganz unmöglichen Sensation zu entgehen. Die Saalestädter starteten im Schmeling-Tempel außergewöhnlich erfrischend und gaben den flügellahmen Seevögeln bis zum 22:15 in der 8. Minute ordentlich Körner. Erst eine Rudelbildung mit anschließenden Strafen und Fouls stoppte Jenas Run. Eine Rangelei zwischen einigen Akteuren beider Teams endete mit Konfusion hinsichtlich fehlender Erläuterungen der Unparteiischen. So trottete zunächst Basit an den Vattenfall-Strich der Hauptstädter, ehe Subotic es ihm in der Jenaer Hälfte gleichtat. Die Folge: Basit verwarf, Subotic traf – 22:17. Eine nach Seiteneinwurf Berlin weitere, als unsportliches Foul geahndete Regelwidrigkeit kassierte McCaw beim Versuch Pantic am Korberfolg zu hindern. Die Freiwürfe des Serben saßen bombensicher – 22:19.
Nachdem Mark Davis mit einem leichtfertig vergebenen Layup den zweiten Spielabschnitt eröffnet hatte, glich Dijon Thompson per Dreier auf 22:22 aus. Jamal Basit holte sich Foul Nummer 2 und Jena danach die fällige Auszeit. In der Folge wanderten beide Kontrahenten zunächst im Gleichschritt. Thompsons drittes Foul in der 14. Minute schien ALBA jedoch wieder aus dem Rhythmus zu bringen. Als Shelton und Buss auf 31:26 erhöht hatten, platzte Pavicevic der Kragen – Auszeit Berlin. Anschließend ging alles ganz schnell – Brown und Femerling drehten den Spielstand zu Gunsten der Hausherren zum 31:32, ALBA war zurück im Spiel. Dass auch Goran Nikolic ordentlich austeilen kann, stellte er bei Jenas anschließendem Fastbreak unter Beweis. Der von Davis angespielte Ali Seggelke wurde vom Montenegriner in seinem Laufweg äußerst unsanft gestoppt, bekam allerdings nur zwei mickrige Freiwürfe zugesprochen.
Im folgenden Angriff stellte Nikolic unter Beweis, dass er weit mehr kann als nur Foulen. Der letztes Jahr noch bei Estudiantes Madrid aktive 2,05m-Hüne bestrafte die zu tief abgesunkene Jenaer Defense mit einem sicheren Dreier zum 33:35. Beim letzten Score der ersten Halbzeit sah man zunächst nur weiße Socken mit dem ALBA-Logo durch die Zone von Science City fliegen. Berlins Kapitän Femerling segelte Albatross-like durch die Luft und tippte einen vom Ring abprallenden Wurf zum Halbzeitstand ein. Jenas letzter Angriff wanderte in die Hände von Mischa Zlotowski und endete wie 16 seiner bisherigen 17 Perimeterschüsse, mit einer Fahrkarte – Halbzeit – 33:37.
Damit hatte es sich dann aber auch mit dem Berliner Schlafwagenbasketball. Abgekoppelt vom Zug der verträumten ersten Halbzeit war es vor allem Bobby Brown, der Jena im dritten Viertel – in seinem Viertel – mächtig zu schaffen machte. Mit sieben Punkte und einem spektakulären Alley Hoop Pass auf Thompson war es der College-Rookie, der Pavicevics Hemdflecken trocknen ließ. Die Thüringer, nach einem Dreier von Davis zum 39:41 (22.) zunächst noch einmal in Schlagdistanz, verloren sich zusehends in Einzelaktionen. Während der zu selten in die Offense eingebundene Kapitän Ali Seggelke in der 21. Minute sein drittes Foul kassierte, folgte Jamal Basit nach dem vierten Call drei Minuten später in Richtung Bank. Der danach für Basit ins Spiel gekommene Lars Buss (2,02m) wurde von Femerling (2,13m) bei einem Hakenwurf zwar zunächst übel gerupft, lieferte aber im weiteren Verlauf des Abschnitts eine achtbare Leistung. Jenas Punkte 43 bis 49 gingen ausschließlich auf das Konto des gebürtigen Hannoveraners. Die erste zweistellige Führung holte sich Preußens Glanz erstmalig nach Pantics Freiwürfen zum 43:54. Jenas Blake Shelton scheiterte anschließend bei einem Mittelfeld-Wurf parallel zum Viertelbuzzer knapp – 46:60.
Nachdem die Thrombosestrümpfe von Berlins Kapitän Femerling bereits zum Ende des dritten Viertels komplett durchgeschwitzt waren und der 2,13m Hüne wie ein Maikäfer pumpte, übernahm Mladen Pantic auf der 5. Erster Angriff und nach Gäste-Einwurf noch exakt eine Sekunde auf der Shotclock – Gregor Linke, nach starkem Beginn in Jenas Angriffen zu oft vergessen, bekam den Ball auf Höhe der Freiwurflinie und drückte sofort ab. Warum sein just in Time-Score nicht zählte und die Uhr bereits im Pass lief bereits, kann wohl nur mit einer mentalen Auszeit des Berliner Anschreibtisches erklärt werden. Welchen Spielverlauf die Partie nach dem regulären Korb genommen hätte, bleibt rein hypothetischer Natur.
Mögliche Diskussionen zerstreuten Subotic und Jenkins schnell aus der Distanz zum 49:66 – der Drops war gelutscht. Science City versuchte zwar noch einmal zu antworten, verfuhr sich dabei jedoch zu oft im Tunnelblick der Nummer 42. Relevante Stationen der letzten fünf Minuten bildeten Basits umstrittenes 5tes Foul (36.), ALBAs erster vergebener Freiwurf (bis dahin 20/20) durch Femerling (37.) und die punktuelle Ankunft des Sascha Rasic in der 39. Minute. Die Gastgeber, die am Ende mit dem souverän klingende 64:80 sicher einige Zähler zu hoch gewannen, haben auf dem Weg zum angestrebten Titel noch viel Arbeit vor sich.
Davis Dreier, Davis Dreier mit Brett, McCaw aus der Mitteldistanz, Davis Dreier, Plavich in der Zone – die unausgewogene Verteilung der letzten Jenaer Punkte verdeutlichen das Problem von Science City in den letzten 15 Minuten dieses Duells. Ein Aufsteiger kann Abend für Abend nur mit homogenen Teamspiel in der Liga überleben. Gezwungene Eins-Eins-Situationen, spektakuläre Abschlüsse oder schön mitspielen, so reizvoll es hin und wieder auch sein mag, hilft weder auf der Suche nach dem Erfolg noch beim Kampf ums Überleben. Letztendlich fährt das Harmsen-Team mit nicht ganz leeren Händen zurück, denn zumindest die Lektion der „nur gemeinsam sind wir stark Einstellung“ sollte man sich gemerkt haben.
Lomax
Fotos: Christian Waitschies
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Mit „nerven“ ist jedoch nicht nur die mitteilungsfreudige Art von Mark Davis gemeint, sondern vielmehr das bis dahin enge Spiel durch couragiertes Auftreten eines Gastes, der sich nur aufgrund zunehmend eigensinniger Spielweise, zum Teil unnötig eingehandelter Fouls und der daraus resultierenden schrumpfenden Rotation selbst aus dem Spiel nahm.
Während Science City einen schlecht eingestellten Favoriten lange ärgern konnte, schienen die Berliner einen Sieg im Vorbeigehen erwartet zu haben. Zum Leidwesen der Thüringer hatte Berlins Trainer Luka Pavicevic rechtzeitig den passenden Schlüssel für die Visiere seiner Spieler gefunden und diese nachjustiert. Am Ende war die Berliner Qualität zu hoch, zu erdrückend, um einer nicht ganz unmöglichen Sensation zu entgehen. Die Saalestädter starteten im Schmeling-Tempel außergewöhnlich erfrischend und gaben den flügellahmen Seevögeln bis zum 22:15 in der 8. Minute ordentlich Körner. Erst eine Rudelbildung mit anschließenden Strafen und Fouls stoppte Jenas Run. Eine Rangelei zwischen einigen Akteuren beider Teams endete mit Konfusion hinsichtlich fehlender Erläuterungen der Unparteiischen. So trottete zunächst Basit an den Vattenfall-Strich der Hauptstädter, ehe Subotic es ihm in der Jenaer Hälfte gleichtat. Die Folge: Basit verwarf, Subotic traf – 22:17. Eine nach Seiteneinwurf Berlin weitere, als unsportliches Foul geahndete Regelwidrigkeit kassierte McCaw beim Versuch Pantic am Korberfolg zu hindern. Die Freiwürfe des Serben saßen bombensicher – 22:19. Nachdem Mark Davis mit einem leichtfertig vergebenen Layup den zweiten Spielabschnitt eröffnet hatte, glich Dijon Thompson per Dreier auf 22:22 aus. Jamal Basit holte sich Foul Nummer 2 und Jena danach die fällige Auszeit. In der Folge wanderten beide Kontrahenten zunächst im Gleichschritt. Thompsons drittes Foul in der 14. Minute schien ALBA jedoch wieder aus dem Rhythmus zu bringen. Als Shelton und Buss auf 31:26 erhöht hatten, platzte Pavicevic der Kragen – Auszeit Berlin. Anschließend ging alles ganz schnell – Brown und Femerling drehten den Spielstand zu Gunsten der Hausherren zum 31:32, ALBA war zurück im Spiel. Dass auch Goran Nikolic ordentlich austeilen kann, stellte er bei Jenas anschließendem Fastbreak unter Beweis. Der von Davis angespielte Ali Seggelke wurde vom Montenegriner in seinem Laufweg äußerst unsanft gestoppt, bekam allerdings nur zwei mickrige Freiwürfe zugesprochen.
Im folgenden Angriff stellte Nikolic unter Beweis, dass er weit mehr kann als nur Foulen. Der letztes Jahr noch bei Estudiantes Madrid aktive 2,05m-Hüne bestrafte die zu tief abgesunkene Jenaer Defense mit einem sicheren Dreier zum 33:35. Beim letzten Score der ersten Halbzeit sah man zunächst nur weiße Socken mit dem ALBA-Logo durch die Zone von Science City fliegen. Berlins Kapitän Femerling segelte Albatross-like durch die Luft und tippte einen vom Ring abprallenden Wurf zum Halbzeitstand ein. Jenas letzter Angriff wanderte in die Hände von Mischa Zlotowski und endete wie 16 seiner bisherigen 17 Perimeterschüsse, mit einer Fahrkarte – Halbzeit – 33:37.
Damit hatte es sich dann aber auch mit dem Berliner Schlafwagenbasketball. Abgekoppelt vom Zug der verträumten ersten Halbzeit war es vor allem Bobby Brown, der Jena im dritten Viertel – in seinem Viertel – mächtig zu schaffen machte. Mit sieben Punkte und einem spektakulären Alley Hoop Pass auf Thompson war es der College-Rookie, der Pavicevics Hemdflecken trocknen ließ. Die Thüringer, nach einem Dreier von Davis zum 39:41 (22.) zunächst noch einmal in Schlagdistanz, verloren sich zusehends in Einzelaktionen. Während der zu selten in die Offense eingebundene Kapitän Ali Seggelke in der 21. Minute sein drittes Foul kassierte, folgte Jamal Basit nach dem vierten Call drei Minuten später in Richtung Bank. Der danach für Basit ins Spiel gekommene Lars Buss (2,02m) wurde von Femerling (2,13m) bei einem Hakenwurf zwar zunächst übel gerupft, lieferte aber im weiteren Verlauf des Abschnitts eine achtbare Leistung. Jenas Punkte 43 bis 49 gingen ausschließlich auf das Konto des gebürtigen Hannoveraners. Die erste zweistellige Führung holte sich Preußens Glanz erstmalig nach Pantics Freiwürfen zum 43:54. Jenas Blake Shelton scheiterte anschließend bei einem Mittelfeld-Wurf parallel zum Viertelbuzzer knapp – 46:60. Nachdem die Thrombosestrümpfe von Berlins Kapitän Femerling bereits zum Ende des dritten Viertels komplett durchgeschwitzt waren und der 2,13m Hüne wie ein Maikäfer pumpte, übernahm Mladen Pantic auf der 5. Erster Angriff und nach Gäste-Einwurf noch exakt eine Sekunde auf der Shotclock – Gregor Linke, nach starkem Beginn in Jenas Angriffen zu oft vergessen, bekam den Ball auf Höhe der Freiwurflinie und drückte sofort ab. Warum sein just in Time-Score nicht zählte und die Uhr bereits im Pass lief bereits, kann wohl nur mit einer mentalen Auszeit des Berliner Anschreibtisches erklärt werden. Welchen Spielverlauf die Partie nach dem regulären Korb genommen hätte, bleibt rein hypothetischer Natur.
Mögliche Diskussionen zerstreuten Subotic und Jenkins schnell aus der Distanz zum 49:66 – der Drops war gelutscht. Science City versuchte zwar noch einmal zu antworten, verfuhr sich dabei jedoch zu oft im Tunnelblick der Nummer 42. Relevante Stationen der letzten fünf Minuten bildeten Basits umstrittenes 5tes Foul (36.), ALBAs erster vergebener Freiwurf (bis dahin 20/20) durch Femerling (37.) und die punktuelle Ankunft des Sascha Rasic in der 39. Minute. Die Gastgeber, die am Ende mit dem souverän klingende 64:80 sicher einige Zähler zu hoch gewannen, haben auf dem Weg zum angestrebten Titel noch viel Arbeit vor sich. Davis Dreier, Davis Dreier mit Brett, McCaw aus der Mitteldistanz, Davis Dreier, Plavich in der Zone – die unausgewogene Verteilung der letzten Jenaer Punkte verdeutlichen das Problem von Science City in den letzten 15 Minuten dieses Duells. Ein Aufsteiger kann Abend für Abend nur mit homogenen Teamspiel in der Liga überleben. Gezwungene Eins-Eins-Situationen, spektakuläre Abschlüsse oder schön mitspielen, so reizvoll es hin und wieder auch sein mag, hilft weder auf der Suche nach dem Erfolg noch beim Kampf ums Überleben. Letztendlich fährt das Harmsen-Team mit nicht ganz leeren Händen zurück, denn zumindest die Lektion der „nur gemeinsam sind wir stark Einstellung“ sollte man sich gemerkt haben.
Lomax
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