New Yorker Phantoms Braunschweig

Phantoms zerbröseln nicht an Bamberger Verteidigung

Lomax am 04.11.2007 um 11:17

Da musste Cheftrainer Emir Mutapcic mitsamt seiner Assistenten Andreas Martin und Liviu Calin doch noch mal auf den Videowürfel der Volkswagen Halle schauen. Kontrolle ist bekanntlich besser. Aber auch nach mehrfacher Prüfung prangte dort ein 65:64 nach vierzig intensiven Minuten gegen BBL-Meister Brose Baskets Bamberg. Nach zweimaligem Rückstand hatte sich die Mannschaft bravourös zurückgespielt und wurde im letzten Viertel von 3.100 bestens unterhaltenen Zuschauern bedingungslos nach vorne getrieben. Die Entscheidung fiel punktgenau mit der Schlusssirene durch Domonic Jones und bedeutete die erste Saisonniederlage der Gäste, die ohne den angeschlagenen Nationalspieler Ademola Okulaja (Zerrung des Hüftbeugers) antraten.

Die Gäste aus Bamberg sind in letzter Zeit wegen der Euroleague viel unterwegs. Nach dem Trip nach Athen unter der Woche hatten die Franken jedenfalls nicht vergessen, ihre international harte Verteidigung in die Koffer zu packen und in Braunschweig aufs Feld zu bringen. Den Gastgebern sollte es im gesamten ersten Viertel nur dreimal gelingen, auf den Korb zu werfen, ehe die 24 Sekunden-Uhr zehn Sekunden oder weniger anzeigte. Dennoch hielten sie die Partie offen. Hauptsächlich, weil Jonathan Levy in der Anfangsphase ein gutes Händchen hatte und mit zwei Dreiern sein Team offensiv trug (14:13, 8. Minute). Bamberg kontrollierte über die Verteidigung das Tempo der Begegnung, trug selbst nur Halbfeldangriffe vor, die jedoch einen 7:0-Lauf einbrachten (14:20).

Auch der zweite Durchgang war hartumkämpft. Allerdings schalteten die Baskets in der eigenen Hälfte einen Gang zurück, was den Ballvortrag der Phantoms enorm erleichterte. Es dauerte jedoch ein wenig Zeit, ehe sich die Hausherren mit kleinen Schritten herangeschlichen hatten (25:25, 17. Minute). Es blieb bei dem engen Spielstand, zumal Bamberg mit der von Braunschweig vorgetragenen Zone seine liebe Müh’ hatte (29:29).

Nach dem Seitenwechsel wechselte Phantoms-Coach Emir Mutapcic munter zwischen Mann- und Ball-Raum-Verteidigung hin und her. Der gewünschte Effekt, dass die Gäste nur wenig Zählbares auf die Anzeigetafel bringen würden, trat ein, doch agierten die Hausherren bei Ballbesitz selber zu passiv (43:44, 27. Minute). Dies wussten die Gäste direkt auszunutzen und beendeten das Viertel erneut mit einem kleinen Lauf, der Braunschweig weiter zurückwarf (43:50).

Als Bamberg gleich zu Beginn des Schlussabschnittes nachlegte sahen sich die Phantoms dem bis dahin größten Rückstand gegenüber (43:52, 32. Minute). Vier durch Kyle Visser in unmittelbarer Folge markierte Punkte zwangen Baskets-Trainer Bauermann dazu, eine warnende Auszeit zu nehmen (47:52, 33. Minute). Diese hatte jedoch keinen spürbaren Effekt auf die Intensität der Gäste, die sich plötzlich nicht nur einer spielfrohen Braunschweiger Mannschaft, sondern auch 3.100 lautstark unterstützenden Zuschauern gegenübersahen. Erst eine zweite taktische Unterbrechung des Spielgeschehens durch Bauermann beendete den Phantoms-Lauf, der sich bereits auf 14:2 ausgedehnt hatte (57:54, 36. Minute). Nationalspieler Demond Greene hatte die Zeichen der Zeit erkannt und netzte im folgenden Ballbesitz einen Dreier zum Ausgleich ein. Dieser sollte jedoch nur der Startschuss für den finalen Schlagabtausch beider Teams sein. Auf der Gegenseite antwortete Andrew Drevo ebenfalls aus der Distanz, Greene glich erneut von jenseits der 6,25m-Linie aus, ehe Steven Wright mit der Hand des Verteidigers im Gesicht ebenfalls von „Downtown“ abzog und die Volkswagen Halle endgültig zum Kochen brachte (63:60, 39. Minute). Der Meister konterte in Person von Predrag Suput, der sich nach vergebener Chance in der Transition den Offensiv-Rebound sicherte und aus kürzester Entfernung sicher verwandelte (63:62). Da das Leder beim im Gegenzug schön kreierten Korbleger von Visser erst eine Sekunde nach Ablauf der Shotclock die Hand des Amerikaners die Hand verließ, änderte sich der Punktestand nicht – jedoch war Bamberg in Ballbesitz. Auf dem Weg zum Korb wurde Steffen Hamann konsequent gestoppt, verdiente sich trotz der nach Leibeskräften schreienden Braunschweiger Fans auf den Rängen jedoch souverän zwei Zähler an der Freiwurflinie (63:64, 40. Minute). Bei 9,3 Sekunden verbleibender Restspielzeit blieb den Phantoms nur noch eine Option: Den Ball schnell nach vorn zu tragen, um noch vor Ablauf der Uhr die Entscheidung zu suchen. Ein taktisches Bamberger Foul unterbrach diese Unternehmung jedoch jäh –es waren nur noch 4,3 Sekunden zu spielen. Aus dem Einwurf heraus ging der Ball auf den an der Dreierlinie freigewordenen Andrew Drevo, der nach angedeutetem Pick-and-Roll selbst losdribbelte und den plötzlichen Pass quer durch die Zone in die Arme des von der Weakside zum Korb schneidenden Domonic Jones jagte.
Mit der Schlusssirene gewinnen die New Yorker Phantoms in einer hochdramatischen Partie 65:64 gegen den amtierenden Meister Brose Baskets Bamberg, die aber weiterhin an der Spitze der BBL-Tabelle bleiben.

Im Anschluss an die Begegnung zeigte sich Dirk Bauermann gefasst, aber wenig zufrieden mit der Vorstellung seiner Mannschaft. „Wir hatten zwei Chancen, das Spiel frühzeitig zu entscheiden und haben diese verstreichen lassen“, so der Baskets-Trainer. „Da haben wir einen Gang rausgenommen und nicht die nötige Konzentration vorgewiesen.“ Es war das erste Mal, dass Bamberg in der laufenden Saison mehr als 60 gegnerische Zähler zulassen musste. Bauermann: „Trotz des Ausfalles von Ademola Okulaja und der Euroleague-Belastung haben wir genug Tiefe und Qualität für die Liga. Deswegen Glückwunsch an Braunschweig, das immer an sich geglaubt und nicht unverdient gewonnen hat.“
Nach dem zweiten Heimspiel-Thriller binnen 14 Tagen zeigte sich Emir Mutapcic fast wortlos. „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft“, offenbarte der Coach. „Gegen eine absolute Spitzenmannschaft wie Bamberg zu spielen bedarf keiner zusätzlichen Motivation. Wie das Team heute gekämpft und immer an sich geglaubt hat ... das hat uns in eine andere spielerische Dimension gebracht.

New Yorker Phantoms:
Wright (12/2), Levy (12/2), Allen (13/1), Visser (14), Drevo (8/2), Jones (4), Khartchenkov (2), Coleman, Granz

Brose Baskets Bamberg:
Ensminger (14), Hamann (4), Greene (20/4), Suput (14), Fenn (10/1), Pavic, Garrett (2), Ohlbrecht, Dickel

New Yorker Phantoms – Brose Baskets Bamberg 65:64 (14:20, 15:9, 14:21, 22:14)

Pressemitteilung: New Yorker Phantoms (Jörg Bähren)

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