Gastschreiber

Science City Jena

Viel Ärger und zu viel Streit

Lomax am 22.10.2007 um 15:30

Ein Spiel, drei Verlierer – Während Science City Jena in der Basketball-Bundesliga auch nach der fünften Partie mit leeren Händen dasteht, überschlugen sich gestern Abend in der Ludwigsburger Rundsporthalle die Ereignisse Neben der erneut knappen und ärgerlichen 73:80-Niederage büßten die Thüringer mit Jamal Basit ihren etatmäßigen Center ein. Der dritte Verlierer des Abends trug grau-schwarz und sorgte mit seiner umstrittenen Entscheidung in der 11. Spielminute für erhebliche Einflussnahme auf das sportliche Geschehen. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Gäste gegen auffällig nervös wirkenden Hausherren noch mit 24:19 in Führung.

Science City startete, entgegen der Anfangsphasen in den letzten Spielen, wie von der Tarantel gestochen. Präzisen Pässen folgten exakte 3er, alle Würfe fielen wie in einen Trichter und nachdem Jamal Basit den Ball zum 10:2 durch die Ludwigsburger Reuse prügelte, hatte Silvano Poropat in der 4. Minute genug gesehen – Timeout EnBW. In der Folge konnten die Schwaben zwar durch Collins verkürzen, der Aufsteiger spielte jedoch auch weiterhin wie aus einem Guss. Egal ob Freiwürfe oder Schüsse aus der Mitteldistanz, die zwischen dem 3er-Shootout der beiden Kontrahenten eher störend wirkten, der Underdog war auf Augenhöhe mit einem ULEB-Cup-Vertreter. Nach den ersten 10 Minuten trennten sich beide bei einer Jenaer 24:17-Führung.

Nach einem erfolgreichen Mitteldistanzwurf von Frank Young (24:19) war Jena im Angriff, als die Unparteiischen auf Offensiv-Foul an Basit entschieden. Im Zurücklaufen beim direkten Gegenzug drehte sich plötzlich Schiedsrichter Enrico Streit zum Ludwigsburger Kampfgericht um, streckte seine Arme nach oben, ballte seine Fäuste und disqualifizierte Jenas Nummer 8. Entsetzen auf der Jenaer Bank, Unverständnis bei Basit und seinen Mitspielern, selbst die Mehrzahl der Ludwigsburger konnten den Pfiff nicht deuten. Entgegen der sich schnell verbreitenden Annahme einer verbalen Entgleisung, lautete die Begründung „absichtliches Treten“. Dieser vermeintlich mutwillige Angriff auf Streit konnte weder von Augenzeugen bestätigt noch geschildert werden, die Tatsachenentscheidung hingegen hatte Bestand. Inwiefern dieser indiskutable Spielausschluss Auswirkungen auf eine nach sich ziehende Sperre von Basit im Duell mit den Artland Dragons am Samstag in Jena hat, entscheidet BBL-Spielleiter Dirk Horstmann. Der unter den Zuschauern befindliche Schiedsrichter-Beobachter Jens Staudenmayer dürfte sich nach einer eingehenden Video-Analyse sein eigenes Urteil gebildet haben.

Berlins Manager Marco Baldi hatte nach einer zuletzt ausgesprochenen Disqualifikation seines Trainer Luka Pavicevic durch Referee Markus Hesse im Spiel gegen Göttingen von „einer ignoranten Attitüde der Schiedsrichter“ und „Optimierung des Handwerks“ gesprochen. Zwar verhalten sich beide Situationen völlig anders geartet, das Hauptproblem einer der Situation unangepassten und ignoranten Attitüde seitens eines Unparteiischen hingegen trifft wohl auch hier klar den Kern des Problems.

So mussten die Thüringer die restlichen 29 Minuten ohne Routinier Basit kämpfen und taten dies auch mit Bravour. Der kurze Leistungsknick, den Jena zu verkraften hatte, hielt nicht lange und so fighteten die dezimierten Saalestädter bis zum Halbzeitstand von 42:47.

Sowohl mit neuem Elan, als auch mit dem Mute der Verzweiflung nahmen die Gäste den Kampf gegen die wesentlich tiefer besetzten Schwaben an und hielten im Rahmen ihrer Qualität dagegen. Science City lies Ludwigsburg auf maximal 6 Zähler davoneilen, holte EnBW aufgrund eigener Energieschübe trotzdem immer wieder ein. Dem ausgleichenden Plavich-3er zum 60:60 folgten 2 Freiwürfe von Gregor Linke, die Jena nach 30 Minuten sensationell in Front brachten.

Gut zwei Minuten Leerlauf zu Beginn des Abschlussviertels beendete Brandon Woudstra mit einem Distanzwurf zum Ludwigsburger 62:63. Drei weitere Führungswechsel später war es der für Basit nachgerückte Lars Buss, der mit einem Layup Jenas letzten Vorsprung zum 68:67 erzielte. Zwei Mittmann-3er, verbunden mit individuell starken Leistungen von Jason Dorrisseau sicherten am Ende einen Ludwigsburger Sieg, der im Nachgang einen bitteren Beigeschmack hinterlässt.

EnBW-Coach Silvano Poropat zollte dem Jenaer Team das Lob eines glücklichen Gewinners – „Wir haben einen mannschaftlich starken Gegner durch unser intensives Spiel geschlagen“ - versuchte Poropat der Frage über den Einfluss des disqualifizierten Spielers auf den Spielausgang mit einem „hypothetisch“ aus dem Weg zu gehen.

Trainer Björn Harmsen, nach der Partie zurecht stolz auf die kämpferische Leistung seines Kaders bilanzierte, dass sein Team „alles an Herz und Energie gegeben habe und sich auch durch die umstrittene Disqualifikation nicht hat brechen lassen. Wir haben mit einer Jetzt erst recht-Mentalität nicht den Glauben an uns verloren und ziehen auch aus dieser Niederlage das Positive für die kommenden Aufgaben."


Lomax
Fotos: Christian Waitschies


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