Gastschreiber
Science City Jena
Sekt oder Selters? Selters ...
Lomax am 20.10.2007 um 13:55
Auch beim zweiten Anlauf in der heimischen JenArena verfehlte Science City Jena knapp das Ziel, den ersten Saison-Sieg in der BBL. In einem von Nervosität, Ballverlusten und schlechten Wurfquoten geprägten Spiel behaupteten sich die New Yorker Phantoms aus Braunschweig knapp mit 56:62 (HZ 30:34). Einen trotz schlechter Wurfauswahl gelungenen Einstand feierte Scharfschütze Brendan Plavich, der vor allem in schwierigen Situationen Verantwortung übernahm und einige Male seine Mitspieler geschickt in Szene setzte.
Wie schon gegen Bonn mussten die Thüringer einem schlechten Start hinterherlaufen. Nach einem vor allem in der Offensive verkorksten ersten Viertel (10:17) lief es auch in der Startphase des zweiten Abschnitts nicht rund. Mukis Männer nutzten Jenas Schlafwagen-Einlage zu einem 14:30 (Jones 3er) in der 15.Minute. Ein zwischendurch von Plavich auf McCaw exzellent gespielter Alley Hoop (14:21 / 13.)brachte die Fans der Jenaer nur kurz in Feierlaune. „Coolman“ Coleman, der als geplanter Backup Ex-Wake Forest-Center Kyle Visser viele Minuten abnahm, konterte im direkten Gegenzug nach einem Braunschweiger Timeout eiskalt mit 3 Freiwürfen.
Das „Hallo Wach Signal“ setzte McCaw mit einem Block am eben noch erfolgreichen Freiwurfschützen Coleman. Der immer besser ins Spiel kommende Gregor Linke eröffnete danach Jenas Aufholjagd mit einem Mitteldistanzwurf, bevor Blake Shelton via 3er nachsetzte. Danach deutete der mittlerweile heiß gelaufene Streaky Shooter Plavich an, was hinter der 6,25m so alles möglich ist. Innerhalb von nur 50 Sekunden knipste der Ex-Cager zwei 3er und verkürzte auf 25:32 (18.). Braunschweigs Nachlässigkeiten von der Freiwurflinie bestrafte Gregor Linke mit einem Distanzwurf zum Halbzeit-Buzzer aus der Ecke (30:34).
Wieder war es die Startphase, die Science City verschlief und wieder war es Linke, der den Wecker spielte. Seinem Distanzwurf zum 35:41 folgten vier Zähler von Ali Seggelke. Der Kapitän, der sich in dieser Partie vorwiegend um das Einengen der Wirkungskreise von Jono Levy zu kümmern hatte, verschenkte nach dem 39:41 mit einem vergebenen Freiwurf jedoch die Möglichkeit, sein Team auf einen Zähler heranzubringen. Stattdessen schlugen die Gäste erbarmungslos zurück und erhöhten durch Drevo (3er) und Wright nach Ballverlusten von McCaw und Zlotowski auf 39:47 (27.). Sean McCaw war es, dem die letzte Szene des dritten Viertels gehört. Als sich die Phantoms schon längst Mutapcics Pausen-Ansprache widmen mussten, verwandelte er nach einem Foul in letzter Sekunde die fälligen Freiwürfe in der zum 44:49.
In der Startminute des Schlussabschnitts überboten sich beide Mannschaften offensiv an Harmlosigkeit. Nachdem Jones in der 32. Minute für die Phantoms getroffen hatte legten die Hausherren endlich los. Gregor Linke mit Pass auf Lars Buss – Dunk zum 46:51 - mit einem 3er, der fast die Hallendecke gestreift hätte (49:53) verwandelte Plavich die Leichtbau-Halle in ein wild brodelndes Zirkus-Zelt. Wieder waren es die Zuschauer, die Jenas provisorische "Arena" auf Stabilität prüften. Unter den 2600 Besuchern hielt es schon lange keinen mehr auf seinen blauen Hartschalensitzen.
Unter ohrenbetäubenden Lärm setzte McCaw nach – 51:53 – Jena auf Schlagdistanz. John Allens geblockter Wurf, der als Goaltending gewertet wurde, beruhigte das Spiel der Niedersachsen nur kurz. Gregor Linke drückte hinterm Perimeter seinem Gegenspieler den nächsten Wurf ins Gesicht – 54:55 – Auszeit Braunschweig - Mutapcic fassungslos. Nachdem wiederum Allen für kurzes Durchatmen bei den Gästen sorgte (54:57), nahm Björn Harmsen bei 3:10 Minuten Restspielzeit die Auszeit. Sich danach in der Offense abspielende Blackouts liesen die Hoffnung auf den ersten Saison-Sieg zunehmend schwinden.
In einem Duell, dass weder durch gute Wurfquoten, hochklassige Aktionen noch individuell herausragende Einzelleistungen glänzen konnte, dominierte zumindest Kampf und Dramatik. Die letzten Minuten entschieden über Sekt oder Selters. Das am Ende für Jena wieder nur Wasser sprudelte, verdankten die Thüringer dem "Phantom" Steven Wright. Sein 3er zum 54:60 (38.) war schlussendlich der Sargnagel für Science City. Zwar konnte der zu dem Zeitpunkt mit 4 Fouls belastete Jamal Basit noch einmal auf 56:60 verkürzen, bei nur noch 9,6 Sekunden Spielzeit war da die Messe jedoch schon längst gelesen. Andrew Drevo beendete den Score zum 56:62 mit 2/2 von der Freiwurflinie.
Wieder extrem knapp, wieder stark gekämpft, aber auch wieder unglücklich verloren, so die bittere Bilanz einer Partie, in der sich Jenas Substanzverlust durch die Aufholjagd einer verträumten Startphase erklärt. Während sich mit Gregor Linke nach dem Abgang von Moss ein Rollenspieler immer mehr zum X-Faktor entwickelt, präsentieren sich andere Akteure erneut farb- und glücklos.
In der anschliessenden Pressekonferenz erklärte Phantom-Coach Emir Mutapcic in der ihm typischen Art und Weise, „dass wir froh sind, Spiel gewonnen zu haben." Jenas Trainer Björn Harmsen zeigte sich zumindest hinsichtlich der kämpferischen Einstellung und dem nie aufegenden Charakter seines Teams zufrieden, war allerdings hinsichtlich diverser unnötiger Ballverluste in den wichtigen Phasen des Spiels angefressen.
Es bleibt festzuhalten, dass sich die Thüringer zumindest kämpferisch vor keinem Erstligisten zu verstecken brauchen. Sollten die Nervosität abgelegt, die Ballverluste minimiert und die Trefferquote in allen Bereichen zumindest leicht erhöht werden, dürfte der erste Jenaer BBL-Sieg nicht mehr lange auf sich warten lassen .... das darf er allerdings auch nicht...
Ohne Pause den vergebenen Chancen hinterher zutrauern, wartet am Sonntag ab 18 Uhr mit dem Playoff-Halbfinalisten des Vorjahres, EnBW Ludwigsburg, der nächste schwere Brocken. Die Schwaben stehen ebenfalls unter Zugzwang, nachdem sie am Donnerstag in Bremerhaven ihr Spiel in der Verlängerung mit 86:91 verloren und mit 2:6 Punkten im Niemandsland der Tabelle rangieren.
Lomax
Fotos: Christian Waitschies
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Wie schon gegen Bonn mussten die Thüringer einem schlechten Start hinterherlaufen. Nach einem vor allem in der Offensive verkorksten ersten Viertel (10:17) lief es auch in der Startphase des zweiten Abschnitts nicht rund. Mukis Männer nutzten Jenas Schlafwagen-Einlage zu einem 14:30 (Jones 3er) in der 15.Minute. Ein zwischendurch von Plavich auf McCaw exzellent gespielter Alley Hoop (14:21 / 13.)brachte die Fans der Jenaer nur kurz in Feierlaune. „Coolman“ Coleman, der als geplanter Backup Ex-Wake Forest-Center Kyle Visser viele Minuten abnahm, konterte im direkten Gegenzug nach einem Braunschweiger Timeout eiskalt mit 3 Freiwürfen. Das „Hallo Wach Signal“ setzte McCaw mit einem Block am eben noch erfolgreichen Freiwurfschützen Coleman. Der immer besser ins Spiel kommende Gregor Linke eröffnete danach Jenas Aufholjagd mit einem Mitteldistanzwurf, bevor Blake Shelton via 3er nachsetzte. Danach deutete der mittlerweile heiß gelaufene Streaky Shooter Plavich an, was hinter der 6,25m so alles möglich ist. Innerhalb von nur 50 Sekunden knipste der Ex-Cager zwei 3er und verkürzte auf 25:32 (18.). Braunschweigs Nachlässigkeiten von der Freiwurflinie bestrafte Gregor Linke mit einem Distanzwurf zum Halbzeit-Buzzer aus der Ecke (30:34).
Wieder war es die Startphase, die Science City verschlief und wieder war es Linke, der den Wecker spielte. Seinem Distanzwurf zum 35:41 folgten vier Zähler von Ali Seggelke. Der Kapitän, der sich in dieser Partie vorwiegend um das Einengen der Wirkungskreise von Jono Levy zu kümmern hatte, verschenkte nach dem 39:41 mit einem vergebenen Freiwurf jedoch die Möglichkeit, sein Team auf einen Zähler heranzubringen. Stattdessen schlugen die Gäste erbarmungslos zurück und erhöhten durch Drevo (3er) und Wright nach Ballverlusten von McCaw und Zlotowski auf 39:47 (27.). Sean McCaw war es, dem die letzte Szene des dritten Viertels gehört. Als sich die Phantoms schon längst Mutapcics Pausen-Ansprache widmen mussten, verwandelte er nach einem Foul in letzter Sekunde die fälligen Freiwürfe in der zum 44:49.In der Startminute des Schlussabschnitts überboten sich beide Mannschaften offensiv an Harmlosigkeit. Nachdem Jones in der 32. Minute für die Phantoms getroffen hatte legten die Hausherren endlich los. Gregor Linke mit Pass auf Lars Buss – Dunk zum 46:51 - mit einem 3er, der fast die Hallendecke gestreift hätte (49:53) verwandelte Plavich die Leichtbau-Halle in ein wild brodelndes Zirkus-Zelt. Wieder waren es die Zuschauer, die Jenas provisorische "Arena" auf Stabilität prüften. Unter den 2600 Besuchern hielt es schon lange keinen mehr auf seinen blauen Hartschalensitzen.
Unter ohrenbetäubenden Lärm setzte McCaw nach – 51:53 – Jena auf Schlagdistanz. John Allens geblockter Wurf, der als Goaltending gewertet wurde, beruhigte das Spiel der Niedersachsen nur kurz. Gregor Linke drückte hinterm Perimeter seinem Gegenspieler den nächsten Wurf ins Gesicht – 54:55 – Auszeit Braunschweig - Mutapcic fassungslos. Nachdem wiederum Allen für kurzes Durchatmen bei den Gästen sorgte (54:57), nahm Björn Harmsen bei 3:10 Minuten Restspielzeit die Auszeit. Sich danach in der Offense abspielende Blackouts liesen die Hoffnung auf den ersten Saison-Sieg zunehmend schwinden.
In einem Duell, dass weder durch gute Wurfquoten, hochklassige Aktionen noch individuell herausragende Einzelleistungen glänzen konnte, dominierte zumindest Kampf und Dramatik. Die letzten Minuten entschieden über Sekt oder Selters. Das am Ende für Jena wieder nur Wasser sprudelte, verdankten die Thüringer dem "Phantom" Steven Wright. Sein 3er zum 54:60 (38.) war schlussendlich der Sargnagel für Science City. Zwar konnte der zu dem Zeitpunkt mit 4 Fouls belastete Jamal Basit noch einmal auf 56:60 verkürzen, bei nur noch 9,6 Sekunden Spielzeit war da die Messe jedoch schon längst gelesen. Andrew Drevo beendete den Score zum 56:62 mit 2/2 von der Freiwurflinie.
Wieder extrem knapp, wieder stark gekämpft, aber auch wieder unglücklich verloren, so die bittere Bilanz einer Partie, in der sich Jenas Substanzverlust durch die Aufholjagd einer verträumten Startphase erklärt. Während sich mit Gregor Linke nach dem Abgang von Moss ein Rollenspieler immer mehr zum X-Faktor entwickelt, präsentieren sich andere Akteure erneut farb- und glücklos. In der anschliessenden Pressekonferenz erklärte Phantom-Coach Emir Mutapcic in der ihm typischen Art und Weise, „dass wir froh sind, Spiel gewonnen zu haben." Jenas Trainer Björn Harmsen zeigte sich zumindest hinsichtlich der kämpferischen Einstellung und dem nie aufegenden Charakter seines Teams zufrieden, war allerdings hinsichtlich diverser unnötiger Ballverluste in den wichtigen Phasen des Spiels angefressen.
Es bleibt festzuhalten, dass sich die Thüringer zumindest kämpferisch vor keinem Erstligisten zu verstecken brauchen. Sollten die Nervosität abgelegt, die Ballverluste minimiert und die Trefferquote in allen Bereichen zumindest leicht erhöht werden, dürfte der erste Jenaer BBL-Sieg nicht mehr lange auf sich warten lassen .... das darf er allerdings auch nicht...
Ohne Pause den vergebenen Chancen hinterher zutrauern, wartet am Sonntag ab 18 Uhr mit dem Playoff-Halbfinalisten des Vorjahres, EnBW Ludwigsburg, der nächste schwere Brocken. Die Schwaben stehen ebenfalls unter Zugzwang, nachdem sie am Donnerstag in Bremerhaven ihr Spiel in der Verlängerung mit 86:91 verloren und mit 2:6 Punkten im Niemandsland der Tabelle rangieren.
Lomax
Fotos: Christian Waitschies
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