Gastschreiber

Science City Jena

Jena spielt am Sonntag Bingo

Lomax am 14.10.2007 um 15:21

Science City befindet sich seit den frühen Morgenstunden auf dem Weg zur Tübinger „Fakultät Stirnband“. Gemeint sind die Basketballer der WALTER Tigers aus der Universitätsstadt am Neckar, die sich seit dem Aufstieg in die Elite-Liga kontinuierlich dem amerikanischen Way of Life verschrieben haben.

Dass die Schwaben damit keine schlechte Figur abgeben, bemerkt man bei einem kurzen Blick auf die Tabelle. Mit dem aktuell 2.Platz im 18er-Feld stehen die Tigers zwar besser als erwartet, jedoch darf hinsichtlich der Qualität gehaltener Akteure, der Neuzugänge sowie des Cheftrainers Aaron McCarthy offen mit einem Playoff-Platz geliebäugelt werden.

Den sicher sensationellsten Coup landete man in Tübingen mit der Weiterverpflichtung der beiden Leistungsträger Ajene Malaki Moye (kurz AJ) und Rasko Katic. Sowohl der vielseitige, ehemalige Indiana Hoosier AJ Moye (2006/2007 mit 15,4 Pkt, 5 Rebs, 3 Ass) als auch der bewegliche Serben-Center Katic (2006/2007 mit 14,1 Pkt. & 9,5 Rebs) standen im Focus vieler ausländischer Clubs und so war es am Ende umso bemerkenswerter, dass sich beide für einen Verbleib am Neckar entschieden. Doch nicht nur diese Kaderbesetzung spricht für die sehr gute Arbeit des Managements.

Das Schmankerl bildet die Rückkehr von „Mr. Rebound“, Bingo Merriex, der vor 2 Spieljahren mit einem Double-Double im Schnitt (16,4 Punkte & 10,3 Rebounds) seine Mannschaft vor dem Fall in die 2. Liga bewahrte, sich danach aber nach Belgien verabschiedete. Nach einer eher durchwachsenen Saison in Mons (Dexia Mons-Hainaut), dem europäischen Hauptsitz der NATO, und seiner im September verkündeten Rückkehr zeigte er bereits in den beiden ersten Saisonspielen (Ø 10 Punkte & 10,5 Reb), die Tendenz zur variablen Frontcourt-Waffe.

Neben den bisher genannten Spielern setzen die Tigers im Backcourt auf den nächstes Jahr seine aktive Laufbahn beendenden Igor Perovic (wechselt danach in den Trainerstab). Perovic, als Leader, intelligenter Aufbauspieler und solider Schütze bekannt, sorgt für die Pausen des startenden Waitari Marsh auf der Point Guard-Position. Der den wieder abgewanderten Derek Jeter ersetzende Spieler heißt Ray Nixon. Wie Marsh auch kennt Nixon das Teamgefüge der Tigers aus der letzten Spielzeit. Jedoch füllt der Absolvent der University of Wisconsin im Gegensatz zu Marsh lediglich Rollenspieler-Minuten.

Für mehr Tiefe im Kader der Tigers und ausreichend Pausen für Katic und die beiden M&M´s (Moye, Merriex) sollen neben Douglas Gorauskas (kam aus Brasilien) und Dee Andre Hulett (kam aus der DomRep) auch zwei bereits bekannte Spieler sorgen, die auf den ersten Blick durch ihre Namen recht amerikanisch wirken. Jay Thomas (bekannt aus seiner Heidelberger und Münchner Zeit) sowie der Ex-Nürnberger Ryan De Michael (noch immer ohne deutschen Pass) komplettieren das Rotations-Roster der Schwaben.

Science City muss am heutigen Sonntag den Ausfall von Adrian Moss und Al Elliott verkraften. Beide wurden aus disziplinarischen Gründen vom Verein suspendiert und traten die Reise nach Tübingen gar nicht erst an. Somit beschränkt sich die Offensiv-Power des Thüringer Kades auf die Aufstellung des Vorjahresaufsteigers, ergänzt mit Jamal Basit und Blake Shelton. Das es sich bei den Jenaer Spielern der letzten erfolgreichen Saison nicht zwingend um Kanonenfutter handeln muss, demonstrierte eine zwischenzeitlich sehr gut harmonierende Mannschaft in Phasen der zweiten Halbzeit gegen Bonn.

Hinsichtlich des Spiels in der TÜ-Arena kann es für Jena nur ums Trainer-Motto von Björn Harmsen „kämpfen kämpfen und nochmals kämpfen“ gehen. Ob es sich dann lediglich um Schadensbegrenzung handelt, oder am Ende sogar doch eine Sensation herausspringt, werden wir erst gegen 19 Uhr wissen.

Lomax

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