Gastschreiber

FIVE

FÜNF: Full Throttle / Vier gewinnt

Pucki am 25.01.2007 um 22:58

Als großes litauisches Talent mit 18 an die Spree gekommen, gab es für Martynas Mazeika nur wenig Raum, um sich zu entwickeln. An Bonn ausgeliehen, dreht der Flügel regelmäßig auf – im Coffee-House und in der Defense.

Ortstermin mit Martynas Mazeika von den Telekom Baskets Bonn in einem örtlichen, amerikanischen Coffee-House. Der Blondschopf sagt artig guten Tag und bestellt einen großen Kaffee. „Ich brauche Kaffee, um auf Touren zu bleiben“, sagt der Guard mit einem entschuldigenden Lächeln. „Morgens eine Tasse, um wach zu werden, und abends vor dem Spiel sowieso.“ Da ist es auch schon, das Geheimnis um seine Energie, die er für die Magentafarbenen aufs Parkett bringt. Seine Hauptwaffe: kompromisslose Verteidigung, als ob es kein Morgen geben würde. „Mit Verteidigung beginnt alles. Ob du vorne triffst oder nicht, ist zweitrangig, aber hinten gut arbeiten sollte immer drin sein.“

Der 21-Jährige stand in den letzten beiden Spielzeiten im Kader von ALBA Berlin, bevor er im Sommer an die Rheinländer ausgeliehen wurde. Kein Umstand, der Mazeika schlaflose Nächte bereitet. „Guck dir den Berliner Kader doch an, da spielen richtig gute Jungs“, sagt er und verneint, dass er sich bei den Hauptstädtern nicht hätte durchsetzen können. In Bonn jedoch „bekomme ich einfach mehr Spielzeit, was für meine Entwicklung sehr gut ist“. Mit der Hilfe von Coach Michael Koch und Point Guard Jason Gardner will er an seinen Fähigkeiten als Spielgestalter arbeiten. „Ich habe bisher immer die Zwei gespielt, will aber auch in der Lage sein, den Ball nach vorne zu bringen.“

Das Projekt Mazeika schreitet beim Telefon-Club ordentlich voran. Seine Einsatzzeit hat sich verdoppelt, ebenso die Punkteausbeute. „Es ist wichtig für mich, mehr Verantwortung übernehmen zu müssen“, sagt Martynas. „Ich bin kein Spieler, der sich versteckt.“ So gesehen am ersten Spieltag, als er mit seinem neuen Arbeitgeber seine alten Kumpels mit 85:73 besiegte. Ein schlechtes Gewissen hat er deswegen nicht. „Ich bin jetzt ein Bonner, ich spiele für Bonn, und ich möchte mit Bonn gewinnen.“ Für die Zukunft hat er weitreichendere Pläne: ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und einen Sohn zeugen. Reife Ziele für einen jungen Mann. „So weit bin ich noch nicht“, gibt er unumwunden zu. „Mein Vater hat all dies mit 55 Jahren erreicht – in der Zwischenzeit kann ich noch viele andere Dinge tun.“

Vier gewinnt

Zahlen lügen nicht. Und das müssen nicht einmal die Zahlen sein, die angeben, wie hochprozentig ein Spieler wirft, wie viele Assists er verteilt oder wie viele Fouls er macht. 20 und 4 – im jungen Alter von 20 Jahren wechselte Philip Zwiener von den Bremen Roosters aus der zweiten Liga Nord an die Spree zu ALBA Berlin. Seine Vertragslaufzeit ... richtig ... satte vier Jahre. Genug Zeit für den Youngster, um sich im Schatten eines Sharrod Ford oder Chris Owens zu entwickeln. Die Hauptstädter haben damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sie konnten eines der deutschen Top-Talente des 1985er Jahrgangs langfristig an sich binden und erfüllen die in der BBL eingeführte Quote. Wenn die Zahl der einheimischen Akteure auf dem Spielberichtsbogen steigt, wird Zwiener nicht nur durch seine Geburtsurkunde, sondern auch durch sein reifes Spiel für ALBA an Wert gewinnen.

Dank Doppellizenz tobt er sich ansonsten weiterhin im Unterhaus aus. Bei Kooperationspartner TuS Lichterfelde ist Zwiener „The Man“. Schon früh in der Saison 2006/07 zeigt er der Konkurrenz, wo der Hammer hängt. Gegen Aufstiegsaspirant MBC markierte er 33 Punkte und 18 Rebounds – Zahlen lügen nicht. Das Inside-Duo der Wölfe, mit Brandon Griffin und Michael Buse eines der stärksten Tandems der Liga, konnte Zwiener zu keinem Zeitpunkt halten. Sei es der patentierte Spinmove vom Highpost oder der Tip-In nach einem seiner sieben Offensiv-Rebounds – Zwiener macht, was er will.

In Berlin wuchs Philip Zwiener zum Mann. Das erste Jahr (2005/06) hat er genutzt, um sich an die Schnelllebigkeit der Großstadt zu gewöhnen. Im zweiten Jahr stehen die Zeichen auf Sturm. Mit 20,0 Punkten und 8,0 Rebounds rockt er die zweite Liga, in der BBL gilt es, sich Meriten und Minuten gleichermaßen zu erkämpfen. Dafür bleiben ihm noch zweieinhalb Jahre – das aktuelle Zwischenfazit ist durchweg positiv.




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