BG Karlsruhe

In die Binsen

Lomax am 14.01.2007 um 14:09

„I`m very, very disappointed right now”, begann Erez Bittman sein Statement in der Pressekonferenz. Und die 3.200 Zuschauer, die dem Kellerduell am Samstagabend beigewohnt haben, dürften ihm das nachfühlen. Nicht nur er, auch viele Karlsruher Basketballanhänger waren enttäuscht. Zum Ausdruck kam dies zur Tagesschauzeit um 20 Uhr, als der Exodus einsetzte, obwohl noch 1:15 Minuten zu spielen waren, der Nürnberger Anhang aber schon feierte. Was sollte bei 57:67 zu diesem Zeitpunkt auch noch schief gehen? Die Antwort lautet: Wenig! Denn wie Erez Bittman später richtig analysierte: „Wenn Du im zweiten Viertel mit 13 Punkten führst (24:11), dann alles bis zur Halbzeitpause wieder verschenkst, wirst Du in der zweiten Halbzeit dafür bestraft.“ Festzuhalten blieb, dass nach dem misslungenem Jahresauftakt in Paderborn nun ein weiteres Schlüsselspiel vor eigenem Publikum verloren ging.

Dabei hatte sich das Team Bittmans Aussage, „Das letzte Viertel in Paderborn war der Grundstock für das Nürnbergspiel am Samstag!“, zu Herzen genommen. Nach konfusem Beginn beider Mannschaften waren es Peter Cipriano und Stefan Svitek, die die BG mit 4:0 in Front brachten. Zwar markierte danach Gioulekas die ersten Punkte für die Gäste, doch Domonic Jones schloss postwendend einen Fastbreak nach Zuspiel von Ewodo zum 6:2 ab. Als im Gegenzug den Nürnbergern ein Schrittfehler unterlief, orderte Harlander nach dreieinhalb gespielten Minuten seine erste Auszeit. Nach sechs Minuten lag sein Team dann erstmals mit 9:10 in Führung. In der folgenden Phase waren es Jones & Jones, die die Hausherren im Spiel hielten. Ein 4:0-Lauf von Domonic Jones, der beherzt unter den Korb zog, wurde von Joel Jones mit vier Punkten zum 17:11 ergänzt. Was zu diesem Zeitpunkt besonders auffiel: Keine Mannschaft konnte mit erfolgreichen Dreierversuchen aufwarten. Die BG scheiterte sechs-, die Nürnberger viermal von Außen.
Das zweite Viertel begann für die BG geradezu traumhaft: Egal aus welcher Position- Ryan Bond machte Punkte! Erst zum 19:11, und nach einem erfolgreichen Versuch von Fergerson zum 21:11, setzte er sich unter dem Korb durch, markierte das 23:11, zog ein Foul und verwandelte den fälligen Freiwurf zur 13-Punkte-Führung. Dass diese nicht als Ruhekissen taugt, bewiesen dann Corey Rouse und die Nerven der BG-Akteure. Rouse schwang sich zum Mann des zweiten Spielabschnitts auf, indem er 10 Punkte machte, während die BG mit schlechten Passentscheidungen und Schrittfehlern den Gästen eine Aufholjagd bescherten, die nach Griffins 31:31 lediglich durch einen erfolgreichen Freiwurf von Fergerson zum 32:32- Halbzeitstand getrübt wurde. Dem Betrachter musste bei der Analyse des Halbzeitscoutings auffallen, dass bei 32:23-Wurfversuchen aus dem Feld ein Ein-Punkt-Vorsprung äußerst dürftig war. Selbst die bessere Reboundstatistik und die niedrigere Turnoverquote hatten nicht zu einem zählbaren Ergebnis geführt. Vielleicht lag es daran, dass die BG inzwischen insgesamt neun Dreierversuche vergeigt hatte, während die Nürnberger im zweiten Viertel nur einen einzigen Versuch von Außen nahmen. Das änderte sich im dritten Spielabschnitt dank Michael Lake, der den Bann brach, und seine beiden Würfe von Außen erfolgreich abschloss. Gioulekas wollte dem nicht nachstehen, und verwandelte einen weiteren Dreier zum 40:44. Es waren noch 4:20 Minuten in diesem Viertel zu spielen, als Bittman nach einem 0:9-Lauf der Gäste beim Stand von 40:47 mit einer Auszeit reagierte. Und die leitete kurzfristig eine Wende ein. Fergerson und Bond mit jeweils zwei Punkten brachten die Hausherren zurück ins Spiel, ehe Domonic Jones gegen vier Nürnberger seine Extraklasse aufblitzen ließ, und den Anschluss zum 46:47 herstellte. Als Ryan Bond die letzten Punkte dieser zehn Minuten zum 48:47 markierte, konnte der basketballbegeisterte Badener noch auf einen guten Ausgang hoffen. Diese Hoffnung wurde im letzten Viertel dann allerdings nachhaltig zerstört, als Michael Lake mit acht Punkten die Nürnberger Offensive stärkte, die Nürnberger sich mit 13 gegenüber vier Rebounds der BG die Herrschaft unter den Körben sicherten und mit einer 85%igen Freiwurfquote bestachen. Mit dem 18:27 im letzten Viertel holten sich die Gäste den für beide Mannschaften immens wichtigen Punktgewinn, während die BG nach dem 66:74 auf eine wenig mutmachende Hinrunde zurückblickt.

Als Sinnbild für die derzeitige Krise stand einmal mehr Narcisse Ewodo im Rampenlicht, dem in 26:11 Minuten Einsatzzeit fünf Punkte bei einer 25%igen Trefferquote gelangen. In Verbindung mit den vier Turnovern, die er sich dabei leistete, vermittelte der ehemalige Star der BG Anhängern des Vereins den Eindruck, er sei auf der Bank besser aufgehoben. Daraufhin angesprochen stellte Bittman allerdings fest, dass er von einer Fokussierung auf einen Einzelspieler nichts halte. Ewodo habe in den Vorjahren der BG immer als Topscorer gedient. Dies würden alle wieder von ihm erwarten, aber ein Ewodo würde auch nicht ein Spiel allein entscheiden. Es sei auch an den anderen Mitspielern, den eigenen Level nach oben zu korrigieren. Des Weiteren verwies der Headcoach darauf, dass er mit Ewodo schlecht seinen besten Rebounder ( sieben Rebounds im Spiel) vom Parkett nehmen könne. Und weil das Spiel in die Binsen gegangen war, konnte man gleichnamige Weisheiten bemühen: „Wir gewinnen als Team und wir verlieren als Team.“

Stephan Harlander sammelte einmal mehr in der Europahalle Sympathiepunkte, als er sich – nicht wie noch zu Ostern als guter Verlierer- sondern als sportlich fairer Gewinner präsentierte: „Wir haben in den ersten 12 Spielen dieser Saison erlebt was Karlsruhe jetzt erlebt. Es macht keinen Sinn, Statistiken zu diskutieren. Es hat in so einer Phase nur mit Glück oder Pech zu tun. Blockaden entstehen im Kopf. Es ist uns gelungen,11 Punkte Rückstand aufzuholen, und mit zwei Siegen vor Weihnachten ist es uns gelungen, uns heranzukämpfen. Ich weiß, wie es dem Team und dem Trainer geht. Man hat dann eine Blockade im Kopf und es gibt immer wieder Spielsituation-en, die einem die Beine schwer werden lassen. Dann fehlt nur das Quäntchen Glück zum Sieg.“

Dieses Quäntchen Glück wird die BG in den verbleibenden 18 Spielen brauchen, wenn die Rückrunde zur Aufholjagd und nicht zur Abschiedstour werden soll. Besonders gefragt sein wird dabei das psychologische Geschick, die mentalen Blockaden zu lösen, die derzeit jeden Erfolg verhindern.

Für die BG trafen: D. Jones 17, Svitek 11/2, J. Jones 10, Bond 9, Fergerson 8/1, Cipriano 6, Ewodo 5

Sellbytel Bskets Nürnberg: Lake 16/4, Rouse 15, DeMichael 12, Lee 10, Gioulekas 9/1, Griffin 8, Dühring 4

Pressemitteilung: BG Karlsruhe (Olav Sprenger)

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