BG Karlsruhe

Frustration nach tollem Spiel

Frankie am 05.11.2006 um 18:06

Als der Drei-Punkte- Wurf von Chad Prewitt mit der Schlusssirene durch die Reuse des BG-Korbs schlug, gefror für einen Moment die großartige Stimmung der 2.700 Zuschauer in der Europahalle. Danach bildete sich ein wildes Knäuel glückstrunkener Drachen auf dem Parkett, während die Karlsruher Anhänger den Schock auf viele unterschiedliche Weisen bewältigen mussten: Mit einem Punkt bei dem Endstand von 79:80 hatte man ein schon gewonnen geglaubtes Spiel aus der Hand gegeben.
Nicht wenige der anwesenden Beobachter meinten, die beste Saisonleistung der BG gesehen zu haben. Nach dem desolaten Auftritt drei Tage zuvor gegen Ratiopharm Ulm konnte man auf alle Fälle feststellen, dass da wieder ein Team auf dem Parkett stand. Alleine der Wert von 14 Assists zeigte, dass man auf Seiten der BG miteinander gespielt hatte. Und dass nach Dave Fergersons Ausfall mit Stefan Fahrad und Andreas Hornig zwei Spieler ihre Chance eindrucksvoll nutzten, lässt für die kommenden Spiele hoffen, wenn sich auch keine Euphorie breit machen wollte.
„Vielleicht, aber wir haben das Spiel verloren.“, war Pat Elzies knapper Kommentar auf die Frage, ob die Mannschaft sich rehabilitiert habe.

Dir BG war mit folgender Starting five in die Partie gegangen: Jones, Fahrad, Ewodo, Svitek und Bond. Und gerade Stefan Fahrad dankte das in ihn gesetzte Vertrauen mit einer starken Leistung. Es waren seine Übersicht und sein guter Pass auf Svitek, die der BG die ersten beiden Punkte der Begegnung bescherten. Danach kam ein 0:11-Lauf der Gäste, bei denen Adam Hess fast alle Körbe selbst erzielte. Erst mit dem 4:11 durch Domonic Jones nahm die BG den Kampf wieder auf. Nach 4:20 Minuten kam Cipriano für Bond, der nur 22 Sekunden später für Stefan Fahrad auf das Parkett zurückdurfte, und gemeinsam mit Ewodo den Vorsprung der Gäste auf vier Punkte zum 12:16 schmelzen ließ. Es hätte enger werden können, doch es folgte eine symptomatische Szene: Ewodo verwarf einen Freiwurf, sicherte sich den Rebound, zog mit dem Ball aus der Zone und warf einen Airball, den die Dragons dankend aufnahmen. Bis zum 21:26 nach den ersten zehn Minuten gab es noch einige schöne Szenen zu sehen, wie einen erfolgreichen Wurf von Ryan Bond mit Ablauf der 24 Sekunden, ein bemerkenswerter Block von Smith gegen Fahrad und ein Steal von Stefan Svitek, den Cipriano mit einem gewaltigen Dunk verwertete.
Das zweite Viertel begann mit einem erfolgreichen Freiwurf von Bond zum 22:26, ohne dass die BG damit einen Startschuss zur großen Aufholjagd gegeben hätte. Die setzte mit der Einwechslung von Andreas Hornig ein, der in diesem Viertel bei sieben Minuten Einsatzzeit sieben Punkte markierte, einen erfolgreichen Block setzte und drei Rebounds abfischte. Seine Gesten nach jeder erfolgreichen Aktion setzten auch für den Rest der Mannschaft ein deutliches Zeichen. Als Stefan Fahrad erst einen Dreier zum 32:35 und kurz darauf noch einen zum 35:36 warf, begann die Halle zu toben. Die Herzen der Zuschauer waren zurückerobert. Und hätten die Gäste nicht mit Adam Hess jemanden in den Reihen gehabt, der selbst in solchen Momenten noch Dreier kaltblütig nimmt und trifft, dann wäre die 41:42- Führung zur Halbzeit nicht zustande gekommen.
Im dritten Viertel egalisierte die BG von den eigenen Fans angetrieben diese Führung. Bis zum 59:59 vor dem letzten Viertel war die Partie also wieder ausgeglichen. Und in die letzten zehn Minuten startete die BG furios: Fahrad, Jones und Stefan Svitek nach einem Anspiel von Ewodo schossen mit Dreiern eine 70:61-Führung heraus, die fünf Minuten vor Ende auf zehn Punkte zum 75:65 anwuchs.
Warum dieser Vorsprung nicht über die Zeit gerettet wurde, darüber ließ sich anschließend trefflich streiten: Einige sahen einen unglücklich eigensinnig agierenden Narcisse Ewodo, der zwei Turnover produzierte als Grund, andere trauerten nicht verwandelten Freiwürfen ( die Quote der BG lag bei traurigen 53% von der Freiwurflinie) nach, und Pat Elzie, der vor dem Einwurf der Dragons 3,8 Sekunden vor Schluss bei einer 79:77-Führung noch eine Auszeit geordert hatte, erklärte in der Pressekonferenz, wie es zu Chad Prewitts letztem Schuss kommen konnte: „Es war eine Misskommunikation zwischen zwei Spielern, die unsere Ansage zu switchen nicht umgesetzt haben. Chris ist ein cleverer Coach. Er hatte seinem zweitbesten Dreierschützen den letzten Wurf zugestanden, und der kam- weil die Zuordnung nicht wie beabsichtigt da war- frei zum Schuss.“

Chris Fleming durfte sich dafür gratulieren lassen, dass er Chad Prewitt, der gesundheitlich angeschlagen war und drei Tage nicht trainieren konnte, persönlich abgeholt und in die Halle chauffiert hatte. Mit dieser Aktion hatte er sich die Punkte in einem wichtigen Spiel für beide Mannschaften gesichert.

Als die Spieler der BG sich nach diesem traumatischen Erlebnis im V.I.P.- Bereich einfanden, wurden sie trotz der Niederlage mit starkem Beifall empfangen: Sie hatten wieder Flagge gezeigt, sich als Mannschaft präsentiert und hätten mit einem Hauch mehr Cleverness einen tollen Erfolg feiern können. Der wird nun für das kommende Spiel in Tübingen angepeilt.

Randnotiz des Spiels: Headcoach Horst Schmitz wurde aus gesundheitlichen Gründen an diesem Abend von Pat Elzie vertreten.


Für die BG trafen: Jones20/3, Fahrad 14/3, Ewodo 11/1, Hornig 10/1, Bond 10, Svitek 8/1, Cipriano 4, M`Balla 2

Schützen der Artland Dragons: Hess 33/5, Hall 17, Smith 11, Prewitt 9/2, Dockery 6/2, Terrell 2, Bailey 2

(BG Karlsruhe)

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