BG Karlsruhe

Sensation verpasst, Respekt geerntet

sid am 21.10.2006 um 13:06

"Respekt an Karlsruhe!", waren die einleitenden Worte des Schlussfazits des Berliner Headcoaches Henrik Rödl bei der Pressekonferenz des Spiels der BG Karlsruhe gegen ALBA Berlin. Damit zollte der sportliche Chef der Hauptstädter Horst Schmitz und seinen Spielern das, was ein Berliner Kolumnist in einem Artikel in dieser Woche vermissen ließ. Tenor seiner Ausführungen war: "Alles andere als ein Sieg mit 15 Punkten Differenz gegen die preiswerteste Variante des Bundesliga-Basketballs sei eine Blamage." Als Badener war man fast schon erleichtert, dass der Dreierversuch von Dave Fergerson zur Schlusssirene sich zwar über dem Berliner Korb senkte, dann aber wieder heraussprang, anstatt die Reuse zu durchqueren. Der Logik des Artikels nach wäre bei einem Sensationserfolg der BG von Henrik Rödl und den Albaspielern wahrscheinlich Seipoku oder ein anderer ritueller Massenselbstmord erwartet worden. Und das ist nicht, was die Karlsruher den 3.200 Zuschauern am gestrigen Abend in der Europahalle bieten wollten.

Die bekamen eine taktische Meisterleistung des Karlsruher Trainerduos gepaart mit einem bestechenden Kämpferherzen der BG-Spieler zu sehen. Selbst der Ausfall des Leitwolfs Narcisse Ewodo wurde an diesem Abend nicht als Alibi für die knapp verpasste Sensation genommen, wobei der Flügelspieler in der Offensive den Ausschlag hätte geben können. Die Defensive stimmte auf beiden Seiten: Henrik Rödl hatte eine gute Defensivleistung seines Teams ausgemacht, Horst Schmitz sprach gar von einer "Defenseschlacht". Und während auf Berliner Seite Sharrod Ford mit 12 Rebounds im Spiel glänzte, waren es Ryan Bond und Peter Cipriano mit jeweils neun Rebounds, die das Duell in dieser Kategorie zugunsten der BG entschieden. Die BG scheiterte in der ersten Halbzeit des Spiels, als man jeweils zum Ende der ersten beiden Viertel den Gästen Läufe gestattete, die in der Endabrechnung den Ausschlag gaben. Bis zum 14:14 in den ersten sieben Minuten hielt die BG sehr gut mit, ehe ein gut aufgelegter William Avery und die Abschlussschwäche der Hausherren für ein mit –6 verlorenes Anfangsviertel sorgten. 50 Sekunden vor der Sirene gab es dann auch noch eine Schrecksekunde für die BG, als Fergerson nach einer Kollision mit seinem Gegenspieler in einer Schiedsrichterauszeit behandelt und gegen Stefan Fahrad ausgetauscht werden musste.

Im zweiten Viertel dauerte es nur drei Minuten, da war die BG wieder am Favoriten dran. Den Berlinern war nur ein einziger Freiwurf als Punkteerfolg gelungen, während die Badener sieben Punkte zum 21:22 gemacht hatten. Es war die individuelle Klasse eines Avery, der mit einem Dreier von 1,5 Meter hinter der Linie dafür sorgte, dass die Berliner sich wieder etwas Luft zum 23:29 verschaffen konnten. Die BG kämpfte sich mit einem kleinen 4:0-Lauf ins Spiel zurück, ehe ein 1:7-Lauf in den letzten zwei Minuten ALBA eine komfortable 28:36-Halbzeitführung bescherte.

Man darf rätseln, was Horst Schmitz und Pat Elzie in der Pause den Spielern mit auf den Weg gegeben haben, denn die letzten Viertel gingen mit einem und fünf Punkten jeweils an die BG. David McCray lief gegen Mitte des dritten Viertels plötzlich heiß und brachte sein Team mit einem sehenswerten Tempolauf und Freiwürfen zum 40:42 an ALBA heran. Und als Stefan Svitek von der Freiwurflinie besser traf, als die Berliner stand es plötzlich 42:43. Und in der Schlussminute des ersten Viertels kamen dann auch die spektakulären Szenen, die Basketball so attraktiv machen: Sharrod Ford gelang ein Dunk über Andreas Hornig hinweg, und Domonic Jones liess die Europahalle mit dem ersten geglückten Dreier seiner Farben beben. Dies war insofern beachtlich, dass die aggressive Berliner Verteidigung bis dahin schon zehn Dreierversuche der Karlsruher zunichte gemacht hatte.

Nach fünf Minuten des letzten Viertels war es dann ausgerechnet Domonic Jones, der mit seinem fünften Foul beim Stande von 52:59 vom Parkett musste. Es ist der Mannschaft hoch anzurechnen, dass sie nicht auseinanderbrach, sondern weiter den Sieg suchte: Jones folgten in einer kampfbetonten Schlussphase auf Berliner Seite Demond Greene und Julius Jenkins mit fünf Fouls aus dem Spiel. Und auf dem Parkett waren es ein Dreier von Stefan Fahrad und drei erfolgreich verwandelte Freiwürfe von Dave Fergerson, die Sekunden vor Schluss mit 61:62 plötzlich für unerwartete Hoffnungen in der Europahalle sorgten. Die mussten allerdings mit dem bereits erwähnten Fehlversuch von Fergerson dann doch begraben werden.

Es war zwar nicht der erste Heimerfolg, aber "es war heute ein Schub für das Selbstvertrauen einer jungen Mannschaft, die auf hohem Niveau verteidigt hat." Wie es Horst Schmitz formulierte. Und mit diesem Schub geht es nun am Sonntag an die Realisierung des ersten zählbaren Erfolgs vor heimischer Kulisse gegen die Giessen 46ers.

Für die BG trafen: Jones 13/1, Svitek 11, Bond 10, Fergerson 10, Fahrad 7/1, McCray 5, Cipriano 4, M'Balla 2, Hornig 1.

Punkte ALBA Berlin: Avery 23/3, Owens 14, Jenkins 10, Ford 8, Greene 3/1, Archibong 3, Simon 2, Canak 2.

Presseinfo: BG Karlsruhe (Olav Sprenger)

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