Beko BBL

Dr. Thomas Braumann neuer Präsident

Frankie am 20.09.2006 um 19:59

Auf der heutigen Jahreshauptversammlung der Arbeitsgemeinschaft Basketball-Bundesliga (BBL) in Berlin wurde Dr. Thomas Braumann, 53, von den Vereinsvertretern mit überwältigender Mehrheit zum neuen Präsidenten gewählt. Der gebürtige Bremer tritt damit die Nachfolge von Wolfgang Kram (Trier) an. Dieser hatte sich nach 15 Jahren an der Spitze des Präsidiums und des Aufsichtsrats nicht mehr zur Wahl gestellt. Dem Präsidium gehören des Weiteren der Manager der Artland Dragons, Marko Beens, der ehemalige General Commissioner der BBL und jetzige Abteilungsleiter von Bayer Giants Leverkusen, Otto Reintjes, sowie der Manager von RheinEnergie Köln, Jens Brämer, an. Letzterer geht in seine Amtszeit. Die bisherigen Vizepräsidenten Wolfgang Wiedlich (Telekom Baskets Bonn) und Walter Pütz (RheinEnergie Köln), die seit sechs beziehungsweise zwei Jahren in dieser Funktion tätig waren, hatten aus Zeitgründen auf eine erneute Kandidatur verzichtet.

"Integration von jungen deutschen Spielern ohne Qualitätsverlust"
Über sein Engagement in den kommenden zwei Jahren, seine Themenschwerpunkte und die Zukunft der Liga gibt der ehemalige Top-Manager und Unternehmensberater im folgenden Interview Auskunft.

Herr Dr. Braumann, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wahl zum BBL-Präsidenten. Was hat Sie seinerzeit dazu bewogen, für dieses Amt zu kandidieren?
Braumann: Der Charme und die Hartnäckigkeit von Wolfgang Kram! Als relativer Neuling im Kreis der BBL-Vertreter wäre ich nie von selbst auf die Idee einer Kandidatur gekommen. Nachdem dann noch einige andere Kollegen diesen Gedanken nicht so abwegig fanden und zudem Herr Kram bei einem exzellenten Essen und vorzüglichem Wein letzte Bedenken beseitigen konnte, sprach nichts mehr gegen eine Kandidatur.

Sie kennen die BBL durch Ihre Tätigkeit bei den Eisbären Bremerhaven und waren auch in den Jahren zuvor in die Vereinsarbeit eingebunden. Wann genau hat Sie das "Basketball-Virus" befallen, und was hat den Ausschlag gegeben, sich intensiver mit dem Sport auseinanderzusetzen?
Dem Basketball bin ich seit meiner Schul- und Studentenzeit eng verbunden. Leider war ich zu klein und zu langsam, um auch sportlich ein Wörtchen mitzureden. Da mein Beruf seit vielen Jahren eine rege Reisetätigkeit und Auslandsaufenthalte beinhaltet, habe ich jede Gelegenheit genutzt, mir professionellen Basketball anzusehen. Ich kenne daher die NBA ganz gut, die australische Liga und einige der Top-Ligen in Europa. In Deutschland habe ich in den 90er Jahren den Aufstieg von ALBA Berlin recht gut verfolgen können. Seit 2002 war ich bei den Eisbären Bremerhaven in verschiedenen Funktionen tätig, zuletzt als Beiratsvorsitzender und damit Ratgeber des Klubs und Vertreter der wesentlichen Sponsoren. Uns hat in Bremerhaven die Frage bewegt, ob es möglich ist, in einem sehr schwierigen Umfeld professionellen Basketball dauerhaft zu etablieren. Eine erste Antwort hat die Mannschaft in der vergangenen Saison gegeben, als sie als Aufsteiger bis ins Halbfinale gelangte.

Welche BBL-Themenschwerpunkte liegen Ihnen besonders am Herzen?
Der Stellenwert und die öffentliche Wahrnehmung des Profi-Basketballs in Deutschland sind stark verbesserungsbedürftig. Ein Beispiel aus jüngster Zeit war die nur sehr dürftige Berichterstattung über die Basketball-Weltmeisterschaft in Japan, an der wir immerhin als WM-Dritter, Vize-Europameister und "Mannschaft des Jahres" teilgenommen haben. Wir sind regional teilweise exzellent aufgestellt, spielen aber national nur eine untergeordnete Rolle. Dies erschwert die TV-Vermarktung und damit die Gewinnung von potenten Sponsoren und begrenzt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Vereine. Es ist kein Wunder, das sich unsere Klubs auf europäischer Ebene schwer tun – vergleicht man die zur Verfügung stehenden Budgets und auch die steuerliche Behandlung von zum Beispiel Spielergehältern. Sportlich sind wir, so glaube ich, auf einem ganz guten Weg. Die Leistungsfähigkeit der Mannschaften steigt kontinuierlich, das Leistungsgefälle ist Dank der weltweiten Öffnung hinsichtlich Spielberechtigung trotz deutlich unterschiedlicher Finanzkraft überraschend gering. Damit ist die Liga spannend und attraktiv wie selten zuvor. Es wird jedoch in den nächsten Jahren darauf ankommen, eine wachsende Zahl von jungen deutschen Spielern in die Mannschaften zu integrieren, ohne Abstriche bei der Qualität des Basketballs machen zu müssen. Hier sind wirklich wichtige Schritte eingeleitet worden, die mittelfristig ganz sicher Erfolg haben werden: Ein Mindestbudget aller Klubs für die Ausbildung und Förderung des Nachwuchses, die Nachwuchs-Bundesliga als Plattform und die eingleisige Zweite Liga mit ihrer "Division A", die einer Vielzahl von talentierten jungen Deutschen reichlich Spielpraxis auf hohem Niveau bieten wird.

Wo steht die Liga aktuell, und wo würden Sie diese gerne in den kommenden fünf Jahren sehen?
Die Liga ist für meinen Geschmack noch zu sehr auf die junge Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen mit einem Faible für die amerikanische (Sub-)Kultur ausgerichtet. Einige Klubs zeigen bereits heute, dass eine behutsame Öffnung neue Zielgruppen erschließt und auch dauerhaft an Basketball bindet. Ich würde mir wünschen, dass wir in fünf Jahren auf diesem Weg ein gehöriges Stück vorangekommen sind. Dann erledigen sich auch die Probleme hinsichtlich Medienpräsenz und Sponsorenakquise.

Würden Sie sich eher als "Macher" oder als "Moderator" bezeichnen?
Der Präsident ist ein Mitglied des – ebenfalls neu gewählten – Präsidiums und hat gemeinsam mit den drei anderen Kollegen die Interessen der BBL-Klubs gegenüber der Geschäftsführung, des Deutschen Basketball Bundes und der Öffentlichkeit zu vertreten. Wir sehen uns dabei als Team, in dem jedes Präsidiumsmitglied seine besonderen Stärken und Erfahrungen einbringt.

Hat Ihnen Ihr Vorgänger ein paar Tipps mit auf den Weg gegeben? Und wenn ja, welche?
Natürlich habe ich eine Menge Hintergrundinformationen von Wolfgang Kram bekommen, der dieses Amt immerhin 15 Jahre innehatte und die BBL teilweise durch sehr schwieriges Fahrwasser erfolgreich steuerte. So wie ich ihn kenne, wird er uns auch künftig mit gutem Rat zur Seite stehen.

Wenn Sie gefragt würden, wer die Favoriten auf den Gewinn der Deutschen Meisterschaft sind, was würden Sie antworten?
Es gibt fünf Klubs, die etwas mehr Geld für Spielerverpflichtungen zur Verfügung haben als der Rest der Liga. Also sollten Bamberg, Berlin, Köln, Frankfurt und Oldenburg den Meister unter sich ausspielen. Aber dann kommt wieder ein Team aus einem kleinen gallischen Dorf...

Presseinfo: Basketball-Bundesliga (Dirk Kaiser)

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