BG Karlsruhe

Großes Kino noch vor der Oscar-Nacht

Lomax am 06.03.2006 um 10:14

Medienprofi Günter Knappe brachte es in seiner Hit-1-Reportage vor dem Spiel auf den Punkt: "Das wird ein heißes Match im Abstiegskampf, denn auch die Giessener haben den Klassenerhalt noch nicht gesichert." Und bei diesem Vorzeichen verwundert es nicht, dass im Vorfeld der Partie Respektsbezeugungen ausgetauscht wurden: "Gießen ist ein schwieriger Gegner. Wir müssen 40 Minuten mit Intensität und Intelligenz spielen, wenn wir gewinnen wollen." (Horst Schmitz), "Karlsruhe hat eine durchaus erstligataugliche Mannschaft." (Anton Gavel). Und natürlich hatten es sich beide Headcoaches vorbehalten, für diesen Anlass Überraschungen aus der Trickkiste zu zaubern: Vor dem Spiel jubelte der Anhang der 46ers bereits das erste Mal, als sich abzeichnete, dass Chuck Eidson nach einer achtmonatigen Pause nach einem Kreuzbandriss sein Comeback geben würde. Und auf Karlsruher Seite durfte man gespannt sein, wie sich Kenneth Brunner einführen würde, und wie Derrick Allen nach seiner Verletzungspause ins Spiel findet.

4.200 Zuschauer, unter ihnen der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga Jan Pommer gaben diesem Spiel einen würdigen Rahmen, und die Akteure zahlten es mit einem Thriller auf dem Parkett zurück. Den deutlich besseren Start in diese Begegnung erwischten die Gäste, die mit Adam Chubb unter dem Korb immer eine Anspielstation fanden, die für Punkte sorgte. Die Hälfte der 24 Gästepunkte in den ersten zehn Minuten wurden von ihm erzielt. Die BG hatte exakt sechs Minuten gebraucht, um mit dem Ausgleich zum 12:12 durch Brunner ins Spiel zu finden. Danach schien sie sich zufrieden zurückzulehnen, und gestattete sich einen 2:10-Lauf. Im zweiten Viertel verhinderte eine aggressive und konzentrierte Defensivleistung der Gießener anfangs eine Aufholjagd der BG, ehe Horst Schmitz auf Zone umstellte. Plötzlich lief es besser für die Hausherren und Derrick Allen, der mit neun Punkten in diesem Viertel demonstrierte, dass er zu alter Stärke zurückgefunden hat, sorgte für den knappen 40:43-Halbzeitstand.

Nach der Pause bekamen die Zuschauer dann die Schokoladenseite der BG präsentiert: In einem kampfbetonten Viertel holte man sich die Rebounds, fand immer wieder Löcher in der Gießener Defense, die nun dem hohen Anfangstempo und einer wachsenden Foulbelastung Tribut zollen musste. Mit 54:47 lag die BG in Front, als Hartenstein sein viertes Foul bekam. Danach zogen die Badener zwischenzeitlich auf 15 Punkte (64:59) davon, und Stefan Koch kassierte bei diesem Zwischenstand eine Minute vor Ende des Viertels zu allem Überfluss noch ein Technisches Foul. Mit 66:51 ging es in die letzten zehn Minuten, und Anton Gavel bewies einmal mehr, dass er eine der großen Kämpfernaturen dieser Liga ist. Elf Punkte schenkte der ehemalige Karlsruher der BG ein, und brachte sein Team drei Minuten vor Schluss noch einmal auf drei Punkte zum 70:67 heran.

In der Schlussphase der Partie brachen dann bei den Gästen alle Dämme: Erst ging Chubb mit seinem fünften Foul vom Parkett, ihm folgte kurz vor Ende Anton Gavel. Und als Stefan Koch seine besten Spieler nicht mehr einsetzen konnte, mit Elder nur noch einen punktenden Aktivposten zur Hand hatte, verabschiedete er sich mit einem weiteren technischen Foul für die Schlusssekunden in die Katakomben der Europahalle. Er verpasste allerdings nur noch die sicher verwandelten Freiwürfe von Derrick Allen zum 80:74-Endstand. Und während die Karlsruher Fans ihre Helden feierten, analysierte Koch in der Pressekonferenz nüchtern, dass seinem Team die Konstanz gefehlt habe. Es seien nicht nur die Punkte im zweiten und dritten Viertel, sondern auch die bessere Reboundquote der Karlsruher gewesen, die den Ausschlag gegeben habe. Diese Aussage dürfte vor allen Dingen Narcisse Ewodo gefreut haben, tauschte er an diesem Abend doch seine obligatorische Rolle als Topscorer seines Teams für die des besten Rebounders. Kochs Abschiedsgruß an seinen ehemaligen Co-Trainer Horst Schmitz lautete: "Karlsruhe hat gewonnen, Horst und seine Mannschaft haben das gut gemacht. Glückwunsch!"

Dieses Lob hatte die BG sich mit einer großartigen Teamleistung, in der jeder seine Rolle angenommen und ausgefüllt hatte, verdient. Ausruhen darf sie sich darauf natürlich nicht, denn bereits am Dienstag geht es zum äußerst schwierigen Nachholspiel bei Rheinenergie nach Köln. Und dort brüten Marko Jovanovics ehemalige Teamkollegen wohl bereits über dem Video, dass RheinEnergie extra beim Gießen-Spiel hatte machen lassen. Man darf auf die Erkenntnisse und Reaktionen gespannt sein: Kenneth Brunner hat sich auf Karlsruher Parkett gut eingeführt, und Rouven Roessler hat sich mit einem starken letzten Viertel wieder zurückgemeldet.

Der BG ist damit ein nicht ganz unwichtiger Schritt im Abstiegskampf gelungen, den Jan Pommer mit positiven Eindrücken und Äußerungen vom Erstligastandort Karlsruhe bei seinem Interview auf Hit-1 schon vor der Partie noch bereicherte. Und der neue Hosensponsor "ascent" durfte sich freuen, dass sein Engagement gleich mit einem Heimerfolg gekrönt wurde.

Für die BG trafen: Allen 21, Roessler 17/2, Jones11/1, Svitek 9/1, Brunner 8, Jovanovic 8, Ewodo 6/1.

Beste Schützen der Giessen 46ers: Gavel 18/1, Elder 18/1, Chubb 13, Anrin 11/3.

Presseinfo: BG Karlsruhe (Olav Sprenger)

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