ProA
Nördlinger Offenbarungseid gegen Langen
Lomax am 08.01.2006 um 15:40
Es war nicht schön, es war nicht spannend, es war nicht toll. Es war ein basketballerischer Offenbarungseid, den die Nördlinger Basketballherren zum Jahresauftakt in eigener Halle vor rund 1.300 hoffnungsvollen Zuschauern abgaben. 81:90 lautete die vierte Heimniederlage im siebten Heimspiel am vergangenen 14. Spieltag. Der Gegner, Tabellennachbar TV Langen, gewann ein schlechtes Spiel aufgrund eines weniger schwach ausgeprägten Siegeswillens und durch eine Freiwurfquote (32/39, 82%), von denen die Rieser soweit weg sind wie die Erde vom Mond (12/28, 43%). Es mag wenig überraschen, dass die Nördlinger in dieser Kategorie an letzter Stelle aller Süd-Teams liegen.
Man ging mit viel Optimismus in dieses richtungweisende Spiel. Tabellenzehnter gegen den Elften, beide mit 10:16-Punkten und der einmaligen Chance, bei einem Sieg in der Tabelle einen gewaltigen Satz nach vorne zu machen. Nun, da ist Langen nun auch: Platz 8 mit 12:16-Punkten. Beide Teams starteten mit einer Mannverteidigung, die anfangs eher einem von Nördlingen einseitig beschlossenen Nichtangriffspakt glich.
Anders die Hessen: Gerade dreieinhalb Minuten waren gespielt, da sah man sich schon mit vier Teamfouls belastet. Hätten die Rieser auch mal so hingelangt: Langens Centerroutinier Karaman nutzte die Freiheiten, die ihm sein Gegenspieler liess und erzielte in vier Minuten neun von elf Punkten, vornehmlich aus der Mitteldistanz und sogar einmal von jenseits der Dreierlinie (9:11). Die Einheimischen mit dem System "run and gun" ließen es eher nachweihnachtlich besinnlich angehen. Und wie das mal so ist im Basketball: nach zehn Minuten ist das erste Viertel vorbei und man liegt mit 17:24-Punkten hinten. Zu diesem Zeitpunkt hat Nördlingen schon vier von sechs Freiwürfen versemmelt, obwohl Coach Nagy drei frische Kräfte ins das Treiben warf. Fehlende Kraft darf also als Grund für das Versagen an der Linie nicht herhalten.
Das zweite Viertel begann mit dem einzigen Lichtschein an diesen Abend aus Nördlinger Sicht: Innerhalb von zwei Minuten waren die Rieser mit 23:24 an ihren Gästen dran. Nach langer Zeit wieder ein schönes Anspiel auf Kevin Hanson in die Zone und Punkte von Dominique Klein und Cedric Brooks liessen etwas Stimmung aufkommen. Dann ging das Licht wieder aus: katastrophale Ballverluste – in der ersten Halbzeit wurde der Ball 10-mal verloren, vertändelt, verspielt -, ließen die Langener wieder etwas davonziehen (23:29, 14. Min.). Die Gastgeber kamen nur durch Einzelaktionen, und hier auch nur vereinzelt, zu punkten. Jedem Rieser Treffer wurden mindestens zwei hessische Einschläge entgegengesetzt.
Nördlingen versuchte nun mit Mario Probst und Cedric Brooks zusammen auf dem Feld das lahme Spiel der Hausherren zu beleben. Doch es blieb bei dem Versuch. Ein schnelles Passspiel wurde von den Riesern durch fragwürdig langes eigenes aktionsarmes Ballhalten unterbunden, freie Anspielstationen fanden sich ebenso schwer wie schnell. Kurz: Das Spiel der Nördlinger war viel zu statisch. So gewannen die Hausherren zwar das zweite Viertel mit 19:18, sind den Gästen aber nicht wirklich näher gekommen (36:42-Halbzeitstand).
Wer nun gehofft hatte, dass auch der letzte Nördlinger Spieler nach dem Halbzeittee aus dem Weihnachtsurlaub auf das Parkett zurückgekommen ist, sah sich getäuscht. Bis zur 24. Minute bauten die Gäste ihren Vorsprung wieder auf aus ihrer Sicht "beruhigende" acht Punkte aus (42:50). Doch dann geradezu eine Leistungsexplosion der Einheimischen. Drei Spielzüge mit einigen wenigen schnellen Pässen brachten sechs Punkte und man war auf 48:50 heran (25. Minute).
Doch so schnell wie das Feuer der Leidenschaft aufflammte, so schnell erlosch es wieder. Die Langener konterten mit ihren Langen, Karaman und Burch. 14 (!!) Punkte durch die Centergarde der Gäste in dieser Situation bei sechs Nördlinger Gegenpunkten bedeuteten einen 59:64–Rückstand Ende des dritten Viertels für die Gastgeber und waren ein deutliches Zeichen an die Nördlinger, doch bitte endlich aufzuwachen. Wenn schon vorne nichts geht muss man es den Gästen hinten doch nicht so leicht machen. In der 38. Minute und nach weiteren vier verworfenen Nördlinger Freiwürfen kamen die Langener dann bei ihrem höchsten Vorsprung an: 65:79. Längst äußerten die sonst sehr duldsamen Fans ihren Unmut mit Pfiffen Richtung Nördlinger Mannschaftsleistung. In der letzten Spielminute dann noch ein Highlight aus Nördlinger Sicht. Mario Matic erzielt die Punkte 73 und 74, die Gäste vertändeln beim Einwurf den Ball und Cedric Brooks legt sofort zwei Punkte nach zum 76:81. Doch die taktischen Fouls am Ende des Spiels, die allesamt an der Freiwurflinie der Rieser endeten, brachten nicht den gewünschten Erfolg eines schnellen Ball- und Punktegewinns. Neun von 12 Freiwürfen konnten die Langener in der letzten Minute verwerten und das Spiel mit 90:81 gewinnen.
Das Nördlinger Team, erstmals in dieser Saison komplett und bis auf Mirko Anastasov verletzungsfrei, präsentierte sich einfach schlecht, taktisch undiszipliniert und nicht als geschlossene Mannschaft. Die Zeiten des "Friede, Freude, Eierkuchen" sind vorbei, die Leistungen jedes einzelnen müssen hinterfragt werden. Die Mannschaft hat sicherlich das Zeug zu mehr, doch wird spätestens jetzt von ihr und nicht von Fans oder Umfeld eine Reaktion auf die vergangenen Leistungen erwartet. Ein Durchsacken auf Rang 14, eine vergebene Chance auf einen möglichen guten Tabellenplatz, ein fehlendes Aufbäumen des Teams, zahlreiche Sponsoren und Ehrengäste in der Halle– es gibt genügend Gründe richtig sauer zu sein. Hoffentlich merkt dies das Nördlinger Herrenteam auch.
Der Scouting-Computer passte sich dem schlechten Spiel an und verabschiedete sich in der zweiten Halbzeit mit technischem Defekt, weshalb jetzt noch keine Quoten vermeldet werden können.
Beste Werfer bei den Nördlingern waren: Hanson (27 Punkte), Brooks (17). Bei Langen erzielten Karamann (25), Burch (15).
Die genauern Statistiken werden noch nachgereicht.
Presseeinfo: TSV 1861 Nördlingen (Thomas Lambertz)
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Man ging mit viel Optimismus in dieses richtungweisende Spiel. Tabellenzehnter gegen den Elften, beide mit 10:16-Punkten und der einmaligen Chance, bei einem Sieg in der Tabelle einen gewaltigen Satz nach vorne zu machen. Nun, da ist Langen nun auch: Platz 8 mit 12:16-Punkten. Beide Teams starteten mit einer Mannverteidigung, die anfangs eher einem von Nördlingen einseitig beschlossenen Nichtangriffspakt glich.
Anders die Hessen: Gerade dreieinhalb Minuten waren gespielt, da sah man sich schon mit vier Teamfouls belastet. Hätten die Rieser auch mal so hingelangt: Langens Centerroutinier Karaman nutzte die Freiheiten, die ihm sein Gegenspieler liess und erzielte in vier Minuten neun von elf Punkten, vornehmlich aus der Mitteldistanz und sogar einmal von jenseits der Dreierlinie (9:11). Die Einheimischen mit dem System "run and gun" ließen es eher nachweihnachtlich besinnlich angehen. Und wie das mal so ist im Basketball: nach zehn Minuten ist das erste Viertel vorbei und man liegt mit 17:24-Punkten hinten. Zu diesem Zeitpunkt hat Nördlingen schon vier von sechs Freiwürfen versemmelt, obwohl Coach Nagy drei frische Kräfte ins das Treiben warf. Fehlende Kraft darf also als Grund für das Versagen an der Linie nicht herhalten.
Das zweite Viertel begann mit dem einzigen Lichtschein an diesen Abend aus Nördlinger Sicht: Innerhalb von zwei Minuten waren die Rieser mit 23:24 an ihren Gästen dran. Nach langer Zeit wieder ein schönes Anspiel auf Kevin Hanson in die Zone und Punkte von Dominique Klein und Cedric Brooks liessen etwas Stimmung aufkommen. Dann ging das Licht wieder aus: katastrophale Ballverluste – in der ersten Halbzeit wurde der Ball 10-mal verloren, vertändelt, verspielt -, ließen die Langener wieder etwas davonziehen (23:29, 14. Min.). Die Gastgeber kamen nur durch Einzelaktionen, und hier auch nur vereinzelt, zu punkten. Jedem Rieser Treffer wurden mindestens zwei hessische Einschläge entgegengesetzt.
Nördlingen versuchte nun mit Mario Probst und Cedric Brooks zusammen auf dem Feld das lahme Spiel der Hausherren zu beleben. Doch es blieb bei dem Versuch. Ein schnelles Passspiel wurde von den Riesern durch fragwürdig langes eigenes aktionsarmes Ballhalten unterbunden, freie Anspielstationen fanden sich ebenso schwer wie schnell. Kurz: Das Spiel der Nördlinger war viel zu statisch. So gewannen die Hausherren zwar das zweite Viertel mit 19:18, sind den Gästen aber nicht wirklich näher gekommen (36:42-Halbzeitstand).
Wer nun gehofft hatte, dass auch der letzte Nördlinger Spieler nach dem Halbzeittee aus dem Weihnachtsurlaub auf das Parkett zurückgekommen ist, sah sich getäuscht. Bis zur 24. Minute bauten die Gäste ihren Vorsprung wieder auf aus ihrer Sicht "beruhigende" acht Punkte aus (42:50). Doch dann geradezu eine Leistungsexplosion der Einheimischen. Drei Spielzüge mit einigen wenigen schnellen Pässen brachten sechs Punkte und man war auf 48:50 heran (25. Minute).
Doch so schnell wie das Feuer der Leidenschaft aufflammte, so schnell erlosch es wieder. Die Langener konterten mit ihren Langen, Karaman und Burch. 14 (!!) Punkte durch die Centergarde der Gäste in dieser Situation bei sechs Nördlinger Gegenpunkten bedeuteten einen 59:64–Rückstand Ende des dritten Viertels für die Gastgeber und waren ein deutliches Zeichen an die Nördlinger, doch bitte endlich aufzuwachen. Wenn schon vorne nichts geht muss man es den Gästen hinten doch nicht so leicht machen. In der 38. Minute und nach weiteren vier verworfenen Nördlinger Freiwürfen kamen die Langener dann bei ihrem höchsten Vorsprung an: 65:79. Längst äußerten die sonst sehr duldsamen Fans ihren Unmut mit Pfiffen Richtung Nördlinger Mannschaftsleistung. In der letzten Spielminute dann noch ein Highlight aus Nördlinger Sicht. Mario Matic erzielt die Punkte 73 und 74, die Gäste vertändeln beim Einwurf den Ball und Cedric Brooks legt sofort zwei Punkte nach zum 76:81. Doch die taktischen Fouls am Ende des Spiels, die allesamt an der Freiwurflinie der Rieser endeten, brachten nicht den gewünschten Erfolg eines schnellen Ball- und Punktegewinns. Neun von 12 Freiwürfen konnten die Langener in der letzten Minute verwerten und das Spiel mit 90:81 gewinnen.
Das Nördlinger Team, erstmals in dieser Saison komplett und bis auf Mirko Anastasov verletzungsfrei, präsentierte sich einfach schlecht, taktisch undiszipliniert und nicht als geschlossene Mannschaft. Die Zeiten des "Friede, Freude, Eierkuchen" sind vorbei, die Leistungen jedes einzelnen müssen hinterfragt werden. Die Mannschaft hat sicherlich das Zeug zu mehr, doch wird spätestens jetzt von ihr und nicht von Fans oder Umfeld eine Reaktion auf die vergangenen Leistungen erwartet. Ein Durchsacken auf Rang 14, eine vergebene Chance auf einen möglichen guten Tabellenplatz, ein fehlendes Aufbäumen des Teams, zahlreiche Sponsoren und Ehrengäste in der Halle– es gibt genügend Gründe richtig sauer zu sein. Hoffentlich merkt dies das Nördlinger Herrenteam auch.
Der Scouting-Computer passte sich dem schlechten Spiel an und verabschiedete sich in der zweiten Halbzeit mit technischem Defekt, weshalb jetzt noch keine Quoten vermeldet werden können.
Beste Werfer bei den Nördlingern waren: Hanson (27 Punkte), Brooks (17). Bei Langen erzielten Karamann (25), Burch (15).
Die genauern Statistiken werden noch nachgereicht.
Presseeinfo: TSV 1861 Nördlingen (Thomas Lambertz)
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