ProA

Eene meene muh...

Lomax am 23.12.2005 um 11:15

Der Normalfall ist eingetreten. Zweitligist Jena verlor vor 700 Zuschauern gegen den BBL-Vertreter der BG Karlsruhe klar mit 56:84 (HZ 33:49) und schied aus dem laufenden Pokalwettbewerb aus. Es bestätigte sich, zumindest aus Sicht der Thüringer, dass der Basketball-Vereinspokal keine eigenen Gesetze hat. Reichlich Spielzeit bekamen diesmal Jenas Youngster, die sich im Rahmen der Begegnung hervorragend präsentierten und ihren Trainer nicht enttäuschten.

Oliver Golla überzeugte in seinen knapp 20 Minuten mit sehr intensiver Verteidigung, setzte zudem auch in der Offensive wichtige Akzente, während Lukas Hoepke Jenas Spiel über gut 15 Minuten strukturierte. Doch auch die verbliebenen Spieler, der sonst nur mit wenige Einsatzzeit bedachte 2. Reihe bekam ausreichend Gelegenheit ihre Leistungsfähigkeit anzudeuten. So zeigten Ingo Stein, Michael Haucke und Björn Blossey durchweg sehr solide Leistungen im Verlauf ihrer Auftritte.

Nachdem die erdgas baskets im Vorjahr der EnBW Ludwigsburg einen großen Kampf geliefert hatten, merkte man den Saalestädtern im X-Mas Game gegen die Badener das sich zum Jahresende langsam leerende Akku an. Die letzten Wochen waren anstrengend, die physischen und mentalen Strapazen in den Duellen gegen die Spitzenteams hinterließen deutliche Spuren. Mit spannenden und umkämpften Spielen in Kaiserslautern, gegen Chemnitz, in Heidelberg, gegen Bayreuth und in Ulm überzeugte der Thüringer Bundesligist im "heißen Winter der Liga", musste am gestrigen Abend jedoch einem Gegner Tribut zollen, der schlicht und ergreifend "eine Nummer zu groß" war.

Ein zusätzlicher und natürlich nicht unerheblicher Faktor der Niederlage ergab sich durch das Fehlen des Jenaer Kapitäns Oliver Braun, der zu Wochenbeginn von Kniespezialist Dr. Frenzel in Berlin-Pankow am Meniskus operiert wurde. Der 2,08m große Center wurde nicht nur als Anspielstation unter dem Badener Korb schmerzlich vermisst, sondern fehlte auch in der Verteidigung als "Turm in der Schlacht". Zwar mussten auch die Gäste mit Narcisse Ewodo (Grippe) und Jens-Uwe Gordon (Knieprobleme) auf zwei Leistungsträger verzichten, diese Lücken kompensierten die Gäste allerdings durch eine enorm tiefe Bank, die ihrer Starting 5 in dieser Partie sehr produktiv zur Seite stand.

Alles in allem entwickelte sich nach einer ausgeglichenen Startphase ein ungleiches Spiel. Gregory Burks stealte den Ball nach verlorenem Tip-Off, setzte seinen Layup allerdings vorbei, Lars Buss ereilte im folgenden Angriff dasselbe Schicksal. Zu diesem Zeitpunkt führten die Karlsruher mit 0:3. Jenas Anhänger mussten sich knapp 2 ½ Minuten gedulden, bis Gregor Linke aus der Distanz traf und das Publikum Platz nehmen konnte. Danach ging es Schlag auf Schlag. Die Baden-Württemberger setzten sich auf 3:10 (4.) ab, bevor Jena die Auszeit nahm. Beim 7:10 wäre es den erdgas baskets tatsächlich fast gelungen den Anschluss herzustellen, Derrick Allen erhöhte im Gegenzug jedoch wieder auf 7:12. Einem Korb von Lars Buss zum 9:12 folgte postwendend Mballas 9:14. Die Begegnung schien wie in der Fabel von Hase und Igel zu verlaufen. Nach einem technischen Foul gegen die Jenaer Bank, die eine im ersten Viertel zu großzügige Leitung der Unparteiischen bemängelte, war es wiederum Allen, diesmal an der Freiwurflinie, der sein Team auf Siegeskurs brachte (9:20, 8.). Bereits nach dem ersten Abschnitt führte der Erstligist mit 13:28.

Auch im zweiten Viertel hatte Karlsruhe die Partie fest im Griff. Allein die verlockende Aussicht mit zwei weiteren Siegen in den folgenden Runden das TOP4 erreichen zu können, beflügelte den Tabellen13. der BBL. Jenaer Korberfolge konterten die durchgängig hochkonzentriert agierenden Badener mit Abgeklärtheit und so verlief die weitere Partie ohne Höhepunkte – bis kurz vor Halbzeit. Beim Spielstand von 28:47 fing Ronnie Taylor einen Ball der Gäste ab, um ihn, den Fastbreak laufend, auf Oli Golla zu passen, der mit einem krachenden und das Korbgestänge unruhig zitternd hinterlassenden Dunk die Fans von den Sitzen riss. Ein And1 von Gregor Linke beendete die erste Hälfte mit 33:49.

Auch in der zweiten Hälfte blieb das Bild unverändert. Während beim Thüringer Bundesligisten der Korb wie vernagelt schien – mindestens 10 Jenaer Layups rollten am BG-Korb vorbei oder raus - fiel bei der BG fast alles. Troy DeVries (6/7, 15 Pkt.) und Derrick Allen (5/5, 14) glänzten mit traumhaften Quoten, während Chuck Evans umsichtig das Spiel leitete. Der in Liga 1 bisher noch nicht aktive Fabrice Mballa (12 Pkt) überzeugte zwar weniger an der Freiwurflinie (2/8), bestach allerdings durch seine athletischen Fähigkeiten.

Bei Ronnie Taylors 39:64 in der 25. Minute war der Drops des Spiels längst gelutscht und so trennten sich die Kontrahenten parallel punktend zur letzten Viertelpause mit 43:69. Zu diesem Zeitpunkt spielte bereits Jenas 2. Reihe und machte auf dem Parkett keine schlechte Figur. Da zum Ende der Druck der Gäste abnahm, verkürzten die erdgas baskets und gewannen letztendlich den abschließenden Spielabschnitt mit 13:12.

Das Team von Horst Schmitz zeigte sich im Verlauf der Partie extrem konzentriert und auf das Weiterkommen im Pokal fixiert. Eine frühzeitige Anreise am Dienstag, Spielbeobachtung der Jenaer in Heidelberg und Videoanalysen – nichts wurde dem Zufall überlassen, um die "Riesenchance Pokal" realisieren zu können.

Für die Thüringer hingegen endet die Belastung eines für Zweitligisten unlukrativen Wettbewerbs, der bei näherer Betrachtung des aktuellen Spielmodus aus wirtschaftlichen und sportlichen Gesichtspunkten von Jahr zu Jahr an Glanz verliert. Beängstigende Zuschauerzahlen im Vergleich zu Liga-Duellen und die Chancenlosigkeit der "Kleinen" im Duell mit zum Teil 8 Amerikanern, Cotonous oder Balten antretenden BBL-Clubs sollten Verantwortlichen die Ansätze über eine Neustrukturierung des Pokalmodus liefern.

Presseinfo: erdgas baskets Jena (Tom Prager)

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